Fehmarnbelttunnel

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Dieser Artikel behandelt das Tunnelbauwerk; zum Gesamtprojekt der Querung und den zusätzlichen Aus- und Umbaumaßnahmen auf Lolland und Fehmarn siehe Feste Fehmarnbeltquerung.
Fehmarnbelttunnel DeutschlandDeutschland
Femern Bælt-tunnelen DanemarkDänemark
Nutzung Straßen- und Eisenbahntunnel
Verkehrsverbindung Vogelfluglinie
Ort Fehmarnbelt
Länge 17.600 m
Anzahl der Röhren 4[1]
Querschnitt 376 m²[1]
Bau
Bauherr Femern A/S
Baukosten 5,5 Mrd. € (Kostenschätzung Juni 2011)[1]
Baubeginn Frühjahr 2015 (geplant)[2]
Fertigstellung 2021 (geplant)[2]
Planer Femern A/S[2]
Betrieb
Maut ja, Höhe noch unbekannt[2]
Lage der geplanten Fehmarnbeltquerung
Fehmarnbeltbrücke.svg
Lage
Fehmarnbelttunnel (Dänemark)
Red pog.svg
Red pog.svg
Koordinaten
Portal Puttgarden 54° 29′ 50,7″ N, 11° 13′ 56,8″ O54.49741211.232448
Portal Rødbyhavn 54° 39′ 5,8″ N, 11° 22′ 3,6″ O54.65161611.367674

Der Fehmarnbelttunnel (dänisch Femern Bælt-tunnelen) ist ein geplanter, 17,6 Kilometer langer Straßen- und Eisenbahntunnel unter der Ostsee zwischen der deutschen Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland zur Querung des Fehmarnbelts.[2] Nach seiner Fertigstellung wird er der längste Untersee-Autotunnel der Welt sein. Der Tunnel wird Teil einer als Vogelfluglinie bezeichneten europäischen Verkehrsverbindung sein. Seit 1963 wird die Ostseequerung dieser Verbindung durch Fähren zwischen Puttgarden und Rødbyhavn betrieben.

Baubeginn des als Absenktunnel geplanten und ausgeschriebenen Projekts soll das Jahr 2015 sein. Bis 2021Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren sollen die Arbeiten abgeschlossen und der Tunnel für den Verkehr freigegeben werden.[2][1] Dem Entschluss, einen Tunnel zu bauen, gingen mehrere Jahre der Planung und der Diskussion darüber voraus, ob und in welcher Weise der Fehmarnbelt durch ein Bauwerk gequert werden soll.

Besonders der dänische Staat trieb die Planung und Umsetzung des Tunnelbaus durch politische Entscheidungen voran, vor allem durch die Übernahme der gesamten Baukosten des Tunnels. Die Planung und der spätere Betrieb werden deshalb von der speziell für das Projekt gegründeten staatlichen dänischen Gesellschaft Femern A/S übernommen.[3]

Beschreibung des Bauwerks[Bearbeiten]

Der Fehmarnbelttunnel wird als Absenktunnel gebaut werden. Dazu wird ein Graben in den Meeresgrund gebaggert, in den vorgefertigte Tunnelelemente aus Beton abgesenkt und verbunden werden. Danach wird der Tunnel mit einer Schutzschicht aus großen Steinen und einer Sandschicht zur Wiederherstellung des Meeresgrunds abgedeckt. Insgesamt werden 79 Standardelemente und 10 Spezialelemente von je 217 m Länge benötigt. Die Standardelemente werden 42 m breit und 9 m hoch sein und vier Röhren für den Verkehr, sowie eine Rettungsröhre enthalten. Die Spezialelemente sollen drei Meter breiter und vier Meter höher sein, um zusätzlich Platz für Haltebuchten und Anlagentechnik zu bieten.[4][5]

Durch die vier Tunnelröhren werden sowohl Straßenfahrzeuge als auch Züge für jede Richtung getrennt. Besonders die separaten Richtungsfahrbahnen der Straße erhöhen die Sicherheit im Tunnel. Jede Richtungsfahrbahn wird zudem mit zwei Fahrstreifen und einem vollwertigen Standstreifen ausgestattet sein.[6]Die Geschwindigkeit für Pkw wird 110 km/h betragen. [7] Die Röhren für den Zugverkehr erlauben Geschwindigkeiten bis zu 200 km/h.[4]

Zur Erhöhung der Sicherheit im Tunnel wird, neben den üblichen Lösch-, Verkehrsleit- und Überwachungssystemen, durchgehend ein Mobilfunknetz zur Verfügung stehen und eine sich verändernde Beleuchtung der Ermüdung des Fahrers vorbeugen.[6]

Die Tunnelportale sollen den Planungen zufolge sowohl auf Fehmarn als auch auf Lolland unmittelbar östlich der bestehenden Fährhäfen gebaut werden.

Fertigung und Bau[Bearbeiten]

Die Planungsgesellschaft hat das Tunnelprojekt in vier Baulose unterteilt: „Tunnel Nord“, „Tunnel Süd“, „Portale und Rampen“ und „Vertiefung des Meeresbodens und Landgewinnung“. Auf Fehmarn und Lolland werden Baustellen mit kleinen Baustellenhäfen eingerichtet, über die ein Teil des Materialtransports abgewickelt werden soll. In Rødbyhavn wird zudem eigens eine Fabrik für die Serienproduktion der Tunnelelemente errichtet.

Kosten und Finanzierung[Bearbeiten]

Die Kosten für den Tunnel belaufen sich auf 5,5 Mrd. Euro, wie 2011 in einer Kostenschätzung festgestellt und im Sommer 2013 bestätigt wurde.[8] Über eine staatliche Betreibergesellschaft wird Dänemark der Eigentümer des Tunnels sein und das gesamte Projekt durch Kredite vorfinanzieren. Eine Tilgung dieser Kredite soll durch Mauteinnahmen geschehen. Der Tunnel sowie die dänische Hinterlandanbindung wird sich Schätzungen zufolge nach 39 Jahren amortisiert haben.[3]

Entwicklung des Bauprojektes[Bearbeiten]

Politische Entscheidung[Bearbeiten]

Ausschlaggebend für die Entscheidung zum Bau des Fehmarnbelttunnels (anstelle einer ebenfalls diskutierten Brücke) waren der Empfehlung der Planungsgesellschaft Femern A/S zufolge verschiedene Punkte. Zum einen stellt ein Tunnel kein Hindernis für die Schifffahrt am Fehmarnbelt dar, zum anderen wird das technische Risiko beim Bau eines Tunnels als geringer angesehen, auch wenn dieser im Vergleich zu anderen Projekten in größerer Wassertiefe errichtet werden muss.[9]

Am 1. Februar 2011 billigte das dänische Parlament Pläne zur Realisierung der Fehmarnbeltquerung mit einem Absenktunnel, wie von der Planungs- und Betreibergesellschaft Femern A/S vorgeschlagen. Hauptargumente waren dabei die Erwartung geringerer Kosten und Umweltbeeinflussung. Damals wurde noch mit einem Baubeginn im Jahr 2014 und einer Eröffnung 2020 gerechnet.[10]

Trassierung[Bearbeiten]

Die Trassierung der eigentlichen Beltquerung ist Gegenstand der Planfeststellung. Die voraussichtlich erforderlichen Ausbaumaßnahmen für den dänischen nördlichen und den deutschen südlichen Zulauf auf der Bahntrasse sind politisch noch nicht entschieden. Auch die Beschränkungen durch die vorhandene Trasse der bestehenden Vogelfluglinie (eingleisige Bahntrasse bzw. zweibahnige Straße) sind bisher auf deutscher Seite nicht Gegenstand einer neuen Planfeststellung.

Die Frist für Einwendungen im Planfeststellungsverfahren für den Tunnel endete am 3. Juli 2014. Am Tag zuvor lagen nach Angaben von Femern A/S 1800 Einwendungen vor.[11]

Ausschreibung und Vergabe[Bearbeiten]

Im Herbst 2012 startete die Planungsgesellschaft die Vergabe mit einem Präqualifikationsverfahren, in dessen Rahmen interessierte Bauunternehmen und Konsortien darlegen mussten, dass sie sowohl technisch, als auch wirtschaftlich in der Lage sind, eines oder mehrere der vier Baulose abzuwickeln. Am 27. Mai 2013 wurde bekanntgegeben, dass alle neun Bewerber das Verfahren erfolgreich durchlaufen haben und für die Angebotserstellung zugelassen sind.[12]

Die offizielle internationale Ausschreibung des Projektes erfolgte am 27. August 2013 bei einem ersten Treffen von Vertretern der präqualifizierten Konsortien und des Auftraggebers in Kopenhagen.[8]

Für das Projekt wurden 17 Angebote abgegeben. Es gliedert sich in vier Hauptbauaufträge:

  • Ausbaggern der 18 km langen und 12 m tiefen Rinne im Meeresboden,
  • Herstellen und Einbauen des Absenktunnels,
  • Anlage der nördlichen und südlichen Tunnelportale,
  • Straßen- und Schienenanbindungen beiderseits des Tunnels.[13]

Kritik[Bearbeiten]

Auf deutscher Seite hat sich ein „Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbelt-Querung“ gegründet und hat im Falle einer Baugenehmigung Klagen angekündigt. Im Rahmen des Planfeststellungsverfahren gingen beim Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein 3100 Einwendungen ein. Die Kritik am Tunnel betrifft hauptsächlich folgende Aspekte:

  • Gefahren für die Umwelt: Das Aktionsbündnis gegen den Tunnel sieht die marine Ökologie durch Baggerarbeiten beeinträchtigt, sollte es zu ausgedehnten Sedimentfahnen durch die Ostsee kommen
  • Gefährdung der Ostseeküsten: Eintrübung vor allem im Bereich Fischland-Darß
  • Havarierisiken: Umweltkatastrophe bei einem möglichen Zusammenstoß eines vollbeladenen Öltankers mit schwimmend bereitgehaltenen Tunnelsegmenten
  • Rechtliche Mängel: Klagen wurden vom Aktionsbündnis und BUND bei der EU-Kommission, weil sie das Naturschutzrecht verletzt sehen.
  • Technische Probleme: Der Vorsitzende des Aktionsbündnisses sieht diese vor allem in den Bereichen der Sicherheit - etwa beim Brandschutz - und der Ventilation.
  • Unrealistische Verkehrsprognosen: Basis der Planungen war die Annahme, dass der Pkw-Verkehr stark zunimmt - insbesondere durch den Tourismus. Projektgegner halten diese Annahme für unwahrscheinlich.[14]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Femern A/S: Planungsgesellschaft innerhalb der dänischen Sund & Bælt Holding A/S

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d "Zahlen, Daten, Fakten: Der Absenktunnel". Femern A/S, abgerufen am 30. Mai 2013 (PDF; 211 kB).
  2. a b c d e f "Die Feste Fehmarnbeltquerung: Projektprofil". Femern A/S, abgerufen am 30. Mai 2013 (PDF; 154 kB).
  3. a b Wie hoch sind die Kosten und wer bezahlt? Femern A/S, abgerufen am 31. Mai 2013.
  4. a b Standardelemente. Femern A/S, abgerufen am 6. September 2013.
  5. Spezialelemente. Femern A/S, abgerufen am 6. September 2013.
  6. a b Welche Sicherheitsvorkehrungen werden im Fehmarnbelttunnel getroffen? Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein, abgerufen am 6. September 2013.
  7. Fehmarnbelttunnel bricht alle Rekorde Seite der Betreibergesellschaft
  8. a b Ausschreibungsverfahren gestartet. In: Fehmarnsches Tagesblatt vom 28. August 2013, Jahrgang 158, Nr. 200, S. 1.
  9. Die technische Vorzugslösung für das UVP-Verfahren – Empfehlung der Femern A/S. Femern A/S, abgerufen am 31. Mai 2013.
  10. Politische Rückendeckung für Absenktunnel unter dem Fehmarnbelt. Femern A/S, abgerufen am 30. Mai 2013.
  11. Einwendungsfrist für Fehmarnbelttunnel in Deutschland geht zu Ende – wichtiger Meilenstein für das Projekt. Pressemitteilung. Femern A/S, 2. Juli 2014, abgerufen am 9. Juli 2014 (html, deutsch).
  12. Wichtige Meilensteine des Projekts. Femern A/S, abgerufen am 31. Mai 2013.
  13.  N.N.: Internationale Konsortien geben Angebote für Fehmarnbelttunnel ab. In: Tunnel. Internationale Fachzeitschrift für unterirdisches Bauen. Nr. 4/2014, Bauverlag, Gütersloh Juni 2014, ISSN 0722-6241, S. 10–12.
  14. http://www.spiegel.de/wirtschaft/fehmarnbelt-gegner-wollen-gegen-tunnelbau-klagen-a-984538.html

54.57772511.297208333333Koordinaten: 54° 34′ 39,8″ N, 11° 17′ 49,9″ O