Good Bye, Lenin!

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Filmdaten
Originaltitel Good Bye, Lenin!
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2003
Länge 121 Minuten
Altersfreigabe FSK 6[1]
JMK 6[2]
Stab
Regie Wolfgang Becker
Drehbuch Bernd Lichtenberg
Wolfgang Becker
Produktion Stefan Arndt
Katja De Bock
Andreas Schreitmüller
Musik Yann Tiersen
Antonello Marafioti
Kamera Martin Kukula
Schnitt Peter R. Adam
Besetzung

Good Bye, Lenin! ist ein 2001 gedrehter und 2003 uraufgeführter deutscher Spielfilm. Regie der Tragikomödie führte Wolfgang Becker. Die Hauptrollen spielten Daniel Brühl und Katrin Sass.

Handlung[Bearbeiten]

Wahres Lenindenkmal am Platz der Vereinten Nationen in Ost-Berlin, bestand bis Herbst 1991
Wahrer Kosmonaut Sigmund Jähn, Idol der DDR

Der Film erzählt die Erlebnisse der ostdeutschen Familie Kerner. Der Film beginnt im Sommer 1978, als sich der Familienvater in den Westen absetzt und seine Frau Christiane und die beiden Kinder Alexander und Ariane in der DDR zurücklässt. Zuerst von der Politik der DDR nicht sehr begeistert, beginnt Christiane nach schweren Depressionen, sich – nicht ganz freiwillig, da man ihr drohte, ihr die Kinder wegzunehmen – für den Sozialismus einzusetzen. Sie wird im Staatsratsgebäude als „verdienstvolle Persönlichkeit“ ausgezeichnet.

Für den 7. Oktober 1989 erhält die Mutter eine Einladung zum Festakt anlässlich des 40. Jahrestages der DDR im Palast der Republik. Auf dem Weg dorthin wird sie zufällig Zeugin einer Demonstration, an der sich auch ihr Sohn Alexander beteiligt. Als sie mit ansieht, wie die Demonstration von der Volkspolizei zerschlagen und Alexander festgenommen wird, erleidet sie einen Herzinfarkt, bricht zusammen und fällt ins Koma.

Wenige Wochen später fällt die Mauer. Auch sonst ändert sich einiges für die Kerners. Alexanders Betrieb wird abgewickelt, er ist nunmehr Vertreter für Satellitenschüsseln. Außerdem verliebt er sich in die russische Krankenschwester Lara. Seine Schwester Ariane bricht ihr Studium ab und verliebt sich in einen Westdeutschen, der mit in die Plattenbauwohnung der Familie einzieht. Im Juni 1990, als Alex zum ersten Mal Lara küsst, wacht Christiane plötzlich aus dem Koma auf. Da für ihren Kreislauf die kleinste Aufregung lebensgefährlich sein könnte, darf sie auf keinen Fall von den tiefgreifenden Veränderungen der letzten Monate erfahren. Deshalb lässt Alex in ihrer Wohnung die DDR wiederaufleben. Dies gestaltet sich aber schwieriger, als es zunächst anmutet. Vor Christianes Schlafzimmerfenster etwa wird ein riesiges Coca-Cola-Plakat angebracht. Spreewaldgurken, Mocca Fix Gold und Rotkäppchen-Sekt sind jetzt noch schwieriger aufzutreiben als zuvor.

Als Christiane Alexander dazu überreden kann, ihr einen Fernseher ans Bett zu stellen, sieht er sich gezwungen, mit seinem Kumpel Denis abends eigene, falsche Aktuelle-Kamera-Berichte zu drehen. Im Laufe der nächsten Wochen und Monate bemerkt Alex, dass „seine DDR“ immer mehr zu der DDR wird, die er sich immer gewünscht hat. Für die Inszenierung wird einiges an Aufwand getrieben. Selbst die Uniform eines Oberstleutnants der NVA-Luftstreitkräfte kann Alex auf einem Flohmarkt auftreiben und in die Filme einarbeiten. Ein Taxifahrer spielt in dieser Uniform den DDR-Bürger Sigmund Jähn, den ersten Deutschen im All, der seit der Kinderzeit Alex' Idol ist.

Nachdem Christiane von ihren Kindern eines Tages mit verbundenen Augen zur Datsche der Familie gefahren wird, enthüllt sie dort ihre große Lebensbeichte: ihr Mann hat sie nicht – wie immer behauptet – wegen einer anderen Frau verlassen. Es war stattdessen geplant, dass sie später mit Alexander und Ariane in den Westen nachkommt. Sie blieb jedoch aus Furcht vor den Konsequenzen eines Ausreiseantrages (die Stasi hätte ihr evtl. die Kinder wegnehmen können o. ä.) im Osten. Am selben Abend muss Christiane überraschend ins Krankenhaus eingeliefert werden. Alexander gelingt es, seinen Vater ausfindig zu machen, und er bewegt ihn zu einem Besuch bei dessen Ex-Frau.

Während Alexanders Abwesenheit versucht Lara, die im Krankenbett liegende Christiane über die neuen politischen Verhältnisse aufzuklären („Das ist alles einfach ein Land“).

Denis und Alex produzieren einen letzten Falsch-Bericht ihrer Aktuellen Kamera, in dem sie den „gefälschten“ Sigmund Jähn zum Staatsratsvorsitzenden ernennen lassen, immer noch in Uniform eines Oberstleutnants, obwohl er in Wirklichkeit längst General ist. In der Folge lassen sie darin für sich die Mauer nochmals fallen, indem die DDR am 41. Jahrestag ihrer Gründung in einem Akt nationaler Stärke ihre Grenzen zur Bundesrepublik öffnet. Die für den fingierten Bericht benutzten Szenen eines Massenansturms hinein in die DDR sind allerdings Bilder vom tatsächlichen Mauerfall und zeigen DDR-Bürger im Freudentaumel beim Grenzübertritt von der DDR hinaus in den Westen.

Drei Tage nach dem Beginn dieser gefälschten „Deutschen Einheit“ stirbt Christiane. Alex ist davon überzeugt, dass sie glücklich und im Glauben an die Überlegenheit der DDR starb.

Hintergrund[Bearbeiten]

Örtlichkeiten[Bearbeiten]

Der Club, in dem Alexander und Lara ihr erstes Date haben, ist der inzwischen lange geschlossene Berliner „Eimer“.

Der im Film dargestellte Abbau der Lenin-Statue bezieht sich auf den damaligen Leninplatz, dem heutigen Platz der Vereinten Nationen in Berlin.

Die Datschen-Szene wurde in Fichtenwalde gedreht.

Hommagen[Bearbeiten]

Der Film war zunächst so angelegt, dass mehrere cineastische Hommagen, unter anderem an Werke des US-Amerikaners Stanley Kubrick, enthalten sein sollten. Nur ein kleiner Teil davon blieb nach dem Schnitt auf die finale Länge letztlich im Film.

Denis erzählt im Film visionär von seinen Filmideen, unter anderem auch von Die Truman Show (1998) oder von Matrix (ab 1999, Film-Mehrteiler). Sämtliche „Ideen“ hatten mit manipulierter Realitätswahrnehmung zu tun. Die realen Werke, auf die Bezug genommen wird, wurden allerdings erst nach der Zeit, in der die Filmhandlung spielt (1990), realisiert. Denis trägt auch mehrmals im Film ein Matrix-T-Shirt (schwarz mit hellgrünen Streifen-Mustern). Unter anderem hat er es in der Szene an, als er Alex seine Hochzeitsvideos zeigt. Eine ergänzende Deutung dagegen liefert das Bonus-Material der DVD, in dem gesagt wird, dass es zumindest Matrix-ähnliche Streifen-Designs schon deutlich früher gegeben hat. Denis schneidet im Film eine Anspielung auf den Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum (1968) in ein Video ein. Die Szene, in der Alex das Zimmer seiner Mutter wieder herrichtet, entspricht in Aufnahme, Schnitt und akustischer Gestaltung (Ouvertüre aus der Oper Guillaume Tell von Gioachino Rossini) exakt einer Bettszene in Uhrwerk Orange (1971). Zur Szene mit der Lenin-Skulptur ließ sich Drehbuchautor Bernd Lichtenberg von der per Hubschrauber transportierten Jesus-Statue aus Federico Fellinis Spielfilm Das süße Leben inspirieren.

Filmische Kompromisse und Patzer[Bearbeiten]

Der Darsteller des jungen Alexander ist Rechtshänder – wie erkennbar, als er für seine Mutter ein Bild malt. Daniel Brühl, der den erwachsenen Alexander spielt, ist jedoch Linkshänder. In einer Szene werden ein Mann und eine Frau auf einem Sofa gezeigt, während die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 1990 antritt. Der Mann trägt allerdings bereits das Trainingsshirt der DFB-Elf aus dem Jahr 1996. Außerdem sieht man mehrmals Berliner Straßenbahnen des Typs GT6N, die jedoch erst seit 1994 in Berlin fahren.

Die im Film gezeigte, am Hubschrauber hängende Lenin-Figur ist ein Bronzebildwerk, das nicht allzu viel mit der ehemals am Leninplatz befindlichen Granitplastik gemeinsam hat. Der Abbau in der realen Welt begann tatsächlich erst am 8. November 1991. In der Szene mit der Lenin-Skulptur trifft Ariane auf der Straße auf ihre Mutter und lässt dabei Einkaufstüten der Berliner Supermarktkette Reichelt fallen. Allerdings weisen die Tüten das Corporate Design aus der Zeit nach dem Jahr 2000 auf. Die umgefüllte Packung der „Jacobs Krönung“ zeigt das Corporate Design nach 2000 auf. Golden Jacobs unterlegt, früher Jacobs goldene Buchstaben auf weißem Grund.[3]

Erfolge und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film wurde in Ost und West zu einem ungeahnten Publikumserfolg und zum erfolgreichsten deutschen Film des Jahres 2003. Er wurde von mehr als sechs Millionen Kinobesuchern gesehen. Damit gehört er zu den 15 erfolgreichsten deutschen Filmen in deutschen Kinos seit Beginn der Zuschauerzählung in deutschen Kinos 1968.

Good Bye, Lenin! wurde mit neun Deutschen Filmpreisen 2003 ausgezeichnet: Bester Film (mit dem Filmpreis in Gold), Daniel Brühl als Bester Hauptdarsteller, Florian Lukas als Bester Nebendarsteller, Wolfgang Becker für die Beste Regie, Weitere hervorragende Leistungen für Schnitt, Szenenbild und Musik, sowie die Publikumspreise Deutscher Kinofilm des Jahres und Daniel Brühl in der Kategorie Schauspieler/in des Jahres.

Am 6. Dezember 2003 wurde dem Film als erstem deutschen Film der Europäische Filmpreis Felix als Europäischer Film des Jahres verliehen. Ebenfalls erhielt Daniel Brühl als Europäischer Schauspieler des Jahres und Bernd Lichtenberg als Europäischer Drehbuchautor des Jahres einen Felix. Schließlich gingen auch alle drei Publikumspreise an Good Bye, Lenin!: Wolfgang Becker für den Besten Regisseur, Daniel Brühl für den Besten Schauspieler und Katrin Saß für die Beste Schauspielerin.

Bei der Verleihung des französischen Filmpreises César wurde Good Bye, Lenin! 2004 als Bester europäischer Film ausgezeichnet. Auch der spanische Filmpreis Goya in der Kategorie Bester europäischer Film ging 2004 an Good Bye, Lenin!. Bei der Golden-Globe-Verleihung 2004 wurde der Film in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film nominiert. Ferner war Good Bye, Lenin! der deutsche Beitrag für die Oscarverleihung 2004, wurde aber nicht nominiert.

Weitere Filmauszeichnungen waren unter anderem der Bambi als Bester Film national, der Publikumspreis des Bayerischen Filmpreises 2003 sowie der Gilde-Filmpreis in Gold. Auf der Berlinale 2003 erhielt der Film den Blauen Engel als bester europäischer Film.

Auch finanziell erwies sich der Film als großer Erfolg: Während die Produktionskosten bei (geschätzt) 4.800.000 € lagen, wurden alleine bis zum 6. November 2003 weltweit (ohne die USA) 55.694.557 $ eingespielt.[4] Die Erstausstrahlung im deutschen Free-TV war am 6. März 2006 um 20.40 Uhr auf ARTE.

Kritiken[Bearbeiten]

  • Lexikon des Internationalen Films: „Eine warmherzige melancholische Komödie mit ansprechenden Ideen und hervorragenden darstellerischen Leistungen, der mitunter etwas die Konsequenz fehlt, was durch plakative Einfälle wettgemacht werden soll.“[5]
  • epd Film: „Good bye, Lenin! ist auch ein Film der großen Gefühle, voll origineller Ideen und einer Leichtfüßigkeit, die von vorn herein jede Wehleidigkeit ausschliesst.“[6]
  • Prisma Online: „Nach mehreren Jahren Regie-Pause überrascht Wolfgang Becker mit einer überaus frischen, vielfach preisgekrönten Ost-West-Komödie mit sensibel erzählten tragischen Zwischentönen. Dank großartiger Darsteller und einem brillanten Drehbuch ist dies ein wunderbarer Film aus Deutschland, wie man ihn gerne öfter sähe.“[7]
  • Deutsche Welle: Mit „Good bye Lenin!“ schuf Regisseur Wolfgang Becker vielleicht den ultimativen Film zur Wende in Deutschland. Anders als andere Filme verspottet er den Osten nicht und er macht sich auch nicht auf zynische Weise lustig über die aus westlicher Sicht hinterwäldlerischen DDR-Bewohner. Vielmehr strahlt „Good bye Lenin!“ eine liebevolle Wärme und Menschlichkeit aus, die beim Publikum seinerzeit besonders gut ankam - im Westen wie im Osten. „Good bye Lenin!“ ist auch eine außergewöhnliche Komödie über die Liebe eines Sohnes zu seiner Mutter. Daniel Brühl und Katrin Saß sind in ihren Rollen mal hinreißend komisch, dann wieder rührend, ja sogar tragisch. Wolfgang Beckers Film zeigt aber auch ganz heiter-melancholisch, dass die DDR, obwohl sie eine sozialistische Diktatur war, für zigtausend Menschen eine Heimat war, die ihnen plötzlich mit dem Fall der Mauer genommen wurde.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Allan, Seán: Good Bye, Lenin!. Ostalgie und Identität im wieder vereinigten Deutschland. In: German as a foreign language Journal. Issue 1, 2006b, S. 46–59.
  •  Behrmann, Malte: Der Erfolg von Good Bye Lenin! in Frankreich. In: Kino und Spiele. ibidem, Stuttgart 2005, ISBN 3-89821-469-9.
  • Bernhardt, Petra: Spiel’s noch mal, Erich? Eine hegemonietheoretisch orientierte Lesart von „Good Bye, Lenin!“ als Beitrag zum Ostalgiediskurs. In: Bergem, Wolfgang; Wesel, Reinhard (Hrsg.): Deutschland fiktiv. Die deutsche Einheit, Teilung und Vereinigung im Spiegel von Literatur und Film. Berlin: Lit, 2009, S. 89–130.
  • Kapczynski, Jennifer M.: Negotiating Nostalgia: The GDR Past in Berlin is in Germany and Good Bye, Lenin!. In: The Germanic Review. Volume 82, Issue 1, 2007, S. 78–100.
  •  Cornils, Kerstin: Die Komödie von der verlorenen Zeit. Utopie und Patriotismus in Wolfgang Beckers Good Bye Lenin!. In: Jörn Glasenapp, Claudia Lillge (Hrsg.): Die Filmkomödie der Gegenwart. Fink / UTB 2979, Paderborn 2008, ISBN 978-3-7705-4495-0 / ISBN 978-3-8252-2979-5 (UTB).
  • Töteberg, Michael (Hrsg.): Good Bye, Lenin! Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2003.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung (PDF; 79 kB) der FSK, abgerufen am 10. September 2013
  2. Kennzeichnung der Jugendmedienkommission.
  3. http://www.beiunszuhause.de/bei-uns-zu-hause1/page?siteid=bei-uns-zu-hause1-prd&locale=dede1&PagecRef=4244
  4. Good Bye Lenin 6! – Budget und Einspielergebnisse
  5. Good Bye, Lenin! im Lexikon des Internationalen Films
  6. epd Film Nr. 2/2003, Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, Frankfurt am Main, S. 34–35
  7. Prisma Online: Good bye, Lenin!-Kritik
  8. „Good Bye Lenin!“ Auf: Deutsche Welle, 26. August 2010. Abgerufen am 4. Oktober 2013.