COVID-19-Pandemie in Kuba

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Die COVID-19-Pandemie in Kuba tritt als regionales Teilgeschehen des weltweiten Ausbruchs der Atemwegserkrankung COVID-19 auf und beruht auf Infektionen mit dem Ende 2019 neu aufgetretenen Virus SARS-CoV-2 aus der Familie der Coronaviren. Die COVID-19-Pandemie breitet sich seit Dezember 2019 von China ausgehend aus.[1] Ab dem 11. März 2020 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ausbruchsgeschehen des neuartigen Coronavirus als Pandemie ein.[2]

Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausbreitung des Virus in Kuba stellt das Gesundheitssystem der sozialistischen Karibikinsel auf die Probe. Ursprünglich von Touristen und aus dem Ausland zurückreisenden Kubanern auf die Insel gebracht, hat sich das Virus rasch über die ganze Insel verbreitet.[3][4]

Das Land verfügt zwar über ein breites Gesundheitssystem mit einer sehr hohen Ärztedichte. Gleichzeitig leidet die medizinische Versorgung jedoch unter einem Mangel an Ausrüstung und Medikamenten. Hinzu kommen teils dramatische Versorgungsengpässe, auch bei sanitären Produkten oder der Wasserversorgung. Aufgrund der hohen Altersstruktur gilt rund ein Viertel der Bevölkerung als Risiko-Gruppe. Trotz der kritischen Lage auf der Insel selbst hat Kuba Ärzte-Brigaden zur Bekämpfung der COVID-19-Epidemie in eine Reihe von Ländern entsandt, unter anderem nach Norditalien und in zahlreiche Karibikstaaten.[4]

Kubas schwierige wirtschaftliche Situation wird durch die Pandemie verschärft, da sie zum Einbruch des wichtigsten Wirtschaftszweiges des Landes, des Tourismus, geführt hat.[5] Die Regierung hat Lock-Down-Maßnahmen ergriffen. Zur Notversorgung der Bevölkerung hat sie verstärkt Nahrungsmittel und Sanitärprodukte dem freien Verkauf entzogen und in die Verteilungswirtschaft des Rationierungssystems überführt. Dennoch ist die Versorgungslage extrem prekär und verschlimmert sich zusehends.

Auch die speziell für Kuba übliche Individualversorgung mittels privater Pakete aus dem Ausland war blockiert, zumindest die Deutsche Post hatte den Versand nach Kuba länger als ein Jahr ausgesetzt.[6]

Verlauf und Maßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. März 2020 wurden die ersten drei COVID-19-Fälle in Kuba bestätigt. Die Infizierten waren italienische Touristen. Sie wurden am Pedro Kouri Tropical Medicine Institute in Havanna unter Quarantäne gestellt.[7] Bereits am 12. März wurde ein vierter Fall bestätigt. Es handelte sich um einen Kubaner, dessen Frau am 24. Februar aus Mailand zurückgekehrt war und am 27. Februar Symptome zeigte. Der Ehemann hatte am 8. März begonnen, Symptome zu zeigen. Beide wurden getestet und nur der Mann war positiv. Die Frau wurde als negativ eingestuft, da die Krankheit wohl bereits ausgeheilt war.[8]

Am 16. März 2020 erhielt das Kreuzfahrtschiff MS Braemar mit über 1000 Passagieren und Besatzungsmitgliedern die Erlaubnis, in Kuba anzulegen, nachdem dies von den Bahamas abgelehnt worden war. Mindestens fünf Passagiere wurden positiv auf COVID-19 getestet. Britische Staatsbürger konnten Flüge nach Hause nehmen, nachdem beide Regierungen eine Einigung über ihre Rückführung erzielt hatten.[9][10] Bis zum 17. März wurden laut kubanischer Behörden sieben Infektionen im Land bekannt.[11]

Am 18. März 2020 stieg die Anzahl der bestätigten Fälle auf 10 und der erste COVID-19-bedingte Todesfall wurde bekannt gegeben. Es starb ein Mann, der einer der ersten drei bestätigten Infektionsfälle im Land war. Bis zum 19. März stieg die Anzahl der bestätigten Fälle auf 16 Infektionen.[12] Bis zum 19. März gab es laut kubanischer Behörden 16. Infektionen im Land.[13]

Am 20. März 2020 gab es laut kubanischer Behörden 21 Infektionen und es wurde angekündigt,[14] dass Kuba mit Wirkung zum 24. März die Einreise ins Land nur noch auf Staatsbürger und Anwohner beschränken wird.[15] Nur kubanische Einwohner dürfen in der Folge einreisen, wenn sie nicht länger als 24 Monate außerhalb Kubas waren, sowie Ausländer, die auf der Insel leben.[16]

Am 22. März 2020 wurden vom kubanischen Gesundheitsministerium 35 Coronavirus-Infektionen auf der Insel bestätigt sowie 950 Verdachtsfälle, die in Quarantäne überwacht werden. Am 23. März stieg die Zahl der Infektionen laut kubanischer Behörden auf 48 Infektionen.[17]

Bis zum 30. März 2020 stieg die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle auf 170 Infektionen, darunter vier Todesfälle.[18]

Mit Wirkung vom 1. April 2020 um Mitternacht setzte Kuba die Ankunft aller internationalen Flüge aus.[19] Am 4. April gaben die Behörden in Kuba bis dahin 288 Coronavirus-Infektionen bekannt.[20] Bereits Mitte April wurden rund 1.000 Fälle von Infizierungen gezählt.[4][21]

Bis zum 22. April 2020 wurden von der WHO insgesamt 1137 Fälle gemeldet, darunter 38 Todesfälle.[21] Seither hat sich die Situation sehr verschlimmert.[22]

Seit dem 18. Juli 2021 wird Kuba von Deutschland offiziell als Hochinzidenzgebiet bzw. Hochrisikogebiet eingestuft.[23]

Ab Mitte 2021 wurde mit den in Kuba entwickelten SARS-CoV-2-Impfstoffen Soberana-2 und Abdala die Bevölkerung immunisiert.[24]

Mitte des Jahres 2021, zum Höhepunkt der Delta-Welle und als noch nur wenige in Kuba geimpft waren, war das Gesundheitssystem in Kuba praktisch zusammengebrochen. Die Krankenhäuser konnten die Massen an Patienten nicht mehr bewältigen und die Friedhöfe kamen mit den Bestattungen nicht nach. Während die offizielle Presse versuchte, die Dramatik herunterzuspielen, waren die sozialen Medien voll von Hilferufen.[25] Obwohl laut offizieller Statistik bis Juli 2022 insgesamt nur rund 8500 Menschen in Folge einer Covid-Infektion starben[26], wies Kubas Statistikamt ONEI für das Jahr 2021 eine Übersterblichkeit von 52.000 Personen aus, was ungefähr 50 % entspricht.[27] Auch die Kindersterblichkeit erhöhte sich um etwa den gleichen Faktor.[28]

Impfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kuba ist das kleinste Land der Welt, das einen eigenen Covid-19-Impfstoff entwickelt, mit dem Ziel, eine flächendeckende Impfung nur mit im Inland produzierten Impfstoffen zu erreichen.[29] Die Impfstoffe Soberana-2 und Abdala wurden für die Massenimpfkampagne verwendet; bis Ende Juni 2021 wurden im Land fast 5 Millionen Impfstoffe verabreicht, wobei 20 Prozent zumindest eine erste Impfung erhalten hatten.[30] Geimpft wurde ab einem Alter von zwei Jahren.[31] Anfang Dezember des Jahres meldete man, dass rund 83 % der Bevölkerung vollständig, mit 3 Dosen, geimpft seien.[32] Anfang März 2022 war man bei 90 %.[33] Ende November 2021 begann man mit Auffrischimpfungen.[34]

Gleichzeitig wurden vorläufige Ergebnisse von Studien zur Wirksamkeit des Impfstoffs veröffentlicht. Demnach hat Soberana-2 eine Wirksamkeit von 62 % nach der zweiten Dosis, was die Anforderungen der Weltgesundheitsorganisation übertrifft, um als funktionaler Impfstoff anerkannt zu werden.[35] Es waren drei Dosen geplant, und es wurde erwartet, dass die Wirksamkeitsergebnisse nach der dritten Dosis noch höher sein würden. Für den Abdala-Impfstoff wurde eine Wirksamkeit von 92,28 % nach der dritten Dosis berichtet.[36] Diese Ergebnisse bedeuteten einen großen Erfolg für die kubanische Strategie, sich auf die nationale Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen zu verlassen, die eine ausreichende Versorgung der nationalen Bevölkerung mit Dosen garantierten. Darüber hinaus konnten sie teilweise sie als wertvolles Exportprodukt in andere Länder Lateinamerikas und der Welt dienen.[37] Die Zulassung seiner Impfstoffe Soberana 02, Soberana Plus und Abdala hat Kuba bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beantragt, jedoch stockt der Zulassungsprozess aufgrund verschiedener Probleme.[38] Die eigene Impfstoffentwicklung kostete Kuba rund die Hälfte des jährlichen Gesundheitsbudgets und wird als Mitursache für den extremen Arzneimittelmangel genannt, der in den Jahren 2021 und 2022 in Kuba herrschte.[39]

Allerdings wurde Kubas Impfstrategie auch kritisch gesehen. Obwohl die Studien zu Wirksamkeit und Sicherheit der Impfstoffe noch nicht abgeschlossen waren, wurden bereits große Teile der Bevölkerung, wie zum Beispiel Mitarbeiter des Gesundheitswesens, regulär geimpft. Kubas Offizielle hielten dagegen, dass man, im Gegensatz zu den westlichen Impfstoffen, die vorwiegend auf neuen Technologien beruhten, auf bekannte Verfahren setzte, von denen man wisse, dass sie sicher seien. Sollte Kuba sein Ziel einer flächendeckenden Impfung erreichen, wäre es damit eines der ersten Länder in der Hemisphäre.[40]

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fallzahlen entwickelten sich während der COVID-19-Pandemie in Kuba wie folgt:

Infektionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bestätigte Infektionen in Kuba nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte[41][Anm. 1]

Todesfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bestätigte Todesfälle in Kuba nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte[41][Anm. 1]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hier sind Fälle aufgelistet, die der WHO von nationalen Behörden mitgeteilt wurden. Da es sich um eine sehr dynamische Situation handelt, kann es zu Abweichungen bzw. zeitlichen Verzögerungen zwischen den Fällen der WHO und den Daten nationaler Behörden sowie den Angaben anderer Stellen, etwa der Johns Hopkins University (CSSE), kommen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: COVID-19-Pandemie in Kuba – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lungenärzte im Netz: Covid-19: Ursachen. Online unter www.lungenaerzte-im-netz.de. Abgerufen am 14. April 2020.
  2. Tagesschau: "Tief besorgt". WHO spricht von Corona-Pandemie. 11. März 2020. Online unter www.tagesschau.de. Abgerufen am 5. April 2020.
  3. https://covid19cubadata.github.io/
  4. a b c Astrid Prange De Oliveira: Kubas Ärzte könnten gegen Corona helfen. In: Deutsche Welle. 15. März 2020, abgerufen am 15. April 2020.
  5. Andreas Knobloch: Es bleibt ein Desaster. In: Neues Deutschland. 19. März 2020, abgerufen am 15. April 2020.
  6. DHL: keine Pakete mehr nach Kuba. Juli 2020, abgerufen am 10. Juli 2020.
  7. Savanna Smith: Cuba reports the first three cases of coronavirus in the island. In: Miami Herald. Abgerufen am 11. April 2020.
  8. Cuba: Fourth case of coronavirus. In: Cuba News Agency. 13. März 2020. Abgerufen am 14. März 2020.
  9. Cuba autoriza recibir crucero británico con casos de Covid-19. In: Telesur. 16. März 2020.
  10. Coronavirus-hit cruise ship in diplomatic scramble to find somewhere to dock (en) In: CNN. 16. März 2020.
  11. Nota informativa sobre dos nuevos casos confirmados de COVID-19 (Spanish) Ministerio de Salud Pública de la República de Cuba. 17. März 2020. Abgerufen am 18. März 2020.
  12. Actualización 18 de marzo sobre el Covid-19 en Cuba (Spanish) Ministerio de Salud Pública de la República de Cuba. 18. März 2020. Abgerufen am 18. März 2020.
  13. Ascienden a 16 los casos confirmados de COVID-19 en Cuba (Spanish) Ministerio de Salud Pública de la República de Cuba. 19. März 2020. Abgerufen am 19. März 2020.
  14. Nota informativa sobre nuevos casos confirmados de COVID-19 (Spanish) Ministerio de Salud Pública de la República de Cuba. 20. März 2020. Abgerufen am 20. März 2020.
  15. Cuba bars entry to foreign tourists in bid to contain coronavirus spread (English) Reuters. 20. März 2020. Abgerufen am 20. März 2020.
  16. Coronavirus en Cuba: minuto a minuto del avance de la pandemia en la isla (Spanish) ADN Cuba. 20. März 2020. Abgerufen am 20. März 2020.
  17. Cuba coronavirus cases reach 35: details about 10 new cases (English) ADN Cuba. 22. März 2020. Abgerufen am 22. März 2020.
  18. Parte de cierre del día 29 de marzo de 2020 a las 12:00 de la noche (Spanish) 30. März 2020. Abgerufen am 30. März 2020.
  19. Cuba suspends arrival of international flights to stop coronavirus. In: Reuters, 31. März 2020. Abgerufen im 1. April 2020. 
  20. Cuba at the edge of 300 cases of COVID-19: there are already 288 (English) Directorio Cubano. 4. April 2020. Abgerufen am 4. April 2020.
  21. a b Situation reports. In: who.int. Abgerufen am 22. April 2020.
  22. Tobias Käufer: Corona zerstört einen kubanischen Mythos, welt.de, 12. August 2021, abgerufen am 19. August 2021.
  23. https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit/kubasicherheit/212208
  24. https://www.nau.ch/news/ausland/coronavirus-kuba-entwickelt-gleich-vier-eigene-impfstoffe-65881578
  25. Overwhelmed by Coronavirus, Cuba’s Vaunted Health System Is Reeling. In: New York Times. 17. August 2021, abgerufen am 24. Juli 2022 (englisch).
  26. Parte de cierre del día 22 de julio a las 12 de la noche. Ministerio de Salud Pública, 23. Juli 2022, abgerufen am 24. Juli 2022 (spanisch).
  27. Población de Cuba registró un descenso notable en 2021, informa la ONEI. In: Cubadebate. 11. Juli 2022, abgerufen am 24. Juli 2022 (spanisch).
  28. Cuba registra una tasa de mortalidad infantil de 7,6 por mil nacidos vivos, en un año complejo debido a la pandemia de la COVID-19. Ministerio de Salud Pública, 2. Januar 2022, abgerufen am 24. Juli 2022 (spanisch).
  29. Cuba's five COVID-19 vaccines: the full story on Soberana 01/02/Plus, Abdala, and Mambisa | LSE Latin America and Caribbean. In: LSE Latin America and Caribbean blog. 31. März 2021, abgerufen am 25. Juni 2021.
  30. Actualización de la estrategia para el desarrollo de las vacunas cubanas. Abgerufen am 24. Juli 2022.
  31. Julia Merlot: Kuba beginnt mit Covid-19-Impfungen für Kleinkinder. In: Spiegel Online. 7. September 2021, abgerufen am 29. Juli 2022.
  32. Cuba es el segundo país del mundo más vacunado contra la COVID-19. In: Ganma. 8. Dezember 2021, abgerufen am 29. Juli 2022 (spanisch).
  33. Con esquema completo de vacunación anti-COVID-19 el 89,2 % de la población cubana (+Video). In: Agencia Cubana de Noticias. 1. März 2022, abgerufen am 29. Juli 2022 (spanisch).
  34. Aplica Cuba dosis de refuerzo anti-COVID-19 a más de 327 mil personas. In: Agencia Cubana de Noticias. 30. November 2021, abgerufen am 29. Juli 2022 (spanisch).
  35. Cuba encouraged by early efficacy results of homegrown COVID-19 vaccine. 20. Juni 2021, abgerufen am 25. Juni 2021.
  36. Candidato vacunal Abdala muestra 92,28% de eficacia en su esquema único de tres dosis. 21. Juni 2021, abgerufen am 25. Juni 2021 (spanisch).
  37. Cuba punches above its weight to develop its own Covid vaccines. Abgerufen am 23. Juni 2021.
  38. Knut Henkel: Covid-Impfstoff aus Kuba: Havanna wartet auf die WHO. In: taz.de. die tageszeitung, 9. Januar 2022, abgerufen am 29. Juli 2022.
  39. Anne Demmer: Vakzine gegen Corona: Woran Kubas Impfstoffe noch scheitern. In: tagesschau.de. 4. Juli 2022, abgerufen am 29. Juli 2022.
  40. Ed Augustin: Cuba deploys unproven homegrown vaccines, hoping to slow an exploding virus outbreak. In: The New York Times. 12. Mai 2021, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 25. Juni 2021]).
  41. a b WHO Coronavirus Disease (COVID-19) Dashboard; oben rechts auf der Seite ist ein Link zum Download der Daten im CSV-Format