Fussball in Liechtenstein

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Fussballspiel im Rheinpark Stadion Vaduz (2002)

Fussball ist in Liechtenstein – neben dem Wintersport – eine der beliebtesten Sportarten. In dem 160 km² grossen und 36'000 Einwohner zählenden Fürstentum Liechtenstein gibt es sieben Vereine mit rund 1'700 aktiven Fussballern. Damit ist der Liechtensteiner Fussballverband (LFV) einer der kleinsten der Welt, in Relation zur Bevölkerungszahl aber einer der grössten.

Die Liechtensteiner Vereine tragen keine eigene Meisterschaft aus. Der 1934 gegründete Liechtensteiner Fussballverband ist mit seinen Vereinen dem Schweizerischen Fussballverband angegliedert und beteiligt sich dort am Punktspielbetrieb, führt aber einen eigenständigen Pokalwettbewerb durch.

Anfänge des Fussballsports[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fussballsport kam erst relativ spät in Liechtenstein auf. Während in der angrenzenden Schweiz und in Österreich bereits Ende des 19. Jahrhunderts Fussball gespielt wurde, fand der Sport in Liechtenstein anfänglich nur zögerliche Aufnahme. Der Sport genoss kein Ansehen und wurde verspottet – das Leben im damals noch hauptsächlich bäuerlichen Liechtenstein war hart und die Bevölkerung darbte zu sehr, als dass solchen Liebhabereien der Durchbruch gelungen wäre. Volkserzieherische und weltanschauliche Ziele existierten noch nicht. Staatliche Hilfeleistungen waren ausgeschlossen, die Errichtung von Sportanlagen eine Utopie. Trotz der anfänglich vorhandenen Bremsfunktion von Gesellschaft, Kirche und auch Schule setzte sich der Fussball ab etwa 1930 in Liechtenstein langsam aber sicher durch.

Bereits vor der Gründung der ersten Liechtensteiner Fussballklubs fanden sich einige Idealisten zusammen, um an verschiedenen Plätzen zu tschutten, ohne eine grosse Ahnung von den Regeln des Fussballsports zu haben. Die wenigen heute noch verfügbaren Quellen weisen darauf hin, dass ab 1931 die ersten Anstrengungen zur Gründung offizieller Fussballvereine gemacht wurden. Nachdem sich eine Interessengruppe erfolgreich darum bemühte, auf dem Vaduzer Gemeindegebiet einen Fussballplatz zugewiesen zu bekommen, erfolgte im Dezember 1931 die Gründung des FC Vaduz als erstem Liechtensteiner Fussballverein. Bereits im darauf folgenden Jahr wurden der FC Balzers und der FC Triesen aus der Taufe gehoben. Während sich der FC Balzers und der FC Triesen sofort dem Schweizerischen Fussballverband anschlossen, bestritt der FC Vaduz seine erste Meisterschaftsrunde 1932 noch beim österreichischen Vorarlberger Fussballverband. Bereits ein Jahr später schloss sich jedoch auch der FC Vaduz dem Schweizer Verband an, in dessen Ligasystem seither alle Liechtensteiner Vereine integriert sind.

Fussballverband[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo des LFV

1934 schlossen sich die drei bis dahin gegründeten Vereine FC Balzers, FC Triesen und FC Vaduz zum Liechtensteiner Fussballverband zusammen, welcher seit 1946 auch einen eigenen Wettbewerb – den Liechtensteiner Fussballpokal – austrägt. 1949 kam der FC Schaan und 1954 der USV Eschen-Mauren – der bis 1963 als FC Mauren geführt wurde – als weiteres Mitglied hinzu. 1958 wurde der FC Ruggell aufgenommen und zuletzt 1972 der FC Triesenberg.

Der Liechtensteiner Fussballverband ist Mitglied des Liechtensteinischen Olympischen Sportverbandes (LOSV) und Partnerverband des Ostschweizer Fussballverbandes (OFV). 1974 wurde der Verband als 142. Mitglied des Weltverbandes FIFA, und als 34. Mitglied des europäischen Fussballverbandes UEFA aufgenommen; acht Jahre später wurde das erste Länderspiel der Liechtensteiner Fussballnationalmannschaft ausgetragen. Inzwischen hat der Liechtensteiner Fussball bereits erste kleine Erfolge aufzuweisen.

Fussballnationalmannschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Liechtensteiner Fussballnationalmannschaft trug erst acht Jahre nach dem Beitritt zur FIFA und der UEFA ihr erstes offizielles Länderspiel aus. Es fand am 9. März 1982 vor 4500 Zuschauern in Balzers gegen die Schweiz statt und endete mit einer 0:1-Niederlage. In den folgenden Jahren wurden nur vereinzelt weitere Länderspiele ausgetragen. Es folgte 1984 ein 0:6 gegen Österreich zum 50-jährigen Verbandsjubiläum des LFV, welches nach Aussage des vormaligen Verbands-Vize-Präsidenten Otto Biedermann aber kein offizielles Länderspiel gewesen sein soll. Weitere Spiele wurden erst 1990 gegen die USA (1:4) und 1991 gegen die Schweizer Nachbarn (0:6) ausgetragen. Erstmals stellte man sich dann unter dem deutschen Trainer Dietrich Weise im Rahmen der Qualifikationsrunde zur Europameisterschaft 1996 dem internationalen Wettbewerb. Die vorausgegangene Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1994 hätte laut damaligem LFV-Präsidenten Ernst Nigg eine zu grosse, zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu bewältigende administrative Herausforderung bedeutet, weshalb man eine Meldung für die WM-Qualifikation wieder zurückgezogen hatte.[1]

Die Heimspiele werden derzeit im Rheinpark Stadion in Vaduz ausgetragen.

Den ersten Sieg erreichte Liechtenstein am 6. Juni desselben Jahres in Vaduz in einem Testspiel mit einem 2:0 gegen eine Klubmannschaft aus Peking. Seit 1994 nimmt Liechtenstein regelmässig an der Qualifikation für die Europameisterschaft und die Weltmeisterschaft teil. Bei ihren ersten Auftritten in den Qualifikationsrunden erlitten die Liechtensteiner zum Teil sehr hohe Niederlagen, wie beispielsweise gegen Rumänien (0:8 und 1:7) oder Mazedonien (1:11).

1998 konnte man sich über den ersten Sieg in einem Pflichtspiel – ein 2:1 gegen Aserbaidschan – freuen. Bei der Qualifikation zur Fussball-WM 2002 wurde Liechtenstein in seiner Gruppe zwar sieg- und torlos Letzter, doch die Niederlagen fielen schon nicht mehr so hoch aus wie in der Vergangenheit. Bei der Vorausscheidung zur Europameisterschaft in Portugal 2004 schaffte man zwar ein 1:1-Unentschieden gegen Mazedonien, doch erneut blieb nur der letzte Tabellenplatz.

In der Qualifikation für die Fussball-WM 2006 sorgte das Auswahlteam Liechtensteins für manche Überraschung. Gegen Luxemburg siegte das Team auswärts deutlich mit 4:0 und erreichte zuhause ein 3:0. Gegen den Tabellenzweiten Slowakei konnte Liechtenstein einen Punkt sichern. Die grösste Überraschung waren jedoch die Spiele gegen den späteren Gruppensieger Portugal. Zuhause wurde ein 0:2-Rückstand noch aufgeholt und am Ende ein sensationelles 2:2-Unentschieden erreicht. Im Rückspiel in Aveiro gingen die Liechtensteiner sogar durch ein Tor von Benjamin Fischer mit 1:0 in Führung, doch Pauleta und Nuno Gomes konnten am Ende eine Niederlage verhindern und den 2:1-Sieg für den Vize-Europameister sichern. Portugal hat bei dieser Qualifikation somit drei der fünf Gegentore von Liechtenstein kassiert. In der Qualifikationsgruppe 3 zur WM 2006 belegte Liechtenstein am Ende zwar den vorletzten Platz, erreichte aber immerhin 8 Punkte bei einem Torverhältnis von 13:23.

Liechtenstein wollte auf diese Erfolge aufbauen und nahm sich insbesondere für die Qualifikation zur Fussball-EM 2008 in den Nachbarländern Österreich und der Schweiz einiges vor. Tatsächlich artete kein einziger Auftritt Liechtensteins zu einem Torfestival aus, und am 28. März konnte in einem Heimspiel sogar der erste Sieg eingefahren werden, ein 1:0 gegen den Teilnehmer der EURO 2004 Lettland. Am 17. Oktober 2007 gelang der Nationalmannschaft sogar ein 3:0-Sieg über die Mannschaft von Island, dennoch belegte Liechtenstein in ihrer Gruppe den letzten Platz.

Ligafussball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Liechtensteiner Fussballverband trägt aufgrund der geringen Anzahl von Vereinen keine eigene Meisterschaftsrunde aus. Die Liechtensteiner Fussballklubs nehmen daher gemäss einer vertraglichen Vereinbarung bereits seit 1933 an der Schweizer Meisterschaft teil.

Das Schweizer Ligasystem besteht aus den beiden Profiligen Super League (früher Nationalliga A) mit zehn Teams und der Challenge League (früher Nationalliga B) mit zehn Mannschaften. Darunter folgen die Amateurligen von der Promotion League über die 1. Liga und die 2. Liga interregional. Der Spielbetrieb von der 2. Liga bis hinab zur 5. Liga wird vom Ostschweizer Fussballverband (OFV) organisiert.

Der bisher erfolgreichste Verein des Fürstentums – der FC Vaduz – spielte 2008/09 zum ersten Mal in der Super League und ist damit der erste Liechtensteiner Verein in der schweizerischen ersten Liga und der einzige Liechtensteiner Proficlub. Nachdem der FC Vaduz nach nur einer Saison wieder absteigen musste, spielt er seit 2014 erneut in der Super League.

Der FC Balzers und USV Eschen-Mauren nehmen am Spielbetrieb der 1. Liga teil. Zwei Ligen tiefer spielt momentan der FC Ruggell, welcher der 2. Liga zugehörig ist (sechste nationale Spielklasse). Der FC Schaan und der FC Triesen sind der 3. Liga zugeordnet; der unterklassigste Verein 2015/16 aus Liechtenstein ist der FC Triesenberg aus der 4. Liga.

Pokalwettbewerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Liechtensteiner Cup

Der Liechtensteiner Cup wird seit 1946 jährlich ausgetragen. Der im K.-o.-System ermittelte Cupsieger ist berechtigt, an der Qualifikation zur UEFA Europa League teilzunehmen.

In den ersten sechs Spielzeiten konnte die Mannschaft des FC Triesen den Pokal fünfmal gewinnen. Danach stand der Liechtensteiner Cup bis Anfang der 1970er Jahre eindeutig unter der Vorherrschaft des FC Vaduz, der den Pokal von 1952 bis 1971 insgesamt 16-mal gewinnen konnte. Die Serie des FC Vaduz in dieser Zeit wurde lediglich durch den überraschenden Sieg des FC Schaan im Jahr 1955 und eine Reglementänderung von 1963 bis 1965, aufgrund derer der FC Vaduz nicht mehr teilnahmeberechtigt war, unterbrochen.

Erst in den 1970ern und frühen 1980er Jahren ändert sich das Bild in der Siegerliste. Mit dem FC Triesen, dem FC Balzers und dem USV Eschen-Mauren konnten auch wieder andere Vereine den Wettbewerb für sich entscheiden. Seit 1985 dominiert jedoch wieder der FC Vaduz den Liechtensteiner Cup und gewann den Pokal in dieser Zeit insgesamt 16-mal und hat von 1998 bis zum Finale 2012 nie mehr verloren.

Die erfolgreichsten Mannschaften des Liechtensteiner Cup:

  • FC Vaduz (45 Pokalsiege)
  • FC Balzers (11 Pokalsiege)
  • FC Triesen (8 Pokalsiege)
  • USV Eschen-Mauren (5 Pokalsiege)
  • FC Schaan (3 Pokalsiege)

Der FC Ruggell erreichte das Pokalfinale sechsmal, zuletzt 2007, konnte jedoch keines davon für sich entscheiden. Der FC Triesenberg erreichte 2015 zum ersten Mal das Pokalfinale.

Europapokal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut dem Verteilungsschlüssel der UEFA würde die Platzierung in der UEFA-Fünfjahreswertung dem Liechtensteiner Fussballverband eigentlich einen Platz in der Champions-League-Qualifikation und drei weitere Europa-League-Plätze zusichern. Da die Liechtensteiner Vereine jedoch in Schweizer Ligen spielen und keine eigene Meisterschaft austragen, qualifiziert sich lediglich der Liechtensteiner Cup-Sieger für die Europa League (vormals UEFA-Pokal) und muss hier zunächst in die Qualifikation.

UEFA-Fünfjahreswertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Platzierung in der UEFA-Fünfjahreswertung (in Klammern die Vorjahresplatzierung). Die Kürzel CL und EL hinter den Länderkoeffizienten geben die Anzahl der Vertreter in der Saison 2018/19 der Champions League bzw. der Europa League an.

Stand: Ende der Europapokalsaison 2016/17[2]

Jugendfussball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landesmeisterschaft der Liechtensteiner A-, B- und C-Junioren wird in Form einer Meisterschaftsrunde ausgetragen, die Meisterschaft der Junioren D, E und F in Form von in der Regel in den Monaten Mai und Juni ausgetragenen Turnieren.

Die Auswahlmannschaften Team Liechtenstein U16, U17 und U18 nehmen zudem an der vom Schweizerischen Fussballverband organisierten Spitzenfussball Meisterschaft teil. Dies ist die höchste Spielklasse des Liechtensteiner bzw. Schweizer Juniorenfussballs. Neben dem Team Liechtenstein sind in dieser Spielklasse auch viele namhafte Schweizer Vereine wie FC Basel, FC Luzern, FC Sion oder Grasshoppers Zürich vertreten.

Frauen- und Mädchenfussball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Frauenfussball ist in Liechtenstein noch wenig verbreitet. Lediglich der FC Triesen und der FC Balzers besitzen eine Frauenmannschaft. Darüber hinaus gibt es Mannschaften im Juniorinnenbereich bei den Vereinen FC Schaan, USV Eschen-Mauren und FC Ruggell. Zur weiteren Förderung wurde 2008 das Projekt «Mädchen am Ball» ins Leben gerufen.

Eine Liechtensteiner Frauennationalmannschaft existiert bislang noch nicht, ihr Aufbau ist aber erklärtes längerfristiges Ziel des nationalen Fussballverbandes.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Der Fußball-Weise von Liechtenstein“ von Hartmut Scherzer in Sport-Bild vom 29. Dezember 1992, S. 18–20
  2. Bert Kassies: Aktuelle UEFA-Fünfjahreswertung 2016. Abgerufen am 2016-18-07 (englisch).