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Nockherberg

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Paulaner am Nockherberg, Biergarten

Der Nockherberg ist eine kleine Geländeterrasse an der Hangkante des östlichen Isarhochufers im Münchner Stadtteil Au.

In der dort gelegenen Paulaner-Brauerei findet jährlich der Salvator-Ausschank auf dem Nockherberg statt, ein traditionsreiches Starkbierfest. Der Begriff Nockherberg wird oft synonym für dieses Fest verwendet oder für dessen Auftakt, die Starkbierprobe (auch: Starkbieranstich).

Namensherkunft und Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name des Nockherbergs und zweier dortiger Straßen geht auf die Bankiersfamilie Nockher zurück. Diese war seit dem frühen 18. Jahrhundert in München ansässig und besaß seit 1789 auf der östlichen Isarhöhe ein Sommerhaus an der heutigen Straße Am Nockherberg, das sogenannte „Nockherschlösschen“.[1]

Der Nockherberg liegt in der Hochau im Stadtbezirk Au-Haidhausen. Vom Nockherberg (etwa 535 m ü. NN) fällt das Gelände in nordwestlicher Richtung zur Isar hin um ungefähr 20 m ab. Unterhalb der Anhöhe befindet sich die Straße Am Neudeck mit der ehemaligen Justizvollzugsanstalt Neudeck, nördlich hiervon der Mariahilfplatz und südwestlich die alten Paulaner-Brauereianlagen.

Kronepark

Vom Neudeck windet sich die Bergstraße Am Nockherberg, die davor Ohlmüllerstraße heißt, den Hang hinauf, und geht oben in die Sankt-Bonifatius-Straße über. Den nordöstlichen Teil des Nockherbergs bildet das neue Brauereigelände – mit Gleisanschluss zum Ostbahnhof – zwischen der Regerstraße im Osten und der Hochstraße im Westen. Diese zweigt von der Straße Am Nockherberg nahe dem oberen Ende ab und ist über den kleinen Zacherlweg nochmals mit ihr verbunden.

Überquert man vom neuen Brauereigelände aus die Straße Am Nockherberg, gelangt man in den städtischen Kronepark, der den südwestlichen Teil der Anhöhe einnimmt, und 1958 auf einem Grundstück des früheren Zirkusdirektors Carl Krone und seiner 1957 verstorbenen Witwe Ida Krone errichtet wurde.[2] Westlich unterhalb des Parks mit Spielplatz verläuft die Nockherstraße, früher „Bei den Jägerhäusln“,[3] zu der verschiedene Steige hinabführen. Hier hat sich die Forschungsstätte Deutsches Jugendinstitut angesiedelt. Das südwestliche Ende der Nockherstraße bildet der Kolumbusplatz.

Starkbierfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salvator-Ausschank, 2007

Das Starkbierfest wird jedes Jahr während der Fastenzeit im Paulaner-Festsaal in der Hochstraße 77 veranstaltet. Es beginnt um den Josefstag (19. März) und dauert 17 Tage, in München oft als Starkbierzeit oder Fünfte Jahreszeit bezeichnet. Das Fest steht in der Tradition des Heilig-Vater-Festes am 2. April, bei dem des heiligen Franz von Paola gedacht wurde, des Gründers des Paulaner-Ordens.

Mit seinen Bierbänken, der Stimmungsmusik und dem großen Besucherandrang ähnelt der Salvator-Ausschank in seiner heutigen Form in mancherlei Hinsicht den Bierzelten auf dem Münchner Oktoberfest. Auf dem Nockherberg wird das Bier nicht wie sonst üblich in Glaskrügen, sondern in Keferloher Maßkrügen aus Ton ausgeschenkt, was das Bier länger kühl hält, aber auch „zurückhaltendes“ Einschenken erleichtert.[4]

Geschichte des Starkbierausschanks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Franz von Paola

Der Starkbierausschank zur Fastenzeit lässt sich auf eine Ordensregel der im Kloster Neudeck ob der Au ansässigen Paulaner-Mönche zurückführen, die in ihrer Klosterbrauerei spätestens ab 1634 Bier brauten. Sie mussten sich generell sehr karg ernähren und brauchten daher vor allem während der noch strengeren Fastenzeiten zur Stärkung „flüssiges Brot“, welches das Fasten nicht brach. Zu Ehren des Ordensgründers wurde seit 1651 jedes Jahr im Frühling eine besonders starke Biersorte ausgeschenkt, das „Sankt-Vater-Bier“, der spätere Salvator.[3] Dieses verkauften die Ordensbrüder mit der Zeit auch außer Haus, in erster Linie zur Versorgung der armen dörflichen Bevölkerung, aber auch zur Aufbesserung der Klosterkasse.

Im 18. Jahrhundert wurde es üblich, den bayerischen Kurfürsten zum alljährlichen Anstich des Starkbiers am 2. April einzuladen und ihm den ersten Krug Bier auszuschenken. Mit Mandat vom 31. März 1751 gestattete Kurfürst Maximilian III. Joseph ausdrücklich den öffentlichen Bierausschank am Festtag Franz von Paolas. Am 26. Februar 1780 erlaubte dann Karl Theodor, seit 1777 Kurfürst von Bayern, den Paulanern den ganzjährigen Bierausschank. Das Heilig-Vater-Fest 1799, an dem der gesamte Hofstaat von Kurfürst Maximilian IV. Joseph teilnahm, wurde das bis dahin größte Volksfest in der Stadt. Doch noch im gleichen Jahr wurde das Kloster Neudeck aufgehoben. Das gegenüber gelegene Klosterbräuhaus wurde im Zuge der Säkularisation enteignet und 1803 zunächst an den Johanniterorden veräußert.[3]

Salvator-Ausschank 1890

Der Bräu Franz Xaver Zacherl (* 1772; † 1849) pachtete 1806 die Paulanerbrauerei und kaufte sie 1813 schließlich, wodurch sie zur bürgerlichen Brauerei wurde; nach ihm ist der Zacherlweg auf dem Nockherberg benannt.[1] Zacherl führte die Tradition des alljährlichen Starkbieranstichs am 2. April und des festlichen Ausschanks in der anschließenden Oktav (acht Tage) fort. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts verschob sich der Beginn des Ausschanks in den März hinein und die Starkbierzeit verlängerte sich: 1861 begann der Salvator-Ausschank am Sonntag vor Josefi und dauerte zwölf Tage.[3] Seit 1858 ließ die Brauerei zur Umsatzsteigerung Gstanzlsänger und Volksschauspieler auftreten. Beim Anstich 1891 gab es erstmals eine Salvatorrede, und nach einer kriegsbedingten Unterbrechung von 1939 bis 1950 gewann die Starkbierprobe ihre heutige Form, in der bevorzugt Politiker „derbleckt“, also kabarettistisch aufs Korn genommen werden.

Die „Salvator-Schlacht“ von 1888[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur einzigen unfriedlichen Ausnahme in der Geschichte des Bürgerfestes kam es am 23. März 1888, als eine kleinere Rauferei zur Massenschlägerei ausartete. Aus geringfügigem Anlass kam es in der Kellerhalle zu einem Streit zwischen Soldaten und Zivilisten. Als ein Artillerist seinen Säbel zog, entbrannte eine größere Schlägerei, bei der auch Stöcke und Maßkrüge zum Einsatz kamen und daher relativ viele Verletzungen zu beklagen waren. Nach und nach griffen die Gewalttätigkeiten auf Saal und Garten über. Die hinzukommende Gendarmerie und auch die Zuchthauswache aus Neudeck konnten der Menge nicht Einhalt gebieten, bis schließlich eine 50 Mann starke Einheit der Schweren Reiter eintraf und Säbel schwingend in die Halle ritt. Als die Streitigkeiten ausbrachen, war auf dem Nockherberg nur ein einziger Gendarmerie-Wachtmeister im Einsatz, was in einer späteren Untersuchung als ein Grund für die Eskalation angesehen wurde. Teilweise wird auch vertreten, dass ein erhöhter Salvatorpreis die eigentliche Ursache für die Reizbarkeit der Festbesucher gewesen sei. Das „Skandaljahr“ 1888 blieb auf Jahre hin Gesprächsstoff in München.[5]

Veranstaltungsort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Nockhergarten, um 1900

Der Salvator-Ausschank fand ursprünglich nicht auf dem Nockherberg statt, sondern im alten Brauereigebäude am Neudeck an der Ecke Falkenstraße und Ohlmüllerstraße. 1822 wurde dort auf dem Gelände des Paulanergartens für den ganzjährigen Ausschank des „Fastenbiers“ die Wirtschaft Zacherlgarten errichtet, die bis 2008 bestand. Von 1846 bis 1860 erfolgte der Ausschank im so genannten Neudecker Garten[6] in der Au. Im Jahr 1858 verkaufte dann der Bankier Georg Nockher seine Sommerresidenz auf dem Nockherberg an die Paulaner-Brauerei (damals noch „Zacherlbräu“), die sie zu einer Gartenwirtschaft umbaute.[1] Ab dem Frühjahr 1861 fand der Ausschank nun hier im neuen Zacherl-Keller statt, spätestens seit 1928 Salvator-Keller genannt.[3] Die Gastwirtschaft Zum Nockhergarten, das ehemalige „Nockherschlösschen“, wurde 1903/1904 abgerissen.[1][7]

Im Zweiten Weltkrieg wurden die massiven Gewölbe der Brauereistollen als Befehlsstand der Münchner Luftschutzstellen genutzt,[8] ein Teil war auch als Luftschutzraum für die Bevölkerung freigegeben. Nachdem der Keller bei einem Bombenangriff am 24. April 1944 vollständig zerstört wurde, kam es am 11. März 1950 zur Wiedereröffnung der Gaststätte und des von Professor Franz Zell entworfenen neuen Salvator-Kellers.

Paulaner am Nockherberg, 2006

Am 28. August 1965 hielt die rechtsextreme Partei NPD ihren ersten Bundesparteitag im Salvatorkeller ab.[9] In der Nacht vom 27. auf den 28. November 1999 wurde der Keller, nunmehr Paulaner-Keller genannt, durch eine Brandstiftung fast gänzlich zerstört. Die Löscharbeiten mit 89 Feuerwehreinsatzfahrzeugen dauerten zwei Tage, es entstand ein Schaden von etwa 15 Millionen Euro. Der Täter wurde unter 650 Verdächtigen trotz intensiver Bemühungen bis heute nicht ermittelt. Im März 2004 wurde der 39-jährige Karl R., ein Nenn-Stiefbruder von Nockherberg-Wirt Peter Pongratz und Verwandter der Fischer-Vroni-Familie, in Untersuchungshaft genommen.[10] Er wurde aus Mangel an Beweisen aber nach einigen Monaten wieder freigelassen.

In den Jahren 2000 bis 2002 fand der Salvator-Ausschank in einem eigens dafür aufgestellten Zelt auf dem Mariahilfplatz unterhalb des Nockherbergs statt. Der Paulaner-Keller wurde im Jahr 2001 abgerissen und schließlich 2003 durch den neu errichteten, oberirdischen Paulaner Festsaal ersetzt, der bis zu 2.500 Besuchern Platz bietet. Die Kosten für den Neubau beliefen sich auf etwa 25 Millionen Euro.[10] Ein Raum im Gewölbekeller des neuen Wirtshauses Paulaner am Nockherberg wird heute wieder Salvatorkeller genannt. Im seit 2003 wieder zugänglichen Biergarten befindet sich der aus der Fernsehwerbung bekannte Brunnen.

Politischer Auftakt: Die Starkbierprobe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auftaktveranstaltung des jährlichen Salvator-Ausschanks ist die Starkbierprobe. Die Besonderheit dieser Veranstaltung liegt in der Anwesenheit vieler bayerischer Landespolitiker und Bundespolitiker. Durch die Übertragung im Bayerischen Fernsehen seit 1982 ist der Starkbieranstich auf dem Nockherberg auch einem breiten Publikum zugänglich. Die Fernsehübertragung 2004 wurde von etwa 2,8 Millionen Zuschauern verfolgt.[11] 2015 hatte die Live-Übertragung deutschlandweit 2,8 Millionen Zuschauer, davon in Bayern 2,05 Millionen Zuschauer.[12]

Historische Bierprobe

Die Veranstaltung beginnt mit der eigentlichen Bierprobe. Die erste Maß, die früher dem Kurfürsten zustand, wird seit 1965 dem bayerischen Ministerpräsidenten gereicht. Der Brauereichef übergibt den Krug mit den traditionellen Worten: Salve pater patriae! Bibas, princeps optime! (lat. „Sei gegrüßt, Vater des Vaterlands! Trinke, bester Fürst!“). Vom Landesvater wird allerdings nicht erwartet, dass er die „klassische“ Salvatorprobe durchführt, die heute aufgrund einer veränderten Rezeptur ohnehin nicht mehr funktionieren würde: Das Fastenbier galt früher als stark genug, wenn eine Bank, über die das Bier verschüttet worden war, beim Aufstehen an der Lederhose kleben blieb.

Höhepunkt der Veranstaltung ist das Politiker-Derblecken, ein politisches Kabarett vor geladenen Gästen, bestehend aus einer Festrede und einem anschließenden Singspiel. In beiden Beiträgen werden aktuelle Themen der Münchner sowie der Landes- und Bundespolitik behandelt, mit mehr oder weniger feiner Ironie und teils heftigen Seitenhieben auf Politiker gleich welcher Partei. Nicht derbleckt, also in den Festbeiträgen nicht auf die Schippe genommen zu werden, kann für einen bayerischen Politiker beinahe schon als Zeichen mangelnder Bedeutung oder fehlender Persönlichkeit angesehen werden.

„Es stimmt schon, Herr Rothemund, dass Sie 70 Prozent kennen, denn die anderen 30 Prozent haben Sie ja gewählt.“

Hannes Burger: Fastenpredigt 1983, über den bayerischen SPD-Vorsitzenden Helmut Rothemund

1991 fiel die Salvatorprobe wegen des Golfkriegs aus, ebenso 2003 wegen des Irakkriegs. Im Jahr 2009 wurde die für den 12. März vorgesehene Starkbierprobe wegen des Amoklaufs in Winnenden ans Ende des Salvator-Ausschanks, auf den 2. April verschoben.[13][14]

Tradition des Derbleckens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Derblecken (bairisch, etwa „sich über jemanden lustig machen“) geht auf die Begrüßung von Gästen durch ihren Wirt zurück, der früher noch alle Dorfbewohner persönlich kannte und mit den im Ort kursierenden Geschichten und Gerüchten bestens vertraut war. Von humorvollen und selbstbewussten Wirten wurden die Stammgäste gern mit diesen Geschichten aufgezogen („'naufg'schossen“). Rhetorisch weniger begabte Wirte oder Gastgeber beauftragten bei Veranstaltungen, zu denen die Gäste auf ähnliche Weise begrüßt werden sollten, professionelle Hochzeitslader oder Gstanzlsänger, die sich im Vorfeld nach den Eigenheiten und Empfindlichkeiten der Gäste umhörten. Von den jeweiligen Opfern des Spotts wurde erwartet, diesen mit Humor zu nehmen; eine beleidigte Reaktion löste umso größere Erheiterung bei den anderen Gästen aus.[15]

Dieser Hintergrund ist bis heute prägend auch für das Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg. Da es sich bei den „Opfern“ um geladene Gäste handelt, verbietet sich allzu grobe oder gar beleidigende Kritik, die auf den Gastgeber – die Brauerei – zurückfallen würde. Dementsprechend sind die Autoren der Festbeiträge bemüht, besonders kritische „Angriffe“ augenzwinkernd oder indirekt vorzubringen.[15]

Festrede[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bruno Jonas, Festredner 2004–2006

Der erste Salvatorredner war 1891 der Münchner Humorist Jakob Geis. Ihm folgten ab 1922 der Volksschauspieler Weiß Ferdl, der Conférencier Adolf Gondrell, der Gstanzlsänger Roider Jackl sowie der Radiomoderator Emil Vierlinger, der nach dem Zweiten Weltkrieg die Übertragung des „Derbleck'ns“ auf dem Nockherberg im Hörfunk organisierte. Nach dessen schwerer Erkrankung in den Siebziger Jahren übernahmen Michl Lang, Klaus Havenstein, Franz Schönhuber, Ernst Maria Lang und schließlich der Schauspieler und Paulaner-Werbeträger Walter Sedlmayr (1982–1990).

Von 1992 bis 2010 traten die Festredner (mit einer Ausnahme 2007) in der Rolle des Mönchs Bruder Barnabas auf, der den Gästen eine Fastenpredigt hält. Die Rolle geht zurück auf den Paulaner-Mönch Frater Barnabas (* 1750; † 1795), der mit bürgerlichem Namen Valentin Stephan Still hieß, seit 1774 Braumeister in München war und die Grundrezeptur des modernen Salvator-Starkbiers erfunden haben soll.

Der erste Salvatorredner, der in der historischen Rolle des Bruder Barnabas auftrat, war Max Grießer (1992–1996), gefolgt von Erich Hallhuber (1997–1998). Hallhuber bestand auf der Freiheit, den Text des Redenschreibers Hannes Burger abändern zu dürfen, während Burger den wortgenauen Vortrag seines Textes forderte. Aufgrund dieses Streits sagte Hallhuber 1999 kurzfristig seinen Auftritt ab. Sein Nachfolger Gerd Fischer (1999–2003) trug seine Predigten in einem Tonfall vor, der die „Derbleckten“ eher gütig bemitleidete. Mit dem Kabarettisten Bruno Jonas (2004–2006) wurden die Fastenpredigten wieder scharfzüngiger.[16] 2007 hielt der niederbayerische Kabarettist Django Asül ohne Mönchskutte die Salvatorrede.[17] 2008 bis 2010 hielt das vormalige Stoiber-Double Michael Lerchenberg – wieder in der Rolle des Bruder Barnabas – die Fastenpredigt.[18]

Der Autor Hannes Burger hatte 22 Jahre lang, von 1982 bis 2003 die Festreden geschrieben.[19] Seit 2004 verfassten die Festredner ihre Beiträge selbst. Co-Autor der Fastenpredigten in den Jahren 2008 bis 2010 war der Kabarettist Christian Springer. Er trat, ebenso wie Festredner Michael Lerchenberg, als Derblecker zurück, nachdem 2010 einzelne Personen wie Guido Westerwelle, Christine Haderthauer und Charlotte Knobloch beleidigt auf den Inhalt der Fastenpredigt reagiert hatten.[20][21]

Seit 2011 hält Luise Kinseher die Salvatorrede (Stand: 2016), sie ist damit die erste Frau die die Rede hält.[22] Sie tritt in der Rolle der „Mama“ Bavaria auf, welche sie bereits 2010 im Singspiel verkörperte.[23]

Singspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Festrede schließt sich das Salvatorspiel an, in dem zahlreiche Politiker parodiert werden. Bis 1985 wurde das Singspiel von Regisseur Olf Fischer inszeniert, bis 1988 dann vom früheren BR-Hörfunk-Unterhaltungschef Helmut Kirchhammer, der auch das Autorenteam leitete. Bis 2009 wurde das Gesangskabarett unter der Regisseurin Eva Demmelhuber nach und nach zu einem echten Bühnenstück ausgebaut, eingebettet in ein jährlich neues Thema mit entsprechendem Bühnenbild. Im Jahr 2010 übernahm Alfons Biedermann die Regie. Die erstmals neu komponierten Lieder stammen von Martin Lingnau (Musik) und Heiko Wohlgemuth (Texte).

Einer der Hauptautoren des Salvatorspiels war von 1999 bis 2009 Holger Paetz, der auch den FDP-Politiker Guido Westerwelle spielte.[24] Besonders bekannt als Darsteller wurden auch Walter Fitz als Franz Josef Strauß, Michael Lerchenberg als Edmund Stoiber, Co-Autor Uli Bauer als Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, Corinna Duhr als Angela Merkel sowie Veronika Fitz, Georg Blädel, André Hartmann, Max Grießer und Klaus Havenstein. Nach dem Singspiel lassen sich die anwesenden Politiker zusammen mit den Darstellern, die sie parodiert haben, von den Kameras der Journalisten und des Fernsehens ablichten. Das Singspiel wird seit 2013 von Marcus H. Rosenmüller inszeniert.

Künstlerische Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frater Barnabas reicht Kurfürst Karl Theodor den Salvator, Bild von Eduard Ille

Das traditionelle Salvatorfest inspirierte zahlreiche Münchner Künstler zu Werken über das Starkbier und seinen Ausschank auf dem Nockherberg, hauptsächlich zu Gedichten und Zeichnungen. Viele Werke finden sich im Gästebuch der Brauerei oder wurden in Münchner Magazinen veröffentlicht, darunter auch Beiträge namhafter Autoren wie Karl Valentin oder Paul Heyse. Die 1911 in München uraufgeführte Operette Salvator (Musik von Theo Rupprecht; Text von Max Ferner, Philipp Weichand und M. A. Weikone) mit Frater Barnabas als einer Hauptfigur war Vorlage für den Spielfilm Mönche, Mädchen und Panduren[25] aus dem Jahr 1952.[26]

Der Münchner Maler, Illustrator, Karikaturist und Schriftsteller Eduard Ille (* 1823; † 1900) avancierte ab 1890 zum „Salvator-Dichter“. In vielen Beiträgen in der humoristischen Zeitschrift Fliegende Blätter verherrlichte er das Salvator-Bier und seinen „Erfinder“ Frater Barnabas. Fast schon als Hymne des Fastenbiers kann folgendes Gedicht gelten, in dem er die – in den März vorverlegte – kurfürstliche Bierprobe beschreibt:[27]

War im März gen Judica / wiederum der Frühling nah,
kam – zu ehren alte Sitten – / der Herr Kurfürst selbst geritten
auf die Neudeck ob der Au / zum Paulaner-Klosterbau.
Dort empfing den Landesvater / Barnabas, der Bräuhausfrater,
ihm beglückt und freudeglänzend / einen Humpen Bier kredenzend
mit dem Gruß, der bis zur Stunde / sich erhielt im Volkesmunde:
Salve, pater patriae! / Bibas, princeps optime!“

Weitere landschaftliche Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vor knapp 10.000 Jahren entstandene Geländeform am Nockherberg stellte der Auer Bevölkerung neben einer Schutz und Lagerraum bietenden Anhöhe auch Wasser und Energie zur Verfügung, woraus sich immer wieder interessante Nutzungsmöglichkeiten nicht nur für Brauereien ergeben haben.

Entstehung und Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Tertiärzeit erstreckte sich zeitweise ein Meer vom Fuß der Alpen bis zum Mittelgebirge des Bayerischen Waldes, das sich immer stärker mit Verwitterungsmaterial der Alpen füllte. Die feinste und jüngste Ablagerungsschicht aus dem Tertiär (obere Süßwassermolasse des Miozän), der Flinz, bildet heute eine wasserstauende Bodenschicht, und wirkt damit als Grundwasserträger. An mehreren Stellen in München ergießen sich deshalb Quellen aus den Hängen am Isartal, so etwa an der Quellenstraße unterhalb der nördlichen Hochstraße.[6][28] Diese Quellen spielten mindestens bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle bei der Trinkwasserversorgung der örtlichen Bevölkerung.[29]

Vom Kolumbusplatz über „Am Bergsteig“ zum Nockherberg

In den Eiszeiten des Quartär bedeckten die Gletscher und Schmelzwasser den Flinz dann mit grobem Erosions- und Verwitterungsmaterial aus den Alpen und bildeten die Münchner Schotterebene. Da auch immer neue Abtragungen stattfanden, blieben nur die letzten beiden Schotterlagen in der Giesinger Landschaft liegen. So wurde terrassenförmig unter anderem die Giesinger Schotterfläche ausgebildet, vier bis zehn Meter höher die benachbarte Harlachinger Schotterfläche. Aus diesen Terrassen schürfte die Isar gegen Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren ihr heutiges Tal heraus, die Au. Auf diese Weise entstanden neben der Hangkante Nockherberg/Hochstraße auch die weiteren Hochränder in dieser Gegend, so etwa der Drumberg mit der Rampe der Candidstraße, „Am Bergsteig“ und der Giesinger Berg. Da sich die starken Steigungen der hier angelegten Bergstraßen von über 12 % als deutliche Verkehrshindernisse erwiesen, wurden zwischen 1890 und 1935 mehrere aufwändige Bergregulierungen vorgenommen. Am Nockherberg erfolgte die Regulierung in den Jahren 1904/1905, wobei auch das ehemalige „Nockherschlösschen“ abgerissen wurde.[28][30] Ebenfalls seit 1904 verbindet die Nockherberg-Treppe die Hochstraße vor der Paulaner-Brauerei mit der Ohlmüllerstraße am Fuß des Nockherbergs.[31]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen etwa 1150 und 1301 soll es auf dem Nockherberg im Bereich der heutigen Ruhestraße einen Rittersitz der Herren von Giesing gegeben haben. Ab dem 15. Jahrhundert lässt sich der Gutsbesitz auf dem Nockherberg bis zu der Veräußerung an die Familie Nockher am 13. Juli 1789 weiter verfolgen.[3]

Alte Brauereianlagen unterhalb des Nockherbergs

Die Terrassenkante am „Berg“ und in der Nähe bot früher vielen Brauereien optimale Bedingungen für Lagerkeller und Tiefbrunnen:[32] Ab dem frühen 19. Jahrhundert hatten beinahe alle der knapp 60 Brauereien Sommerbierkeller am Isarhang in der Au sowie in Haidhausen angelegt. Der Übergang vom bloßen Lager- und Verkaufsbetrieb zum sommerlichen Bierausschank vor Ort wird allgemein als Beginn der bayerischen Biergartentradition angesehen. Die Paulaner Brauerei förderte das zum Brauen benötigte Wasser in eigenen Brunnen aus ca. 10 Metern Tiefe.[33][34] Der entsprechende Stollen existiert bis heute und kann im Zuge einer Brauereibesichtigung besucht werden.

Heute kommt das Brauwasser aus Tiefbrunnen, die bis in 210 - 240 m Tiefe hinabreichen.

Auer Mühlbach am Neudeck

Zwischen Nockherberg und Neudeck fließt der Auer Mühlbach entlang, ein Seitenlauf der Isar, der erst seit 2002 an dieser Stelle wieder oberirdisch geführt wird. Der ehemals wilde Bach war seit dem Mittelalter[3] als Energielieferant von großer Bedeutung: Im Jahr 1816 trieb er in der Au insgesamt 60 Wasserräder an. Ab 1881 wurde der Stadtbach zum Antrieb der von Carl von Linde erfundenen Eismaschine genutzt, die der Paulaner Brauerei das ganzjährige Bierbrauen ermöglichte und noch heute besichtigt werden kann.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hannes Burger: 350 Jahre Paulaner-Salvator-Thomasbräu AG. 1634–1984. Jubiläums-Festschrift. Paulaner-Salvator-Thomasbräu AG, München 1984
  • ders.: Politiker derblecken beim Salvator. Hinter den Kulissen vom Nockherberg. 2. Auflage, Rosenheimer Verlagshaus, Rosenheim 1998, ISBN 3-475-52911-4.
  • Gerd Holzheimer: Der Münchner Nockherberg. In: Charivari. 21. März 1995, Bergemann & Mayer, S. 14–17, ISSN 0343-2548.
  • Helmut Lindner (Hrsg.): Giesing, Au, Haidhausen. Alte Dörfer rechts der Isar vor den Toren Münchens. Seit 125 Jahren bei München. Aumeier, München 1979 (speziell die in den Fußnoten genannten Aufsätze)
  • Peter Klimesch: Drunt in der grünen Au. Die Nockherstraße im Wandel der Zeit. (Darin ein Kapitel über den Nockherberg) Norderstedt 2014, ISBN 978-3-7357-4929-1.
  • Peter Klimesch: Bilder aus der alten Au. Books on Demand 2015, ISBN 978-3-7392-0605-9.[35]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nockherberg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Hans Dollinger: Die Münchner Straßennamen. 4. Auflage. Südwest, München 1999, ISBN 3-517-06115-8
    Zitiert nach: Heinz-Peter Meyer u. a.: Straßen der Au (Memento vom 20. Januar 2008 im Internet Archive), 3. Juni 2006
    Sowie nach: Bettina Messinger u. a.: Auer Mühlbach online, 29. Mai 2006 (dort die 1. Auflage)
  2. Peter Klimesch: Drunt in der grünen Au: Die Nockherstraße im Wandel der zeit. BoD, 2014, ISBN 9783735749291, S. 28 (Auszug)
  3. a b c d e f g Johann Peter Weigl: Die Au – Ein Stück München. In: Helmut Lindner (Hrsg.): Giesing, Au, Haidhausen. Aumeier, München 1979, S. 87–117 (mit einem Nachdruck des zwischen 1899 und 1928 erschienenen Flugblatts Geschichte des Salvator-Bieres der „Aktiengesellschaft Paulanerbräu Salvatorbrauerei München“ auf S. 92)
  4. Verein gegen betrügerisches Einschenken e. V.: Nockherberg derbleckt Starkbier-Besucher. Kontrollergebnis: 100 % schlecht eingeschenkt, 3. Juni 2006 (Pressemitteilung vom 30. März 2006)
  5. Hannes Burger 1984, S. 60; ders. 1998, S. 17 f.;
    Herbert Burger: Der Skandal am Nockherberg. Von der Bierschlacht anno 1888 und anderen Tumulten dieser Art. In: Charivari. 3/14/1988. Bergemann & Mayer, S. 21–25, ISSN 0343-2548
  6. a b c Bettina Messinger u. a.: Auer Mühlbach online, 29. Mai 2006 (mit weiteren Hintergrundinformationen zu Landschaft und Brauerei)
  7. Richard Bauer, Eva Graf: Nachbarschaften. Altmünchner Herbergsviertel und ihre Bewohner. 2. Auflage. Hugendubel, München 1985, ISBN 3-88034-246-6, S. 142.
  8. Landeshauptstadt München: Auer Mühlbach, 29. Mai 2006
  9. Axel Schildt: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005, S. 130
  10. a b Süddeutsche Zeitung: Nockherberg-Brand – Feuer wegen privater Fehde. 31. März 2004
  11. Bayerischer Rundfunk: Geschäftsbericht 2004. München 2005, S. 38 (PDF; 916 KB (Memento vom 27. Juni 2006 im Internet Archive))
  12. Detlev Klusak: Starkbierprobe begeistert Publikum. www.br.de, 26. Februar 2015, abgerufen am 27. Februar 2015.
  13. Bayerischer Rundfunk: Nockherberg: Verschiebung wegen Amoklaufs (Memento vom 27. März 2009 im Internet Archive). 24. März 2009
  14. Bayerischer Rundfunk: Nockherberg: Donald Duck, Gustav Gans und der Demokrator (Memento vom 26. März 2011 im Internet Archive). 4. April 2009
  15. a b Hannes Burger 1998, S. 63, 15
  16. Im Nebensatz ein kleines, feines Watscherl. Die Welt. 7. März 2012. Abgerufen am 15. November 2013.
  17. Süddeutsche Zeitung: Nockherberg – Django Asül wird neuer Fastenprediger. 22. Januar 2007
  18. Spiegel Online: Nockherberg-Derblecken: Stoiber-Double wird Fastenprediger. 12. September 2007.
  19. PNP-Online: Nun muss ein anderer die Politiker derblecken. (23. Dezember 2003) (Memento vom 2. Mai 2009 im Internet Archive)
  20. http://www.dradio.de/dlf/vorschau/ Deutschlandfunk, Sendung Querköpfe, 18. August 2010, Thomas Klug, Tim Lang: Kassenwart von Neuschwanstein oder „Nockherberg Ade!“ Der Kabarettist Christian Springer alias Fonsi
  21. Lerchenberg tritt zurück, Süddeutsche Zeitung vom 5. März 2010
  22. Die erste Frau auf dem Nockherberg, Augsburger Allgemeine, abgerufen am 15. November 2010
  23. Wolfgang Görl: Hinterfotzige Streicheleinheiten, Süddeutsche Zeitung, 23. März 2011 (abgerufen am 24. März 2011)
  24. Süddeutsche Zeitung: Abschied vom Nockherberg – „Das war’s dann“. 6. April 2009
  25. Mönche, Mädchen und Panduren in der Internet Movie Database (englisch)
  26. Hannes Burger 1984, S. 67–74
  27. Hannes Burger 1984, S. 45, 69; ders. 1998, S. 14, 18 f.
  28. a b Johann Peter Weigl: Kyesinga – Das Dorf Giesing. In: Helmut Lindner (Hrsg.): Giesing, Au, Haidhausen. Aumeier, München 1979, S. 30–50 (S. 33, 35)
  29. Richard Bauer, Eva Graf: Nachbarschaften. Altmünchner Herbergsviertel und ihre Bewohner. 2. Auflage. Hugendubel, München 1985, S. 108, ISBN 3-88034-246-6
  30. Folker Dohr: Grundwassersituation im oberen Grundwasserstockwerk – Isohypsen 1984 (Memento vom 20. August 2005 im Internet Archive), 18. Juni 2006 (mit einer Karte der Münchner Grundwasserverhältnisse 1984)
  31. Martin Schmitz (Hrsg.): Frisch restauriert. Historische Treppe zum Paulaner am Nockherberg, 3. Juni 2006
  32. Georg Konjović u. a.: Au (Memento vom 2. März 2009 im Internet Archive), 3. Juni 2006
  33. Helmut Lindner: Alteingesessenes Auer Gewerbe. In: Helmut Lindner (Hrsg.): Giesing, Au, Haidhausen. Aumeier, München 1979, S. 132–135 (S. 135)
  34. Hannes Burger 1984, S. 14, 56
  35. bod.de: Bilder aus der alten Au
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Koordinaten: 48° 7′ 17″ N, 11° 34′ 57″ O


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