BYD Auto

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BYD Auto
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Rechtsform Aktiengesellschaft (Tochtergesellschaft)
Gründung 2003
Sitz Shenzhen, Guangdong, Volksrepublik China
Leitung Wang Chuan-fu (geschäftsführender Direktor) [1]
Branche Automobilhersteller
Website http://www.byd.com/
BYD auf der High-Tech-Fair in Shenzhen, November 2009

BYD Auto Company Limited, kurz: BYD Auto, ist ein Autohersteller in Shenzhen in der Provinz Guangdong in der Volksrepublik China und eine Tochtergesellschaft der BYD Company Ltd. Das Unternehmen ist einer der größten Automobilproduzenten Chinas und an der Hong Kong Stock Exchange notiert. Seit 2015 ist BYD Auto weltweit führend beim Verkauf von elektrisch aufladbaren Fahrzeugen.[2] Im Bereich der Elektromobilität gilt es - nicht zuletzt durch die Markteinführung der weltweit ersten Elektro-Sattelzugmaschine, des ersten Elektro-Gelenkbusses und des ersten Elektro-Doppeldeckerbusses - als eines der innovativsten Unternehmen.

BYD ist das Akronym für: Build your dreams.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2003 kaufte das bis dahin auf die Herstellung von Batterien spezialisierte Unternehmen BYD den angeschlagenen, staatlichen Automobilhersteller Xi'an Tsinchuan Auto Co., Ltd. Dieser Unternehmenszweig firmiert seither als Tochtergesellschaft unter BYD Auto Co. Ltd.

Bei dem Kauf des staatlichen Unternehmens ging es BYD weniger um den Erwerb von technischem Know-how als um die staatliche Lizenz zum Automobilbau, die seinerzeit in der Regel nur im Rahmen von Joint Ventures vergeben wurde. Zunächst wurde die Produktion des erfolglosen Kleinstwagen Flyer übernommen und unter der Bezeichnung BYD Flyer weitergeführt. Das Modell blieb jedoch mit geringen Verkaufszahlen weitgehend unbeachtet.

In den Folgejahren vermied das Unternehmen den schnelleren Weg der Nutzung von Lizenzbauten globaler Konzerne, sondern setzte langfristig auf Eigenentwicklungen.[3] Dabei kam es zunächst - wie bei anderen chinesischen Unternehmen auch - in einer ersten Phase zu Nachbauten ausländischer Automarken: In eigenen Forschungs- und Entwicklungszentren wurden ausgewählte Modelle anderer Hersteller zerlegt, alle patentierten Bauteile durch maßgefertigte Eigenentwicklungen ersetzt und als neues Modell wieder zusammengefügt. So war der Ende 2005 entwickelte BYD F3 eine weitgehende Imitation des Toyota Corolla und der 2010 erschienene BYD M6 ähnelt äußerlich stark dem Toyota Previa. Diese Vorgehensweise ermöglichte einen schnellen Lernprozess, der zur Entwicklung eigener Technik führte: Bereits 2007 besaß das Automobilunternehmen bereits mehr als 2000 Patente auf Eigenentwicklungen.[3]

Im Unterschied zu den meisten anderen Automobilherstellern, die auf Produkte der Zuliefererindustrie zurückgreifen, produziert BYD Auto die meisten Komponenten selbst; hierzu gehören neben Motoren, Getrieben, Steuer- und Bremssystemen und der gesamten Fahrzeugelektronik selbst Scheibenwischer, Sicherheitsgurte, Airbags und CD-Spieler (lediglich Reifen, Autoglas und wenige Bauteile allgemeiner Art werden extern beschafft.)

Die hierzu erforderliche personalintensive (und für westliche Unternehmen zu kostenintensive) Eigenfertigung vieler Komponenten in relativ geringen Stückzahlen wurde ermöglicht durch Produktionsprozesse, die die Muttergesellschaft BYD bereits im Bereich der Batterieherstellung praktizierte: Die Ablaufabschnitte in der Produktion konnten mittels einer äußerst detaillierten Beschreibung des Workflow so stark verkleinert werden, dass auch junge Menschen mit geringer und selbst gar keiner beruflichen Qualifizierung eingestellt werden. Dies erlaubt eine halbautomatische Fertigung von Autoteilen, die qualitativ den (bei anderen Herstellern in der Regel) von Industrierobotern gefertigten Produkten vergleichbar sind, jedoch, bedingt durch die in China gegebenen Niedriglöhne, kostengünstiger angeboten werden können.

Zur Verbesserung der weiteren Unabhängigkeit von Zulieferern und zur Erreichung eines weitgehend autarken Produktionsprozesses erwarb BYD Auto am 10. März 2010 vom japanischen Unternehmen Ogihara Corp. eine Fabrik zur Herstellung von Fahrzeugteil-Urformen.[4] Gleichzeitig erweiterte BYD Auto permanent seine Forschungs- und Entwicklungszentren, an denen heute rund 10.000 Wissenschaftler an inzwischen vier Standorten arbeiten.

Dies förderte in einer zweiten Phase den Übergang zu vollständig neuen Entwicklungen. Das Ergebnis waren neuartige Fahrzeuge, wie der BYD F3DM als erstes Hybridfahrzeug Chinas[5], das Nachfolgemodell BYD Qin sowie der BYD e6, ein Elektroauto, das weltweit vor allem als Taxi im Einsatz ist.

2010 wurden bereits über 500.000 Fahrzeuge produziert.[6]

Der global vermarktete BYD ebus wird auch in Europa im regulären Liniendienst eingesetzt, so in den Niederlanden (35 Busse in Amsterdam-Schiphol) und in London (zwei Linien mit 51 Batteriebussen). Damit stellt BYD Auto die größten Elektrobusflotten in Europa.[7]

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag bestätigte in einem Bericht zur Zukunft der Automobilindustrie dem Unternehmen BYD Auto einen hohen Integrationsgrad und eine hohe Wertschöpfungstiefe im Bereich der für Elektrofahrzeuge notwendigen Batterienherstellung.[8]

Am 29. März 2012 hat das Unternehmen vom TÜV Rheinland ein Sicherheitszertifikat für die Ladeeinrichtungen seiner Elektrofahrzeuge BYD ebus und BYD e6 erhalten, das die angestrebte Vermarktung dieser Produkte auf dem europäischen und amerikanischen Markt vereinfacht.[9]

Im selben Jahr erweiterte BYD sein Geschäftsfeld um die Produktion von Gabelstaplern und Niederhubwagen. Auf einem neu erschlossenen Gelände im Industriepark Shaoguan entstand auf 100.000 m2 eine Fabrik mit Fertigungskapazitäten für 50.000 Fahrzeuge pro Jahr.[10] 2016 erhielt das Unternehmen auf der Leitmesse CeMAT in Hannover von dem unter Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie stehenden IFOY Award die Auszeichnung „Weltbester Stapler des Jahres“.[11]

2014 erweiterte das Unternehmen sein Angebot von Elektrofahrzeugen um die Elektrolastkraftwagen T5 und T7 sowie die weltweit erste Elektro-Sattelzugmaschine T9. BYD-Elektrolastkraftwagen werden seit September 2016 in größerer Stückzahl als Großkehrmaschine zur Reinigung der Straßen der chinesischen Hauptstadt Beijing eingesetzt.

Unternehmen aus dem Bereich der Batterietechnik verfügen über einen Innovationsvorteil bei der Neuentwicklung von Elektrofahrzeugen gegenüber traditionellen Automobilkonzernen, die eher an der Verbesserung des herkömmlichen Verbrennungsmotors sowie des (bei Elektrofahrzeugen nicht vorhandenen) Antriebsstranges (Getriebe, Kupplung, Abgasminderung) festhalten. In der ersten Jahreshälfte 2016 vervielfachte das Unternehmen den Gewinn um 384 %.[12]

Produktionsstandorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BYD Auto verfügt über sieben größere Produktionsstandorte in Xi’an, Beijing, Pingshan, Huizhou, Shanghai, Changsha und Shaoguan.[13] In der kalifornischen Stadt Lancaster besteht eine Produktionsstätte zur Fertigung von Elektrolastkraftwagen und des BYD ebus. Zusammen mit dem Unternehmen Alexander Dennis werden in der schottischen Stadt Falkirk Batteriebusse für den britischen Markt gefertigt. Bis Ende 2016 entsteht in der ungarischen Stadt Komárom die erste Automobilfabrik des Unternehmens auf dem europäischen Kontinent. Zunächst ist eine jährliche Montage von 200 Elektrobussen sowie von Elektro-Gabelstaplern vorgesehen. Nach Erweiterung sollen auch Elektrolastkraftwagen für den europäischen Markt gefertigt werden. Das Werk wird als Tochterunternehmen unter der Bezeichnung BYD Electric Bus & Truck Hungary Kft geführt.[14]

Modelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinstwagen

Kompaktklasse

Mittelklasse

SUV

Van

Linienbus

Reisebus

  • BYD C9, der weltweit erste rein elektrische Reisebus (seit 2016)

Lastkraftwagen

  • BYD T5, ein Elektrolastkraftwagen für 7,5 t zulässiges Gesamtgewicht
  • BYD T7, ein Elektrolastkraftwagen für 10,7 t zulässiges Gesamtgewicht
  • BYD T8, eine Elektro-Terminal-Zugmaschine mit einem zulässigen Gesamtgewicht von rund 46 t
  • BYD T9, die weltweit erste, dreiachsige, rein elektrische Sattelzugmaschine (derzeit nur in Asien und den USA vermarktet)[15]

Gabelstapler

  • verschiedene Modelle mit Elektromotor bis zu einer Tragfähigkeit von 3,5 t

Niederhubwagen

Green City Solution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das vom Unternehmen entworfene Konzept Green City Solution ist ein mit Berechnungen untermauerter Entwurf eines Planes, den Nahverkehr in Städten zu elektrifizieren. Dabei sollen die bisher genutzten Busse und Taxis (mit Diesel- oder Benzinmotoren) durch rein elektrisch angetriebene Fahrzeuges (BYD e6 und BYD ebus) ersetzt werden. BYD belegte 2010 dank diesem Konzept Platz 8 in einem Ranking der Boston Consulting Group, in welchem die innovativsten Unternehmen der Welt ausgezeichnet wurden.[16]

Chinesische Großstädte sind mit erheblicher Luftverschmutzung belastet, die auch durch die wachsende Motorisierung mitverursacht wird. Nach Aussage des Konzepts gibt es in China heute über 30 Millionen Personenwagen, davon etwa 1,2 Millionen Taxis und darüber hinaus rund 500.000 Busse. Daher sieht das Unternehmen bei diesen Fahrzeugen ein großes Sparpotenzial hinsichtlich des Treibstoffverbrauchs und der produzierten Abgase. Würde man alle Taxis und Busse in China durch Elektrovehikel ersetzen, hätte das (nach Aussage dieses Konzepts) die gleiche Wirkung, wie 27 Millionen herkömmliche Personenwagen mit Verbrennungsmotoren zu Elektroautos umzurüsten.

Das Konzept Green City Solution will nicht nur CO2-Emissionen durch den Einsatz von Elektrofahrzeuge reduzieren. Vielmehr soll der benötigte Strom durch Solar- und Windkraftanlagen (des Unternehmens) erzeugt, in BYD-Batterie-Speicherkraftwerken gespeichert und an ein zu errichtendes Netz von Ladestationen in den Städten übertragen werden. Die Studie des Konzerns geht davon aus, mit diesen Maßnahmen sowohl die Schadstoffbelastung in den Städten als auch die Betriebskosten von Bussen und Taxis um rund ein Drittel senken zu können.[17]

Green City Solution fügt sich in von der Regierung eingeleitete Modernisierungskampagnen ein, die den Ersatz der mit Dieselmotoren angetriebenen Stadtbusse durch Elektrobusse zum Ziel haben. Branchenkenner gehen von einer jährlichen Inlands-Nachfrage von 50.000 bis 150.000 Fahrzeugen dieses Typs aus. Darüber hinaus hat die Regierung 2009 einen mit Subventionen hinterlegten Wirtschaftsplan verabschiedet, nach dem die Volksrepublik zum weltweiten Marktführer für Busse mit Elektroantrieb werden soll.[18]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: BYD Automobile – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: BYD Auto – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. List of Directors and their Role and Function (PDF; 100 KB) Veröffentlichung des Unternehmens vom April 2012. Abgerufen am 10. November 2013.
  2. China’s BYD is World’s Largest EV Manufacturer vom 28. Dezember 2015. Abgerufen am 6. Januar 2016.
  3. a b BYD way of manufacture history Chinaanalysis vom 3. April 2011. Abgerufen am 19. Oktober 2013.
  4. BYD to take over Japanese die factory Nachrichtenagentur Reuters vom 27. März 2010. Abgerufen am 1. November 2013.
  5. China's First Plug-In Hybrid Car Rolls Out Bloomberg Businessweek vom 15. Dezember 2008. Abgerufen am 10. November 2013.
  6. China Car Market 2010: Who Makes All Those 18 Million Cars? The Truth About Cars vom 19. Januar 2011. Abgerufen am 29. September 2013.
  7. Mayor unveils first fully electric bus routes for central London Webseite des Londoner Bürgermeisters vom 9. September 2016. Abgerufen am 2. Oktober 2016.
  8. Zukunft der Automobilindustrie (PDF; 4,12 MB) Arbeitsbericht Nr. 152 des TAB, Seite 106, vom September 2012. Abgerufen am 16. November 2013.
  9. BYD Acquires TÜV Rheinland Certificate for EV Charging Facility Pressemitteilung des Unternehmens vom 29. März 2012. Abgerufen am 8. Dezember 2013.
  10. BYD bereitet Markteintritt in Europa vor Webseite "Handling.de" vom 28. November 2013. Abgerufen am 8. Dezember 2013.
  11. IFOY AWARD 2016 Internetauftritt des IFOY Award. Abgerufen am 1. Oktober 2016.
  12. BYD vervielfacht Gewinn Automobil-Produktion vom 31. August 2016. Abgerufen am 9. Oktober 2016.
  13. Auto Business Webseite des Herstellers. Abgerufen am 17. November 2013.
  14. BYD greift Daimler mit eigener Fabrik in Europa an Manager Magazin vom 20. Oktober 2016. Abgerufen am 20. Oktober 2016.
  15. 100% electric trucks US-Internetauftritt des Herstellers. Abgerufen am 3. Oktober 2016.
  16. http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Die-Innovation-kommt-aus-dem-Osten/story/19666804
  17. BYD Green City Solution Webseite des Unternehmens. Abgerufen am 1. November 2013.
  18. China vies to be world’s leader in electric cars The New York Times vom 2. April 2009. Abgerufen am 1. November 2013.