Maico

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Maico Emblem
Maico-Mobil Emblem

Maico ist der Name eines Familienunternehmens im schwäbischen Pfäffingen bei Tübingen. Es wurde 1926 von Ulrich Maisch als Maisch & Compagnons gegründet und begann mit dem Bau von Fahrrädern und Zubehör. Ab ca. 1931 wurden auch Leicht-Motorräder in das Produktions- und Verkaufsprogramm aufgenommen, nun unter der Geschäftsleitung der Söhne des Unternehmensgründers, Otto und Wilhelm Maisch.

Die Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Versuchsversionen der Maico-Motorfahrräder waren mit einem 60-cm³-Motor der ILO-Motorenwerke ausgestattet. In Serie wurden überwiegend 98-cm³-Motoren von Fichtel & Sachs und die leistungsfähigeren 118-cm³- und 150-cm³-ILO-Motoren eingebaut. Auch die Verwendung von 60-cm³-ILO-, Saxonette-, 200-cm³-Bark- und 125-cm³-Sachs-Motoren in kleiner Stückzahl ist nachweisbar.

Durch den Schell-Plan der nationalsozialistischen Regierung, der auf eine Reduzierung der Typenvielfalt im deutschen Fahrzeugbau abzielte, war Maico ab 1939 gezwungen, ein Einheitsmodell zusammen mit den Herstellern Hecker, Tornax und UT zu bauen. Dieses Modell, die K 125 mit 125-cm³-ILO-Doppelportmotor (Einzylinder mit zwei Auspuffrohren) wurde federführend von Maico entwickelt und auch während des Krieges, neben der Produktion von Zulieferteilen für die Rüstungsproduktion, in kleiner Stückzahl gebaut. Für den Export waren die 98-cm³- und 118-cm³- Modelle weiterhin lieferbar.

Die Produktion nach 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maico Blizzard

Nach dem Zweiten Weltkrieg wandte sich Maico kurz der Herstellung von Spielzeug und Holzvergasern zu, kehrte aber angesichts der stürmischen Nachfrage nach Motorfahrzeugen wieder zum Bau von Motorfahrrädern zurück, zunächst unter Verwendung des neuen 98-cm³-Sachsmotors mit Magura-Drehgriffschaltung.

Die Produktion der attraktiveren K 125 war stark gebremst durch mangelnde Lieferfähigkeit und Qualitätsprobleme des Motorenlieferanten ILO-Süd im amerikanisch besetzten München und dauernde Schwierigkeiten, die knappen Motoren über die Besatzungszonengrenze ins französisch besetzte Pfäffingen einzuführen. So entwickelte und produzierte Maico zunächst verbesserte Nachbauten von ILO-Kurbelwellen und Getrieben für den Ersatzteilbedarf, um im Herbst 1948 erstmals einen eigenen Motor für das neue Modell M 125 zu präsentieren. Der M-125-Motor (sogenannter Maico-Spitzmotor) entspricht nur optisch seinem ILO-Vorbild, tatsächlich war es eine Neuentwicklung. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal zum ILO ist die Dreigang-Drehgriffschaltung von Magura.

Hubraumstärkere Varianten dieses Motors fanden in den Motorrädern M 150 und M 151 und auch in den Motorrollern „Maicomobil“ MB 151 und MB 175 Verwendung. Ab Anfang 1952 war für die Modelle M 175, MB 175 und wenige Exemplare der M 151 ein neues Viergang-Fußschaltgetriebe in der alten Gehäuseform (sog. „Maico-Spitzmotor“) verfügbar.

1953 wurden die Maico-Motoren neu gestaltet. Die Hauptabmessungen blieben erhalten, die Lichtmaschine wurde ins Gehäuse integriert, das äußere Erscheinungsbild wurde geglättet und hielt sich in dieser Form fast unverändert bis zum Erscheinen der Fünfgang-Modelle 22 Jahre später. Diesen Motortyp (sog. „Maico-Rundmotor“) gab es in unterschiedlichen Hubraumvarianten in den Motorrädern M 175, M 200 „Fanal“, „Passat“, M 175 S, M 200 S, „M 250/M 277 Blizzard“, den Motorrollern „Maicomobil MB 200“ und „Maicoletta“ 175, 250 und 277 und in zahlreichen Sportmaschinen. Das Spitzenmodell der 1950er-Jahre war die „Taifun“, eine innovative Zweizylinder-Zweitakt-Maschine, wahlweise mit 350 oder 400 cm³ Hubraum. Das 400-cm³-Modell leistete 22,5 PS bei 5200/min.

Der PKW-Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1954 ließ das allgemeine Interesse an Motorrädern in Deutschland nach, die Nachfrage tendierte in Richtung Automobil.

PKW Maico 500

Wie viele andere Unternehmen, so produzierte auch Maico von 1955 bis 1958 Kleinwagen-Modelle mit Ganzstahlkarosserie, wassergekühlten Heinkel-Zweizylinder-Zweitakt-Reihenmotoren von 400 und 450 cm³ Hubraum mit 15 bzw. 18 PS Leistung. Sie erreichten Höchstgeschwindigkeiten von 80 bzw 90 km/h; das zweisitzige Modell 400 H wurde insgesamt 3008-mal hergestellt, davon bei Maico als MC 400/H in 783 Exemplaren.

Erfolgreicher war der 1955 auf der IAA vorgestellte viersitzige Typ MC 500/4, von dem 6301 Stück zum Preis von 3665,– DM verkauft wurden. Nur Kleinserien erlebten hingegen das Kombimodell MC 500 G (insgesamt 21 Stück, Preis 4500,– DM), das viersitzige Modell MC 400/4 und das 110 km/h schnelle 20-PS-Modell 500 Sport, das bis Ende 1957 hergestellt wurde (nur 4 Stück). Abgesehen vom letztgenannten Modell handelte es sich bei diesen Typen nur um die Produktionsfortsetzung des Champion-Kleinwagens mit einigen Weiterentwicklungen.

Wegen des nachlassenden Interesses an Straßenmotorrädern und der wenig erfolgreichen Kleinwagen-Episode setzte Maico nun auf Gelände- und Moto-Cross-Maschinen; die Sportgeräte aus dem Hause Maico genossen zu dieser Zeit einen guten Ruf und waren erfolgreich.

Die PKW-Scheibenbremse von Maico[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1962 kaufte Maico von der Entwicklungsgesellschaft OJR (Oswald Josef Rosamowski) ein fertiges Patent einer Ring-Scheibenbremse, um die schwache Produktion im Winter mit einem weiteren Geschäftsfeld auszulasten. Die nun angebotene Maico-Scheibenbremse als Nachrüstlösung für PKWs sollte interessierte Sportfahrer als Kunden ansprechen. Maico bot Umrüstsätze außer für den VW 1200 und 1500 ebenso für den Porsche 356, den Karmann Ghia sowie den Peugeot 404 an.

Die Produktion 1959 bis 1967[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feldjäger mit einer M 250/B, Militärhistorisches Museum der Bundeswehr

Von 1959 bis 1961 konnte Maico das Militärmotorradmodell M 250/B auf Grundlage der Blizzard in einer Stückzahl von etwa 10.000 an die Bundeswehr und den Bundesgrenzschutz ausliefern. Das Modell M 250/B löste die vorher verwendeten wenig geländegängigen Triumph- und DKW-Maschinen ab, wobei das Werk aus innenpolitischer Veranlassung und wegen der hohen Stückzahl die Hilfe der Zweirad-Union in Nürnberg in Anspruch nehmen musste. Die Zweirad-Union montierte etwa ein Drittel der produzierten Maschinen; jedoch lieferte Maico auch für die in Nürnberg erstellten Motorräder Motor, Tank, Gabeln und Naben.

Ein neuer Versuch im Bereich der Straßenmotorräder Mitte der 1960er-Jahre begann problematisch. Auf dem US-Markt erhoffte sich Maico mit einem modernen 125-cm³-Drehschiebermotor lukrative Geschäfte. Das 1966 erschienene Modell MD 125 mit einer Nennleistung von 11 PS enttäuschte jedoch und zu dem lukrativen US-Geschäft kam es nicht. Überdies war das Motorrad der geringen Generatorleistung wegen in Deutschland nicht zulassungsfähig. Nach einer grundlegenden Umgestaltung des Motors durch Günther Schier kam es aber zum Durchbruch. Der Motor brachte es schon 1967 auf standfeste 14,5 PS und hatte einen ausreichend dimensionierten Generator. Einer deutschen Zulassung stand nun nichts mehr im Wege. Maico war mit der MD 125 der Konkurrenz einen Schritt voraus. Allerdings war in Deutschland zu dieser Zeit so gut wie kein Markt für 125-cm³-Motorräder vorhanden, sodass der kommerzielle Erfolg ausblieb.[1] In der Rennmaschine RS 125 leistete der Motor in seiner erfolgreichsten Zeit über 30 PS und gewann mit Börje Jannson drei Weltmeisterschaftsläufe in der Klasse bis 125 cm³.

Der große Wettbewerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maico 125 RS, Baujahr 1970, beim Oldtimer Festival des DAMC 05 im Fahrerlager des Nürburgrings 2007
Maico 360, Baujahr 1968, Veteranen-Moto Cross Radevormwald, September 2005

1967 erschien im Fahrwerk der MD 125 ein Kleinkraftrad (eine heute in der Bundesrepublik nicht mehr gebräuchliche Motorradklasse bis 50 cm³ Hubraum) unter der Bezeichnung MD 50, ein Modell mit Drehschiebersteuerung. Jedoch war Maico mit diesem Modell nicht in der Lage, die Dominanz der Kreidler-, Zündapp- und Hercules-Maschinen in diesem Marktsegment zu gefährden, nicht zuletzt auch infolge verschiedener Fertigungsmängel, die der MD 50 anhafteten und nicht vollständig beseitigt werden konnten. So verhinderten auch das damals unübliche Sechsganggetriebe (ab 1972), das hervorragende Fahrwerk, der konstruktionsbedingt eher wartungsarme Motor und der im Verhältnis zur Konkurrenz günstige Kaufpreis nicht, dass die MD 50 einen schlechten Ruf hatte. Auch die MD 250, eine 250-cm³-Variante, zuletzt in der wassergekühlten Version MD 250 WK auf dem Markt, und der Versuch, mit der in den 1970er-Jahren gebauten Maico 125 RS ein Motorrad für den Straßenrennsport in größerer Stückzahl zu verkaufen, brachten Maico keinen kommerziellen Erfolg. Die bis zu 190 km/h schnelle RS 125 wurde bis 1974 angeboten, zuletzt für 6170,00 DM, was einem heutigen Preis von 8.900 Euro entspricht.[2]

Einen geradezu legendären Ruf hingegen hatten die ab Mitte der 1960er-Jahre von Maico entwickelten Geländemotorräder, die den Erfolg des Unternehmens durch eine Vielzahl von Erfolgen im Motocross-Sport in den 1970er-Jahren begründeten. Entgegen anderen Aussagen ist es Maico jedoch nicht gelungen, einen Moto-Cross Weltmeistertitel zu erringen. Neben Åke Jonsson, Adolf Weil und Willy Bauer war Hans Maisch, der Sohn von Wilhelm Maisch, einer der erfolgreichen Maico-Werksfahrer.

Seit 1985[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach wirtschaftlichen Problemen – nicht zuletzt wegen Streitigkeiten innerhalb der Familie Maisch – kam es Mitte der 1980er-Jahre zum dritten Konkurs, bei dem das Familienunternehmen endgültig aufgelöst wurde.

1987 übernahm der Industriezulieferer Lorenz Merkle die Reste des Unternehmens einschließlich des Markennamens. Damaliger Firmensitz war Nördlingen/Bayern und später Bopfingen/Baden-Württemberg. Es wurde mit einer Neukonzipierung der Maico-Motorräder, die Innovationen wie einen Diesel-betriebenen Zweischeiben-Wankelmotor umfassten, begonnen. Diese Ideen wurden nicht verwirklicht. Von 1995 bis 1999 wurden herkömmliche Maico-Motorräder in den Niederlanden hergestellt. Seitdem stellt der Leverkusener Motorrad-Händler Zweirad Köstler GbR in geringen Stückzahlen Motorräder unter dem Namen Maico her.[3] Im aktuellen Angebot sind Motocross-, Enduro- und Supermoto-Maschinen mit wassergekühlten Einzylinder-Zweitakt-Motoren von 250 bis 685 cm³.

Im Jahr 2010 wurde die Wortmarke auf die Tochter von Otto Maisch, Ingrid di Censo umgeschrieben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank O. Hrachowy: Maico Motorräder: Geschichte – Typen – Technik, Verlag Vennekate, Lemgo 2005, ISBN 978-3-935-51721-8.
  • Frank Rönicke: Maico: Motorräder 1934–1994, Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-613-02812-8
  • Jan Leek: Maico Motorräder 1934–1987 (Dokumentation), Schrader Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-87214-5

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frank O. Hrachowy: Maico Motorräder. Verlag Johann Kleine Vennekate, Lemgo 2005, ISBN 3935517211.
  2. Motorradkatalog 1974. Motor-Presse-Verlag, Stuttgart 1973, S. 28.
  3. http://www.koestler-bikeworld.de/de/maico-bikes/maico-shop/maico-modelle-2016.html, abgerufen am 5. November 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Maico – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien