Raymond Poulidor

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Raymond Poulidor beim Étoile de Bessèges (2012)
Raymond Poulidor 1966
Raymond Poulidor (1993)

Raymond „Poupou“ Poulidor (* 15. April 1936 in Masbaraud-Mérignat, Département Creuse; † 13. November 2019 in Saint-Léonard-de-Noblat)[1] war einer der populärsten französischen Radrennfahrer.[2] Er galt als der „ewige Zweite“, da er nie die Tour de France gewann, aber dreimal den zweiten Platz belegte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raymond Poulidor wurde nach der Nichtnominierung für die Amateurrennen der Straßen-Weltmeisterschaften 1958 in Reims Ende 1959 Profi bei der Mannschaft Mercier-BP, für die er bis zu seinem Karriereende fuhr.

Der in Frankreich nur „Poupou“ genannte Poulidor gelangte zwischen 1962 und 1976 achtmal auf das Podium der Tour de France (drei 2. Plätze, fünf 3. Plätze), ohne das wichtigste Etappenrennen der Welt ein einziges Mal zu gewinnen oder auch nur das Gelbe Trikot zu tragen. In Frankreich wird sein Name daher bis heute faktisch als Synonym für „Pechvogel“ verwendet. Trotz oder gerade wegen dieses Images als „ewiger Zweiter“ war Poulidor zu seiner aktiven Zeit der populärste Sportler Frankreichs, vor seinem großen sportlichen Rivalen, dem fünfmaligen Toursieger Jacques Anquetil.

Bei seiner ersten Teilnahme 1962 wurde Poulidor Dritter. 1964 kam Poulidor einem Tour-de-France-Sieg am nächsten. Sein Ellenbogenduell mit dem Favoriten Anquetil am Puy de Dôme ging in die französische Sportgeschichte ein. Anquetil war im Gegensatz zu Poulidor am Ende seiner Kräfte, verbarg seine Erschöpfung am Berg aber geschickt vor seinem Konkurrenten. Poulidor wartete viel zu lange mit seinem Angriff. In Paris trennten ihn letztlich nur 55 Sekunden vom Gelben Trikot.[3] Ebenfalls Zweiter wurde er 1965 hinter Felice Gimondi und 1974 hinter Eddy Merckx.

Unter Poulidors zahlreichen Erfolgen bei anderen Etappenrennen stechen zwei Gesamtsiege beim Critérium du Dauphiné Libéré 1966 und 1969, bei Paris–Nizza 1972 und 1973 sowie der Vuelta a España 1964 heraus. Auch bei den Klassikern war er erfolgreich: Er gewann 1961 Mailand-San Remo und 1963 den Wallonischen Pfeil.

Während seiner gesamten Profilaufbahn vertrat Poulidor sein Land bei den Straßenweltmeisterschaften und klassierte sich bei 18 Starts 17 mal. Bei seiner ersten Teilnahme 1960 auf dem Sachsenring wurde er Fünfter. 1961, 1964 und 1966 gewann er jeweils die Bronzemedaille. Den größten Erfolg bei einer Profiweltmeisterschaft schaffte er 1974 im kanadischen Montreal, als er Vize-Weltmeister hinter Eddy Merckx wurde.

In den 18 Jahren seiner Karriere als Berufsfahrer errang Poulidor 195 Siege, darunter auch 7 Etappensiege bei der Tour de France. Insgesamt gewann er 34 Etappen bei diversen Rundfahrten sowie 116 Kriterien.[4] 1974 wählte Sportzeitung L’Équipe ihn zu Frankreichs Sportler des Jahres („Champion des champions“).

1977 beendete Poulidor seine Laufbahn, nachdem er ein Jahr zuvor als 40-Jähriger noch einmal Dritter bei der Tour de France geworden war.

2008 fertigte der Künstler Jean-Joseph Sanfourche eine Lithografie Merci Mr. Poulidor als Hommage an seine sportlichen Leistungen und übergab sie bei einem Treffen. Sanfourche und Poulidor waren zwei der bekanntesten Bewohner von Saint-Léonard-de-Noblat.

Anfang Oktober 2019 wurde Raymond Poulidor mit Herzproblemen ins Krankenhaus eingeliefert. Er starb am 13. November 2019 im Alter von 83 Jahren in seinem Wohnort.[1]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Poulidor heiratete 1961 Gisèle Bardet. Das Paar hat zwei Töchter, Isabelle und Corinne. Corinne ist mit dem niederländischen Radfahrer Adrie van der Poel verheiratet, deren Sohn ist der ebenfalls erfolgreiche Rennfahrer Mathieu van der Poel.[1]

Palmarès (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Poulidor bei der Tour 1976

1961

1962

1963

1964

1965

1966

1967

1968

1969

1971

1972

1973

1974

1975

Grand Tours[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grand Tour196019611962196319641965196619671968196919701971197219731974197519761977
Oranges Trikot Vuelta a EspañaVuelta1289
Maglia Rosa Giro d’ItaliaGiro
Gelbes Trikot Tour de FranceTour382239DNF373DNF2193
Legende: DNF: did not finish, aufgegeben oder wegen Zeitüberschreitung aus dem Rennen genommen.

Weltmeisterschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Legende: DNF: did not finish, aufgegeben oder wegen Zeitüberschreitung nicht klassifiziert.

Monumente des Radsports[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monument196019611962196319641965196619671968196919701971197219731974197519761977
Mailand–Sanremo157241733553624648
Flandern-Rundfahrt9
Paris–Roubaix1936567613111010241312
Lüttich–Bastogne–Lüttich53848
Lombardei-Rundfahrt9612633165155

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Olivier Hennegrave: Radsport: Anquetil/Poulidor (Dokumentation in der Reihe Die großen Sportduelle), Arte, Frankreich 2001, 50 min.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georges Dirand, Pierre Joly: Poulidor. Calmann-Lévy, Paris 1974.
  • Jean-Paul Ollivier: Raymond Poulidor. Glénat, Grenoble 1994, ISBN 2-7234-1784-0.
  • Jacques Augendre: Anquetil – Poulidor, un divorce français. Pascuito, Paris 2008, ISBN 978-2-35085-052-8.
  • Didier Béoutis: Le duel. Anquetil – Poulidor. Dix ans de confrontation (1960–1969). Mareuil Éditions, Paris 2018, ISBN 978-2-37254-084-1.
  • Georges Dirand, Pierre Joly: Poulidor. Mon Age d’Or, Calmann-Lévy, Paris, 1972.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Raymond Poulidor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c cvh: Französische Radsport-Legende Raymond Poulidor ist tot. In: Focus Online. 13. November 2019, abgerufen am 13. November 2019.
  2. Raymond "Poupou" Poulidor (83) is overleden. In: sporza.be. 13. November 2019, abgerufen am 13. November 2019 (niederländisch).
  3. Didier Béoutis: Le duel. Anquetil–Poulidor. Dix ans de confrontation (1960–1969). Mareuil Éditions, Paris 2018, S. 129–191.
  4. Rene Jacobs u. a.: Velo 1978. Dendermonde, S. 236.