Chris Froome

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Christopher Froome Straßenradsport
Chris Froome Tour de Romandie 2013 (cropped).JPG
Zur Person
Spitzname Froomey[1]
Geburtsdatum 20. Mai 1985 (33 Jahre)
Nation Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Disziplin Straße
Fahrertyp Rundfahrer
Körpergröße 1,86 m
Renngewicht 69 kg
Zum Team
Aktuelles Team Sky
Funktion Fahrer
Team(s)
2007
2008–2009
2010–
Konica Minolta
Barloworld
Sky
Wichtigste Erfolge
UCI WorldTour
Gelbes Trikot Tour de France 2013, 2015, 2016, 2017
Jersey pink.svg Giro d’Italia 2018
Jersey red.svg Vuelta a España 2017
Olympische Spiele
Bronze Olympische Spiele 2012 – Einzelzeitfahren
Bronze Olympische Spiele 2016 – Einzelzeitfahren
Letzte Aktualisierung: 27. Mai 2018

Christopher „Chris“ Froome, OBE (* 20. Mai 1985 in Nairobi, Kenia) ist ein britischer Radrennfahrer. Er ist viermaliger Sieger der Tour de France (2013, 2015–2017) und entschied mit der Vuelta a España 2017 und dem Giro d’Italia 2018 auch die anderen beiden Großen Landesrundfahrten für sich.

Sportlicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Froome wurde in Kenia geboren und widmete sich dort zunächst dem Mountainbikesport.[2] Als Jugendlicher zog er mit seinen Eltern nach Südafrika.[3] Bis 2007 bestritt Froome internationale Radrennen mit kenianischer Lizenz, seitdem fährt er aufgrund der über seine Eltern erworbenen britischen Staatsbürgerschaft mit britischer Lizenz.[4] Für Kenia gewann er 2007 die Silbermedaille bei der B-Weltmeisterschaft im Einzelzeitfahren, beim Straßenrennen der Afrikaspiele wurde er im selben Jahr Dritter.

Nachdem Froome 2007 bereits für das südafrikanische Continental Team Konica Minolta gefahren war, wechselte er 2008 zum ebenfalls südafrikanischen Professional Continental Team Barloworld. Für Barloworld bestritt er die Tour de France 2008 und den Giro d’Italia 2009. Er beendete diese Rundfahrten auf den Plätzen 84 und 36.

In der Saison 2010 wurde Froome Mitglied des britischen UCI ProTeams Sky ProCycling. Beim Giro d’Italia 2010 wurde auf der 19. Etappe disqualifiziert, nachdem er sich, um die Etappe trotz Kniebeschwerden beenden zu können, in einem Anstieg von einem Polizeimotorrad hatte ziehen lassen.[5]

Froome (l.) und Juan José Cobo auf der 19. Etappe der Vuelta a España 2011

2011 trat er die Vuelta a España als Helfer für Teamkapitän Bradley Wiggins an. Im Zeitfahren auf der 10. Etappe wurde er Zweiter hinter Tony Martin und übernahm die Führung im Gesamtklassement. Auf der nächsten Etappe übernahm er für seine Mannschaft die Nachführarbeit, wurde dadurch vor dem Ziel distanziert und rutschte auf Rang 2 hinter Bradley Wiggins.[6] Die steile Bergankunft zum Alto de Angliru beendete er vor seinem Kapitän, der die Führung an Etappensieger Juan José Cobo verlor. Froome gewann die 17. Etappe, eine Sekunde vor Cobo und reduzierte den Rückstand auf den Spanier auf lediglich 13 Sekunden. Diesen Abstand konnte er in den folgenden Etappen jedoch nicht weiter verringern und wurde am Ende der Rundfahrt schließlich Gesamtzweiter.

Froome (r.) in der Helferolle von Bradley Wiggins bei der Tour de France 2012

Bei der Tour de France 2012 wurde Froome wieder zur Unterstützung von Wiggins eingesetzt und zeigte sich ihm teilweise in den Bergen überlegen.[7] Froome konnte auf der 7. Etappe die Bergankunft nach La Planche des Belles Filles für sich entscheiden, Wiggins übernahm das Gelbe Trikot. Im Zeitfahren auf der 9. Etappe wurde er Zweiter hinter Bradley Wiggins und rückte auf den 3. Gesamtrang vor. Auf der 11. Etappe nach La Toussuire distanzierte er sich 4 Kilometer vor dem Ziel von seinem Kapitän, wurde jedoch wenig später zurückgepfiffen und rückte am Ende der Etappe auf Rang 2 vor, nachdem Cadel Evans zurückgefallen war.[8] Er beendete die Rundfahrt als Zweiter, 3:21 Minuten hinter seinem Kapitän.

Chris Froome gewann bei den Olympischen Spielen 2012 Bronze im Zeitfahren

Einen Monat später holte er bei den Olympischen Spielen in London die Bronzemedaille im Zeitfahren.

Zum Ende der Saison bestritt Froome als Kapitän die Vuelta a España. Auf der Bergankunft auf der 3. Etappe wurde er Dritter und rückte nach der 4. Etappe auf Rang 2 im Gesamtklassement vor, verlor jedoch in der zweiten Hälfte der Rundfahrt viel Zeit und beendete die Spanien-Rundfahrt mit 10:16 Minuten Rückstand auf Alberto Contador.

Bei der Tour de France 2013 ging Froome in Abwesenheit des verletzungsbedingt fehlenden Vorjahressiegers Wiggins erstmals als Kapitän seines Sky-Teams an den Start.[9] Er übernahm das Gelbe Trikot durch einen Solosieg bei der Bergankunft der 8. Etappe. Er baute die Führung in der Folge weiter aus und gewann sowohl die 15. Etappe auf den Mont Ventoux als auch das Zeitfahren der 17. Etappe. In der Gesamtwertung hatte er schließlich 4:20 Minuten Vorsprung auf den Endzweiten Nairo Quintana. Nach diesem Sieg war er Favorit der Tour de France 2014, musste das Rennen jedoch nach Stürzen auf der 4. und 5. Etappe mit Prellungen an Ellenbogen, Hüfte und Handgelenk sowie massiven Hautabschürfungen aufgeben.[10]

Bei der Tour de France 2015 übernahm er das Gelbe Trikot nach der 7. Etappe, nachdem der bis dato führende Tony Martin verletzungsbedingt aufgegeben hatte. Froome gewann die 10. Etappe, die mit einer Bergankunft in La Pierre Saint-Michel endete, mit 59 Sekunden vor seinem Teamkollegen Richie Porte. In weiterer Folge der Rundfahrt wehrte er sämtliche Angriffe seiner Kontrahenten ab und verlor lediglich auf der 19. Etappe nach La Toussuire und auf der 20. Etappe nach L’Alpe d’Huez etwas Zeit auf den späteren Zweitplatzierten Nairo Quintana. Er gewann die Tour mit 1:12 Minuten Vorsprung und sicherte sich zusätzlich als erster Gesamtsieger seit Eddy Merckx 1969 auch noch die Bergwertung.

Froome gewann die 8. Etappe der Tour de France 2016 nach einer Attacke auf der Abfahrt des letzten Bergs und übernahm damit die Gesamtführung, die er bis Paris nicht mehr abgab. Er siegte außerdem beim Einzelzeitfahren der 18. Etappe und wurde mit 4:05 Minuten Vorsprung auf Romain Bardet Gesamtsieger.

Froome (r.) und Rigoberto Urán bei der Tour de France 2017
Chris Froome auf dem Siegerpodest der Vuelta a España 2017

Die Tour de France 2017 gewann er mit 54 Sekunden Vorsprung auf Rigoberto Urán, ohne eine Etappe gewonnen zu haben. Er übernahm das Gelbe Trikot auf der Bergankunft der Tour de France 2017/5. Etappe, verlor es aber zwischenzeitlich nach einer Schwäche am Zielhang der 12. Etappe an Fabio Aru, der allerdings bereits auf der 14. Etappe im hinteren Feld ankam und die Führung wieder knapp an Froome abgeben musste – der verteidigte sie daraufhin bis zum Schluss. Froome siegte bei der anschließenden Vuelta a España 2017 und gewann dabei auch zwei Etappen, die Punkte- und die Kombinationswertung. Er beendete die Saison mit den Bronzemedaillen der Straßenweltmeisterschaften im Mannschafts- und Einzelzeitfahren.

Im Dezember 2017 wurde bekannt, dass Froome während der Vuelta 2017 eine Dopingprobe abgegeben hatte, bei der der Grenzwert für die Substanz Salbutamol überschritten war. Dies ergaben gemeinsame Recherchen von Guardian und Le Monde; der Radsportweltverband UCI bestätigte das Resultat des Tests. Froome erklärte, es sei allseits bekannt, dass er an Asthma leide. Dieses habe sich während der Vuelta verschlimmert, weshalb er auf Anraten des Teamarztes die Dosis Salbutamol erhöht habe. Dabei habe er jedoch sorgfältig darauf geachtet, die zulässige Dosis nicht zu überschreiten.[11] Der Grenzwert der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) für Salbutamol liegt bei 1000 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml). Bei Froome wurde eine Konzentration von 2000 ng/ml nachgewiesen.[12]

Froome kurz vor seiner Attacke am Colle delle Finestre auf der 19. Etappe des Giro d’Italia 2018

Nach seinem Tour-Vuelta Double bestritt Chris Froome zum ersten Mal seit 2009 auch noch den Giro d’Italia 2018, trotz laufender Untersuchungen. Im Training für das Auftaktzeitfahren in Jerusalem stürzte er und verlor später bereits 37 Sekunden auf Sieger Tom Dumoulin. Auf der 9. Etappe stürzte Froome erneut, Tags darauf verlor er nach Gran Sasso d’Italia rund eine Minute. Er konnte auf der 14. Etappe die schwere Bergankunft zum Monte Zoncolan gewinnen, wies aber im Gesamtklassement immer noch 3:10 Minuten Rückstand auf. Auf der nächsten Etappe verlor er wieder Zeit und sein Defizit auf das Rosa Trikot von Simon Yates wuchs auf 4:52 Minuten an. In der letzten Woche konnte er auf der 16. Etappe im Zeitfahren auf Rang 4 vorrücken, zwei Etappen später machte er weiter Zeit auf Yates gut und lag nun 3:22 Minuten zurück. Auf der 19. Etappe, der Königsetappe der Rundfahrt, startete Froome rund 80 Kilometer vor dem Ziel am Colle delle Finestre einen Soloangriff, fuhr 3 Minuten vor dem Tageszweiten über die Ziellinie, übernahm die Führung in der Gesamtwertung und lag nun 40 Sekunden vor Tom Dumoulin.[13] Er konnte seine Führung verteidigen und wurde somit zum siebten Radsportler, der alle drei Grand Tours mindestens einmal gewinnen konnte, und er ist nach Eddy Merckx gar erst der zweite, der in drei aufeinanderfolgenden großen Rundfahrten als Gesamtsieger hervorging.

Die Amaury Sport Organisation untersagte Froome aufgrund des nicht abgeschlossenen Dopingverfahrens zunächst die Teilnahme an der Tour de France 2018. Sein Team Sky rief hiergegen das Schiedsgericht des Französischen Olympischen Komitees an.[14] Als der Weltradsportverband Union Cycliste Internationale unmittelbar darauf keine Sperre gegen Froome beantragte, erklärte der Vertreter der Tour-Organisation Christian Prudhomme das Startverbot für nichtig.[15] Die Erklärungen von Froome, seinem Team Sky und der WADA wurden weiter kritisch gesehen. So teilte die WADA nun mit, der Salbutamol-Test sei fehleranfällig, obwohl vorher Fahrer wegen genau dieses Testes verurteilt wurden. Bei der Vorstellung des Teams vor Tourbeginn wurde Froome vom Publikum ausgebuht und niedergepfiffen.[16] Bei der Tour de France 2018 konnte Froome seinen Vorjahressieg nicht wiederholen und wurde Gesamtdritter hinter seinem Teamkollegen Geraint Thomas und Tom Dumoulin aus dem Team Sunweb.[17]

Erkrankung und Dopingbeschuldigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 wurde bei Froome die sehr schwächende Tropenkrankheit Bilharziose diagnostiziert. Seit diesem Zeitpunkt wird er mit speziellen Medikamenten behandelt.[18] Skeptiker sehen darin Parallelen zum wegen Dopings gesperrten Lance Armstrong, der aufgrund seiner Krebserkrankung eine Ausnahmegenehmigung für bestimmte Therapien besaß.[19][20] Auf der 14. Etappe der Tour de France 2015 wurde er durch einen Zuschauer mit einem Becher Urin bespritzt, was Froome auch auf kritische Kommentare französischer Journalisten, unter anderem des ehemaligen Profis Laurent Jalabert, zurückführte.[21] Der Sportjournalist David Walsh, der maßgeblich an der Aufdeckung des Dopingprogramms von Lance Armstrong und dessen US-Postal-Team beteiligt war, schätzt Froome allerdings als sauber ein, unter anderem weil es bei ihm im Gegensatz zu Armstrong zum gleichen Karrierezeitpunkt keine Anhaltspunkte für Dopingpraktiken gibt.[22]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2013 wurde Chris Froome mit dem Vélo d’Or ausgezeichnet.[23] 2015 erhielt er diese Auszeichnung erneut, 2016 belegte er Rang zwei hinter Peter Sagan.[24]

Nach seinen ersten beiden Tour-de-France-Siegen wurde Froome 2016 mit dem Verdienstorden Order of the British Empire ausgezeichnet.[25]

Sportliche Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007

2009

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

2018

Grand Tour-Platzierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grand Tour 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Pink jersey Giro d’Italia 36 DSQ 1
Yellow jersey Tour de France 84 2 1 DNF 1 1 1 3
red jersey Vuelta a España 2 4 2 DNF 2 1

Legende: DNF: did not finish, Rundfahrt aufgegeben oder wegen Zeitüberschreitung aus dem Rennen genommen DSQ: Disqualifikation IP: in progress, nimmt an Rundfahrt aktruell teil

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Chris Froome – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chris Froome leads Tour of Oman after second place in stage (14. Februar 2013)
  2. telegraph.co.uk vom 28. Juni 2013: The incredible rise of Chris Froome - and how he was almost killed by a hippo
  3. theguardian.com vom 29. Juni 2013: Chris Froome confident he can pull off victory in the Tour de France
  4. velonews.com vom 23. November 2011: Underdog no more, Chris Froome hopes for a bit more liberty in 2012
  5. Stephen Farrand: Team Sky's Chris Froome expelled from Giro –. In: cyclingnews.com. 28. Mai 2010, abgerufen am 26. Mai 2018 (englisch).
  6. Wiggins takes Vuelta overall lead as Moncoutie wins stage. In: cyclingweekly.com. 31. August 2011, abgerufen am 22. September 2018 (englisch).
  7. radsport-news.com vom 19. Juli 2012: Froome ist Wiggins provozierend überlegen.
  8. Barry Ryan: Froome breaks from the script at La Toussuire. In: Cyclingnews.com. 12. Juli 2012, abgerufen am 22. Oktober 2018 (englisch).
  9. radsport-news.com vom 29. Juni 2013: Die Mission heißt Titelverteidigung
  10. radsport-news.com vom 9. Juli 2014: Froomes Traum vom Tour-Sieg bereits am fünften Tag geplatzt.
  11. Doping-Vorwurf: Tour-de-France-Sieger Froome positiv getestet. In: Spiegel Online. 13. Dezember 2017, abgerufen am 13. Dezember 2017.
  12. Positive Dopingprobe bei Chris Froome – Tour-Sieger hat auch schon eine Erklärung Stern am 13. Dezember 2017
  13. Barry Ryan: A break from another era: Chris Froome moves into pink at the Giro d'Italia. In: cyclingnews.com. 26. Mai 2018, abgerufen am 22. September 2018 (englisch).
  14. Team Sky ist sich „sicher, dass Froome am Start der Tour steht“. In: radsport-news.com. 7. September 2017, abgerufen am 1. Juli 2018.
  15. Barry Ryan: Prudhomme says attempt to bar Chris Froome from Tour de France is now 'obsolete'. In: cyclingnews.com. 2. Juli 2018, abgerufen am 3. Juli 2018 (englisch).
  16. Dieser verflixte Gesamtsieg süddeutsche.de vom 7. Juli 2018
  17. http://www.radsport-news.com/sport/tour_de_france_2018.htm
  18. spiegel.de vom 9. Juli 2013: Radprofi Froome: Der unheimliche Favorit
  19. focus.de vom 9. Juli 2013: Froome erklimmt Berge so schnell wie Doper Armstrong
  20. t-online.de vom 10. Juli 2013: Experte: Froome fährt wie ein Mutant
  21. Froome wird nicht glücklich im Gelben Trikot. sportschau.de, 20. Juli 2015, abgerufen am 21. Juli 2015.
  22. Rad-Journalist David Walsh: «Ich wäre am Boden zerstört». In: Neue Zürcher Zeitung. 22. Juli 2015, abgerufen am 16. Oktober 2015.
  23. Froome mit Velo d'Or ausgezeichnet | TagesWoche. In: tageswoche.ch. 30. Oktober 2013, abgerufen am 13. Juli 2017.
  24. Sagan erhält Vélo d'Or 2016. In: rad-net.de. 2. Dezember 2016, abgerufen am 2. Dezember 2016.
  25. Chris Froome receives OBE at Buckingham Palace. In: cyclingweekly.com. 13. Mai 2016, abgerufen am 14. September 2017 (englisch).