Heinrich-Hertz-Turm

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Heinrich-Hertz-Turm
Funkübertragungsstelle Hamburg 22
Fernsehturm Hamburg.jpg
Basisdaten
Ort: Hamburg
Land: Hamburg
Staat: Deutschland
Höhenlage: 20 m ü. NHN
Verwendung: Fernmeldeturm, Rundfunksender
Zugänglichkeit: Sendeturm öffentlich nicht zugänglich
Besitzer: Deutsche Funkturm
Turmdaten
Bauzeit: 1966-1968
Bauherr: Deutsche Bundespost
Architekt: Fritz Trautwein, Rafael Behn
Baustoffe: Beton, Stahl, Stahlbeton
Betriebszeit: seit dem 1. Mai 1968
Letzter Umbau (Turm): Herbst 2005
Gesamthöhe: 279,2 m
Höhe des Betriebsraumes: 150 m
Gesamtmasse: 43.000 t
Stilllegung (Aussichtsplattform): 1. Januar 2001
Daten der Sendeanlage
Baujahr (Antenne): 2004
Wellenbereich: UKW-Sender
Rundfunk: UKW-Rundfunk
Sendetypen: DVB-T, DAB, Kabelkopfstelle, Mobilfunk, Richtfunk
Positionskarte
Heinrich-Hertz-Turm (Hamburg)
Heinrich-Hertz-Turm
Heinrich-Hertz-Turm
53.5630569.975833Koordinaten: 53° 33′ 47″ N, 9° 58′ 33″ O
Gedenktafel am Turm
Von Planten un Blomen aus gesehen, 1973
Blick von der Außenalster auf den Heinrich-Hertz-Turm

Der Heinrich-Hertz-Turm ist ein Fernmeldeturm in Hamburg-St. Pauli, der hauptsächlich der Abstrahlung von Rundfunk- und Fernsehprogrammen dient und als eines der Wahrzeichen der Stadt gilt. Der nach dem in Hamburg geborenen deutschen Physiker Heinrich Hertz benannte Fernsehturm prägt als weithin sichtbare Landmarke die Skyline der Stadt. In Anlehnung an die „Michel“ genannte St.-Michaelis-Kirche wird der Heinrich-Hertz-Turm im Volksmund vielfach als Telemichel bezeichnet; umgangssprachlich ist außerdem häufig vom Fernsehturm die Rede. Seit 2001 ist der Turm nicht mehr durch die Öffentlichkeit als Aussichtsturm nutzbar.

Lage[Bearbeiten]

Der Hamburger Fernsehturm steht westlich der Außenalster gegenüber dem Park Planten un Blomen vor den neuen Hallen der Hamburg Messe an der Rentzelstraßenbrücke über die Verbindungsbahn.

Technische Daten[Bearbeiten]

Der Fernsehturm wurde als sogenannter Sonderturm von 1965 bis 1968 in Stahlbetonweise erbaut. Für Besucher war der Turm bereits ab dem 12. April 1968 freigegeben; die offizielle Eröffnung folgte am 1. Mai 1968. Die Architekten des Turms, der ab 1958 geplant wurde, sind Fritz Trautwein, Fritz Leonhardt und Rafael Behn.

In einer Höhe von 204 Metern endet der Stahlbetonteil des Turms. Darüber ist der stählerne Gittermast mit der aufmontierten Rundfunk- und Fernsehsendeantenne errichtet. Der Mast und die Antenne erreichen zusammen eine Länge von 75,2 Metern. Die Gesamthöhe des Turms ist 279,2 Metern über Grund, das Gesamtgewicht beträgt 43.000 Tonnen. Ursprünglich war der Turm ohne weißen Anstrich. Erst in den 1980er Jahren wurde die Außenhaut mit einem weißen Schutzanstrich versehen, da die damalige Luftverschmutzung einen negativen Effekt auf die Bausubstanz hatte.

Nachdem sich im Winter 2004/05 erste Betonteile in 160 Meter Höhe lösten, wurde seit dem Herbst 2005 aufwändig mithilfe zweier motorgetriebener Gerüste von außen saniert. Zeitgleich bekam der Stahlgitterteil nach Sandstrahlen und Grundieren einen neuen rotweißen Anstrich.

Einrichtungen[Bearbeiten]

In 128 Meter Höhe bietet der Turm eine Aussichtsplattform mit spiegelfreier Verglasung für Besucher, vier Meter darüber eine Plattform, die für Gastronomie oder Veranstaltungen genutzt werden könnte. Der äußere Ringboden dieser Plattform ist drehbar und kann in einer Stunde einmal um die Turmachse rotieren. Aussichts- und Restaurantplattform wurden gemeinsam als eine geschlossene, zweistöckige Kanzel gebaut.

Die Kanzel mit dem größeren Durchmesser ist die in 150 Metern Höhe gelegene Betriebsplattform. Sie ist für Besucher nicht zugänglich, hier sind die fernmeldetechnischen Einrichtungen des Turms in geschlossenen Räumlichkeiten untergebracht.

Über der Arbeitsplattform befinden sich sechs Freiluftplattformen. Diese tragen die fernmeldetechnische Antennenausrüstung (vorwiegend Richtantennen) des Turms. Eine weitere neue Plattform (ca. vier Meter tief für Satellitenschüsseln zur Einspeisung ins Kabelnetz) kam Mitte Juli 2005 in rund 25 Meter Höhe – knapp oberhalb der Heinrich-Hertz-Platte – hinzu, da im Zuge des Messehallen-Neubaus das ursprüngliche Betriebs- und Empfangsgebäude abgerissen werden musste.

Nutzung und Zustand[Bearbeiten]

Die Gastronomie- und Aussichtsplattform ist seit dem 1. Januar 2001 geschlossen. Nachdem der Turm wegen Asbestbelastung saniert werden musste, konnte die Eigentümerin – die Deutsche Funkturm (DFMG), eine Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom mit Sitz in Münster – keinen neuen Mieter für die Räumlichkeiten finden. Nach vier Jahren Leerstand verloren die Räume Anfang 2005 auch den Bestandsschutz, sodass die ehemals öffentlich zugänglichen Bereiche des Turms vor einer Wiedereröffnung zuerst an die seit dem Bau 1968 verschärften Rettungsweg-Bestimmungen für geschätzte fünf Mio. Euro angepasst werden müssten – die als Rettungsweg dienende Treppe z. B. müsste von derzeit 80 auf 125 cm Breite ausgebaut werden. Weitere ca. fünf Mio. Euro sind für den übrigen Ausbau zu veranschlagen. Der damalige Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte Markus Schreiber suchte ab 2010 nach Sponsoren für eine neue Nutzung; einen Verkauf der Namensrechte am Turm wollte er dabei nicht ausschließen.[1][2] Nach der Sanierung befinden sich die Räume laut Betreiber im „Rohbau-Zustand“.

Bis Ende 2001 betrieb das Event-Unternehmen Jochen Schweizer dort eine ortsfeste Bungee-Jumping-Station, die wiedereröffnet werden sollte, falls der Zugang wieder möglich würde. Jedoch gestattet nach einem tödlichen Unfall im Jahre 2003 am Florianturm in Dortmund die Deutsche Funkturm GmbH kein Bungee-Jumping mehr an ihren Türmen.

Baustatiker haben 2010 im Turm eine Haltbarkeit von höchstens noch 30 Jahren erkannt; spätestens dann sei die Bausubstanz ausgehärtet und nicht mehr in der Lage, elastisch auf die Schwingungen zu reagieren. Aufgrund der zentralen Lage kommt eine Sprengung des Turmes nicht infrage, er müsste abgetragen werden. Die Sendefunktionen sind schon zu großem Teil vom Rundfunksender Hamburg-Rahlstedt übernommen.[3]

Beleuchtung[Bearbeiten]

In der Planungsphase befindet sich ein neues nächtliches Lichtdesign, wobei in Zukunft auch die Freiluftplattformen und die Antenne beleuchtet bzw. angestrahlt werden sollen, während wie früher über viele Jahre auch wieder das Anstrahlen des Turms von der Basis und das Anstrahlen der Unterseite der größeren Kanzel vorgesehen ist. Anfang März 2007 wurde in Zusammenarbeit mit der Eishockey-Mannschaft Hamburg Freezers eine spezielle Beleuchtung der Aussichtsplattform durch den Künstler Michael Batz eingerichtet. Ähnlich seinem Blue Goals-Projekt werden blaue Leuchtröhren eingesetzt. Die Beleuchtung diente als Werbung für die Play-offs-Teilnahme der Freezers und lief ab dem 5. März 2007 für zwei Wochen.

Im Normalfall warnen (rote) feste Hindernisfeuer am Schaft (in 50 und 100 m Höhe), an der großen Kanzel und am Mast sowie (ebenfalls rote) rotierende starke Hindernisfeuer auf der untersten Freiluftplattform und im oberen Drittel des Mastes den Flugverkehr. Bei Bedarf können Blitzleuchten zugeschaltet werden, die sich an der Mastspitze und an der Mastbasis befinden. Die Flughindernisbeleuchtung kann sowohl vom Turm als auch vom Flughafen Hamburg ein- und ausgeschaltet werden.

Abgestrahlte Programme[Bearbeiten]

Eine der Hauptaufgaben, die Weiterleitung von Fernmeldeverbindungen über Richtfunkstrecken, wird immer mehr von Lichtwellenleitern sowie Satellitenstrecken übernommen, die direkt vom Nutzer abgehen. Trotzdem bleibt der Turm eines der wichtigsten Infrastrukturgebäude, ohne das in Hamburg der Mobilfunkverkehr, das Festnetz, Fernsehen, Polizei- und Zollfunk weitgehend lahmgelegt wären.

Analoges Radio (UKW)[Bearbeiten]

Beim Antennendiagramm sind im Falle gerichteter Strahlung die Hauptstrahlrichtungen in Grad angegeben.

Frequenz 
(MHz)
Programm RDS PS RDS PI Regionalisierung ERP 
(kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/vertikal (V)
89,1 Deutschlandradio Kultur DKULTUR_ D220 - 0,1 ND H
91,7 917xfm 9_1_7xfm 1055 - 0,15 D (40°-130°, 160°-250°, 290°-10°) H
93,0 Freies Sender Kombinat FSK_93.0 1054 - 0,1 D (40°-130°, 160°-250°, 290°-10°) H
93,4 delta radio delta-HH
_delta__
D7E9 (regional), 
D3E9
Hamburg 2 D (270°-290°) H
95,0 Oldie 95 OLDIE_95 1451 - 0,3 ND H
96,0 TIDE 96,0 
Hamburger Lokalradio
TIDE96,0 
HLR_96,0
1056 - 0,2 D (250°-60°, 120°-150°) H
97,1 Energy Hamburg _ENERGY_ 1B16 - 0,1 ND H
98,1 Klassik Radio Hamburg KLASSIK_ D75B - 0,16 ND H
100,0 R.SH Hamburg _RSH-HH_ 
__RSH___
D7E8 (regional), 
D3E8
Hamburg 2 D (270°-290°) H
104,0 Radio Hamburg Cityfenster CITY_104 
RADIO_HH1)
1053 (regional), 
D358
0,3 ND H
1) Dynamisch mit Musiktitelinformationen

Digitales Radio (DAB)[Bearbeiten]

DAB wird in vertikaler Polarisation und im Gleichwellenbetrieb mit anderen Programmen ausgestrahlt.[4] Der DAB Block 12C ist seit dem 1. August 2011 außer Betrieb.

Block Programme ERP 
(in kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Gleichwellennetz (SFN)
5C
DRDeutschland
(D__00188)
DAB+ Block der Media Broadcast: 10 ND


7A
NDR HH7A
(D__00240)
DAB+ Block des Norddeutschen Rundfunk [5] 1 ND Hamburg (Heinrich-Hertz-Turm), Hamburg (Moorfleet)

Fernsehen[Bearbeiten]

Am 8. November 2004 wurden die meisten Analog-TV-Sender im Bereich Hamburg/Lübeck abgeschaltet und die TV-Ausstrahlung auf digitale Übertragung umgestellt (DVB-T). Dazu wurden am 25. September 2004 die drei knapp 30 Meter hohen und jeweils rund vier Tonnen schweren gekapselten Antennensegmente per Hubschrauber ausgetauscht. Der Turm ist seither fünf Zentimeter höher. Bis zum 1. März 2005 wurden noch einige öffentlich-rechtliche Programme parallel analog abgestrahlt, dann wurden auch diese restlichen Analogsender abgeschaltet. Seitdem werden Fernsehprogramme im Hamburger Bereich ausschließlich digital abgestrahlt.

Digitales Fernsehen[6] (DVB-T)[Bearbeiten]

Die DVB-T-Ausstrahlungen am Heinrich-Hertz-Turm von der Deutschen Funkturm laufen im Gleichwellenbetrieb (Single Frequency Network) mit anderen Sendestandorten.

Kanal Frequenz 
(MHz)
Multiplex Programme im Multiplex ERP 
(kW)
Antennen-
diagramm

rundum (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H) /
vertikal (V)
Modulations-
verfahren
FEC Guard-
intervall
Bitrate 
(MBit/s)
SFN mit
23 490 (UHF) ZDFmobil 50 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Hamburg-Rahlstedt (Höltigbaum), Lübeck–Berkenthin, Lübeck–Stockelsdorf, Rosengarten
30 546 (UHF) ProSiebenSat.1 Media Hamburg/Schleswig-Holst. 100 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Hamburg-Rahlstedt (Höltigbaum), Lübeck–Berkenthin, Lübeck–Stockelsdorf
33 570 (UHF) ARD Digital (NDR) 50 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Hamburg-Rahlstedt (Höltigbaum), Lübeck–Berkenthin, Lübeck–Stockelsdorf, Rosengarten
36 594 (UHF) Gemischt privat Hamburg 2 
(Media Broadcast)
20 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Hamburg-Rahlstedt (Höltigbaum)
40 626 (UHF) RTL Group Hamburg/Schleswig-Holst.1) 100 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Hamburg-Rahlstedt (Höltigbaum), Lübeck–Berkenthin, Lübeck–Stockelsdorf
46 674 (UHF) Gemischt privat Hamburg 1 
(Media Broadcast)
50 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Hamburg-Rahlstedt (Höltigbaum)
54 738 (UHF) ARD regional (NDR) Hamburg 50 ND H 64-QAM 1/2 1/8 16,59 Hamburg Moorfleet, Hamburg-Rahlstedt (Höltigbaum)
1) geplante Abschaltung zum 31. Dezember 2014
[7]

Analoges Fernsehen (PAL)[Bearbeiten]

Die Abstrahlung der analogen Fernsehsender wurde mit der Einführung von DVB-T eingestellt.

Kanal Frequenz 
(MHz)
Programm ERP
(kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
30 543,25 ZDF 500 ND H
34 575,25 Hamburg 1 10 D H
40 623,25 NDR Fernsehen (Hamburg) 500 ND H
46 671,25 RTL Television (Hamburg) 16 ND H
48 687,25 Sat.1 (Hamburg/Schleswig-Holstein) 10 D H

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Leonhardt, Jörg Schlaich: Der Hamburger Fernmeldeturm, Entwurf und Berechnung des Tragwerks. In: Beton- und Stahlbetonbau, März 1968, S. 193–203.
  • Oberpostdirektion Hamburg (Hrsg.): Heinrich-Hertz-Turm, 1968, OCLC-Nummer 247981367.
  • Günther Kühne: Hamburgs höchster Turm. in: Bauwelt, 1963, Heft 10, S. 271–275.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heinrich-Hertz-Turm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hamburg will den Fernsehturm wiederbeleben, Hamburger-Abendblatt, 2. Februar 2010
  2. Politik und Tourismusexperten pro Telemichel, Hamburger-Abendblatt, 3. Februar 2010
  3. Wie lange steht der Fernsehturm noch?, Bild, 30. Dezember 2010
  4. aktuelle DAB-Frequenzliste Hamburg
  5. http://www.ndr.de/unternehmen/technik/digitalradio/karten131.pdf
  6. Wittsmoor-Liste (PDF; 13 kB); UHF-Frequenzen Hamburg; DVB-T - Liste für Hamburg und Schleswig-Holstein
  7. Mediengruppe RTL Deutschland: Mediengruppe RTL Deutschland setzt Programmverbreitung über DVB-T nicht fort. 16. Januar 2013, abgerufen am 21. August 2013.