Heinrich-Hertz-Turm

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Heinrich-Hertz-Turm
Funkübertragungsstelle Hamburg 22
Fernsehturm Hamburg.jpg
Basisdaten
Ort: Hamburg
Land: Hamburg
Staat: Deutschland
Höhenlage: 23,5 m ü. NHN
Verwendung: Fernmeldeturm, Rundfunksender
Zugänglichkeit: Sendeturm öffentlich nicht zugänglich
Besitzer: Deutsche Funkturm
Turmdaten
Bauzeit: 1966–1968
Baukosten: 57,2 Mio. DM
Bauherr: Deutsche Bundespost
Architekt: Fritz Trautwein, Rafael Behn
Baustoffe: Beton, Stahl, Stahlbeton
Betriebszeit: seit dem 1. Mai 1968
Letzter Umbau (Turm): Herbst 2005
Gesamthöhe: 279,2 m
Höhe des Betriebsraumes: 150 m
Gesamtmasse: 43.000 t
Stilllegung (Aussichtsplattform): 1. Januar 2001
Daten der Sendeanlage
Baujahr (Antenne): 2004
Wellenbereich: UKW-Sender
Rundfunk: UKW-Rundfunk
Sendetypen: DVB-T, DAB, Kabelkopfstelle, Mobilfunk, Richtfunk
Positionskarte
Heinrich-Hertz-Turm (Hamburg)
Heinrich-Hertz-Turm
Heinrich-Hertz-Turm
53.5630569.975833Koordinaten: 53° 33′ 47″ N, 9° 58′ 33″ O

Der Heinrich-Hertz-Turm ist ein 279,2 Meter hoher Fernmeldeturm in Hamburg-St. Pauli, der hauptsächlich der Abstrahlung von Rundfunk- und Fernsehprogrammen dient und als eines der Wahrzeichen der Stadt gilt. Der nach dem in Hamburg geborenen deutschen Physiker Heinrich Hertz benannte Fernsehturm prägt als weithin sichtbare Landmarke die Skyline der Stadt. Der von 1966 bis 1968 erbaute Fernsehturm ist der sechsthöchste Deutschlands. Architektonisch prägnant sind seine beiden getrennten Turmkörbe für das Aussichts- und Restaurantgeschoss sowie das Betriebsgeschoss für die Fernmeldetechnik. Seit 2001 ist der Turm nicht mehr für die Öffentlichkeit als Aussichtsturm nutzbar. Der Heinrich-Hertz-Turm steht unter Denkmalschutz.

Geschichte[Bearbeiten]

Planung[Bearbeiten]

Bis in die 1960er Jahre war der Bunker am Heiligengeistfeld Hamburgs Knoten- und Schwerpunkt des Fernmeldeverkehrs. Die zunehmende Zahl an Antennen konnte das Bauwerk jedoch nicht mehr aufnehmen. Mit der wachsenden Zahl an Hochhäusern entsprach der Standort auch nicht mehr den gestiegenen Anforderungen, der sich durch die geradlinig ausbreitenden Richtfunkwellen ergab. Die Deutsche Bundespost, die für die Ausstrahlung des zweiten und dritten Fernsehprogramms zu sorgen hatte, entschied sich Anfang der 1960er Jahre aus diesem Grund, in Hamburg einen leistungsfähigen Fernmeldeturm errichten zu lassen.[1] Zu diesem Zweck wurde ein Architekturwettbewerb ins Leben gerufen, in dessen Endrunde sieben Projektentwürfe gegeneinander konkurrierten.[2] Der Wunsch, den Fernmeldeturm mit einem Restaurant und einer öffentlichen Aussichtsplattform auszustatten, wurde von der Stadtplanung geäußert.[1] Obwohl zu Beginn der Planungen 1962 die Hamburger Architektenschaften gegen die „langweilige Betonröhre von Leonhardt“ aussprach, siegte Fritz Trautweins Entwurf, der auf eben dieses Prinzip zurückgriff. Letztlich überzeugte Trautweins Vorschlag vor allem weil er kostengünstiger als die Gegenentwürfe war.[3]

Bau[Bearbeiten]

Mit dem Bau des Hamburger Fernsehturms wurde im April 1965 begonnen. Die Grundsteinlegung fand am 25. Mai durch den damaligen Bundespostminister Richard Stücklen statt.[4]

Die Fundamentgrube des Fernsehturm wurde auf mergelhaltigem Boden ausgehoben. Das Ringfundament wurde in Spannbeton ausgeführt und weist trotz des Untergrunds eine Bodenpressung von 7 kg/cm² auf.[5] Die gesamte Bauausführung erfolgte durch Wayss & Freytag. Für die Gestaltung, Konstruktion und Organisation zeichnet sich die Gruppe Fritz Trautwein und Rafael Behn aus Hamburg sowie Fritz Leonhardt aus Stuttgart verantwortlich. Statik und Konstruktion wurde durch das Stuttgarter Büro Leonhardt und Andrä ausgeführt.[6]

Der Turmschaft wurde in Kletterschalung hergestellt. Dazu verwendete man 2,5 Meter hohe und 50 Zentimeter breite Stahlblechtafeln. Um eine möglichst hohe Festigkeit zu erzielen wurde für den Schaft die hochwertige Betonsorte B450 verwendet. Für den Bereich zwischen 117,50 Meter und 160 Meter Höhe wurde sogar B600 verwendet.[7] Für die lotrechte Bewehrung wurden 12 Meter lange und 28 Millimeter dicke Stahlstäbe verwendet.[8] Für den unteren Schaftbereich wurden drei Bühnen zum Einschalen, Bewehren, Betonieren und Ausschalen aufgestellt. Unterhalb dieses Gerüstes befanden sich zwei Arbeitsbühnen zum Ein- und Ausbau der Aussteifung des Aufzugsschachtes gegen den Schaft angehängt.[9] Bis 135 Meter Höhe wurden die Betonierarbeiten auf drei voneinander unabhängigen Gerüstgruppen ausgeführt. Wenn der 2,5 Meter hohe Betoniervorgang abgeschlossen war, wurde mittels elektrischer Winden die 100 Tonnen schwere Gerüstkonstruktion entsprechend angehoben. Der Aufzugschacht diente als Standsäule der Gerüste und des Kletterkrans. Während der größten Arbeitsleistungen waren auf den 13 Arbeitsbühnen jeweils 40 Arbeiter in Tag- und Nachtschichten beschäftigt. Jeder Betonierabschnitt erforderte 41 Arbeitsschritte am Gerüst und 109 bei der Schaftherstellung. Mit dem geringer werdenden Schaftdurchmesser wurden die Arbeiten einfacher, so dass ab einer Höhe von 135 Meter ein leichterer Gerüstkopf von 60 Tonnen durch vier hydraulische Winden um die entsprechende Arbeitshöhe angehoben werden konnte.[8]

Die beiden Turmkörbe entstanden in sogenannten Kegelschalenkonstruktionen, was besonders große Durchmesser erlaubt. Die untere flach geneigte Kegelschale bildet mit der waagerechten Geschossdecke, die wegen ihren großen Spannweite als Plattenbalkenkonstruktion ausgeführt wurde, ein dreieckiges Hohlkastenprofil. Die Schale wurde am Turmschaft mit einer flachen, nur drei Zentimeter tiefen Nut gelenkig gelagert. Am äußeren Zusammenschluss von Schale und Decke verlaufen ringförmig vorgespannte Spannglieder, so dass das Tragwerk weitgehend unter Druck steht und Risse vermieden werden. Die Dächer der Turmkanzeln bestehen ebenfalls aus Schalentragwerken. Die nach unten hängende Schale wird am Schaft mit einer fünf Zentimeter tiefen Nut horizontal beweglich gelagert, damit bei Temperaturunterschieden in der Dachschale keine zusätzlichen Spannungen entstehen. Die Lager sind mit Flachstahlringen gegen Abscheren gesichert.[10]

Um die unteren Kegelschalen der Turmkanzeln einzurüsten wurden am Boden ein Stahlgerüst vormontiert, die mit Hilfe von drei Seilwinden am 3. August 1966 auf 150 Meter Höhe gehievt wurde. Der in der Höhe geringere Schaftdurchmesser musste durch entsprechende Klappträger ausgeglichen werden. Das insgesamt rund 140 Tonnen schwere Gerüst wurde an 48 äußeren und 24 inneren Haltestanden aufgehängt. Nachdem die Schalung Bewehrung fertiggestellt wurden, goss man rund 440 Kubikmeter Beton abschnittsweise in jeweils gegenüberliegende Segmente. Nach der Herstellung der horizontalen Decke und dem Abbinden des Betons wurde die untere Kegelschale vorgespannt und die Haltestangen gelöst. Das Gerüst konnte dann auf 127 Meter abgesenkt werden um den Vorgang für die untere Kegelschale der darunter liegenden Restaurantkanzel zu wiederholen. Zeitgleich wurde die Decke der Fernmeldebetriebskanzel betoniert und die obere Schale hergestellt.[10] Am 23. Juni 1967 konnte das Richtfest begangen werden.[11]

Die Gesamtkosten werden mit 57,2 Mio. Mark angegeben. Davon trug die Deutsche Bundespost für den Hochbau rund 20 Mio. Mark und die Restaurantgesellschaft 11,7 Mio. Mark. Der Wert der fernmeldetechnischen Einrichtungen inklusive des Aufbaus am Fernmeldeturm werden mit 25,5 Mio. Mark beziffert.[7]

Seit Eröffnung[Bearbeiten]

Heinrich-Hertz-Turm 1973 während der IGA

Für Besucher wurde der Turm bereits am 12. April 1968 freigegeben. Die offizielle Eröffnung folgte am 1. Mai 1968.[12] Mit einer Gesamthöhe von 271,50 Metern war er bei seiner Eröffnung nach dem Münchener Olympiaturm der zweithöchste der Bundesrepublik Deutschlands.[13] Mit dem Einbau der fernmeldetechnischen Einrichtungen begann man am 25. Juli 1968.[4]

Anfang der 1980er Jahre wurde die Betonoberfläche des Hamburger Fernsehturms mit einem weißen Schutzanstrich versehen,[14] die aufgrund der Abgase des Hamburger Hafens das Material über die Jahrzehnte in Mitleidenschaft gezogen haben.[15]

Die Gastronomie- und Aussichtsplattform ist seit dem 1. Januar 2001 geschlossen. Nachdem der Turm wegen Asbestbelastung saniert werden musste, konnte die Eigentümerin – die Deutsche Funkturm (DFMG), eine Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom mit Sitz in Münster – keinen neuen Mieter für die Räumlichkeiten finden. Nachdem sich im Winter 2004/05 erste Betonteile aus 160 Meter Höhe lösten, wurde mithilfe zweier motorgetriebener Gerüste seit dem Herbst 2005 aufwändig von außen saniert. Zeitgleich bekam der Stahlgitterteil nach Sandstrahlen und Grundieren einen neuen rotweißen Anstrich.[16]

Nach vier Jahren Leerstand verloren die Räume aufgrund der Modernisierungsmaßnahmen Anfang 2005 auch den Bestandsschutz, sodass die ehemals öffentlich zugänglichen Bereiche des Turms vor einer Wiedereröffnung zuerst an die seit dem Bau 1968 verschärften Rettungsweg-Bestimmungen für geschätzte zehn Mio. Euro angepasst werden müssten – die als Rettungsweg dienende Treppe z. B. müsste von derzeit 80 auf 125 cm Breite ausgebaut werden. Weitere ca. fünf Mio. Euro sind für den übrigen Ausbau zu veranschlagen. Der Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte Markus Schreiber sucht seit 2010 nach Sponsoren für eine neue Nutzung; ein Verkauf der Namensrechte am Turm wird dabei nicht ausgeschlossen.[17][18] Nach der Sanierung befinden sich die Räume laut Betreiber im „Rohbau-Zustand“.

Antennenwechsel 2004

Bis Ende 2001 betrieb das Event-Unternehmen Jochen Schweizer dort eine ortsfeste Bungee-Jumping-Station, die wiedereröffnet werden sollte, falls der Zugang wieder möglich wird. Jedoch gestattet nach einem tödlichen Unfall im Jahre 2003 am Florianturm in Dortmund die Deutsche Funkturm GmbH kein Bungee-Jumping mehr an ihren Türmen.

Am 8. November 2004 wurden die meisten Analog-TV-Sender im Bereich Hamburg/Lübeck abgeschaltet und die TV-Ausstrahlung auf digitale Übertragung umgestellt (DVB-T). Dazu wurden am 25. September 2004 die drei rund 3 Meter hohen und jeweils rund vier Tonnen schweren gekapselten Antennensegmente mit Hilfe des russischen Schwestlasthubschraubers Kamow Ka-32 ausgetauscht. Dazu musste der Hubschrauber insgesamt sechs Mal die Antennenteile von einem Sammelplatz auf die Spitze transportieren. Die gesamte Aktion dauerte rund sieben Stunden. Der Turm ist seither knapp acht Meter höher. Bis zum 1. März 2005 wurden noch einige öffentlich-rechtliche Programme parallel analog abgestrahlt, dann wurden auch diese restlichen Analogsender abgeschaltet. Seitdem werden Fernsehprogramme im Hamburger Bereich ausschließlich digital abgestrahlt.[19]

Anfang März 2007 wurde in Zusammenarbeit mit der Eishockey-Mannschaft Hamburg Freezers eine spezielle Beleuchtung der Aussichtsplattform von innen durch den Künstler Michael Batz eingerichtet. Ähnlich seinem Blue Goals-Projekt werden blaue Leuchtröhren eingesetzt. Die Beleuchtung diente als Werbung für die Play-offs-Teilnahme der Freezers und lief ab dem 5. März 2007 für zwei Wochen.

Baustatiker haben 2010 im Turm eine Haltbarkeit von höchstens noch 30 Jahren erkannt; spätestens dann sei die Bausubstanz ausgehärtet und nicht mehr in der Lage, elastisch auf die Schwingungen zu reagieren. Aufgrund der zentralen Lage kommt eine Sprengung des Turmes nicht infrage, er müsste abgetragen werden. Die Sendefunktionen sind schon zu großem Teil vom Rundfunksender Hamburg-Rahlstedt übernommen.[20]

Im Jahr 2011 kam der Heinrich-Hertz-Turm durch einen spektakulären Umbauplan des dänischen Architekten Christian Bay-Jørgensen in die Schlagzeilen. Dieser plante eine Hülle um den Turm zu bauen, der so zusätzlich als Hotel dienen sollte. Zwar stieß der Versuch, den Turm nach seiner Schließung für den Publikumsverkehr im Jahr 2001, durch entsprechende Maßnahmen wieder zu beleben auf Zuspruch, die starke Veränderung seiner denkmalgeschützten baulichen Struktur riefen jedoch auch Skepsis hervor.[21]

Beschreibung[Bearbeiten]

Umgebung und Standort[Bearbeiten]

Einbettung des Heinrich-Hertz-Turms ins Hamburger Stadtbild, im Hintergrund die Außenalster

Der Hamburger Fernsehturm steht auf 23,5 m ü. NN Höhe westlich der Außenalster gegenüber dem Park Planten un Blomen vor den neuen Hallen der Hamburg Messe an der Rentzelstraßenbrücke über die Verbindungsbahn. Zum Rund 8000 Quadratmeter großen Grundstück gehört neben dem Turm noch ein elf Meter hohes Betriebsgebäude, eine 125 Stellplätze fassende Garage, eine Küche und ein Eingangsgebäude. Das an der Westseite des Areals stehende Gebäude beherbergt zudem die Stromversorgungs- und Kühlanlagen sowie einige Betriebsstellen. Die Eingangshalle ist über eine Brücke mit dem Park verbunden.

Der Standort fiel aufgrund der günstigen Lage für die optimale fernmeldetechnische Versorgung Hamburgs in der Nähe der damals auf dem Hochbunker Feldstraße am Heiligengeistfeld installierten Richtfunkanlagen und des mittlerweile aufgegebenen Fernmeldeamtes 1 in der Schlüterstraße. Die Angliederung des Turms an den Park Planten un Blomen erfolgte als sinnvolle Ergänzung zum Naherholungsgebiet und zur wirtschaftlichen Nutzen des Aussichtsturms.[22]

Der Standort des Heinrich-Hertz-Turms ist auch aus architektonischer Sicht günstig gewählt. Er wird aufgrund der niedrigen Bebauung in der Umgebung von praktisch allen auf ihn zuführenden Straßen von der Nähe sehr gut wahrgenommen. Auch die Wahrnehmung im ferneren Stadtgebiet Hamburgs ist überdurchschnittlich gut. Von insgesamt 22 Standorten auf größeren Straßen in einer Entfernung von drei Kilometern ist der Turm gleichmäßig und intensiv sichtbar. Damit gehört der Fernsehturm in Hamburg aufgrund seines Standorts zu den am besten sichtbarsten Landmarken der Stadt.[23]

Fundament und Schaft[Bearbeiten]

Der Hamburger Heinrich-Hertz-Turm ist auf einem Ringfundament mit 41 Meter Durchmesser gegründet. Der Ring ist 8 Meter breit und 3,10 Meter hoch und weist eine Ringzugkraft von rund 40 kN auf. Die Fundamentschale in Form eines Kegelstumpfs befindet sich unterirdisch und wurde aus Beton B450 gegossen. Der Ring ist mit 40 Bündeln zu je zwölf Stahldrähten vorgespannt, wovon jeder 12,2 Millimeter Durchmesser hat. Der Untergrund besteht aus Fein- und Mittelsande sowie Geschiebemergel. Die maximale Setzung beträgt 8 Zentimeter.[7]

Der Turm hat eine Gesamthöhe einschließlich des Antennenmast von 279,2 Meter, wovon 204 Meter in bewehrtem Beton ausgeführt wurden. Der Betonschaft wurde in 33. Geschosse eingeteilt, wovon sich drei im unterirdischen Fundamentkegel befinden. Der Schaft verjüngt sich im Durchmesser vom 16,5 Metern am Fuß bis zu 6 Meter an seinem Ende. Die Wanddicke nimmt von 90 Zentimetern am Fuß ab auf 30 Zentimeter am Schaftende. Der Schaft wurde aus dem Beton B450 gegossen, mit Ausnahme des Abschnittes, an dem die beiden Kanzeln zwischen 117,50 Meter und 160 Meter Höhe angebracht sind. Dort wurde der Schaft aus Beton B600 gefertigt. Dem Betonschaft ist ein 75,2 Meter hoher Antennenträger aufgesetzt.[7]

Im Kern des Schafts befindet sich der Aufzugschacht, der zwei Personenaufzüge für je 18 Personen aufnimmt. Dieser weist eine Fördergeschwindigkeit von 6 m/s auf und war für den Publikumsverkehr zur Restaurantkanzel vorgesehen. Darüber hinaus gibt es einen kleineren Betriebsaufzug für acht Personen bzw. 600 Kilogramm Tragkraft mit einer Fördergeschwindigkeit von 3 m/s.[7] Eine Nottreppe mit 1100 Stufen aus Stahl verbindet den Keller des Bauwerks mit der Dachplattform.[24]

Turmkörbe[Bearbeiten]

Die markantesten Baukörper sind die zwei getrennten Turmkörbe. Die untere sogenannte Restaurantzkanzel erstreckt sich über drei Geschosshöhen. Die 12. Etage ist ein Technikraum. Das 13. Geschoss auf 123,80 Meter Höhe beherbergte die Aussichtsplattform, im 14. Geschoss auf 127,05 Meter war das Drehrestaurant untergebracht. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ringscheiben, die sich auf Rädern drehen, bewegt sich die Scheibe im Hamburger Drehrestaurant auf Gleitschienen.[25] Die Gesamthöhe dieser Kanzel beträgt am Schaft 14,35 Meter und weist eine Masse von rund 2500 Tonnen sowie eine Verkehrslast von 800 Tonnen auf. Ihr maximaler Durchmesser ist 32,16 Meter. Die untere Kegelschale besteht aus bewehrtem Beton und wurde gelenkig gelagert. Die Brüstungen und Stürze der Außenwände bestehen aus Betonfertigteilen. Die isolierverglasten Fenster sind in Stahlfachwerkprofilen mit Alu-Hochprofilrahmen eingelassen. Die Innenwände sind als ausgefachtes Stahlfachwerk umgesetzt. Während die Wirtschaftsräume mit Steinfliesen ausgelegt sind, weisen die Flure im Restaurantgeschoss Kunststein auf. Der Publikumsbereich hat einen Wollteppichbelag.[7]

Oberhalb der Restaurantkanzel befindet sich auf 150,1 Meter die diskusförmige Betriebskanzel. Ihr Durchmesser misst 38,80 Meter und ist am Schaft 15,35 Meter hoch. Sie hat eine Masse von rund 3200 Tonnen bei einer Nutzlast von rund 950 Tonnen. Ebenso wie die Aussichtskanzel ist die Betriebskanzel aus Beton B450 gegossen. Die Kanzel besteht ebenfalls aus drei Stockwerken. Das untere Klimageschoss in der unteren Kegelschale und das obere Rangiergeschoss unterhalb der Dachschale sind fensterlos. Lediglich die Betriebsetage ist nach außen als solche durch ein schmales Fensterband wahrnehmbar.[7]

Antennenplattformen und Mastträger[Bearbeiten]

Über der Betriebskanzel setzt sich der Turmschaft weiter fort, aus dem insgesamt sechs Plattformen mit unterschiedlichen Durchmesser auskragen. Die unterste, sogenannte Reportageplattform, misst 16,50 Meter im Durchmesser. Diese ist für kurzfristige, aus aktuellem Anlass, z.B. Sportveranstaltungen, benötigte Richtfunkstrecken vorgesehen.[26] Die darüber gelegenen vier Antennenplattformen für Richtfunkantennen werden zunächst breiter und dann schmaler. Sie weisen jeweils einen Durchmesser von 22 Meter, 20,50 Meter, 19 Meter und 17,50 Meter auf. Die oberste, sogenannte Dachplattform, hat einen Durchmesser von 16 Meter und bildet mit dem 33. Stockwerk den Abschluss des Betonschaftes. Die Dicke der vorgefertigten Kegelschalen variiert zwischen 15 und 25 Zentimeter. Die Auflagerung erfolgte durch Versatz am Turmschaft. Die Dachplattform beherbergt ein schienengebundenes Hebezeug zur Montage der Antennen. Der Kran verfügt über einen zweifach drehbaren Teleskopausleger und hat eine Nutzlast von zwei Tonnen. Die maximale Ausladung beträgt 25 Meter, seine Hubgeschwindigkeit 30 m/min. Eine Gegenzugwinde mit 500 Kilogramm befindet sich im Betriebsgeschoss des Turms.[7]

Auf dem 204 Meter hohen Stahlbetonturm war ursprünglich ein 67,5 Meter hoher Antennenmast aufgesetzt. An diesem sechsstieligen Gittermast bestand aus geschweißten Stahlrohren. An ihm befanden sich die Antennenfelder für den Funkrufdienst, den öffentlich-mobilen Landfunkdienst sowie im oberen Teil die Antennen für die Ausstrahlung des 2. und 3. Fernsehprogramms.[24] Der rot-weiß lackierte Mast war in drei sich verjüngende Abschnitte unterteilt, zwischen denen sich kleineren Plattformen befanden. Durch den Wechsel der Antennenspitze im Jahr 2004 wuchs das Bauwerk um rund acht Meter; der ursprüngliche Stahlgittermast blieb allerdings nahezu unverändert. Der Antennenträger wurde ebenso wie der Teleskop-Kran und die Drehplattform für das Turmrestaurant von der Friedrich Krupp AG gebaut und montiert.[27]

Sicherheitseinrichtungen und Technik[Bearbeiten]

Zur Sicherheitseinrichtung des Fernsehturms gehört neben einer Störmeldeanlage eine Feuermelde-, eine Gebäudeschutz- und eine Türüberwachungsanlage. Die Meldungen laufen im Betriebsgebäude zusammen und werden optisch und akustisch angezeigt.

Um das Bauwerk wird mit Leitungs- und Löschwasser versorgen zu können wurde eine Druckerhöhungsanlage installiert, aus der bis zu 600 Liter Wasser pro Minute mit einem Druck von knapp 400 Pascal entnommen werden kann. Zusätzlich sorgt im Brandfall eine Zuluftventilator im Turmschaft, dass bis zu 40.000 Kubikmeter Luft pro Stunde für die Rauchfreihaltung abgesaugt werden können. Die Abluft gelangt durch 16 Abzugsöffnungen ins Freie. Gleichzeitig kann diese Anlage das Restaurant mit Notluft versorgen. Alle 15 lüftungstechnischen Anlagen in den Betriebsräumen im Turm und in den Fußbauten erreichen eine Stundenleistung von 288.000 Kubikmeter Zuluft. Sämtliche Räume sind vollklimatisiert; die dafür notwendigen Kältemaschinen erreichen eine Leistung von 976 kWh.[28]

Aus Flugsicherheitgründen ist das höchste Hamburger Bauwerk mit folgenden Flugwarnanlagen ausgestattet:

  • 40 Hindernisfeuer in 50, 100, 153, 207, 250 Meter Höhe und auf der Spitze für rotes Licht (je 32,5 cd)
  • 5 Gefahrenfeuer in 166 und 250 Meter Höhe für rotes Licht (je 2000 cd)
  • 3 Hochleistungsdrehfeuer in 207 Meter Höhe für weißes Licht (je 40 Mio. cd)

Die Drehfeuer können sowohl vom Turm wie auch direkt vom Flughafen Hamburg überwacht und bedient werden.[28]

Energieversorgung[Bearbeiten]

Der Fernsehturm wird mit Energie aus dem Hochspannungsnetz (6 kV) der Hamburgischen Electricitäts-Werke AG (HEW) über zwei Transformatoren mit je 1600 kVA versorgt. Bei einem Netzausfall können die wichtigsten Funktionen über ein Notstromaggregat mit einer Leistung von 520 kVA aufrecht erhalten werden. Die lückenlose Fernmeldeversorgung stellen drei Schwungradumformeranlagen mit Dieselantrieb und weitere Netzersatzanlagen sicher.

Die Wärmeversorgung im Turm stellt das Fernwärmenetz der HEW bereit. Die Scheinleistung entspricht in etwas dem von 40 Einfamilienhäusern. Die Verbraucher am Turmfuß und im Betriebsgebäude werden direkt aus dem HEW-Netz gespeist, die Verbraucher im Fernmeldebetriebsgeschoss erfolgt über ein weiteres Netz mit Wärmetauschern und Umwälzpumpen.[28]

Abgestrahlte Programme[Bearbeiten]

Eine der Hauptaufgaben, die Weiterleitung von Fernmeldeverbindungen über Richtfunkstrecken, wird immer mehr von Lichtwellenleitern sowie Satellitenstrecken übernommen, die direkt vom Nutzer abgehen. Trotzdem bleibt der Turm eines der wichtigsten Infrastrukturgebäude, ohne das in Hamburg der Mobilfunkverkehr, das Festnetz, Fernsehen, Polizei- und Zollfunk weitgehend lahmgelegt wären.

Analoges Radio (UKW)[Bearbeiten]

Beim Antennendiagramm sind im Falle gerichteter Strahlung die Hauptstrahlrichtungen in Grad angegeben.

Frequenz 
(MHz)
Programm RDS PS RDS PI Regionalisierung ERP 
(kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/vertikal (V)
89,1 Deutschlandradio Kultur DKULTUR_ D220 - 0,1 ND H
91,7 917xfm 9_1_7xfm 1055 - 0,15 D (40°-130°, 160°-250°, 290°-10°) H
93,0 Freies Sender Kombinat FSK_93.0 1054 - 0,1 D (40°-130°, 160°-250°, 290°-10°) H
93,4 delta radio delta-HH
_delta__
D7E9 (regional), 
D3E9
Hamburg 2 D (270°-290°) H
95,0 Oldie 95 OLDIE_95 1451 - 0,3 ND H
96,0 TIDE 96,0 
Hamburger Lokalradio
TIDE96,0 
HLR_96,0
1056 - 0,2 D (250°-60°, 120°-150°) H
97,1 Energy Hamburg _ENERGY_ 1B16 - 0,1 ND H
98,1 Klassik Radio Hamburg KLASSIK_ D75B - 0,16 ND H
100,0 R.SH Hamburg _RSH-HH_ 
__RSH___
D7E8 (regional), 
D3E8
Hamburg 2 D (270°-290°) H
104,0 Radio Hamburg Cityfenster CITY_104 
RADIO_HH1)
1053 (regional), 
D358
0,3 ND H
1) Dynamisch mit Musiktitelinformationen

Digitales Radio (DAB)[Bearbeiten]

DAB wird in vertikaler Polarisation und im Gleichwellenbetrieb mit anderen Programmen ausgestrahlt.[29] Der DAB Block 12C ist seit dem 1. August 2011 außer Betrieb.

Block Programme ERP 
(in kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Gleichwellennetz (SFN)
5C
DRDeutschland
(D__00188)
DAB+ Block der Media Broadcast: 10 ND


7A
NDR HH7A
(D__00240)
DAB+ Block des Norddeutschen Rundfunk [30] 1 ND Hamburg (Heinrich-Hertz-Turm), Hamburg (Moorfleet)

Fernsehen[Bearbeiten]

Am 8. November 2004 wurden die meisten Analog-TV-Sender im Bereich Hamburg/Lübeck abgeschaltet und die TV-Ausstrahlung auf digitale Übertragung umgestellt (DVB-T). Dazu wurden am 25. September 2004 die drei knapp 30 Meter hohen und jeweils rund vier Tonnen schweren gekapselten Antennensegmente per Hubschrauber ausgetauscht. Der Turm ist seither fünf Zentimeter höher. Bis zum 1. März 2005 wurden noch einige öffentlich-rechtliche Programme parallel analog abgestrahlt, dann wurden auch diese restlichen Analogsender abgeschaltet. Seitdem werden Fernsehprogramme im Hamburger Bereich ausschließlich digital abgestrahlt.

Digitales Fernsehen[31] (DVB-T)[Bearbeiten]

Die DVB-T-Ausstrahlungen am Heinrich-Hertz-Turm von der Deutschen Funkturm laufen im Gleichwellenbetrieb (Single Frequency Network) mit anderen Sendestandorten.

Kanal Frequenz 
(MHz)
Multiplex Programme im Multiplex ERP 
(kW)
Antennen-
diagramm

rundum (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H) /
vertikal (V)
Modulations-
verfahren
FEC Guard-
intervall
Bitrate 
(MBit/s)
SFN mit
23 490 (UHF) ZDFmobil 50 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Hamburg-Rahlstedt (Höltigbaum), Lübeck–Berkenthin, Lübeck–Stockelsdorf, Rosengarten
30 546 (UHF) ProSiebenSat.1 Media Hamburg/Schleswig-Holst. 100 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Hamburg-Rahlstedt (Höltigbaum), Lübeck–Berkenthin, Lübeck–Stockelsdorf
33 570 (UHF) ARD Digital (NDR) 50 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Hamburg-Rahlstedt (Höltigbaum), Lübeck–Berkenthin, Lübeck–Stockelsdorf, Rosengarten
36 594 (UHF) Gemischt privat Hamburg 2 
(Media Broadcast)
20 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Hamburg-Rahlstedt (Höltigbaum)
40 626 (UHF) RTL Group Hamburg/Schleswig-Holst.1) 100 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Hamburg-Rahlstedt (Höltigbaum), Lübeck–Berkenthin, Lübeck–Stockelsdorf
46 674 (UHF) Gemischt privat Hamburg 1 
(Media Broadcast)
50 ND H 16-QAM 
(8-k-Modus)
2/3 1/4 13,27 Hamburg-Rahlstedt (Höltigbaum)
54 738 (UHF) ARD regional (NDR) Hamburg 50 ND H 64-QAM 1/2 1/8 16,59 Hamburg Moorfleet, Hamburg-Rahlstedt (Höltigbaum)
1) geplante Abschaltung zum 31. Dezember 2014
[32]

Analoges Fernsehen (PAL)[Bearbeiten]

Die Abstrahlung der analogen Fernsehsender wurde mit der Einführung von DVB-T eingestellt.

Kanal Frequenz 
(MHz)
Programm ERP
(kW)
Antennendiagramm
rund (ND)/
gerichtet (D)
Polarisation
horizontal (H)/
vertikal (V)
30 543,25 ZDF 500 ND H
34 575,25 Hamburg 1 10 D H
40 623,25 NDR Fernsehen (Hamburg) 500 ND H
46 671,25 RTL Television (Hamburg) 16 ND H
48 687,25 Sat.1 (Hamburg/Schleswig-Holstein) 10 D H

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Leonhardt, Jörg Schlaich: Der Hamburger Fernmeldeturm, Entwurf und Berechnung des Tragwerks. In: Beton- und Stahlbetonbau, März 1968, S. 193–203.
  • Oberpostdirektion Hamburg (Hrsg.): Heinrich-Hertz-Turm, 1968, OCLC-Nummer 247981367.
  • Günther Kühne: Hamburgs höchster Turm. in: Bauwelt, 1963, Heft 10, S. 271–275.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heinrich-Hertz-Turm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Heinrich-Hertz-Turm, S. 8
  2. Kühne: Hamburgs höchster Turm., S. 271
  3. Heinle, Leonhardt: Türme aller Zeiten – aller Kulturen. S. 230
  4. a b Heinrich-Hertz-Turm, S. 14
  5. Heinrich-Hertz-Turm, S. 15
  6. Heinrich-Hertz-Turm, S. 37
  7. a b c d e f g h Heinrich-Hertz-Turm, S. 27
  8. a b Heinrich-Hertz-Turm, S. 18
  9. Heinrich-Hertz-Turm, S. 19
  10. a b Heinrich-Hertz-Turm, S. 20
  11. Heinrich-Hertz-Turm, S. 24
  12. Hamburger Web: Hamburger Fernsehturm – Heinrich Hertz Turm, abgerufen am 5. November 2013
  13. Fernsehmuseum Hamburg: Der Hamburger Fernsehturm, abgerufen am 10. November 2013
  14. Katharina Wischmann: Hamburg | Vertikal: Landmarken als Symbole in der urbanen Skyline. Books on Demand, 2011, ISBN 978-3842361522, S. 160
  15. taz: Turm im Schlafrock, Artikel vom 5. Januar 2011, abgerufen am 10. August 2013
  16. hamburg-tourism.de: Der Fernsehturm Hamburg, abgerufen am 13. November 2013
  17. Hamburg will den Fernsehturm wiederbeleben, Hamburger-Abendblatt, 2. Februar 2010
  18. Politik und Tourismusexperten pro Telemichel, Hamburger-Abendblatt, 3. Februar 2010
  19. Hamburger Abendblatt: Operation Antennenwechsel, abgerufen am 25. Jul 2013
  20. Wie lange steht der Fernsehturm noch?, Bild, 30. Dezember 2010
  21. Hamburger Abendblatt: Dänischer Architekt plant Fernsehturm-Hotel, Artikel vom 24. August 2011, abgerufen am 11. November 2013
  22. Heinrich-Hertz-Turm, S. 12
  23. Katharina Wischmann: Hamburg | Vertikal: Landmarken als Symbole in der urbanen Skyline. Books on Demand, 2011, ISBN 978-3842361522, S. 161–162
  24. a b Heinrich-Hertz-Turm, S. 17
  25. Heinle, Leonhardt: Türme aller Zeiten – aller Kulturen. S. 231
  26. Heinrich-Hertz-Turm. S. 33
  27. Heinrich-Hertz-Turm. S. 47
  28. a b c Heinrich-Hertz-Turm, S. 25
  29. aktuelle DAB-Frequenzliste Hamburg
  30. http://www.ndr.de/unternehmen/technik/digitalradio/karten131.pdf
  31. Wittsmoor-Liste (PDF; 13 kB); UHF-Frequenzen Hamburg; DVB-T - Liste für Hamburg und Schleswig-Holstein
  32. Mediengruppe RTL Deutschland: Mediengruppe RTL Deutschland setzt Programmverbreitung über DVB-T nicht fort. 16. Januar 2013, abgerufen am 21. August 2013.