Ohligs

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Ohligs ist der westlichste Stadtteil der (kreisfreien) nordrhein-westfälischen Großstadt Solingen. Zusammen mit den Ortsteilen Aufderhöhe und Merscheid bildet Ohligs den Stadtbezirk Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid, der seit dem 1. Januar 2008 fast 42.000 Einwohner aufweist und damit sogar etwas größer ist als der seit 1816 dominierende Stadtbezirk Solingen-Mitte mit ca. 41.000 Bewohnern.[1]

Stadtbezirk Ohligs/Merscheid/Aufderhöhe in der Stadt Solingen

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Lage

Unmittelbar angrenzende Nachbarstädte des Solinger Stadtteils Ohligs sind Haan, Hilden, Langenfeld (Rheinland), alle im Kreis Mettmann, und Leichlingen (Rheinland) im Rheinisch-Bergischen Kreis. Die Entfernung zum Zentrum von Düsseldorf beträgt 15 km. Köln (30 km), Duisburg (45 km), Wuppertal-Elberfeld (22 km) und Solingen-Mitte (9 km) sind ebenfalls gut erreichbar. Damit ist Ohligs der am nächsten zur sog. Rheinschiene gelegene Teil einer multipolaren Stadt im bergischen Städtedreieck (Wuppertal - Solingen - Remscheid).

[Bearbeiten] Geschichte

Die Entwicklung von Ohligs ist undenkbar ohne den Schnittpunkt der Bahnlinien von Köln nach Wuppertal und von Düsseldorf nach Remscheid. Das heutige Ohligs ging 1808 als selbständige Bürgermeisterei Merscheid aus dem unteren Kirchspiel Wald (Solingen) des Landkreises Solingen hervor. Der heutige Ortsteil Aufderhöhe gehörte damals noch zur Bürgermeisterei Höhscheid. Die Bürgermeisterei Merscheid erhielt 1856 Stadtrechte und wurde 1891 nach dem Bau des Rathauses in "Ohligs" umbenannt. Dem waren die Bildung eines evangelischen Pfarrbezirks Ohligs (1859) und der Bau der Bergisch-Märkischen Eisenbahn zwischen Haan und Opladen (1864-67) vorausgegangen.

Die ebenfalls 1867 eröffnete 6 km lange Zweigbahn vom Bahnhof "Wald-Ohligs" nach Solingen (Weyersberg) schuf die Grundlage dafür, dass sich die neue Bahnstation in drei Jahrzehnten zum Eisenbahnknotenpunkt entwickeln konnte. Die Verbindung mit Solingen wurde 1897 nach Osten über den Solinger Südbahnhof (später Hbf., jetzt: SG-Mitte) und die Müngstener Brücke, Remscheid bis (Wuppertal-)Oberbarmen verlängert. Auch nach Westen erfolgte 1894 ein Anschluss des Bahnhofs Ohligs über Hilden nach Düsseldorf.

Mit Eröffnung der "Korkenzieherbahn" (1890) von Solingen über Wald und Gräfrath nach Vohwinkel [2] erhielt Wald einen eigenen Bahnhof. Die Station im Schnittpunkt der genannten Linien führte seit 1888 den Namen "Ohligs". Heute heißt die Bahnstation Solingen Hbf. (siehe weiter unten im Abschnitt "Verkehr").

Die Verkehrslage von Ohligs bewirkte einen stürmischen Anstieg der Bevolkerung. Hatte (die alte Stadtgemeinde) Merscheid 1867 noch fast 8.000 Einwohner, so wohnten in Ohligs 1913 bereits über 30.000 Personen. Der Bahnhof Ohligs als Knotenpunkt einer Nord-Süd-Verbindung (Köln - Elberfeld) und einer West-Ost-Verbindung (Düsseldorf - Remscheid) bildete die Grundlage für die weitere Entwicklung von Ohligs zum Industriestädtchen.

Zum 1. August 1929 wurde die Stadt Ohligs mit den drei Städten Gräfrath, Höhscheid und Wald in die kreisfreie Stadt Solingen eingemeindet. [3]

[Bearbeiten] Wirtschaft

Für die Wirtschaftsgeschichte von Ohligs war, wie auch in den anderen Stadtteilen Solingens, über Jahrhunderte das metallverarbeitende Gewerbe, insbesondere die Herstellung von Schneidwaren, prägend. Hinzu kamen im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts zwei metallverarbeitende Großbetriebe.

Das eine Unternehmen, die Firma Bremshey & Co., hatte seinen Standort von der Poscheider Mühle zu einer Fläche westlich der Bahnlinien (heute Kelders- und Bremsheyplatz) verlagert und dort zunächst Bajonette und Gewehre produziert. Der Betrieb ging aber 1876 zur Herstellung von Regenschirmgestellen über. Nach Erfindung des Taschenschirms begann Bremshey 1932 mit dessen Serienproduktion unter dem Markennamen Knirps. Neben der Produktion in unmittelbarer Nachbarschaft des Bahnhofs Ohligs wurde später jenseits der Stadtgrenze zu Hilden ein zweiter Standort eingerichtet, den heute die Firma Qiagen nutzt. Die Verwaltung der Bremshey AG blieb bis zum Konkurs 1982 an der Ahrstraße in Ohligs.

Östlich der Bahnlinien, an der Weyerstraße, nahm 1897 die Firma "Kronprinz AG für Fahrradteile" der Unternehmer Rudolf Kronenberg und Carl Prinz die Fertigung von Fahrradrädern auf. Daraus wurden später Autofelgen. Nach dem Tod der Gründer (1907 bzw. 1934) übernahm Mannesmann schrittweise alle Aktien der Kronprinz AG. 1997/99 kaufte Michelin in zwei Schritten die gesamte Firma. Heute wird die Räderfertigung (deutlich verkleinert) am gleichen Standort von den Firmen Kronprinz (Unternehmen) GmbH und Borbet Solingen GmbH getrennt weitergeführt.

Von den laut Branchenverzeichnis in der Stadt Solingen tätigen 68 Betrieben der Schneidwarenbranche arbeiten 23 (also jeder dritte) im Stadtbezirk Ohligs/Aufderhöhe/ Merscheid. Dazu gehören u.a. Solicut, Robert Herder, Kretzer, Richartz mit zusammen rd. 220 Beschäftigten. Trotz der großen Anzahl von Traditionsbetrieben sind heute die St. Lukas Klinik GmbH (rd. 700 Mitarbeiter) sowie die Autozulieferer C. Rob. Hammerstein KG (jetzt: Johnson Controls; rd. 600 Mitarbeiter), Kronprinz GmbH (rd. 500 Mitarbeiter) und Borbet Solingen GmbH (rd. 400 Mitarbeiter) die größten Arbeitgeber im Stadtbezirk (einschließlich der Ortsteile Aufderhöhe und Merscheid).

Im alten Kern des Stadtteils Ohligs gibt es eine Fußgängerzone mit den üblichen Kettenläden und zahlreichen inhabergeführten Einzelhandelsgeschäften. Dieses Nebenzentrum für die mittelzentrale Versorgung entstand als in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Ohligs die heutige Düsseldorfer Straße zur Haupteinkaufsstraße entwickelt wurde. Das Textilkaufhaus Güttes ist nach über 100 Jahren noch heute am Eingang der Straße vorhanden und weist auf diese Baugeschichte hin. In den 1960er Jahren wurde die Düsseldorfer Straße zur Fußgängerzone. Das in den 1970er Jahren errichtete kleine Einkaufszentrums in der benachbarten Keldersstraße löste eine kleinteilige Modernisierung der vorhandenen Geschäfte aus. Heute bilden die restaurierten Hausfassaden ein ansprechendes Ensemble gewachsener Stadtstruktur aus der Gründerzeit. Einmalig für die Fußgängerzone in Ohligs ist, dass Bäume den Straßenraum schmücken, Bänke zum Verweilen einladen und Kinder Spielgeräte vorfinden. Bislang konnte nur die Wetterabhängigkeit des Einkaufens nicht bearbeitet und die Durchlässigkeit von der Hauptachse zu den Nebenstraßen (über private Grundstücke, Passagen u.ä.) nicht erreicht/ durchgesetzt werden.

[Bearbeiten] Regelmäßige Veranstaltung

Immer im Mai findet das Dürpelfest statt. Es ist weit über die Grenzen der Klingenstadt hinaus bekannt und hat sich zum größten Straßenfest in Solingen entwickelt (jährlich ca. 15.000 Besucher pro Tag). Der Hauptteil der Stände wird von Vereinen, Standgemeinschaften und externen Schaustellern gestellt. Vom Ohligser-Bahnhof durch die Fußgängerzone bis hin zum großen Marktplatz werden auf 4 Bühnen mehrere Tanz-, Show- und Musikgruppen live und ohne Eintritt vor Publikum spielen. An über 40 Ständen wird dem Besucher ein vielfältiges Programm geboten.

Das Dürpelfest ist jedes Jahr an einem Mai-Wochenende (Freitag bis einschließlich Sonntag) in der Fußgängerzone (Düsseldorfer Straße) der Ohligser Innenstadt zu finden.

[Bearbeiten] Verkehr

Die Verkehrsanbindung von Ohligs ist teilweise sehr gut, teilweise weniger gut. Letzteres gilt besonders für die Erreichbarkeit mit dem Auto.

[Bearbeiten] Straße

Die nächste Autobahnanschlussstelle Solingen befindet sich wenige Kilometer südlich an der A3 (auf dem Gebiet der Stadt Langenfeld). Das Hildener Kreuz (A3/A46) mit der Ausfahrt Hilden liegt etwa acht Kilometer nordwestlich.

[Bearbeiten] Schienen- und Busverkehr

Solingen-Ohligs, kurz vor der Umbenennung zu Solingen Hbf.

In Ohligs liegt mit Solingen Hauptbahnhof der wichtigste Bahnhof Solingens mit ICE- und IC-Verbindungen auf der Bahnstrecke Köln - Wuppertal.

Nach Düsseldorf Hauptbahnhof und weiter in Richtung Dortmund verkehrt eine S-Bahn Linie (S1). Ihre in Ohligs gelegenen Haltepunkte Solingen Hbf. und Solingen-Vogelpark sind die einzigen S-Bahn-Stationen auf dem Gebiet der Stadt Solingen. Außerdem verbindet die Regionalbahnlinie RB 47 („Der Müngstener“) Ohligs mit Solingen Grünewald, Solingen-Mitte, Solingen-Schaberg, Remscheid und Wuppertal.

Die bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2009 bestehende Direktverbindung zum Bahnhof Düsseldorf Flughafen Terminal (damalige Linie S7) wurde zugunsten des durchgehenden Verkehrs nach Dortmund aufgegeben. Deshalb müssen Fahrgäste zum Düsseldorfer Flughafen nun mit der S1 bis zum Fernbahnhof Düsseldorf Flughafen fahren oder am dortigen Hauptbahnhof in die von Bergisch Gladbach (über Neuss) kommende Linie S11 umsteigen.

Mehrere, zum Teil im O-Busbetrieb verkehrende Buslinien verbinden Ohligs mit Solingen-Mitte, den anderen Stadtteilen und den umliegenden Städten. Dazu gehören insbesondere die "Ringlinien" in der Stadt Solingen (681 und 682). Auch die Städte Haan, Hilden und Langenfeld sind mit Bussen der Stadtwerke bzw. der Rheinbahn vom Busbahnhof am Hbf. aus gut zu erreichen.

[Bearbeiten] Flugverkehr

Die nächsten internationalen Flughäfen befinden sich in Düsseldorf und Köln-Bonn.

[Bearbeiten] Sehenswürdigkeiten

Westlich von Ohligs liegt die Ohligser Heide, ein etwa 250 Hektar großes Naherholungsgebiet mit Wald-, Heide- und Sumpfflächen. Dazu gehört auch ein Freibad ("Heidebad"). Am Rande der Heide befindet sich das (seit 2010 zum Verkauf vorgesehene) Stadion und der 1927 gegründete Solinger Vogel- und Tierpark.

Die alten Herrensitze Schloss Caspersbroich und Wasserschloss Hackhausen, die nunmehr privat bewohnt werden, sind ebenfalls sehenswert. Dies gilt auch für die zahlreichen Unternehmervillen aus der Gründerzeit.[4]

In Merscheid gibt es die Gesenkschmiede Hendrichs, ein Industriemuseum, das die Herstellung von Scheren vom Rohling bis zum Fertigprodukt veranschaulicht.

[Bearbeiten] Sport

Der ehemalige Fußballzweitligist und heutiger Sechstligist (Verbandsliga Niederrhein) Union Solingen trägt bislang im Ohligser Stadion am Hermann-Löns-Weg seine Heimspiele aus. Der OTV 88 ist ein bekannter Sportverein, der mit eigener neu gebauter Halle in der Nähe des Schützenplatzes viele Sportarten, wie zum Beispiel Schach, Handball und Taekwon-Do, unterrichtet.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Quelle: Stadt Solingen, Stadtdienst Statistik (Bevölkerung).
  2. Die "Korkenziehertrasse" wurde im Zuge der Regionale 2006 als Rad- und Wanderweg ausgebaut.
  3. Zur Jahrzehnte andauernden Vorgeschichte und den unmittelbaren Folgen dieser "Städtevereinigung" s. Heinz Rosenthal: "Solingen - Geschichte einer Stadt", Band III, Duisburg 1975, S. 302-405.
  4. Für Einzelheiten s. Johannes Fahmüller, Ralf Rogge, Marco Kieser: Villen in Solingen. Bürgerliche Wohnhäuser zwischen 1860 und 1950, Worms 2009, S. 46/47, 69-72, 107/108, 120-124, 139/140, 169-173, 186-189, 193-197, 209/210, 218-231, 234-238, 246/247.

[Bearbeiten] Literatur

Johannes Fahmüller, Ralf Rogge, Marco Kieser: Villen in Solingen. Bürgerliche Wohnhäuser zwischen 1860 und 1950, Worms 2009.

Heinz Rosenthal: "Solingen - Geschichte einer Stadt", Band III, Duisburg 1975.

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Ohligs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.1613888888897.0116666666667Koordinaten: 51° 10′ N, 7° 1′ O

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