Boren

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Dieser Artikel befasst sich mit der Gemeinde Boren in Schleswig-Holstein. Für weitere Bedeutungen siehe Boren (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Boren
Boren
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Boren hervorgehoben
Koordinaten: 54° 37′ N, 9° 49′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Schleswig-Flensburg
Amt: Süderbrarup
Höhe: 21 m ü. NHN
Fläche: 30,15 km2
Einwohner: 1180 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 39 Einwohner je km2
Postleitzahl: 24392
Vorwahl: 04641
Kfz-Kennzeichen: SL
Gemeindeschlüssel: 01 0 59 187
Adresse der Amtsverwaltung: Königstraße 5
24392 Süderbrarup
Webpräsenz: www.boren.de
Bürgermeister: Thomas Detlefsen (CDU)
Lage der Gemeinde Boren im Kreis Schleswig-Flensburg
Karte

Boren (dänisch: Borne) ist eine Gemeinde im Kreis Schleswig-Flensburg an der Schlei in der Landschaft Angeln in Schleswig-Holstein.

Galerie-Holländer-Windmühle von 1837
Eisenbahnbrücke in Lindaunis
Wohnhaus und Praxis des „Landarztes“

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Region ist seit der Jungsteinzeit besiedelt, worauf 13 Hünengräber im Gemeindegebiet hinweisen.

Die St. Marien-Kirche wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet. Da bei Renovierungen von 1938 bis 1950 die barocken Emporen und Logen entfernt und die Fenster verkleinert wurden, ist sie relativ stilrein romanisch erhalten.[2] Die Ausmalung, Fenster und das Relief am Altartisch stammen von Alwin Blaue. Ein hölzerner Glockenturm von 1693 steht etwas abseits. Der Heimatforscher Hans Nicolai Andreas Jensen war von 1835 bis 1845 hier Pastor.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Februar 1974 wurden die Gemeinden Ketelsby und Lindau eingegliedert.[3] Am 1. März 2013 kamen Ekenis und Kiesby hinzu.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boren besteht unter anderen aus den Ortsteilen Affegünt (dänisch: Affergynt), Akeby (Ågeby), Boren (Borne), Fahrtoft (Faartoft oder Fårtoft), Grabbelwatt (Grabølvad), Güderott (Gyderød), Günderottstamm, Hegeholz (Hegnholt oder auch Hegeholt), Hoheluft, Hürye (Hyrød), Ketelsby, Kleinboren (Lille Borne), Langschiff, Lindau (Lindå), Lindaufeld, Lindau-Gaarwang (Gaardvang), Lindaukamp (Kamp), Lindaunis (Lindånæs), Papenfeld, Petersfeld, Rehberg (Rebjerg), Uhlekuhl (Ulvekule) und Wrium. Insgesamt gibt es 31 einzelne Dörfer und Siedlungen.

Mit der Fusion 2013 kamen die Dörfer Ekenis (Egenæs) - mit Bicken, Boknis (Bognæs), Ekenisfeld, Ekenislund (Egenæslund), Pageroe (Paverød), Wattlück - und Kiesby (Kisby) - mit Bremswatt (Bremsvad), Kaltoft (Kalvtoft[4][5]), Kiesbyfeld – zur Gemeinde Boren.

Lindau, Lindau-Mühlenholz, Lindaumühlenholz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Verwechselungen mit anderen gleichnamigen Orten zu vermeiden, wird häufig (insbesondere in alten Dokumenten) von Lindaumühlenholz oder Lindau-Mühlenholz gesprochen. Der Grund ist, dass die Hauptstraße, die durch den Ortsteil Lindau führt, Mühlenholz heißt.

Die Galerie-Holländer-Windmühle von 1837 wurde 1985 renoviert und ist betriebsfertig.

Lindaunis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Lindaunis befindet sich die Lindaunisbrücke, eine Klappbrücke in Stahlgitter-Kastenkonstruktion für den Eisenbahn- und Straßenverkehr. Die Brücke wird tagsüber bei Bedarf eine Viertelstunde vor jeder vollen Stunde geöffnet. Die Bahnstrecke von Flensburg nach Kiel führt über die Brücke, die auch von der Bahn betrieben wird. Da die Gleise auf der einspurigen Brücke in der Fahrbahn verlaufen muss der Straßenverkehr bei Gegenverkehr, bei durchfahrenden Zügen und bei der Öffnung für den Schiffsverkehr warten. Der Bahnhof Lindaunis wurde geschlossen und ist jetzt eine Gaststätte.

Lindaunis war Lebensort und Wirkungsstätte des Jagdhistorikers Hans Jessen, Verfasser u.a. der Landesjagdgeschichte Schleswig-Holsteins.

Gut Dänisch-Lindau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1415 entstandene Gut Dänisch-Lindau hat ein für die Region ungewöhnliches Herrenhaus aus dem 15. Jahrhundert. Es handelt sich hierbei um einen eingeschossigen Backsteinsaalbau, der reetgedeckt ist und einen Rittersaal enthält. Es wurde durch Film- und Fernsehaufnahmen bekannt, unter anderem für die Fernsehserie Der Landarzt (seit 1986).

Ekenis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ekenis, ein typisches Runddorf, wurde 1352 erstmals erwähnt. Da Ekenis im Erdbuch von 1231 des dänischen König Waldemar nicht verzeichnet ist, vermutet man, das seine Gründung in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte. Fundstätten von Flintdolchen, Flintspitzen sowie mehrerer Hünengräber aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit zeugen von einer Besiedelung aus dieser Zeit. Weiterhin sind Urnengräber aus der römischen Kaiserzeit und Reste einer eiszeitlichen Siedlung gefunden worden. Anhand der Flurnamen wird angenommen, dass der Ort durch jütische Bauern gegründet wurde.

In Pageroe gab es Reste einer mittelalterlichen Burg. Margarethe von Dänemark hatte die Burg 1406 gekauft und ließ sie anschließend abtragen.

Kiesby[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kiesby wurde 1386 erstmals erwähnt. Der Ortsname bedeutet das Dorf oder die Siedlung des Kisi. Der Ort ist überwiegend landwirtschaftlich geprägt. In dem relativ kleinen Ort Kiesby haben sich zwei Kinderheime etabliert, weswegen das Durchschnittsalter der Dorfeinwohner eher gering ist.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem seit der Fusion mit Ekenis und Kiesby ein von der Kommunalaufsicht berufener Beauftragter (der letzte Bürgermeister der Altgemeinde Boren) die Aufgaben der Gemeindevertretung und des Bürgermeisters wahrgenommen hatte, wurde am 26. Mai 2013 eine neue Gemeindevertretung gewählt. Von den elf Sitzen haben seitdem die CDU und die Wählergemeinschaft AWB jeweils vier Sitze, die Grüne Alternative Liste GAL hat drei Sitze.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Gold zwischen zwei blauen Wellenbalken ein blauer Fisch (Schleischnäpel), darüber ein blaues fünfspeichiges Wagenrad, begleitet rechts von einer grünen fünfhalmigen Garbe, links von einem grünen Eichenblatt, belegt mit drei goldenen Eicheln.“[6]

Historische Begründung: Das Wappen der am 1. März 2013 durch Zusammenschluss der früheren, eigenständigen Gemeinden Boren, Ekenis und Kiesbye entstandenen neuen Gemeinde Boren greift die Farben der Altgemeinden auf. Die Zentralfigur des Wagenrades ist dem Wappen der Altgemeinde Kiesbye entnommen. Das fünfspeichige Rad soll übergreifend – und gleichrangig in der Bedeutung – für Gewerbe, Handwerk, Landwirtschaft und Tourismus stehen. Die Anzahl der Speichen entspricht der Anzahl der ehemaligen Gemeinden und heutigen Ortsteilen, die infolge der Eingliederungen von 1974 (Ketelsby und Lindau) und 2013 (Ekenis und Kiesbye) die heutige Gemeinde Boren bilden. Die Wellenbalken verweisen auf die Quelle „Borne“ in der Nähe des Borener Thingplatzes. Über den dänischen Namen „Borne“ entwickelte sich im Laufe der Geschichte der heutige Ortsname Boren. Der Schleischnäpel war der Brotfisch der Schleifischerei in früherer Zeit. Er steht für die Schleiregion von Lindau bis Ketelsby. Fisch und Wellenbalken entstammen dem Wappen der Altgemeinde Boren. Die aus fünf Ähren gebundene Garbe weist auf die Landwirtschaft hin, die die Gemeinde noch heute in weiten Teilen stark prägt. Die Fünfzahl entspricht der Anzahl der Ortsteile. Das Eichenblatt ist dem Wappen der Altgemeinde Ekenis entlehnt. Es gibt einen Hinweis auf die Eichenbewaldung in historischer Zeit. Die drei Eicheln symbolisieren die drei Altgemeinden Boren, Ekenis und Kiesbye.

Wappen vor 2013

Vom 31. Januar 2008 bis zum 28. Februar 2013 führte die Gemeinde Boren das nebenstehende Wappen mit folgender Blasonierung: „In von Blau gesäumtem Gold ein blaues Balkenkreuz. 1 ein blaues Flügelkreuz, 2 ein blauer Eichenzweig mit einer Eichel und zwei Blättern, 3 zwei blaue Fische übereinander und 4 drei schwebende blaue Wellenbalken.“[7]

Historische Begründung: Das Wappen zeigt das Sinnbild die Holländer Windmühle von 1837 für den Ortsteil Lindau, die Eiche für den Ortsteil Güderott und die Fische für die Schleiregion Lindaunis - Ketelsby. Durch die Wellenbalken wird die Quelle „Borne“ in der Nähe des „Thinkplatzes“, an dem Gericht gehalten wurde und an der im Mittelalter die Pferde getränkt wurden, symbolisiert. Aus dem dänischen Borne entstand dann der Ortsnamen Boren.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weite Teile der Gemeinde sind landwirtschaftlich geprägt. Ein touristisches Zentrum liegt am Lindauer Noor der Schlei.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Boren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2015 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Kirche Boren
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 184.
  4. M. Mørk Hansen: Kirkelig Statistik over Slesvig Stift: Med historiske og topografiske bemærkninger, Band 2, Kjøbenhavn 1864, Seite 411.
  5. Jens Peter Trap: Statistisk-topographisk beskrivelse af hertugdømmet Slesvig, Kjøbenhavn 1864, Seite 528.
  6. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  7. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein