Dalhain

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Dalhain
Wappen von Dalhain
Dalhain (Frankreich)
Dalhain
Region Lothringen
Département Moselle
Arrondissement Château-Salins
Kanton Château-Salins
Gemeindeverband Communauté de communes du Saulnois.
Koordinaten 48° 53′ N, 6° 34′ O48.8888888888896.5608333333333242Koordinaten: 48° 53′ N, 6° 34′ O
Höhe 218–298 m
Fläche 4,83 km²
Einwohner 120 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 25 Einw./km²
Postleitzahl 57340
INSEE-Code

Dalhain (deutsch Dalheim) ist eine französische Gemeinde mit 120 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Moselle in der Region Lothringen. Sie gehört zum Arrondissement Château-Salins, zum gleichnamigen Kanton und zum Kommunalverband Communauté de communes du Saulnois.

Geografie[Bearbeiten]

Dalhain liegt im Saulnois, zehn Kilometer nördlich von Château-Salins, 37 Kilometer südöstlich von Metz, 35 Kilometer nordöstlich von Nancy und 26 Kilometer südwestlich von Saint-Avold auf einer Höhe zwischen 218 und 298 Metern über dem Meeresspiegel zwischen den Nachbargemeinden Vannecourt im Südwesten und Bellange im Nordosten. Das Gemeindegebiet umfasst 4,83 km².

Geschichte[Bearbeiten]

Dalhain wurde 1121 als „Dalheim“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname ist ein Kompositum aus dem germanischen Wort „Tal“ und der Ortsnamensendung „-heim“ und bedeutet demnach „Taldorf“.[1]

Dalhain gehörte zum Herzogtum Lothringen. Das Herzogtum Lothringen war seit seiner Gründung als Lotharii Regnum durch Lothar I. mehrmals eigenständig, es gehörte später zeitweise zum Heiligen Römischen Reich und auch zu Frankreich. 1738 wurde es im Frieden von Wien, der den Polnischen Thronfolgekrieg (1733–1738) beendete, dem polnischen König Stanislaus I. Leszczyński (1677-1766) zugesprochen und fiel nach dessen Tod im Jahr 1766 an Frankreich.[2] Ab 1579 gehörte Dalhain zur Prévoté (lothringische Form der Vogtei) von Viviers. Danach gehörte es bis 1751 zur Kastellanei von Haboudange, die wiederum zur Bailliage von Vic-sur-Seille gehörte und dem Bistum Metz unterstand. Nach 1751 gehörte Dalhain zur neugebildeten Bailliage von Dieuze.

1793 erhielt Dalhain im Zuge der Französischen Revolution (1789–1799) den Status einer Gemeinde und 1801 das Recht auf kommunale Selbstverwaltung. Von 1793–1801 war Dalhain außerdem Hauptort eines Kantons.[3] Die Gemeinde gehörte von 1801 bis 1871 zum früheren Departement Meurthe, das 1871 in Meurthe-et-Moselle umbenannt wurde. 1871 wurde die Gemeinde wegen Gebietsveränderungen durch den Verlauf des Deutsch-Französischen Kriegs (1870–1871) in das neu geschaffene Reichsland Elsaß-Lothringen des Deutschen Reiches eingegliedert. Das Reichsland Elsaß-Lothringen bestand bis zum Ende des Ersten Weltkriegs (1914–1918) und wurde danach aufgelöst. Dalhain lag in jener Zeit im Département Moselle, diese Änderung wurde auch 1918 beibehalten, als Moselle wieder Frankreich zugesprochen wurde.[4]

Ansichtskarte aus dem Ersten Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg im August 1914 wurde der Ort durch Kriegshandlungen zerstört. Am 19. August 1914 traf eine französische Patrouille ein und vertrieb eine etwa gleich große Truppe der Deutschen, die große Verluste hinnehmen mussten. Schon am 20. kehrte das 22. Bayerische Infanterie-Regiment zurück und rächte die Verluste.[5] Zuerst wurden französische Krankenschwestern und Sanitäter des 20. Infanteriekorps (23e section, 20e corps d’armée) und des französischen Roten Kreuzes (Croix-Rouge française) von den Deutschen zusammengetrieben und erschossen. Das Rote Kreuz hatte in der Schule Betten für die Verletzten der Schlacht von Morhange (19./20. August 1914) aufgebaut. Abgesehen von dem medizinischen Personal wurden auch noch ein paar Dorfbewohner und der Pfarrer des Ortes füsiliert und vier Bauernhöfe mitsamt den Ställen angezündet. Frauen und Kinder wurden am 21. August 1914 evakuiert, während die männlichen Bewohner der Ortschaft (etwa 65) zu Fuß zuerst nach Morhange gehen mussten und am nächsten Tag nach Faulquemont. Danach wurden die Männer in Viehwaggons nach Zweibrücken verbracht. Sie wurden angeklagt auf die deutschen Truppen geschossen zu haben. Nur wenige durften nach Dalhain zurückkehren, die meisten wurden im Dezember 1915 nach Bad Kreuznach oder Stettin gebracht und wurden dort in das deutsche Heer eingegliedert.[6] Der Granatenbeschuss der Ortschaft begann am 20. August 1914. Die ersten Granaten wurden auf die Schule abgefeuert. Die Kirche wurde angezündet.[7]

Bevölkerungsentwicklung
(Quelle: [4])
1793 1806 1821 1881 1901 1911 1921 1936 1946 1990 2007
348 451 591 410 302 286 231 186 171 108 114


Am meisten Einwohner hatte Dalhain 1821 (591) danach ging die Einwohnerzahl bis 1990 zurück.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde ist zweigeteilt, um daran zu erinnern, dass das Gemeindegebiet in einen französischen und einen deutschen Teil unterteilt war. Die linke Hälfte ist blau und zeigt eine goldene Lilie, die den Lilien auf dem Wappen der Könige von Frankreich entspricht. Die rechte Hälfte ist rot und zeigt einen silbernen Alérion (gestümmelten Adler), der denen auf dem Wappen von Lothringen entspricht. In der Mitte steht ein goldenes erhöhtes Kreuz als Symbol für die Schutzpatronin Helena.[8][9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Beinhaus in Dalhain wurde im August 1914 fast vollständig zerstört. Es blieben drei romanische Bögen aus dem 15. Jahrhundert,[5] die 1917 als Monument historique klassifiziert wurden.[10]

Verkehr[Bearbeiten]

Dalhain liegt an der Route nationale N74. Der nächste Flughafen ist der Flughafen Metz-Nancy-Lothringen, der 24,7 Kilometer nordwestlich liegt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Ernest Nègre: Toponymie générale de la France. 2, Librairie Droz, 1996, ISBN 9782600001335, S. 724 (in Google Books, abgerufen am 20. April 2010). (französisch)
  2.  Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der Deutschen Länder: die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. In: Beck Historische Bibliothek. 7 Auflage. C.H.Beck, München 2007, ISBN 9783406549861, S. 391f (in Google Books, abgerufen am 10. April 2010). (französisch)
  3.  Henri Lepage: Dictionnaire topographique du département de la Meurthe. In: Société d’archéologie lorraine et du Musée historique lorrain (Hrsg.): Dictionnaire topographique de la France. 6 Auflage. 14, Nr. 18, Imprimerie impériale, Paris 1862, S. 3+39+42+63+157 (in Google Books, abgerufen am 22. April 2010).(französisch)
  4. a b Dalhain Notice Communale, Cassini.ehess.fr (französisch)
  5. a b Privates Webangebot über Dalhain 1914 (französisch)
  6.  Florent Matter: L'Alsace-Lorraine pendant la guerre.. Les Alsaciens-Lorrains contre l'Allemagne. Berger-Levrault, Paris 1918, S. 32f (auf Gallica, abgerufen am 20. April 2010).(französisch)
  7. Augenzeugenbericht eines Bewohners von Dalhain (französisch/englisch)
  8. Union des Cercles Génealogiques Lorrains (französisch)
  9. Exaltation de la sainte Croix in Nominis.cef.fr (französisch)
  10. Das Beinhaus in der Base Mérimée des Ministère de la Culture (französisch)