MB-Trac

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MB Trac 700G mit Heuwender

MB-Trac ist eine Traktorenbaureihe des deutschen Kraftfahrzeugherstellers Mercedes-Benz, die von den 1970er Jahren bis 1992 produziert wurde. Sie wurde auf der Basis von Unimog-Aggregaten entwickelt, besaß jedoch eine starre Hinterachse. Mit dem MB-Trac sollte die Konzeption des Unimog der Landwirtschaft, für die dieser ursprünglich gedacht war, wieder nähergebracht werden.

Der MB-Trac wurde bis 1993 von Mercedes-Benz produziert, von 1993-2005 unter dem Namen WF Trac von Werner Forsttechnik Trier weiter gebaut und vertrieben. Die neue (zweite) Serie WF Trac ist eine direkte Weiterentwicklung des MB Trac.

Die Marke ist weiterhin für die Daimler AG geschützt.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

MB Trac 1600 Turbo

Mit sinkenden Absatzzahlen des Unimog in der Landwirtschaft verlor Mercedes-Benz Marktanteile im Schleppersegment. Auch wurde der Unimog in manchen Exportländern nicht als Ackerschlepper anerkannt und als LKW besteuert. Mit einer neuartigen Entwicklung auf Basis von Unimog-Aggregaten wollte man dieser Negativtendenz entgegenwirken und einen uneingeschränkt anerkannten Traktor auf den Markt bringen. Im Mai 1967 begannen die Arbeiten am neuen Mercedes-Benz-Traktor. A60 hieß der erste Prototyp, der bereits die wesentlichen Merkmale des MB-tracs hatte: Rahmenbauweise, gefederte Vorderachse, Sitzplatz mittig und drei Anbauräume. Interne Differenzen und eine Aktionärsversammlung verhinderten eine produktive Entwicklung, bis sie letztendlich gestoppt wurde. Aber die Entwicklungsmannschaft ließ sich davon nicht entmutigen und versteckte einige Prototypen, um sie vor der Schrottpresse zu bewahren, und arbeitete insgeheim weiter.

Als bekannt wurde, dass KHD einen Konkurrenzschlepper auf den Markt bringen wolle, wurde die Entwicklung des MB-tracs wieder aufgenommen. Man konnte auf die vergangenen und versteckten Ergebnisse zurückgreifen. Erfolgreiche Tests in Holland und am Herstellungsort Gaggenau motivierten die Entwicklermannschaft, die viele Überstunden und Energie in das Projekt investierte. In den Farben Kieselgrau und Feuerrot wurde der MB-trac auf der DLG-Ausstellung 1972 vorgestellt. Die Resonanz war überwältigend und bereits auf der Ausstellung konnten rund 350 Bestellungen entgegengenommen werden. Die genaue Bezeichnung war MB trac 65/70. „65“ für DIN-PS und „70“ für SAE-PS. Das diente der besseren Vergleichbarkeit.

Bei seinem Erscheinen sorgte der MB-trac mit seinen vier gleich großen Rädern und der Kabine zwischen den beiden Achsen für Aufsehen. Mit seiner Ausstattung war er den meisten anderen Traktoren weit überlegen, so zum Beispiel mit der serienmäßigen Druckluftanlage und einer sehr preisgünstigen Front- und Heckhydraulik mit Frontzapfwelle.

Der MB-trac wurde hauptsächlich in der Landwirtschaft eingesetzt. Weiter waren diese Schlepper auch in der Forstwirtschaft vorzufinden, sowie bei Kommunen (für Winterdienst, Straßenunterhaltung) und Bauunternehmen (mit Plattenverdichter oder zur Straßenreinigung). Ferner gab es MB-trac für spezielle Zwecke. Einige fanden Verwendung beim Militär (z.B. als Flugzeugschlepper oder bei Standortverwaltungen), im Bergbau, als Zweiwegefahrzeug oder in anderen speziellen Bereichen, oft verbunden mit teils erheblichen Umbauten.

Bis 1991 wurden 41.365 MB Trac verkauft. Heute sind noch ca. 30.000 dieser Fahrzeuge im Einsatz. Der erste JCB-Fastrac kam im Jahr 1991 auf den Markt und füllte die hinterlassene Marktlücke.

Fortbestand des Konzeptes[Bearbeiten]

Es gab, vorwiegend für landwirtschaftliche Belange, Nachfolgefahrzeuge anderer Firmen. Diese erhielten eine typische Formgebung, welche dem Antlitz der letzten, schweren Baureihe des MB-trac sehr ähnlich war. Dabei handelte es sich um den „LTS trac 160“ von LTS (Landtechnik Schönebeck) und den „Doppstadt trac 160“ der Firma Doppstadt. Da LTS mit dem LTS trac 160 (OM 366 A) keine hohen Absatzzahlen erzielen konnten und die Firma nach Investoren suchte, übernahm Doppstadt die von LTS geleistete Vorarbeit und entwickelte das Trac-Konzept weiter. Nach dem Vorbild MB baute Doppstadt kleine und große Tracs von 80-205 PS und lieferte diese, bis zum Konkurs ihrer Trac Technik Sparte 2005, mit Mercedes-Benz-Motoren bis 147 kW (200 PS), Allradlenkung und Lastschaltgetriebe aus. Bereits zeitgleich mit dem MB-trac auf dem Markt war der konzeptionell ähnliche Traktor Eurotrac von Schlüter. Da bei Schlüter die Verkaufszahlen genauso sanken und sie vom bevorstehenden Ende des MB trac informiert wurden, sah die Firma (später Landtechnik Schlüter (1993-1995) → Schlepperteile Egelseer (1995-heute)) eine Chance, mit dem Eurotrac diese Marktlücke zu schließen. Mit der Auflösung der Firma Anton Schlüter wurde auch dieses Fahrzeug noch geraume Zeit durch andere Firmen hergestellt, letztendlich wurde 2005 der letzte Schlüter Eurotrac vom Typ "2000LS" verkauft . Nach dem Ende des Schlepperbaus bei Mercedes-Benz gab es einige Jahre den Xylon und die Studie Evo von AGCO/Fendt.

Diese sind heute, ebenso wie der Systemschlepper Fendt-Geräteträger, nicht mehr am Markt. Aber sie haben, wie auch der MB-trac, auf dem Gebrauchtmarkt noch geraume Zeit eine Bedeutung. Das Konzept der „Tracs“ und Systemschlepper weiterverfolgt wird bis heute von JCB mit dem Fastrac und seitens Claas mit der Baureihe Xerion. Ab 1993 entwickelte die Firma Werner Forst- und Industrietechnik in Trier den MB-Trac weiter zu einem in der Forstwirtschaft universell einsetzbarem Fahrzeug, dem WF Trac.

In jüngerer Zeit wurden von verschiedenen Herstellern neue Schlepper vorgestellt, wie der „Trisix“ von ACGO/Fendt oder der „Agro XXL“ von Deutz-Fahr. Diese weisen in Grundzügen eine Ähnlichkeit zum MB-trac auf, durch gleich große Reifen, eine etwa mittige Kabine und zum Teil auch mit Aufbaumöglichkeiten im Bereich des hinteren Fahrzeugteils. Aufgrund des zeitlichen Abstands und der anderen Leistungsklasse verglichen mit dem MB-trac verstehen sich diese Fahrzeuge nicht als direkte Nachfolger. Es handelt sich eher um eine Weiterentwicklung der Standardschlepper. Wegen deren gestiegener Motorleistungen wurden die bis dahin baulichen Gegebenheiten neuen Überlegungen unterworfen. Etwa, aufgrund der nicht mehr ausreichenden zwei Achsen zur Übertragung von Zugkraft und Gewicht, was selbst durch Zwillings- oder Drillingsbereifung an die Grenzen des praktisch Umsetzbaren und eine schwierige Zugänglichkeit öffentlicher Straßen gestoßen wäre.

Fahrwerk[Bearbeiten]

Das Fahrwerk der MB-Trac besteht aus einem stabilen Leiterrahmen, der in Verbindung mit einer festen Starrachse hinten und einer mit Schraubenfedern gefederten Starrachse vorn eine hohe Zuladung an der Front- und an der Heckhydraulik ermöglicht. Die Verwendung der aus dem Unimog stammenden Bauteile erfordert die vier gleich großen Räder. Vorne und hinten ist das Fahrgestell mit Anschlüssen für die Hydraulik und die Aufnahmen verschiedener Arbeitsgeräte versehen. Die Fahrerkabine ist zwischen den Achsen aufgebaut. Auf der Hinterachse ist Platz, z.B für Arbeitsgeräte wie Spritzen, Kippmulden oder eine Ladefläche. Der Motor ist sehr gut zugänglich und leicht zu demontieren.

Motor[Bearbeiten]

Die kleine Baureihe (65/70, 700, 800, [turbo] 900) besaß bis zum Jahr 1987 den Mercedes-Benz OM 314-Vierzylindermotor, der beim MB trac turbo 900 (OM 314 A) durch einen Abgasturbolader ergänzt wurde und damit 85 PS leistete. Die mittlere (1000, 1100) und große (1100, 1300, 1500) Baureihe besaß von Beginn an den aus dem Unimog und weiteren Nutzfahrzeugen bewährten Sechszylinder-Direkteinspritzer-Motor OM 352 (A). Dieser hat ca 5,7 Liter Hubraum und erreichte im MB trac 1500 mit Hilfe von Abgasturbolader und Kolbenbodenkühlung 150 PS. 1987 wurden sämtliche Baureihen überarbeitet. Die kleine Baureihe (700, 800, 900 turbo) bekam den neuen Motor OM 364 (A) eingebaut; dieser hatte mehr Hubraum und erreichte in Verbindung mit einem Turbolader im MB trac 900 turbo (Typenkennzeichnung wurde geändert) 90 PS. In der mittleren (1000, 1100) und großen (1300 turbo, 1400 turbo, 1600 turbo, 1800 intercooler) Baureihe kam fortan der OM 366 (A) zum Einsatz, dieser hatte 200 cm³ mehr Hubraum, erreichte eine höhere Leistung und besaß ein besseres Ansprechverhalten als sein Vorgänger. Im MB trac (1800er) wurde die Leistung des OM 366 mit dem Zusatzkürzel LA (L = Ladeluftkühlung, A = Abgasturbolader) auf maximal 180 PS gesteigert, wobei dieser Motor im Unimog mit bis zu 240 PS und in anderen Bau- und Nutzfahrzeugen mit bis zu 300 PS ab Werk ausgeliefert wurde.

Modelle[Bearbeiten]

MB Trac turbo 900
MB Trac 1500 mit Holzhäcksler
MB Trac 1100 mit Kreiselegge und aufgesatteltem Saatgerät

Folgende Typen wurden gebaut:

Modell Bauzeit PS Baumuster
MB Trac 65/70 1973–1975 65 WDB 440.161
MB Trac 700 1976–1982 65 WDB 440.162
MB Trac 700 1982–1987 65 WDB 440.167
MB Trac 700 1987–1991 68 WDB 440.171
MB Trac 800 1975–1982 72/75 WDB 440.163
MB Trac 800 1982–1987 75 WDB 440.168
MB Trac 800 1987–1991 78 WDB 440.172
MB Trac 900 1981–1982 85 WDB 440.164
MB Trac 900 turbo 1987–1991 90 WDB 440.173
MB Trac 1000 1982–1987 95 WDB 441.161
MB Trac 1000 1987–1991 100 WDB 441.162
MB Trac 1100 1976–1980 110 WDB 442.161
MB Trac 1100 1982–1987 110 WDB 443.160
MB Trac 1100 1987–1991 110 WDB 441.163
MB Trac 1300 1976–1987 125 WDB 443.161
MB Trac 1300 turbo 1987–1991 125 WDB 443.163
MB Trac 1500 1981–1987 150 WDB 443.162
MB Trac 1400 turbo 1987–1991 136 WDB 443.164
MB Trac 1600 turbo 1987–1991 156 WDB 443.166
MB Trac 1800 intercooler 1990–1991 180 WDB 443.166

Den Typ MBtrac 700 gab es auch als Kommunalversion, erkennbar am Zusatz K, mit einer erhöhten Leistung von 72/75/78 PS, sowie als Industrieversion mit dem Zusatz I und als Grünlandversion mit einer niedrigeren Kabine (Fa. Mauser) und Grünlandbereifung mit dem Zusatz G. Auch die Typen 800, 900, turbo 900, 900 turbo, 1000 und 1100 gab es als Kommunalversionen.

Das Flaggschiff der MB-trac-Modelle war ab 1990 der MB-trac 1800 intercooler, eine Weiterentwicklung/Modifikation des MB trac 1600 Turbo. Er besaß weiterhin den mit einem Abgasturbolader aufgeladenen Mercedes-Benz OM 366-Motor, jedoch wurde zusätzlich ein Getriebeölkühler und ein Ladeluftkühler installiert, um die gewünschte Leistung von 180 PS zu erreichen. Insgesamt wurden 190 Stück des Flaggschiffs gefertigt. Erkennungsmerkmal ist die Ausbuchtung an der Front von der Motorhaube, unter der der Ladeluftkühler sitzt. Im Unimog-Museum Gaggenau ist der offiziell letztgebaute Trac, ein 1800 intercooler, ausgestellt. Neben einer Sonderlackierung in einem dunklen Anthrazit sind einige Teile verchromt. Das brachte ihm den Spitznamen „Black Beauty“ ein. Entölt und konserviert erinnert der Trac an knapp 25 Jahre Mercedes-Benz-Schlepperbau. Dennoch war der offiziell letzgebaute MB-Trac vom Band ein 1600 turbo.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikibooks: Traktorenlexikon: Mercedes-Benz – Lern- und Lehrmaterialien
 Commons: MB-Trac – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Markenregister