Mercedes-Benz Sprinter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mercedes-Benz Sprinter
Hersteller: Daimler-Benz/DaimlerChrysler/Daimler AG/Volkswagen AG
Produktionszeitraum: seit 1995
Klasse: Kleintransporter
Karosserieversionen: Kleinbus, Kastenwagen
Vorgängermodell: Mercedes-Benz T 1
Nachfolgemodell: keines

Der Mercedes-Benz Sprinter ist ein Kleintransporter des Automobilherstellers Mercedes-Benz. Er trat ab 1995 die Nachfolge des Mercedes-Benz T 1 („Bremer Transporter“) an. Seit 2006 gibt es den Sprinter in zweiter Generation, die baugleich mit dem VW Crafter ist. In Nordamerika wird der Sprinter auch als Freightliner verkauft und wurde zeitweise unter der Marke Dodge angeboten.

Inhaltsverzeichnis

Sprinter (T1N) 1995–2006 (W 901–905) [Bearbeiten]

W 901–905
Mercedes sprinter 1 v sst.jpg
Produktionszeitraum: 1995–2006
Motoren: Ottomotor:
2,3 Liter
(105 kW)
Dieselmotoren:
2,2–2,9 Liter
(58–115 kW)
Länge: 4970–6525 mm
Breite: 1935 mm
Höhe: mm
Radstand: 3000–4025 mm
Leergewicht: kg

Beim Sprinter in erster Generation handelte sich um eine komplette Neuentwicklung mit einem vom Vorgängermodell („Bremer Transporter“) erheblich abweichenden Erscheinungsbild. Das auffälligste Unterscheidungsmerkmal ist die schräg verlaufende Motorhaube im Unterschied zur kantigen „Schnauze“ des T1. Der Sprinter wurde mit drei unterschiedlichen Radständen sowie zwei verschiedenen Höhen angeboten und bietet ein Transportvolumen von bis zu 17 Kubikmetern.

Der Sprinter wurde in Zusammenarbeit mit Volkswagen entwickelt und daher unter den Markennamen VW LT von VW und als Sprinter für Mercedes-Benz, Dodge und Freightliner von Daimler angeboten. Während der Sprinter in seinem Lebenszyklus mehrere Facelifts erfuhr, wurde der VW LT seit seinem Produktionsbeginn praktisch unverändert produziert. Das war einer der Gründe, warum der Sprinter weitaus besser verkauft wurde als der LT, sein Name definiert praktisch die Klasse der großen Vans. Der Sprinter gehörte und gehört zu den erfolgreichsten Transportern weltweit und symbolisiert mittlerweile die „Sprinter-Klasse“ unter den Transportern.

Der Sprinter wurde in den Mercedes-Benz-Werken Düsseldorf, Buenos Aires (Argentinien) sowie in der Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam (CKD-Montage) produziert.

Beim ersten Facelift wurde vor allem die Frontpartie verändert. Der Mercedes-Stern ragte nun in die Haube hinein und die Gestaltung von Scheinwerfern und Blinkern wurde stromlinienförmiger gestaltet. Das Armaturenbrett wurde einschließlich eines neuen Kombi-Instruments und eines in das Armaturenbrett integrierten Schalthebels komplett neu gestaltet. Ferner wurde die Elektrik auf CAN-Bus umgestellt. Beim zweiten Facelift bekam der Kühlergrill eine in Wagenfarbe lackierte Einfassung und die Rücklichter wurden zweifarbig ausgeführt.

Aktuell wird der Sprinter (T1N) für einige Exportmärkte immer noch im Mercedes-Benz-Werk Argentinien gebaut. In Ägypten, Algerien, Brasilien und Sudan wird der T1N dagegen von der Manufacturing Commercial Vehicles Corporation weiterhin produziert.

Die Typenbezeichnung W 901 beschreibt die erste Baureihe von 1995 bis 1997. Ab 1998 erhielten die Fahrzeuge die Typenbezeichnungen W 902 bis W 905, abhängig von der zulässigen Gesamtmasse des jeweiligen Fahrzeuges. So sind Modelle 2** = W 902, 3** = W 903, 4** = W 904 und 6** = W 905. Die Sternchen der Modelle sind durch die Motorleistung auf gerundete 10 PS, mit Wegfall der letzten Ziffer "0" zu ersetzen.

Motoren [Bearbeiten]

Vorfacelift-Modelle (1995–2000) [Bearbeiten]

Mercedes 412 D im Einsatz als Linienbus in Dortmund
Benziner
Modell Zylinder/
Ventile
Hubraum
cm³
Max. Leistung Max. Drehmoment Motortyp Gemischaufbereitung Bauzeit
214 / 314 / 414 4/16 2295 105 kW (143 PS) bei 5000 min−1 210 Nm bei 4000 min−1 M 111 E 23 Benzineinspritzung 1995–2000
Diesel
Modell Zylinder/
Ventile
Hubraum
cm³
Max. Leistung Max. Drehmoment Motortyp Gemischaufbereitung Bauzeit
208 D / 308 D / 408 D 4/8 2299 58 kW (79 PS) bei 3800 min−1 152 Nm bei 2300–3000 min−1 OM 601 D 23 Vorkammereinspritzung 1995–2000
210 D / 310 D / 410 D 5/10 2874 75 kW (102 PS) bei 3400 min−1 250 Nm bei 2000 min−1 OM 602 DE 29 LA Direkteinspritzung, Turbolader 1996–2000
212 D / 312 D / 412 D 5/10 2874 90 kW (122 PS) bei 3800 min−1 280 Nm bei 2000–2300 min−1 OM 602 DE 29 LA Direkteinspritzung, Turbolader, Ladeluftkühler 1996–2000

Facelift-Modelle (2000–2006) [Bearbeiten]

Benziner
Modell Zylinder/
Ventile
Hubraum
cm³
Max. Leistung Max. Drehmoment Motortyp Gemischaufbereitung Bauzeit
214 / 314 / 414 4/16 2295 105 kW (143 PS) bei 5000 min−1 215 Nm bei 3200–4700 min−1 M 111 E 23 Benzineinspritzung 2000–2006
Diesel
Modell Zylinder/
Ventile
Hubraum
cm³
Max. Leistung Max. Drehmoment Motortyp Gemischaufbereitung Bauzeit
208 CDI / 308 CDI / 408 CDI 4/16 2148 60 kW (82 PS) bei 3800 min−1 200 Nm bei 1400–2600 min−1 OM 611 DE 22 LA Common-Rail, Turbolader 2000–2006
211 CDI / 311 CDI / 411 CDI 4/16 2148 80 kW (109 PS) bei 3800 min−1 270 Nm bei 1400–2400 min−1 OM 611 DE 22 LA Common-Rail, Turbolader, Ladeluftkühler 2000–2006
213 CDI / 313 CDI / 413 CDI 4/16 2148 95 kW (129 PS) bei 3800 min−1 300 Nm bei 1600–2400 min−1 OM 611 DE 22 LA Common-Rail, Turbolader, Ladeluftkühler 2000–2006
216 CDI / 316 CDI / 416 CDI / 616 CDI 5/20 2685 115 kW (156 PS) bei 3800 min−1 330 Nm bei 1400–2400 min−1 OM 612 DE 27 LA Common-Rail, Turbolader, Ladeluftkühler 2000[A 1]–2006
  1. 616 CDI erst ab 2001.

Für die Sprinter W 901, W 902, W 903 und W 904, Modellbezeichnung mit der Zahl 2, 3 oder 4 beginnend, stehen die gleichen Motoren zur Auswahl.

Mercedes Sprinter T1N Russland ab 2013 [Bearbeiten]

Am 22. Juni 2012 gab Mercedes Benz bekannt, ab Mitte 2013 jährlich bis zu 25.000 Einheiten des Sprinter T1N von Gorkowski Awtomobilny Sawod in deren Hauptwerk für den russischen Markt bauen zu lassen. Diese sollen über das russische Mercedes Händlernetz vertrieben werden.[1]

Sprinter II (NCV 3) seit 2006 (W 906) [Bearbeiten]

W 906
Mercedes-Benz Sprinter.JPG
Produktionszeitraum: seit 2006
Karosserieversionen: Kleinbus, Kastenwagen, Pritschenwagen, Kipper, Fahrgestell
Motoren: Ottomotor:
1,8–3,5 Liter
(115–190 kW)
Dieselmotoren:
2,2–3,0 Liter
(70–140 kW)
Länge: 5245–7345 mm
Breite: 1993 mm
Höhe: 2435–3055 mm
Radstand: 3250–4325 mm
Leergewicht: 1930–2840 kg

NCV 3 (New Concept Van) ist die interne Bezeichnung für die zweite Generation des Mercedes-Benz Sprinter, der seit April 2006 auf dem Markt ist. Er wird, mit anderen Motoren ausgestattet und optisch leicht modifiziert, auch als VW Crafter angeboten.

Im Daimler-Werk Düsseldorf werden seit 2006 die Baureihen der Kastenfahrzeuge und Kombis (geschlossene Baumuster) produziert. Die so genannten „offenen Baumuster“ (Fahrerhaus und Doppelkabine) des neuen Sprinter werden bei der Mercedes-Benz Ludwigsfelde GmbH bei Berlin produziert. Bei einem offenen Baumuster wird auf dem hinteren Teil des Fahrwerks eine Pritsche oder ein beliebiger anderer Aufbau montiert.

Ferner werden alle vier Baumuster im Mercedes-Benz-Werk González Catán in Argentinien gebaut. In der Volksrepublik China wird der Sprinter unter dem Modellnamen Mercedes-Benz Commercial Vehicle von der Xinkai Auto Manufacture Corporation hergestellt. Während die Fahrzeugteile für diesen in Qinghe hergestellt werden, erfolgt die Montage in Tai'an. Einige der dort produzierten Fahrzeugen werden auch als Krankentransportfahrzeuge (Ambulance) oder als Polizeifahrzeug (Police Car) montiert. Allerdings erfolgt der Vertrieb der Fahrzeuge nicht über das gewöhnliche Mercedes-Benz-Vertriebsnetzwerk, sondern über das des chinesischen Herstellers.

Der Mercedes-Benz Sprinter steht in drei Radständen zur Verfügung (3250/3665/4325 mm), in vier Längen von 5243 bis 7343 mm bei den geschlossenen Varianten, sowie mit Normaldach, Hochdach und dem neuen Superhochdach. Mit 2,0 bis 5,0 Tonnen Gesamtgewicht deckt der neue Sprinter alle wesentlichen Segmente seiner Klasse ab. An offenen Baumustern werden unter anderem Pritschen-Fahrgestelle für ein zulässiges Gesamtgewicht von drei bis fünf Tonnen und Fahrgestelle für Sonderaufbauten (wie beispielsweise für Krankenwagen oder den Paketdienst) sowie Tiefrahmen für Wohnmobile angeboten. Die Aufbauten werden oft von Fremdherstellern durchgeführt, die teilweise darauf spezialisiert sind.

Weitere Variationsmöglichkeiten bei der Konfiguration eines Sprinters sind Normal- oder Doppelkabine, das Vorhandensein einer Kabinenrückwand, ein so genannter Doppelfahrernebensitz sowie verschiedene Hinterachsübersetzungen und Blattfedervarianten an der Hinterachse.

Aus den unterschiedlichen Radständen, Längen, Höhen, Gewichten, Aufbau- und Motor- sowie Getriebekonfigurationen ergeben sich rund 1000 mögliche Grundkonfigurationen ab Werk.

Ein erheblicher Vorteil gegenüber dem Vorgänger ist die breitere und höhere Laderaumschiebetür, die es ermöglicht, Europaletten quer einzuladen, wodurch der Laderaum besser ausgenutzt wird. Gegen Aufpreis ist die Schiebetür auch elektrisch zu betätigen.

Angeboten wird der Sprinter mit 4- oder 6-Zylinder-Diesel- sowie einem V6-Benzinmotor. Als Getriebe kommen ein 6-Gang-Schaltgetriebe sowie ein 5-Stufen-Automatikgetriebe zum Einsatz. ESP ist Serienausstattung. Seit Mai 2008 ist in Europa auch der Mercedes-Benz Sprinter 316 NGT, ein Erdgasfahrzeug mit bivalentem Antrieb, auf dem Markt.

Zum Frühsommer 2009 wurden die 4-Zylinder-Dieselmotoren der Baureihe OM 646 durch den aus C- und E-Klasse bekannten OM 651 ersetzt, der an ein speziell für den Einsatz in Nutzfahrzeugen konzipiertes Sechsgang-Handschaltgetriebe (EcoGear 360 bei Vierzylinder, EcoGear 480 bei Sechszylinder) gekoppelt ist. Während die beiden stärkeren Varianten in 313 CDI und 316 CDI von zwei VTG-Turboladern beatmet werden, kommt im kleinen Modell 309 CDI nur ein lastabhängiger Lader zum Einsatz. Mit der Umstellung auf die neue Vierzylinder-Generation entfiel die Variante mit 109 PS. Daneben wurde die Leistung der Sechszylinder OM 642 leicht auf 140 kW (190 PS) angehoben, während bei den Ottomotoren keine Veränderungen vorgenommen wurden. In Verbindung mit den CDI-Dieselmotoren ist seit dem 1. Quartal 2012 ein 7-Stufen-Automatikgetriebe (7G-Tronic) lieferbar. Dieses Getriebe kommt bereits in diversen anderen Fahrzeugen der Marke Mercedes-Benz zum Einsatz.

Neben verschiedenen Aufbauvarianten von Fremdherstellern ist der Sprinter als Minibus auch ab Herstellerwerk Dortmund als Mobility, Transfer, Travel und City mit bis zu 30 Sitzplätzen lieferbar.

Motoren [Bearbeiten]

Modell Motor-
kenncode
Zylinder Hubraum Leistung Drehmoment Bauzeit
Diesel
209 CDI/309 CDI/409 CDI OM 646 DE 22 LA Reihe 4 2148 cm³ 65 kW (88 PS) bei 3800/min 220 Nm bei 1600–2600/min 2006–2009
210 CDI/310 CDI/
510 CDI
OM 651 DE 22 LA Reihe 4 2143 cm³ 70 kW (95 PS) bei 3800/min 250 Nm bei 1400–2400/min seit 2009
211 CDI/311 CDI/
411 CDI/511 CDI
OM 646 DE 22 LA Reihe 4 2148 cm³ 80 kW (109 PS) bei 3800/min 280 Nm bei 1600–2400/min 2006–2009
213 CDI/313 CDI OM 646 DE 22 LA Reihe 4 2148 cm³ 95 kW (129 PS) bei 3800/min 305 Nm bei 1200–2400/min 2006–2009
213 CDI/313 CDI OM 651 DE 22 LA Reihe 4 2143 cm³ 95 kW (129 PS) bei 3800/min 305 Nm bei 1200–2400/min seit 2009
215 CDI/315 CDI/
415 CDI/515 CDI
OM 646 DE 22 LA Reihe 4 2148 cm³ 110 kW (150 PS) bei 3800/min 330 Nm bei 1200–2400/min 2006–2009
216 CDI/316 CDI/
416 CDI/516 CDI
OM 651 DE 22 LA Reihe 4 2143 cm³ 120 kW (163 PS) bei 3800/min 360 Nm bei 1400–2400/min seit 2009
218 CDI/318 CDI/
418 CDI/518 CDI
OM 642 DE 30 LA V 6, 72° 2987 cm³ 135 kW (184 PS) bei 3800/min 400 Nm bei 1600–2600/min 2006–2009
219 CDI/319 CDI/
419 CDI/519 CDI
OM 642 DE 30 LA V 6, 72° 2987 cm³ 140 kW (190 PS) bei 3800/min 440 Nm bei 1600–2600/min seit 2009
Benziner
216/316 M 271 E 18 ML Reihe 4 1796 cm³ 115 kW (156 PS) bei 5000/min 240 Nm bei 3000–4000/min seit 2008
316 NGT M 271 E 18 ML Reihe 4 1796 cm³ 115 kW (156 PS) bei 5000/min 240 Nm bei 3000−4000/min seit 2008
224/324/424/524 M 272 E 35 V 6, 90° 3498 cm³ 190 kW (258 PS) bei 5900/min 340 Nm bei 2500–5000/min seit 2006

Für Sprinter ab 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, Modellbezeichnung mit der Zahl 3, 4 oder 5 beginnend, stehen die gleichen Motoren zur Auswahl.

Besonderheiten im nordamerikanischen Markt [Bearbeiten]

Dodge Sprinter (1. Baureihe)

Im nordamerikanischen Markt (NAFTA) wurde der Sprinter anfänglich nicht unter der Marke Mercedes-Benz vertrieben. Die Einführung erfolgte 2001 als Freightliner Sprinter sowie ab 2004 zusätzlich als Dodge Sprinter. Nach der Trennung von Chrysler vertrieb Dodge den Sprinter noch bis Ende 2009, seit Anfang 2010 wird er sowohl als Mercedes-Benz Sprinter als auch als Freightliner Sprinter angeboten. Zudem werden aus Zollgründen (sogenannte Chicken tax) die Transporter (nicht aber die Personenbusse) vor der Verschiffung zerlegt und in Ladson, South Carolina wieder montiert (CBU).

Der Sprinter 4×4 im sportlichen Einsatz [Bearbeiten]

Sprinter auf der Ziellinie in Essaouira
  • 2009: Als Service-Fahrzeug bei der Rallye Dakar eingesetzt.
  • 2010: Teilnahme bei der Rallye Aïcha des Gazelles in der 4×4-Kategorie. Der bis auf Überrollbügel und Sandreifen serienmäßige Sprinter, gesteuert von den letztjährigen Gewinnerinnen in der SUV-Kategorie Jeanette James und Anne-Marie Ortola auf Mercedes-Benz Viano, trat hier gegen die echten Geländewagen an und erzielte Platz 19 unter 100 Teilnehmern.
  • 2010: Ein zweiter Sprinter wurde bei der Rallye Aïcha des Gazelles als Service-Fahrzeug eingesetzt.

Siehe auch [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. [1]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Sprinter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien