Mercedes-Benz CLR

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Mercedes-Benz

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CLR
Produktionszeitraum: 1999
Klasse: Rennwagen
Karosserieversionen: Coupé
Motoren: Ottomotor:
5,7 Liter (441 kW)
Länge: 4893 mm
Breite: 1999 mm
Höhe: 1010 mm
Radstand: 2670 mm
Leergewicht: 914 kg
Vorgängermodell: keines
Nachfolgemodell: keines

Der Mercedes-Benz CLR war ein GT-Rennwagen, der für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans des Jahres 1999 gebaut und dort nach mehreren Hochgeschwindigkeitsunfällen aus dem Rennen genommen wurde.

Renneinsätze[Bearbeiten]

Im April 1999 stellte Mercedes den neuen Mercedes CLR als Nachfolger des FIA-GT-Championship-Gewinners Mercedes-Benz CLK GTR vor. Dabei wurde die Technik samt V8-Motor der Variante CLK LM weitgehend übernommen. Beim Design orientierte man sich an Merkmalen des damals neuen Mercedes-Benz CL (C 215). Wie die direkten Konkurrenten Toyota GT-One und Audi R8C wurde der CLR nach dem Regelwerk Le Mans GT Prototype aufgebaut.

Dieses Auto sollte an den 24 Stunden von Le Mans teilnehmen. Nach sehr guten Ergebnissen bei Tests auf Rennstrecken (u. a. dem Oval Homestead bei Miami) war Mercedes zuversichtlich, dass der Wagen schnell genug sei, um das Rennen zu gewinnen, trotz einer nur kurzen Testphase im Windkanal.

Während des Donnerstagabend-Qualifyings hob der CLR mit der Startnummer 4 von Mark Webber vor der Indianapolis-Kurve ab und überschlug sich mehrere Male. Webber kam mit einem schmerzenden Hals und ein paar Prellungen am Ellbogen davon. Am wettbewerbsfreien Freitag wurde der Wagen auf einem neuen Chassis völlig neu aufgebaut, wozu eine Ausnahmegenehmigung des Veranstalters nötig war. Dabei wurden zur Erhöhung des Abtriebs auf der Vorderachse zusätzlich Windleitbleche angebracht, wie sie bei Regen verwendet werden. Wieder mit Mark Webber am Steuer nahm der Wagen am Warmup am Samstag teil, doch diesmal kam der CLR Nr. 4 nur bis zum damals noch vorhandenen Hügel vor der Mulsanne-Kurve, wo das Auto wiederum von der Strecke abhob, sich überschlug und auf dem Dach liegen blieb. Der senkrecht in der Luft „stehende“ Wagen wurde vielfach in Fotos festgehalten und noch am selben Tag in Zeitungen veröffentlicht. Es gab keine Verletzten bei diesem Unfall.

Trotz dieses zweiten Unfalls und in dem Bewusstsein des Le-Mans-Unfalls von 1955 entschied sich Norbert Haug die beiden anderen Autos ins Rennen starten zu lassen. Dazu wurden weitere Modifikationen an den verbleibenden Autos mit den Startnummern 5 und 6 vorgenommen und die Fahrer angewiesen, anderen Autos nicht zu dicht über größere Bodenwellen zu folgen.

Allen Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz kam es im Rennen nach gut vier Stunden zu einem weiteren Unfall mit einem CLR; diesmal betraf es das Auto mit der Startnummer 5 und den Fahrer Peter Dumbreck. Dumbreck folgte einem Toyota GT-One, sein CLR hob in einer Biegung bei der Anfahrt auf Höhe der Indianapolis-Kurve ab, überschlug sich in der Luft und landete abseits der Strecke im Buschwerk. Der Unfall konnte live im Fernsehen mitverfolgt werden. Dumbreck wurde nahezu unverletzt aus dem Wagen geborgen.

Der verbliebene Wagen mit Bernd Schneider am Steuer wurde sofort aus dem Rennen genommen, die Garagentore in der Boxengasse wurden als Zeichen der Aufgabe geschlossen. Die Unfälle führten zur Absage der geplanten Teilnahme des CLR einige Wochen später auf dem Norisring, was zur Absage des dort geplanten Sportwagenrennens führte. Werbeplakate mit dem CLR, dem Audi R8R von Joest Racing und dem BMW V12 LMR von Schnitzer Motorsport hingen zu der Zeit schon aus. Auch die Teilnahme bei der American Le Mans Series wurde seitens Mercedes abgesagt. Der einzige verbleibende CLR, die Nr. 6, fuhr nie wieder ein Rennen und wurde auch nicht in das Mercedes-Benz Museum gestellt, sondern an einen privaten Sammler verkauft. Der Wagen wurde im Herbst 2001 von Harald Grohs am Hockenheimring bewegt und im Sommer 2008 in St. Ingbert ausgestellt, als Teil einer Ausstellung zu Ehren von Bernd Schneider. Im Juni 2009 wurde der Wagen auf dem Nürburgring bewegt.[1]

Mercedes gab den Bodenwellen in Le Mans die Schuld. Vor dem Rennen 2001 wurde der Hügel vor der Mulsanne-Kurve um ca. 2 m abgetragen, außerdem wurde eine Mindesthöhe des Unterbodens zur Fahrbahn im Regelwerk der Le-Mans-Prototypen festgeschrieben. Denn bereits 1998 in Road Atlanta überschlug sich Yannick Dalmas in einem Porsche 911 GT1 '98 beim Überqueren eines Hügels hinter einem Konkurrenten, ebenso zwei Jahre später Bill Auberlen im BMW V12 LMR auf demselben Rennkurs. Beide Typen waren zuvor in Le Mans ohne solche Unfälle gefahren, und hatten jeweils gewonnen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Modena Trackday, racerpics.de; im Internet Archive

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mercedes-Benz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Dieser Artikel beruht auf einer Übersetzung des Artikels Mercedes-Benz CLR aus der englischsprachigen Wikipedia in der Version vom 6. April 2005. Eine Liste der Hauptautoren (History) gemäß GNU FDL ist hier zu finden.