Allright

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Allright war eine Marke, unter der verschiedene Unternehmen, vornehmlich aus Köln, zwischen 1890 und 1965 Fahrräder, Motorräder und Automobile sowie Zubehör produzierten.

Unternehmensgeschichten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründungsjahre und Fahrradproduktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Allright Fahrradwerke“ wurden 1890 von dem Fahrradpionier Georg Sorge begründet, der als Radrennfahrer Erfolge wie den zweiten Platz bei der Distanzradfahrt Wien–Berlin feiern konnte. Zunächst wurden aus England importierte Komponenten der Marken „Triumph“ und „Allright Coventry Safety“ dort montiert.

Bald nach der Unternehmensgründung konnte „Allright“ 1899 aus einer kleinen Werkstatt an der Freiligrathstraße auf ein größeres Unternehmensgelände an der Neuenhöfer Allee in Sülz ziehen. Das Unternehmen betrieb auch eine eigene Radfahrschule. Nur sieben Jahre nach der Gründung hatten sich die „Allright Fahrradwerke“ auf dem Markt etabliert (genaue Verkaufszahlen sind nicht bekannt), wie aus dem Katalog von 1897 ersichtlich ist: „Wenn unsere Werke in Deutschland auch nicht zu den ältesten Fabriken gehören, so ist es uns doch gelungen, mit Erfolg alle Versuchsstationen dieser neuen Industrie zu passieren und die besten Maschinen hervorzubringen.“ 26 verschiedene Fahrrad-Modelle wurden in diesem Katalog angeboten. Auch die Erfolge der von dem Unternehmen unterstützten Rennfahrer wie Jimmy Moran oder Peter Günther, der vor seiner Rennfahrerlaufbahn als Mechaniker bei „Allright“ gearbeitet hatte, trugen zum Renommee bei.

Wachsende Billigimporte etwa aus den USA führten allerdings im Jahre 1898 zu einem Einbruch auf dem deutschen Markt. Noch zehn Jahre zuvor hatte ein Fahrrad 500 bis 1000 Mark gekostet (in etwa das Jahresgehalt eines Arbeiters), jetzt war ein deutsches Fahrrad zwar für rund 200 Mark zu haben, amerikanische Räder wurden jedoch schon für 80 Mark angeboten. Viele Fahrradhersteller mussten kapitulieren, doch die „Allright-Werke“ überstanden die Krise auch durch wirtschaftspolitische Aktivitäten ihres Inhabers.

Neue Strukturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Foto zu Werbezwecken: die Familie des Radrennfahrers Robert Walthour, alle mit Allright-Fahrrädern

1901 wandelte Georg Sorge die „Allright-Fahrradwerke“ in die „Köln-Lindenthaler Metallwerke AG“ (KLM) um, Hauptaktionärin wurde die „Rheinische Handelsgesellschaft“, die zum Bankhaus Adolf Hanau gehörte. Die KLM nahmen zusätzlich die Produktion von Motorrädern und später auch von Automobilen ins Programm. Sie entwickelten sich zu einem der größten Arbeitgeber im Kölner Westen. 1905 produzierten 750 Arbeiter auf einer Fläche von 145.000 m² jährlich 35.000 Fahrräder. 1922, im Laufe der Inflationsjahre, übernahmen die KLM den ins Straucheln geratenen lokalen Konkurrenten „Cito“ mit einem Zweigwerk in Suhl; 1927 gaben sie die Eigenproduktion von Motorrädern auf und spezialisierten sich auf die Zulieferung von Zubehör. Der Thüringer Unternehmer und ehemalige Techniker bei Cito, Paul Henkel, übernahm das Suhler Werk, holte die Motorrad-Produktion nach Suhl und produzierte dort bis 1931 das Motorrad „Original Allright K.-G.“. Henkel erkrankte jedoch schwer und nahm sich 1931 das Leben.

Zeit des Nationalsozialismus'[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon vor der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten hatte der Besitzer des Bankhauses Hanau, Adolf Hanau, auf Anraten seines Freundes Lois Helkenberg seine Unternehmen in vermeintlich vertrauenswürdige „arische“ Hände (→ Nürnberger Gesetze) gegeben. Die KLM übergab er an seinen Betriebsleiter Conrad Brüsselbach. Die Immobilien verblieben im Besitz der „Rheinischen Handelsgesellschaft“, die nun als Vermieterin fungierte. Adolf Hanau und seine Mutter kamen 1942 im Konzentrationslager Auschwitz ums Leben, der Tochter gelang die Flucht nach Südamerika, während sich der Schwiegersohn das Leben nahm. Brüsselbach betrachtete sich indes inzwischen als rechtmäßiger Besitzer der Werke, eines „nationalsozialistischen Musterbetriebes“, der gegen Ende des Krieges auch Waffen und Waffenteile produziert hatte, und zahlte schließlich auch keine Miete mehr.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helkenberg verklagte Brüsselbach nach dem Krieg als Verwalter im Namen der Familie Hanau. Es kam zu einem Vergleich und der Zahlung von 1870 Reichsmark als Gesamtmiete. Der Schwiegersohn Brüsselsbachs, Friedrich Rolf, verlegte schließlich die Produktion nach Hürth-Efferen. Dort produzierte er noch bis in die 1965er Jahre Fahrräder und Mofas unter der Bezeichnung „Allright/Cito Conrad Brüsselbach Fahrradfabrik“. [1] Helkenberg verkaufte das Gelände in Lindenthal an die „Dr.-Rüger-Gruppe“; er starb 1971.

Motorräder (1901–1927)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allright von 1905
Vindec-Spezial von 1912 mit J.A.P. Motor

Die Motorräder der Marken Allright und Tiger entstanden unter Verwendung von Einbaumotoren der Unternehmen FN, Kelecom und Minerva. Die ab 1903 mit ein- und zweizylindrigen Motoren von Fafnir oder J.A.P. ausgerüsteten Motorräder, die nach England exportiert wurden, trugen die Markennamen Vindec-Spezial oder V.S..

Nach kriegsbedingter Unterbrechung stellte man ab 1923 wieder Motorräder mit 150- und 175-cm³-Zweitaktmotoren sowie seiten- und obengesteuerten 350- und 500-cm³-Motoren des englischen Herstellers J. A. P., aber auch mit englischen Blackburne oder Motosacoche Motoren aus der Schweiz her.

Die Übernahme des Unternehmens Cito-Werke, Köln und Suhl, sicherte Allright die Produktionslinie der Krieger-Gnädig-Motorräder (K.G.). Diese verfügten über einen 500-cm³-Blockmotor sowie Kardanantrieb.

Automobile (1908–1913)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1908 erschien ein zweisitziger Motorradwagen, der mit einem luftgekühlten V2-Motor und vier Drahtspeichenrädern ausgestattet war. Er wog 200 kg und fuhr 35 km/h schnell.

Ab 1910 wurde ein verbessertes Modell angeboten, das als zweisitziger Runabout oder Lieferwagen erhältlich war. Sein V2-Motor erbrachte bei einem Hubraum von 960 cm³ eine Leistung von 7 PS (5,1 kW) bei 1300 min⁻¹. Über eine Lederkonuskupplung, ein Dreiganggetriebe und Ketten wurden die Hinterräder angetrieben. Das 500 kg schwere Fahrzeug erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 55 km/h und kostete 3.000,--. 1913 verschwand auch dieses Modell wieder vom Markt.

1928 wurde der Bau von Motorrädern eingestellt, weiter im Programm des Unternehmens blieb indes ein Zweitakt-Modell mit einem 98er Sachs-Motor, das im Volksmund „Hermännchen“ genannt wurde (angeblich nach dem übergewichtigen Hermann Göring benannt, der sich mal begutachtend auf ein solches Kleinmotorrad gesetzt hatte).

Motorradzubehör[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem der Motorradbau im Jahre 1928 eingestellt worden war, wurde aber weiter Zubehör produziert, wie die bei vielen Motorradherstellern sehr beliebte Tiger-Federgabel. Bekannter Konstrukteur bei Allright war der Ingenieur Rudi Albert, der später die Stella bei Mars in Nürnberg schuf.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tobias Christ: Spurensuche: Lindenthaler Metallwerke, Kölner Stadt-Anzeiger vm 10. Dezember 2015, S. 25 und online

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Nordmann, Fritz Hahn, Mika Hahn: Kölsche Zweiradgeschichten. Pioniere, Rennfahrer, Schicksale. Rheinischer Mobilia-Verlag, Kleinenbroich 2003, ISBN 3-00-011139-5, S. 12ff.
  • Halwart Schrader: Deutsche Autos. Band 1: 1885–1920. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-02211-7.
  • Erwin Tragatsch: Alle Motorräder 1894 bis heute. 5. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1982, ISBN 3-87943-410-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Allright – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien