Amatrice

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Amatrice
Wappen
Amatrice (Italien)
Amatrice
Staat Italien
Region Latium
Provinz Rieti (RI)
Koordinaten 42° 38′ N, 13° 17′ OKoordinaten: 42° 37′ 42″ N, 13° 17′ 21″ O
Höhe 955 m s.l.m.
Fläche 174 km²
Einwohner 2.657 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte 15 Einw./km²
Postleitzahl 02012
Vorwahl 0746
ISTAT-Nummer 057002
Volksbezeichnung Amatriciani
Schutzpatron Santa Maria della Filetta
Website Amatrice
Ehemalige Altstadt von Amatrice (2008)
Ehemalige Altstadt von Amatrice (2008)

Amatrice ist eine italienische Gemeinde in der Provinz Rieti in der Region Latium mit 2657 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage von Amatrice in der Provinz Rieti

Amatrice liegt 138 km nordöstlich von Rom und 63 km nördlich von Rieti. Der Ort liegt im oberen Tal des Tronto, an der Via Salaria am Fuß der Monti della Laga. Auf dem Gebiet der Gemeinde, zu der etwa 70 kleine Weiler gehören, liegt in beherrschender Lage der Gipfel des Monte Gorzano (2458 m s.l.m.), des höchsten Bergs von Latium. Unterhalb des auf einem Felssporn liegenden Zentrums liegt der Lago di Scandarello, ein Stausee. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhe von 750 m s.l.m. bis 2458 m s.l.m..

Die Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn Accumoli, Valle Castellana (TE), Rocca Santa Maria [TE], Cortino [TE], Crognaleto [TE], Campotosto (AQ), Montereale (AQ) und Cittareale. Die Gemeinde grenzt an die Regionen Umbrien, die Marken und die Abruzzen.

Amatrice ist Mitglied der Comunità Montana del Velino sowie seit 2015 der Vereinigung der Borghi più belli d’Italia[2] (Die schönsten Orte Italiens).

Seit 1991 gehört das Gemeindegebiet zum Nationalpark Gran Sasso und Monti della Laga.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in der Erdbebenzone 1 (stark gefährdet).[3] Das Apenningebiet in Italien wird von zwei Plattengrenzen durchlaufen. Amatrice wurde deshalb häufig von Erdbeben heimgesucht. 1639, 1672, 1703 und 1737 wurde der Ort schwer beschädigt. Auch das Erdbeben am 24. August 2016 verursachte schwere Schäden und forderte – in Amatrice und in anderen Gemeinden – insgesamt mindestens 290 Menschenleben. Das Epizentrum lag 10 km nördlich von Amatrice.[4][5]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigste Fernstraße, die das Gemeindegebiet durchquert, ist die Strada Statale 4 Via Salaria von Rom nach San Benedetto del Tronto an der Adria. Von ihr zweigt die Strada Regionale 260 Picente ab, die die Altstadt von Amatrice durchquert und nach L’Aquila führt.

Der nächste Eisenbahnhaltepunkt ist Sassa-Tornimparte, nahe bei L’Aquila gelegen.

Der nächste internationale Flughafen Pescara befindet sich in 140 km Entfernung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend von Amatrice ist seit prähistorischen Zeiten besiedelt. Verschiedene Ortsteile wurden im 11. Jahrhundert erstmals erwähnt. Im frühen Mittelalter gehörte die Region zum Herzogtum Spoleto, seit dem 13. Jahrhundert zum Königreich Neapel. Im 14. und 15. Jahrhundert lebte die Stadt in ständiger Fehde mit anderen Städten und Burgen im Umland. Im 18. Jahrhundert fiel die Stadt in das Eigentum der Familie Farnese. Von 1861 bis 1927 gehörte die Stadt zur Provinz Abruzzo Ulteriore, danach kam sie zur Provinz Rieti. Von 1911 bis 2011 verlor die Gemeinde etwa drei Viertel ihrer Einwohner durch Abwanderung.

Erdbeben 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. August 2016 wurde Amatrice von einem schweren Erdbeben erschüttert. Insgesamt kamen dabei im Raum Amatrice fast 300 Menschen zu Tode, große Teile der Stadt wurden zerstört. Der mittelalterliche Turm – die Torre civica – neben der dem Hl. Augustin geweihten Kirche blieb zunächst zwar mit Sprüngen, doch samt seinem Dach stehen. Die Glocke fiel in ihrem Geschoss zu Boden, die Turmuhr blieb auf 3:38 Uhr stehen und wurde so zu einem Mahnmal für die Katastrophe.

Am 4. Oktober besuchte Papst Franziskus den Ort, um Trost zu spenden.[6]

Am Morgen des 30. Oktober kam es erneut zu einem weiteren starken Erdbeben (MW = 6,5), das das oberste Glockengeschoss der Torre Civica einstürzen ließ. Diesmal gab es in der Stadt einige Verletzte.[7][8]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1861 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001 2011
Einwohner 8.147 8.664 9.574 10.043 7.419 6.566 3.696 3.042 2.807 2.635

Quelle ISTAT[9]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sergio Pirozzi (Bürgerliste Viva Amatrice viva) wurde im Juni 2009 zum Bürgermeister gewählt und im Mai 2014 im Amt bestätigt. Seine Bürgerliste stellt auch 7 der 10 Gemeinderäte.[10] Sein Vorgänger Carlo Fedeli (2004–2009) trat nicht mehr zur Wahl an.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amatrice hatte bis zu den Erdbeben ab 24. August 2016 ein gut erhaltenes mittelalterliches Zentrum mit Stadtmauern aus dem 13. Jahrhundert und sechs Stadttoren, u. a. die Porta Carbonara.

Die Torre civica (13. Jahrhundert) hatte das Beben vom 24. August großteils überstanden: Im obersten Geschoss fiel die Glocke zu Boden, doch die vier über Gewölbe verbundenen Säulen dieses Stockwerks blieben trotz gravierender Brüche in Position und trugen weiterhin das Dach in Form einer flachen Pyramide samt Kreuz am Spitz. Die Uhrzeiger blieben jedoch durch das Bebens auf 3:38 Uhr[11] stehen. Der Turm wurde zu einem Mahnmal der Zerstörungen durch das Beben vom August. Seine Umgebung wurde abgesperrt. Durch das Beben vom 30. Oktober stürzte dann das Glockengeschoss vom Turm.[12]

Viele historische Bauten insbesondere am Corso Umberto I und auch neuere Gebäude wurden (August 2016) zerstört.

Bedeutende Kirchen sind:[13]

  • Die Pfarrkirche Sant'Agostino mit einem gotischen Portal von 1428 (August 2016 teilweise zerstört)
  • Die Franziskanerkirche San Francesco mit angeschlossenem Kloster wurde im 14. bis 15. Jahrhundert errichtet (August 2016 teilweise zerstört)
  • San Giuseppe (17. Jahrhundert, August 2016 schwer beschädigt)

In den Ortsteilen befinden sich:

  • das Santuario Icona Passatora (Santa Maria delle Grazie) mit Fresken im Stil des Dionisio Cappelli aus dem 15. und frühen 16. Jahrhundert im Ortsteil Ferrazza
  • die Kirche San Martino mit romanischem Portal im Ortsteil San Martino in ca. 1500 m Höhe
  • das Santuario della Madonna delle Grazie von 1523 im Ortsteil Varoni
  • die Kirche Sant'Antonio Abate mit Fresken aus dem 14. Jahrhundert

Auch diese Gebäude wurden im August 2016 zerstört bzw. schwer beschädigt.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ganz Italien sind die Spaghetti all’amatriciana bekannt. Immer am letzten Wochenende im August wird die Sagra degli Spaghetti all’amatriciana gefeiert. Nach dem Erdbeben im August 2016 wurde sie allerdings abgesagt.

(Februar 2012)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Amatrice – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.
  2. I borghi più belli d’Italia (offizielle Webseite), abgerufen am 22. September 2016 (italienisch)
  3. Italienischer Zivilschutz
  4. Julia Stanek: Erdbebenort Amatrice: Die Zeit steht still spiegel.de, 24. August 2016, abgerufen 3. September 2016.
  5. aar/kbl/dpa/Reuters/AFP: Italien: Nach schwerem Erdbeben nahe Rom - Deutschland bietet Hilfe an spiegel.de, 24. August 2016, abgerufen 3. September 2016.
  6. Papst Franziskus besucht Erdbebenopfer in Amatrice. faz.net vom 4. Oktober 2016, abgerufen am 5. November 2016
  7. Schwerstes Erdbeben seit 1980 : Auch in Österreich spürbar orf.at, 30. Oktober 2016, abgerufen 30. Oktober 2016.
  8. Erdbeben in Mittelitalien - Turm in Amatrice eingestürzt orf.at, 30. Oktober 2016, abgerufen 30. Oktober 2016.
  9. Statistiche demografiche ISTAT. Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2011.
  10. Italienisches Innenministerium
  11. Las imágenes del día (29/08/2016) publico.es, 29. August 2016, abgerufen 30. Oktober 2016. – Die Zeiger am rechten (östlichen?) von zwei Ziffernblättern stehen auf 3:38
  12. Terremoto Centro Italia, crollata la torre civica di Amatrice repubblica.it, 30. Oktober 2016, abgerufen 30. Oktober 2016. – Bild 1 vom 30. Oktober, Bild 2 kurz nach dem 24. August 2016.
  13. Amatrice Turismo