Rot (Haarfarbe)

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Gustave Courbet: La Belle Irlandaise, 1865

Rot ist eine Haarfarbe, die von tiefem Mahagonirot bis zu heller Kupferfarbe variiert. Nur etwa ein bis zwei Prozent der Weltbevölkerung haben naturrote Haare. Ursache ist eine Variation auf dem Chromosom 16, die zu einer Veränderung des Proteins MC1R führt: Anstatt des dunklen Melanins befindet sich Phäomelanin in Haut, Haaren und Augen, was zudem zu einer empfindlicheren hellen Haut und vermehrt Sommersprossen führt.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Ursprüngliches Vorkommen rötlicher Haare weltweit, siehe rote Schraffuren

Nur etwa zwei Prozent der Deutschen haben eine natürliche Rotfärbung der Haare, in den Vereinigten Staaten und England vier Prozent. Den höchsten Anteil an Rothaarigen gibt es heute nicht, wie häufig angenommen, in Irland, sondern in Schottland. Rothaarige kommen in allen Teilen der Welt vor, aber in sehr unterschiedlichen Bevölkerungsanteilen, so zu 0,03 Prozent in Papua-Neuguinea.

Der höchste Anteil an Rothaarigen kommt in Nordeuropa vor, darunter Schottland mit 13 Prozent (etwa 660.000 Menschen im Jahr 2005), Irland mit 420.000 (etwa 10 Prozent) und Wales mit circa 290.000 (etwa 10 Prozent). In England liegt der prozentuale Anteil der Rothaarigen hoch in den Grafschaften Cornwall, Nottinghamshire und South Yorkshire sowie im hohen Norden an der Grenze zu Schottland. Viele Menschen mit roten Haaren in Europa finden sich außerhalb Nordeuropas auch in den Niederlanden, Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Schweiz, Spanien, Portugal, Russland, im Baltikum und in Südosteuropa. Das Verbreitungsgebiet der Rothaarigen passt gut zu den ehemaligen Völkerbewegungen der Kelten und Pikten (vermutlich teils Rothaarige), die von den Römern auf den Britischen Inseln westwärts nach zum Beispiel Irland und nordwärts nach Schottland vertrieben wurden. Ebenso siedelten Wikinger, bei denen die rote Haarfarbe ebenfalls vorkam, im Norden Schottlands.

6 bis 18 Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten haben rotes Haar, ebenso circa 620.000 bis zu 1.030.000 Australier, weil viele der dortigen Menschen Vorfahren von den britischen Inseln haben. Wegen der europäischen Abstammung findet man Rothaarige auch in Kanada, auf Neuseeland und in Südafrika.

Außerdem finden sich Menschen mit meist dunkler roter Haarfarbe im Norden Indiens, in nördlichen Teilen des Nahen Ostens, sowie in Pakistan. In Marokko und Algerien finden sich rote Haare gelegentlich bei den Berbern. Sehr selten sind Rothaarige in Japan und im Südpazifik.

Genetik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das sogenannte „Ginger“-Gen ist für rote Haare und Sommersprossen verantwortlich.[1][2] Nachweisbar ist, dass rote Haare im Gegensatz zu anderen Haarfarben einen großen Anteil an Phäomelanin aufweisen. Rothaarige haben nur etwa 90.000 Haare, im Gegensatz zu Blonden und Brünetten, bei denen man etwa 100.000 bis 120.000 Haare errechnet. Dafür ist das rote Haar um einiges dicker und manchmal regelrecht „drahtig“. Einige Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Rothaarige Abweichungen im Schmerzsystem aufweisen. Erhöhter Anästhesiebedarf wurde ebenso festgestellt wie gesteigerte Schmerzempfindlichkeit.[3] Außerdem kommt es zu einer höheren Vitamin-D-Produktion. Das Gen für diesen Rezeptor wird auch als Extension-Locus bezeichnet.

Aufgrund einer Studie aus dem Jahre 2001 zum Ginger-Gen[4] wurde spekuliert, dass der Neandertaler rote Haare hatte und diese Erbanlage weitergegeben haben könnte.[5][6] Im Rahmen einer Studie zur Analyse der Neandertaler-DNA aus dem Jahre 2007 wurde festgestellt, dass einige Neandertaler tatsächlich rothaarig waren, dass dies jedoch auf einer Mutation des MC1R-Gens beruhte, die beim modernen Menschen nicht nachgewiesen werden konnte.[7]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evelyn de Morgan; Der Liebestrank, Ölgemälde

In der Geschichte waren manche, eher dunkelhaarige Völker für rotes Haar eingenommen, zum Beispiel Gallier und Römer. Die Römerinnen waren begeistert von den blonden und roten Haaren der germanischen und keltischen Gefangenen und zwangen sie, sie sich abzuschneiden, um sich selbst daraus Perücken machen zu lassen. Die Einwohner von Tripolis färben ihr Haar mittels Zinnober rötlich.

Färbemittel aus der Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pflanzliche Farbstoffe werden seit Tausenden von Jahren zum Färben von Textilien verwendet, aber auch die Haare wurden gefärbt. So konnten bei einer ägyptischen Mumie aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. mit Henna gefärbte Haare nachgewiesen werden. Je nach gewünschtem Ton kommen Pflanzenteile wie Walnussschale, Indigo, Rhabarberwurzel, Heidelbeere, Kaffee oder Tee hinzu.[8]

Rothaarige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildende Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der bildenden Kunst waren Rothaarige ein häufiges Motiv: Tizian (Tizian-Rot), die Präraffaeliten, Amedeo Modigliani und Gustav Klimt malten häufig rothaarige Frauen. Vor allem in der flämischen Malerei erscheinen die Jungfrau Maria und das Jesuskind oft mit roten Haaren, etwa bei Jan Provoost, Rogier van der Weyden, aber auch Giovanni Bellini.

Film und Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Aufkommen des Farbfilms wurden in den 1940er Jahren auch rothaarige Darstellerinnen für die Filmindustrie interessant. Schauspielerinnen färbten sich die Haare rot, was vermutlich mit zu ihrem Erfolg beitrug. Im Spiel verkörperten sie oft Klischees der Rothaarigen: geheimnisvoll, undurchschaubar und verführerisch. Ein Beispiel ist Rita Hayworth. Natürlich Rothaarige spielten meist den stolzen wie streitbaren Frauentypus, wie Maureen O’Hara, Katharine Hepburn, Shirley MacLaine und Tilda Swinton.

Die Medienszene bedient sich zuweilen der besonderen Ausstrahlung roter Haare, wenngleich sie oft nur gefärbt wurden. 1999 machte Franka Potente in Lola rennt die roten Haare zum Markenzeichen des ganzen Films. In England war der deutsche Erfolgsfilm sogar so populär, dass Friseursalons die Haarfarbe Lola red anboten. Weitere Filme, in denen Rothaarige eine besondere Rolle spielten, waren Pippi Langstrumpf (1969), Red Sonja (1985), Orlando (1992), Das fünfte Element (1997), Harry Potter (2001–2011), In the Cut (2003), Das Imperium der Wölfe (2005), Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders (2006) und Die Rote Zora (2008).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die rothaarig dargestellte böse Stiefmutter Schneewittchens schaut in den Zauberspiegel, deutsche Briefmarke, von Holger Börnsen entworfen, 1962

Comedy-Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hape Kerkeling startete 1985 mit seiner rothaarigen, frechen und sadistischen Kinderfigur Hannilein seine TV-Karriere. Später schlüpfte er in die Rolle der niederländischen Königin Beatrix (1991) sowie der Paarberaterin Evje van Dampen (2005).
  • Als rothaariger, hagerer und zerstreuter Professor Schmitt-Hindemith wurde der Kabarettist Piet Klocke einem breiten Publikum bekannt.
  • In den USA ist die Bühnenfigur Carrot Top des rothaarigen Komikers und American-Comedy-Award-Gewinners Scott Thompson seit den frühen 1990er Jahren eine populäre Erscheinung in zahlreichen Fernseh- und Bühnenshows.
  • Kyle Broflovski, Zeichentrickfigur aus South Park. Die Serie beschäftigt sich zudem in der Folge Im Körper des Feindes mit dem Thema rothaarige Menschen.
  • Oliver Pochers Rolle als rothaarige Society Expertin Sylvia Constanze von Weischenhirn aus der Oliver Pocher Show.
  • Laura Prepons Rolle als Donna Pinciotti in der US-amerikanischen Serie Die wilden Siebziger.

Tag der Rothaarigen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rothaarigentag 2007

Seit 2005 (mit Ausnahme von 2006) findet immer am ersten September-Wochenende in den Niederlanden auf Initiative der Künstler Bart Rouwenhorst und Jos Vogelpoel der Rothaarigentag statt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Svetlana Balabanova, Peter Kaiser: Aber das Schönste an ihr war ihr Haar, es war rot wie Gold. Universitätsverlag Ulm, 1993, ISBN 3-927402-80-X.
  • Stephen Douglas: The Redhead Encyclopedia. Newport Beach, CA 1996, ISBN 0-9645216-0-1.
  • Uwe Ditz: Redheads. Edition Stemmle, Zürich/ New York 2000, ISBN 3-908163-17-X.
  • Irmela Hannover: Frauen mit roten Haaren. Rütten & Loening, Berlin 2002, ISBN 3-352-00641-5.
  • Roberto Giardina: Lob der Rothaarigen. Deutscher Taschenbuch Verlag, 2002, ISBN 3-423-20175-4.
  • Axel Stellmann: Rotes Haar – böser Blick. Unser alltäglicher Aberglaube. Agentur des Rauhen Hauses, 2002, ISBN 3-7600-1409-7.
  • Cort Cass: The Redhead Handbook. Rabbit's Foot Press, Boulder, Colo. 2003, ISBN 1-58786-011-2.
  • Werner Habermehl: Handbuch für Voyeure. Das erotische Sammelsurium. Europa Verlag, Hamburg 2005, ISBN 3-203-78019-4.
  • Marion Roach: Roots of Desire: The Myth, Meaning and Sexual Power of Red Hair. Bloomsbury, New York 2005, ISBN 1-58234-344-6.
  • Valérie André: Réfléxions sur la question rousse. Tallandier, Paris 2007, ISBN 978-2-84734-252-9.
  • Xavier Fauche: Roux et Rousses Un éclat très particulier. Gallimard, coll. « Découvertes », Paris 2000, ISBN 2-07-053438-3.
  • Rothaarige müssen bei den Briten leiden. In: Kölnische Rundschau. 3. Juni 2007 (rundschau-online.de).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rotes Haar – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Ginger“-Gen vielleicht älter als der Homo sapiens – Bericht bei 3sat.online
  2. Neandertaler mischten sich nicht mit Menschen – Bericht bei ORF.at
  3. Red Heads Suffer More. In: New Scientist. 15. Oktober 2002.
  4. Red hair a legacy of Neanderthal man
  5. Red-Heads and Neanderthals. May 2001. Archiviert vom Original am 18. Oktober 2005. Abgerufen am 28. Oktober 2005.
  6. Nicole's hair secrets. In: The Daily Telegraph, 10. Februar 2002. Archiviert vom Original am 11. Dezember 2005. Abgerufen am 2. November 2005. 
  7. Paul Rincon: Neanderthals 'were flame-haired', BBC. 25. Oktober 2007. Abgerufen am 21. September 2013. 
  8. Haare färben mit Pflanzenfarben