Automobiles Unic

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Logo von Unic mit dem Schriftzug "Georges Richard Unic Puteaux"
Unic von 1909
Unic von 1916

Automobiles Unic[1] (Société Anonyme des Automobiles Unic) ging im Jahre 1905 aus der von Georges Richard gegründeten Automobilfirma "Soc. des Anciens Établissements Georges Richard" hervor. Die Ursprünge reichen bis 1893 zurück, als die Brüder Georges und Max Richard die Fahrradfabrik Société des Cycles Georges Richard gründeten. Unic war unter anderem als Nutzfahrzeughersteller bekannt.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Am Anfang wurden neben herkömmlichen Automobilen auch Taxis und leichte Kleintransporter (Camionnettes) produziert. Während des Ersten Weltkriegs wurde Unic bekannt, indem auch Taxis dieser Marke neben anderen während der Ersten Schlacht an der Marne Soldaten an die Front brachten. Ab den 1920er Jahren folgten Lastkraftwagen mit drei Tonnen Nutzlast und später auch bis zu elf Tonnen Nutzlast. Ab 1932 wurden die Lkw mit Dieselmotoren nach Mercedes-Benz-Bauart angeboten. Im Jahre 1934 übernahm Unic die Patente von Adolphe Kégresse auf das gleichnamige Kettenlaufwerk von Citroën, nachdem dieser Kraftfahrzeughersteller aus Paris in Konkurs geraten war und vom Reifenhersteller Michelin übernommen wurde. Ab 1938 bot Unic die ersten selbstentwickelten Dieselmotoren an.

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs im Herbst 1939 wurde die Produktion von Pkw eingestellt. Stattdessen wurden die schon in den späten 1930er Jahren für die Französische Armee angelaufene Produktion von Militärfahrzeugen wie die Halbkettenfahrzeuge Unic P107 (seit 1937) sowie Unic TU1 (seit 1939) für die deutsche Wehrmacht fortgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg schloss sich Unic mit Camions Bernard, Delahaye, Laffly und Simca zur GFA (Générale Français Automobile) zusammen, aus der Simca und Unic 1951 wieder ausgestiegen sind. Im Jahre 1945 bot Unic die neue Baureihe ZU mit einem Kurzhauber-Fahrerhaus an.

Ab 1952 arbeitete Unic mit Simca zusammen, die 1954 den Lkw-Sektor von Ford-Frankreich übernahmen. Unic produzierte ab 1955 für Simca den von Ford übernommenen Lkw Simca Cargo. Vier Jahre später, 1956, übernahm Unic den Konkurrenten Saurer France, der in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten steckte. Nachdem Chrysler Europe 1958 Simca und Unic übernahm, wurde Unic eine Abteilung von Simca. Der Cargo wurde ab 1960 als Unic Cargo vermarktet. Ein ebenfalls 1958 abgeschlossener Kooperationsvertrag mit Willème wurde nach einem Jahr wieder aufgelöst.

Im Jahre 1966 wurde der Lkw-Sektor von Simca durch Fiat übernommen. Von diesem Zeitpunkt an wurden die Fiat- und OM-Lastwagen in Frankreich durch die Unic-Organisation verkauft. 1969 erschien mit dem V 85 S, ein für die Zeit, sehr starker Dieselmotor mit 14,9 Litern Hubraum und einer Leistung von 340 PS. Das kippbare Frontlenker-Fahrerhaus wurde 1970 durch das ebenfalls kippbare Fiat-Fahrerhaus ersetzt. In den dreiachsigen Fahrzeugen wurden die Aussenplanetenachsen von Fiat/OM verbaut. Im Jahre 1973 wurde die Produktion nach 68 Jahren aus Puteaux und Suresnes in enger Zusammenarbeit mit Fiat nach Trappes verlegt. In Trappes wurden im modernsten Lkw-Werk von Europa noch bis 1976 Unic-Modelle hergestellt. Nach diesem Zeitpunkt wurden nur noch Mittelklasse-Lkw für den Iveco-Verbund hergestellt.

Im Jahre 1975 bündelte Fiat seine Nutzfahrzeugaktivitäten unter Einbeziehung seiner Tochterfirmen OM, Lancia und der nun mehrheitlich übernommenen Magirus-Deutz zur Iveco-Gruppe. Dadurch wurde auch die Lkw-Marke Unic Teil von Iveco. Durch einen konzernweiten Austausch von Modellen wurden infolgedessen auch ursprünglich von Fiat, OM oder Magirus-Deutz entwickelte Lkw-Modelle in Frankreich als Unic verkauft.

In den 1980er Jahren produzierten Fiat und Unic ein 75 PS starkes Allradantriebs-Modell, das überwiegend bei Militär, Feuerwehr und Katastrophenschutz Verwendung fand. Die Produktion bei Unic in Frankreich wurde 1987 eingestellt, auch verschwand der Markenname Unic auf den Lkw und diese hießen von nun an nur noch Iveco.

In Ziefen in der Schweiz befindet sich ein kleines Museum, in dem Fahrzeuge und Motoren von Unic ausgestellt sind.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Harald Linz, Halwart Schrader: Die Internationale Automobil-Enzyklopädie. United Soft Media Verlag GmbH, München 2008, ISBN 978-3-8032-9876-8.
  • George Nick Georgano (Chefredakteur): The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile, Volume 3 P–Z. Fitzroy Dearborn Publishers, Chicago 2001, ISBN 1-57958-293-1. (englisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Unic – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georgano: The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile.
  2. Unic-Museum in Ziefen bei Basel