Berliet

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Frühes Emblem am Kühler
Berliet Cabriolet
Letzter Berliet-Pkw Dauphine
Berliet Lastwagen
Berliet Stadtbus der 1960er Jahre
Berliet PR 100 Linienbus

Berliet war ein französischer Kraftfahrzeug-Hersteller, vor allem bekannt für seine Nutzfahrzeuge.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits 1894 begann Marius Berliet mit dem Bau seines ersten Kraftfahrzeugs, das 1895 fertig war. Die Firma wurde 1899 in Brotteaux in der Nähe von Lyon (der Ort gehört heute zum 6. Arrondissement von Lyon) als kleine Werkstatt gegründet, in der Pkw hergestellt wurden − anfangs Fahrzeuge mit einem Einzylindermotor, ab 1900 mit Zweizylindermotor. Der Betrieb expandierte schnell, und so kaufte Berliet im Jahre 1902 eine Firma in Monplaisir auf. Produziert wurde dort ein Vierzylinder-Modell mit einem Stahlrohrrahmen, dies war zu dieser Zeit, als die meisten anderen Hersteller zumeist Holz verwendeten, außergewöhnlich. Im Jahre 1905 erwirbt die American Locomotive Co Lizenzen für drei Berliet-Fahrzeuge. 1910 hatte das Unternehmen bereits sieben Zweigbetriebe, es wurde eine Palette von Fahrzeugen von 8 bis 60 PS produziert. 1912 ging etwa die Hälfte der hergestellten Fahrzeuge in den Export.

1915 hatte Berliet sein Unternehmen dergestalt organisiert, dass von der Stahlherstellung bis zum fertigen Produkt alles in einer Hand lag.

Im Ersten Weltkrieg sah Berliet seine Chancen in der Rüstungsindustrie. Da durch den Krieg in Frankreich ein großer Bedarf an militärischen Lastkraftwagen bestand, wurde die Produktion auf die Lkw-Herstellung umgestellt, der Ausstoß betrug im Jahre 1917 etwa 40 Fahrzeuge pro Tag. Außerdem stellte Berliet in dieser Zeit Mörsergranaten her.

Nach einem Bankrott im Jahre 1921 folgte ein Neuaufbau des Unternehmens. 1930 wurde bei Berliet der erste eigene Dieselmotor konstruiert.

Das letzte Pkw-Modell war von 1936 bis 1939 der Berliet Dauphine mit einem 2-Liter-Motor. Die Pkw-Produktion endete 1939, danach stellte Berliet ausschließlich Nutzfahrzeuge her und belieferte im Zweiten Weltkrieg die französische Armee in großen Stückzahlen.

Die Nachkriegszeit sah ein expandierendes Unternehmen, die Produktion wurde von 17 Lkw pro Tag im Jahre 1950 auf über 120 Fahrzeuge pro Tag im Jahre 1970 gesteigert. 1958 wurde der größte Lastwagen der Erde, der Berliet T100, in der Sahara eingesetzt. Der 600 PS leistende Sattelschlepper mit einem Reifendurchmesser von 2,4 m und einem Eigengewicht von bis zu 120 Tonnen war für Baumaterialtransporte in Wüstengebieten konzipiert. [1] Das Unternehmen sah seine Chancen in ebensolchen Regionen, es folgte 1956 die Gründung von Berliet Algerien, im Jahre 1958 die Gründung von Berliet Marokko. 1965 schloss das Unternehmen ein Lizenzabkommen mit der Volksrepublik China für die Fertigung von Schwerlasttransportern, im Jahre 1969 wurde eine Omnibusfabrik in Kuba aufgebaut. 1971 gingen 40 % der Produktion in den Export.

1967 wurde die Firma Teil des Citroën-Konzerns und übernahm die Lkw-Fertigung von Citroën.

1975 hatte Berliet etwa 24.000 Beschäftigte für die Fertigung von Lkw und Omnibussen, davon mehr als 15.000 in dem Werk Vénissieux Saint-Priest bei Lyon.

Auf Betreiben des französischen Staates wurde Berliet 1975 vom Renault-Konzern übernommen und 1978 mit der schon bisher zu Renault gehörenden Nutzfahrzeug-Tochter Saviem zur neuen Firma Renault Véhicules Industriels (RVI) zusammengeschlossen. Die beiden bisherigen Markennamen wurden noch bis 1980 weitergeführt, danach wurden alle Produkte mit dem Namen Renault verkauft, wodurch die Marke Berliet vom Markt verschwand.

Literatur[Bearbeiten]

  • George Nick Georgano (Chefredakteur): The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile. Volume 1: A–F. Fitzroy Dearborn Publishers, Chicago 2001, ISBN 1-57958-293-1. (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schwerst-Lastwagen - Ein Besuch in einem der größten Nutzkraftwagenwerke Europas. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1958, S.144-145.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berliet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien