Opel Rekord P1

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Opel
Opel Rekord P1 (1957–1960)

Opel Rekord P1 (1957–1960)

Rekord P1
Produktionszeitraum: 1957–1960
Klasse: Mittelklasse
Karosserieversionen: Limousine, Kombi
Motoren: Ottomotoren:
1,2–1,7 Liter
(29–40 kW)
Länge: 4433 mm
Breite: 1616 mm
Höhe: 1490 mm
Radstand: 2541 mm
Leergewicht: 910–975 kg
Vorgängermodell: Opel Olympia Rekord
Nachfolgemodell: Opel Rekord P2
Opel Rekord 1700

Der Opel Rekord P1 (ursprünglich Opel Olympia Rekord P) ist ein Pkw, den Opel im Sommer 1957 als Nachfolger des Opel Olympia Rekord vorstellte und bis 1960 baute. Ein augenfälliges Merkmal dieses Modells waren die Panoramascheiben nach dem Vorbild US-amerikanischer Fahrzeuge.

Der Rekord P1 erwies sich als großer Verkaufserfolg sowohl im Inland als auch im Export. Zwischen August 1957 und Juli 1960 wurden 509.110 Fahrzeuge ausgeliefert, davon 394.692 Limousinen, 109.282 Kombis und 15.136 Lieferwagen. Hinzu kamen 67.952 Einheiten des Opel 1200.

Mit neu gestalteter Karosserie und weitgehend gleicher Technik kam im August 1960 der Rekord P2 auf den Markt.

Modellgeschichte[Bearbeiten]

Am 13. August 1957 stellte Edward W. Zdunek, Vorstandsvorsitzender der Adam Opel AG, in der Stadthalle Rüsselsheim[1] den Opel Olympia Rekord „P" (mit dem Erscheinen des Nachfolgemodells P2 wurde der Wagen nachträglich als „P1" bezeichnet) vor. Es war Nachfolger des Opel Olympia Rekord. Ausgerüstet mit einer modischen Karosserie fand der neue Wagen sofort großen Zuspruch. Lackierungen und Stoffinterieur waren zweifarbig lieferbar.

Die neu konstruierte Doppelquerlenker-Vorderachse mit negativem Radsturz und unterschiedlich langen Querlenkern sowie das neue vollsynchronisierte Dreiganggetriebe mit Lenkradschaltung und der 45-PS-Motor mit 1,5 Liter Hubraum (beim Vorgänger Olympia Rekord 40 PS) vermittelten ein neues Fahrgefühl.

Das Fahrzeug wurde zunächst nur zweitürig angeboten. Zum Jahreswechsel 1958 gab es einige Änderungen an der Ausstattung. Die aus Metall gefertigten Sonnenblendenhalter sowie die ebenfalls aus Metall gefertigten runden Kleiderhaken im Fond wurden ab 1958 aus Kunststoff gefertigt. Die Gestaltung der Sonnenblenden änderte sich, weitere kleinere Änderungen gab es an den hinteren Rückleuchten. Die Aluminiumzierleiste unterhalb der Frontscheibe wurde weiter zu den Türen herumgezogen. Ab Anfang 1958 waren auch ein Kombi (CarAVan) und ein „Schnell-Lieferwagen“ (ohne hintere Seitenfenster) zu haben. Die US-Amerikaner sagten: “It is a Car and a Van”, sowohl ein Pkw als auch ein Lieferwagen. Der CarAVan wurde vorwiegend von Handwerkern gekauft, da er die optimale Verbindung von Privat- und Firmenwagen mit einer entsprechend hohen Zuladung bot. Das war auch der Grund, weswegen nur wenige dieser Kombis bis heute erhalten blieben. Allgemein war es damals verpönt, auch privat ein „Handwerkerauto“ zu fahren. Nach den Werksferien 1959 bot Opel den Rekord P auch als viertürige Limousine an, während die Kombi-Varianten immer zweitürig blieben.

Außerdem gab es eine zweitürige Basisversion Olympia (auch bekannt als Olympia P1). Dieses Modell hatte keine seitlichen Zierleisten, viele bei den anderen Ausführungen verchromte Teile waren lackiert, der ansonsten massive Kofferdeckelgriff aus Guss wurde durch eine Variante aus Leichtmetall ersetzt, auch die Innenausstattung war einfacher gehalten. So fehlten der Chromring am Lenkrad sowie die Kienzle-Uhr mit 8-Tage-Aufzugswerk – deren Öffnung im Instrumenteneinsatz war mit einer schwarzen Plastikkappe abgedeckt. Der Olympia P1 trug an den Vorderkotflügeln nicht den Schriftzug „Rekord“ wie CarAVan und Lieferwagen, sondern „Olympia“.

Die Fachpresse attestierte, „daß bei der Entwicklung der neuen 1,5-l-Opel-Modelle Erkenntnisse und Erfahrungen insbesondere aus der Verkehrspraxis weitgehend berücksichtigt und der praktischen Nutzanwendung zugeführt wurden.“[2] Damit war unter anderem das neue Walzentachometer mit farbigen Balkenfeldern gemeint.

Als neue Basisversion ersetzte Opel 1959 den Olympia durch den Opel 1200 (auch bekannt als Opel P1200), der als Konkurrenz zum VW Käfer gedacht war. Der Opel-1200-Motor leistete 40 PS aus 1,2 Litern Hubraum. Seitlich war als Unterscheidungsmerkmal statt der großen Schwinge eine schmale, leicht gebogene Zierleiste montiert, über der an den Vorderkotflügeln der Schriftzug „1200“ angebracht war. Auch dieses Modell hatte keinen Schriftzug „Rekord“ an den Vorderkotflügeln. Seine Ausstattung war nicht ganz so spartanisch wie beim Olympia. Er sollte die Zeit bis zum neuen „kleinen" Opel Kadett A überbrücken und wurde bis 1962 gebaut – länger als die stärkeren Versionen, die 1960 vom Opel Rekord P2 abgelöst wurden.

In den Werksferien im Sommer 1958 kamen erste Änderungen: der Innenspiegel war statt auf dem Armaturenbrett am oberen Scheibenrand befestigt und zum ersten Mal in dieser Baureihe wurde ein elektrischer, zweistufiger Scheibenwischer eingebaut. Bis dahin trieb die Nockenwelle über eine biegsame Welle die Scheibenwischer an; eine Lösung, die 1937 im Opel Super 6 erstmals verwendet wurde.

Im Sommer 1959 wurde ein neuer 1,5-Liter-Motor eingeführt, der statt bisher 45 PS (beim alten Olympia Rekord 40 PS) 50 PS leistete. Diese Leistungssteigerung wurde im Wesentlichen durch Änderungen am Zylinderkopf und dem Auspuffkrümmer erreicht. Ansonsten basierten die Reihen-Vierzylinder-Maschinen mit OHV-Ventilsteuerung auf der Vorkriegskonstruktion des Olympia-Motors von 1937.

Im letzten Modelljahr 1959/1960 gab es den Olympia Rekord P1 auf Wunsch mit „Olymat“, einer automatischen Kupplung von Fichtel & Sachs (baugleich Saxomat), die jedoch nur mäßigen Zuspruch fand. Das System war ein halbautomatisches Getriebe mit einer Fliehkraftkupplung zum Anfahren und einer zweiten Kupplung zum Wechseln der Gänge; ein Kupplungspedal gab es nicht. Die vom Unterdruck des Motors betätigte zweite Kupplung wurde beim Schalten durch einen elektrischen Kontakt am Schalthebel aktiviert. Fahrzeuge mit Olymat erhielten unter der Heckscheibe einen "Olymat"- Schriftzug. Außerdem wurde in diesem Modelljahr ein 1,7-Liter-Motor mit 55 PS vorgestellt, der wie die anderen Motoren keinen Ölfilter hatte.

Autenrieth in Darmstadt bot Coupé- und Cabrio- Umbauten an, die nicht zuletzt wegen ihres hohen Anschaffungspreises stets eine Rarität blieben. Insgesamt sollen 25 Cabrios entstanden sein, von denen heute noch 4 bekannt sind. Von den 3 gebauten Coupés sollen noch 2 erhalten sein.

Nur in der Schweiz war das ab Ende 1959 bei GM Suisse in Biel in kleiner Zahl hergestellte Sondermodell Opel Rekord Ascona erhältlich. Das nach der Stadt Ascona am Lago Maggiore benannte Modell war mit dem 1,7-Liter-Motor mit 55 PS Leistung und einer Zweifarblackierung mit stets weißem Dach versehen, dazu ausgestattet mit zweifarbigem Innenraum und Lederpolstern, einer Chromleiste im 45°-Winkel am vorderen Kotflügel, die beide Farbtöne unterhalb der Gürtellinie trennte und einem 'Ascona'-Schriftzug auf den hinteren Seitenteilen. Von diesem Sondermodell sollen nur noch 10 Stück existieren.

Der Rekord P1 wurde, wie später auch seine Nachfolger, zusätzlich bei GM Südafrika gebaut, dort jedoch als Rechtslenker. Eine Ausführung des Rekord P1, die in Port Elizabeth in Südafrika für den heimischen Markt gebaut wurde, war ein Pick Up. Dieses als Opel Pickup bezeichnete Modell trug den Olympia-Schriftzug auf den Kotflügeln und gelangte in ganz geringer Zahl als Linkslenker auch nach Europa.


Technische Daten[Bearbeiten]

Opel (Olympia) Rekord P1 (1957–1960)
  1200 (1958–1962) 1500 (1957–1960) 1500 (1959–1960) 1700 (1959–1960)
Motor:  4–Zylinder–Reihenmotor (Viertakt-Ottomotor)
Hubraum:  1196 cm³ 1488 cm³ 1680 cm³
Bohrung x Hub:  72 x 74 mm 80 x 74 mm 85 x 74 mm
Leistung
(PS)
bei 1/min: 
29 kW
(40 PS)
4400
33 kW
(45 PS)
3900
37 kW
(50 PS)
4000
40 kW
(55 PS)
4000
Max. Drehmoment
bei 1/min: 
82 Nm
2500
98 Nm
2300
106 Nm
2100
120 Nm
2100
Verdichtung:  7,5 : 1 6,9 : 1 7,25 : 1
Gemischaufbereitung:  Ein Fallstromvergaser Opel (Lizenz Carter) mit 30 mm Ø
Ventilsteuerung:  Hängende Ventile, Stoßstangen und Kipphebel
seitliche Nockenwelle (OHV), Antrieb durch Stirnräder
Kühlung:  Wasserkühlung, Pumpe und Thermostat
Getriebe:  3–Gang–Getriebe, Lenkradschaltung
Radaufhängung vorn:  Doppelquerlenkerachse, Schraubenfedern, hydraulische Stoßdämpfer, Stabilisator
Radaufhängung hinten:  Starrachse an 2 halbelliptischen Längsblattfedern mit 3 (Caravan: 4) Federlagen, hydraulische Stoßdämpfer
Bremsen:  hydraulisch betätigte Trommelbremsen, Ø 200 mm (Caravan hinten 230 mm)
Karosserie:  Stahlblech, selbsttragend
Spurweite vorne/hinten:  1260/1270 mm
Radstand:  2541 mm
Länge:  4433 mm
Leergewicht:  910–975 kg (Caravan: 1000–1015 kg)
Höchstgeschwindigkeit:  119 km/h 125–128 km/h 130–132 km/h
0–100 km/h:  33 s 24–27 s 20–22 s
Verbrauch (Liter/100 km):  9,0 Liter Normal 9,5–10,5 Liter Normal 10–10,5 Liter Normal

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander Franc Storz: Opel Typenkompass. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-613-02930-9
  • Werner Oswald: Deutsche Autos 1945–1975. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1975, ISBN 3-87943-391-7, S. 88–93

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rüsselsheimer Echo vom 31. Dezember 2007 auf www.biddelberner.de
  2. Neue Baumuster des internationalen Kraftfahrzeugbaues - Opel 1,5 l. In: Kraftfahrzeugtechnik 5/1958, S.178-179

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Opel Rekord P1 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien