Étouars

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Étouars
Estoars
Étouars (Frankreich)
Étouars
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Dordogne
Arrondissement Nontron
Kanton Périgord Vert Nontronnais
Gemeindeverband Haut-Périgord
Koordinaten 45° 36′ N, 0° 38′ OKoordinaten: 45° 36′ N, 0° 38′ O
Höhe 170–277 m
Fläche 7,83 km2
Einwohner 149 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 19 Einw./km2
Postleitzahl 24360
INSEE-Code

Kirche Saint-Saturnin

Étouars, okzitanisch Estoars, ist eine französische Gemeinde mit 149 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016 Aquitanien). Sie gehört zum Arrondissement Nontron und zum Kanton Périgord Vert Nontronnais (bis 2015 Bussière-Badil). Das Gebiet der Gemeinde ist außerdem Teil des Regionalen Naturparks Périgord-Limousin.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet von Étouars

Die Gemeinde Étouars im Norden des Périgord ist etwa 8 Kilometer von Javerlhac und rund 12 Kilometer von Nontron entfernt. Nächstliegende größere Städte sind Angoulême (40 Kilometer westlich) und Limoges (65 Kilometer nordöstlich von Étouars).

Étouars wird von folgenden 5 Gemeinden umgeben:

Étouars ist eine sehr kleine Gemeinde. Zu ihrem Gebiet gehören folgende Weiler, Gehöfte und Ziegeleien: La Manugrie, La Tuilière de Ribièras, La Tuilière de Rippe, Lacrète, Lavergne, Le Petit Étouars, Les Forges, Les Garennes, Les Grands Champs, Les Petits Champs, Les Quatre Routes und Ribièras.

Die natürliche Nordwestgrenze des Gemeindegebietes bildet der Ruisseau de l’Étang d’Assat, einen Teil der Südostgrenze bildet der hier aufgestaute Ruisseau des Forges. Ferner entspringt bei Lacrète der Marcourive.

Generelle Entwässerungsrichtung ist Südwesten.

Die Gemeinde nimmt eine durchschnittliche Höhe von 262 Meter über N. N. ein. Der topographisch tiefste Punkt des Gemeindegebietes liegt mit 170 Metern über dem Meer am Ruisseau de l’Étang d’Assat im äußersten Westen. Der höchste Punkt mit 277 Meter (guter Aussichtspunkt nach Osten) befindet sich unmittelbar nördlich des Ortskerns, der auf einem Höhenrücken erbaut wurde. Diese Gegebenheiten spiegeln ein generell pultschollenartige Einfallen der Landschaft gegen Westsüdwest wider.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der tiefere Untergrund des Gemeindegebietes von Étouars wird vom variszischen Grundgebirge des nordwestlichen Zentralmassivs gebildet – Paragneis, Metatexit, Leptynit und Granodiorit (Piégut-Pluviers-Granodiorit). Der Metatexit wird von einem NO-SW-treichenden Mikrogranitgang durchzogen. Der durch den Ortskern verlaufende Höhenrücken wird von Sedimenten des Hettangiums (Arkosen) aufgebaut, die hier über den Granodiorit transgredierten. In der Nähe der Ziegelei La Tuilerie de Rippe zieht eine NNW-streichende Abschiebung durch. Dadurch werden die stratigraphisch höherliegenden Tonsedimente des Aaleniums aufgeschlossen – willkommener Ausgangsstoff für die örtlichen Ziegeleien. Das Grundgebirge wird von den kleinen Flussläufen des Marcourive und des Ruisseau de l’Étang d’Assat angeschnitten, die dazwischenliegenden Höhenrücken werden meist von kolluvialen Sanden und Geröllen (in der Regel gerundete Quarzkiesel) des Quartärs völlig maskiert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkte Siedlungsspuren aus vorgeschichtlicher Zeit sind in Étouars nicht vorhanden, aber nach Funden in benachbarten Gemeinden zu urteilen dürfte das Gemeindegebiet von Étouars zu den damaligen Zeiten ebenfalls bereits von Menschen besiedelt worden sein. Es existieren Funde aus gallorömischer Zeit. Mit dem Bau der Kirche wurde im Mittelalter begonnen. Bedeutung erlangte Étouars zwischen dem 15. Jahrhundert und dem 18. Jahrhundert als Stätte der Eisenverhüttung. Im Weiler Les Forges wurde Eisenerz aus dem Nontronnais in Hochöfen geschmolzen (Gusseisen) und zu Kanonen für die französische Marine in Rochefort weiterverarbeitet. Die Schmiede wurde mit Wasserkraft betrieben, die zur Reduktion benötigte Holzkohle stammte aus den umliegenden Waldgebieten, die Jurakalke der weiter westlich gelegenen Gemeinden dienten als Flussmittelzusatz. Die Kanonen wurden auf dem Landweg an die Charente verfrachtet und gelangten dann per Boot nach Rochefort.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung in Étouars
Jahr Einwohner Einwohner im Kanton
in Prozent
Einwohnerdichte


1962 230 4,7 29,4/km²
1968 220 4,6 28,1/km²
1975 195 4,4 24,9/km²
1982 197 4,6 25,2/km²
1990 174 4,2 22,2/km²
1999 175 4,6 22,3/km²
2006 144 3,9 18,4/km²
2007 147 4,0 18,8/km²
2008 145 18,5/km²
2011 144 18,4/km²
2013 146 18,6/km²

Quelle: INSEE[1]

Die Bevölkerungsentwicklung ist generell rückläufig, der Bevölkerungsverlust gegenüber 1962 beträgt knapp 37 %.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der experimentelle Hochofen auf dem Dorfplatz

Auf dem Platz neben der Kirche ist eine der in Étouars gegossenen Kanonen aufgestellt. Daneben wurde ein experimenteller Hochofen errichtet und in Betrieb genommen. Das Museum Fer et Forges (Eisen und Schmieden) vermittelt wichtige Hintergrundinformationen zur damaligen Eisenverhüttung im Haut Périgord. Die eigentliche Schmiede liegt an der D 3 südlich unterhalb des Ortskerns. Erhalten sind hier noch mehrere Gebäude und Anlagen wie beispielsweise das Herrenhaus, die Lagerhallen für die Holzkohle, Kanalsysteme, ein kleiner Hochofen und der Stausee mit seiner einstigen Staumauer.

Sehenswert ist ferner ein großer Obstgarten für alte Kernobstsorten am westlichen Ortsrand.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortskern von Étouars liegt an der D 93 von Javerlhac nach Piégut. Das Gemeindegebiet wird ferner von der aus Richtung Varaignes kommenden D 92 und der von Bussière-Badil nach Nontron verlaufenden D 3 durchquert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gilbert Le Pochat: Carte géologique de la France à 1/50 000. Feuille Montbron. BRGM, 1986.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Étouars – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Étouars auf der Website des Insee