Marquette-lez-Lille

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Marquette-lez-Lille
Wappen von Marquette-lez-Lille
Marquette-lez-Lille (Frankreich)
Marquette-lez-Lille
Region Hauts-de-France
Département Nord
Arrondissement Lille
Kanton Lille-1
Gemeindeverband Métropole Européenne de Lille
Koordinaten 50° 41′ N, 3° 4′ OKoordinaten: 50° 41′ N, 3° 4′ O
Höhe 16–23 m
Fläche 4,86 km2
Einwohner 10.420 (1. Januar 2015)
Bevölkerungsdichte 2.144 Einw./km2
Postleitzahl 59520
INSEE-Code
Website www.ville-marquettelezlille.fr

Rathaus von Marquette

Marquette-lez-Lille (wörtlich: Marquette-bei-Lille, niederländisch Markete bij Rijssel[1]) ist eine französische Gemeinde im Département Nord in der Region Hauts-de-France.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde befindet sich etwa vier Kilometer nördlich von Lille im Flachland von Französisch-Flandern mitten im großstädtischen Verdichtungsraum von Lille, Roubaix und Tourcoing.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlinghem Wambrechies Bondues
Nachbargemeinden Marcq-en-Barœul
Saint-André-lez-Lille La Madeleine

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marquette wird von den Buslinien 14, 56 und 88 bedient, die vom Bahnhof Lille Flandres Richtung Marquette-lez-Lille, Quesnoy-sur-Deûle beziehungsweise Comines fahren. Hauptzufahrtsstraßen sind die Départementsstraßen D 710 (Nordwestumgehung von Lille, Abfahrt № 10, Marquette centre), die D 617 sowie im Osten die D 949.

Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Marquette-lez-Lille wurde im Juni 2012 im Rahmen der nordfranzösischen Ökologie-Messe Environord in der Kategorie „Bewahrung von Biodiversität, Umwelt und natürlichen Ressourcen“ mit dem Umweltpreis Prix Chloro’Villes ausgezeichnet. Marquette-les-Lille erhielt diese Auszeichnung für ein ökologisches Weidewirtschafts-Projekt.[2]

Archäologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die geografische Lage von Marquette-lez-Lille an der Mündung der Marque in die Deûle machte die Stadt zu einem Zeugen der Geschichte. Durch archäologische Ausgrabungen kommt heute eine reiche Vergangenheit wieder ans Licht.

  • im Viertel Village-en-Flandres: Hier wurden zwischen Juli 2008 und Januar 2009 archäologische Ausgrabungen durchgeführt, bevor das Gebiet neu parzelliert und bebaut wurde. Dabei entdeckte man eine mehr als 2000 Jahre alte Römerstraße, eine ringförmig begrenzte Kultstätte aus der Bronzezeit sowie Parzellen und Einfriedungen aus der Hallstattzeit und der Latènezeit. In einem Brunnen fand man außerdem im vollständig erhaltenen Zustand eine Waage, eine genagelte Schuhsohle und 79 römische Sesterzen aus Kupfer und Messing. Auf den Münzen waren der römische Kaiser Antoninus Pius, seine Tochter Antonina und seine Frau Lucilla abgebildet.
  • im Quartier de l’Abbaye („Abteiviertel“): Unter einer ehemaligen Chemiefabrik des Konzerns Rhône-Poulenc/Rhodia wurde eine frühere Zisterzienserabtei zu Tage gefördert. Die Abtei war durch die Gräfin Johanna von Flandern gegründet worden, die sie zu einer der größten Europas machte.
  • im Viertel von Haut-Touquet: Dort wurde 2005/2006 vor der Errichtung eines Neubauviertels eine merowingische Nekropole entdeckt.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche Notre Dame de Lourdes

Der Name Marckete erschien erstmals im Jahr 1143 in einer Bulle des Papstes Coelestin II. über die Zuteilung von Altareinkünften an die Abtei Saint-Pierre in Lille. Aus den Jahren 1221 und 1225 sind außerdem die Bezeichnungen Marchete beziehungsweise Markette überliefert.

Im Jahr 1340 errangen die Einwohner von Lille auf dem Gebiet der Gemeinde Marquette unter der Führung des Markgrafen von Roubaix einen bedeutenden (militärischen) Sieg gegen Engländer und Flamen.

Die industrielle Entwicklung des Dorfes beschränkte sich zunächst auf das rechte Ufer der Deûle. Dort kam es zur Ansiedlung von chemischer Industrie und einer Stärkefabrik. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam es durch den Bau eines Krankenhauses zur Ausdehnung des Dorfes auf die andere Seite der Deûle. Das Krankenhaus gehörte zur Kirchengemeinde Saint-Jean-de-Dieu im Viertel Lommelet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden zwei wichtige Mehlfabriken in Marquette errichtet, aber erst ab den 1920er Jahren kam es zu einer verstärkten Industrialisierung der Gemeinde durch eine Vielzahl von Unternehmen, die die örtlichen Arbeitskräfte beschäftigten: Kuhlmann, Decauville, Les Grandes Malteries Modernes, Massey-Harris oder auch Les Grands Moulins de Paris.

Die Schließung dieser Unternehmen in den 1970er Jahren hinterließ viele Grundstücke und Gebäude einem Zustand völliger Vernachlässigung. Seitdem beschäftigt sich die Gemeinde mit der Umwidmung dieser Gewerbeflächen vorzugsweise zugunsten von Unternehmen des Dienstleistungssektors. Dank dieser urbanen Einrichtungen kann sich die Gemeinde heute auf eine Umgebung verlassen, die sich durch Entwickeln von vielerlei moderner Infrastruktur ständig verbessert.

Heraldik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blason ville fr Marquette-lez-Lille (Nord).svg

Das Wappen von Marquette-lez-Lille zeigt auf blauem Hintergrund in silberner Schrift zwischen zwei silbernen Bändern den Schriftzug „MARQUETTE“. Der Originaltext der Blasonierung lautet (auf französisch): „D’azur au nom de Marquette d’argent mis en bande entre deux cotices du même.“

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste aufeinanderfolgender Bürgermeister
Zeitraum Name Partei Beruf
1947 1962 Henri Delmotte ?  
1962 1980 Michel Delebarre parteilos  
1980 1994 André Marescaux parteilos  
1994 März 2008 Jean Delebarre DVD  
seit März 2008 bis heute Jean Delebarre DVD  
Liste wegen fehlender Daten nicht vollständig.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marquette-lez-Lille war der Standort zahlreicher Industrien:

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Demographische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2010 zählte die Gemeinde 9.797 Einwohner. Die Entwicklung der Einwohnerzahl seit 1793 ist dank der seitdem in Marquette-lez-Lille durchgeführten Volkszählungen bekannt. Ab dem 21. Jahrhundert werden die Daten von Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern alle fünf Jahre erfasst, die Daten größerer Kommunen hingegen jährlich.

Jahr 1793 1806 1821 1851 1872 1901 1911 1921 1936 1946 1968 1982 1999 2014
Einwohnerzahl 1221 875 1024 1887 3069 5005 5610 5151 6548 6067 9007 7880 10.822 10.308
Quelle [3][4]                           [5]

Grafische Darstellung der Einwohnerentwicklung (interpoliert)

Alterspyramide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alterspyramide von Marquette-lez-Lille im Jahr 2010[6] (Angaben in Prozent)
MännerAlterstufeFrauen
0,2 
90 und älter
1,1 
4,5 
75 bis 89
8,6 
9,0 
60 bis 74
10,5 
23,7 
45 bis 59
22,5 
21,0 
30 bis 44
21,0 
20,0 
15 bis 29
18,0 
21,6 
0 bis 14
18,4 
Alterspyramide des Départements Nord im Jahr 2010[7] (Angaben in Prozent)
MännerAlterstufeFrauen
0,2 
90 und älter
0,7 
5,0 
75 bis 89
8,7 
11,5 
60 bis 74
12,7 
19,5 
45 bis 59
19,2 
20,5 
30 bis 44
19,4 
21,9 
15 bis 29
20,3 
21,4 
0 bis 14
18,9 

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stillgelegte Produktionsanlagen des Konzerns Les Grands Moulins de Paris
  • Die Überreste der im Jahr 1228 gegründeten Abtei Marquette, wo sich das Grab der Gräfin Johanna von Flandern und Konstantinopel befindet. Die Abtei wurden am 30. März 2005 als historisches Denkmal in die Denkmalschutzliste des französischen Kulturministeriums eingetragen.[8]
  • Die Anlage von Lommelet aus dem Jahr 1825 mit der ersten psychiatrischen Klinik der Region. Der Komplex umfasst eine Kapelle, die eigentlichen Klinikgebäude, Werkstätten und einen Bauernhof.
  • Die Musikschule (früherer Sitz des Bürgermeisters) aus dem Jahr 1848.
  • Das Rathaus (frz.: „Hôtel de ville“) im Château Despretz von 1874, seit 1930 Amtssitz des Bürgermeisters.
  • Die Schule „Jules Ferry“, ein erneuerter Anbau des Rathauses aus dem Jahr 1872.
  • Die Kirche Saint-Amand von 1874.
  • Die Kirche Notre Dame de Lourdes von 1932.
  • Die 1921 im neo-flämischen Stil erbauten und 1986 stillgelegten ehemaligen Produktionsanlagen des Konzerns Les Grands Moulins de Paris, die im Jahr 2001 als historisches Denkmal in die Denkmalschutzliste des französischen Kulturministeriums eingetragen wurden.[9][10]
  • Die Kapelle Saint-Roch in der Rue Lalau.
  • Die 1923 errichteten Pavillons von Épinette, eine Art Gartenstadt und Arbeitersiedlung am Ufer der Marque.
  • Die Domäne von Vert Bois (wörtlich: „Grünwald“), ein 4,5 Hektar großer Park mit 660 verschiedenen Baumarten.
  • Das Depot des Straßenbahnmuseums von AMITRAM mit mehreren als Monument historique klassifizierten Maschinen.
  • Die 1990 errichtete Siedlung Village en Flandres (wörtlich: „Dorf in Flandern“) im westlichen Teil der Stadt.

Mit Marquette verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folklore und Tradition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Straßenbahn Wambrechies – Marquette
  • Das durch Johanna von Flandern und Konstantinopel als Teil der Abtei Marquette gegründete Armenhospital unterhielt sich durch Spenden in Form von Geld oder Naturalien. Bei letzteren handelte es sich hauptsächlich um Geflügel. Die fettgefütterten Tiere wurden Kapaune genannt und wurden an die Armen verteilt. Im Jahr 1968 beschloss die Stadt Marquette, diesen Brauch neu zu beleben: „Kapaune“, kleine Biskuits in Geflügelform, werden aus dem Rathaus herausgeworfen. Manche der Biskuits sind mit einem Zeichen markiert und können gegen echte Tiere eingetauscht werden.[11] Seitdem findet das Fest der Kapaune alljährlich jeweils am dritten Sonntag im März statt.
  • Während der wärmeren Jahreszeit bietet das Straßenbahnmuseum des Vereins AMITRAM Sonn- und Feiertags Fahrten mit Museumsstraßenbahnen auf einer 3 km langen Strecke entlang des Ufers der Deûle an. Die alten Fahrzeuge verkehren zwischen den Haltestellen Pont Mabile in Marquette und Ferme Saint-Chrysole in Wambrechies.[12]
  • Ungefähr seit dem Jahr 2003 verleiht die Stadt Marquette jährlich im Oktober die Auszeichnung Prix Isabelle Aubret für den schönsten Liebesbrief des Jahres.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marquette-lez-Lille – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jozef van Overstraeten: De Nederlanden in Frankrijk. 1969.
  2. Florence Moreau (La Voix du Nord): Linselles: La ville reçoit le prix Chloro'Villes pour sa « consommation responsable »
    (Internetartikel von La Voix du Nord (en, fr, nl), Lille, Frankreich, vom 14. Juni 2012, abgerufen am 15. Dezember 2013, französisch)
  3. École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS): Des villages de Cassini aux communes d’aujourd’hui. (französisch); abgerufen am 16. Dezember 2013.
  4. Institut national de la statistique et des études économiques (INSEE): Évolution et structure de la population (de 1968 à 2007). (PDF; 738 kB; französisch); abgerufen am 16. Dezember 2013.
  5. insee.fr
  6. Institut national de la statistique et des études économiques (INSEE):
    Évolution et structure de la population en 2010 – Commune de Marquette-lez-Lille (59386) (französisch), abgerufen am 16. Dezember 2013.
  7. Institut national de la statistique et des études économiques (INSEE):
    Évolution et structure de la population en 2010 – Département du Nord (59) (französisch); abgerufen am 17. Dezember 2013.
  8. Eintrag Nr. PA59000113 in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  9. Eintrag Nr. PA59000071 in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  10. Emmanuel de Roux: Patrimoine industriel. Éditions Scala, Paris 2007, ISBN 978-2-86656-406-3, S. 44–53 (französisch)
  11. Claude Malbranke: Guide de Flandre et Artois mystérieux. Les guides noirs, Editions Princesse, Paris 1976 (französisch)
  12. Eric Maitrot und Sylvie Cary: Lille secret et insolite. éditions Les Beaux Jours, Mai 2007 (französisch)