VW Golf Cabriolet

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Volkswagen Golf Cabriolet
Produktionszeitraum: 1979–2002
seit 2011
Klasse: Kompaktklasse
Karosserieversionen: Cabriolet
Vorgängermodell: VW 1303 Cabrio
Nachfolgemodell:
für Golf IV Cabriolet:
VW New Beetle Cabrio
VW Eos
für Golf VI Cabriolet:
keines

Als Golf Cabriolet oder Golf Cabrio werden mehrere Fahrzeugmodelle des Automobilherstellers Volkswagen bezeichnet. Ab März 1979 wurde das erste Modell auf der technischen Basis des Golf I hergestellt, es folgten Modelle auf Basis des Golf III und Golf VI. Vom Golf I Cabriolet wurden bis August 1993 389.000 Wagen hergestellt; von September 1993 bis April 1998 wurde das Nachfolgemodell auf Basis des Golf III 171.000-mal produziert.[1] Von April 1998 bis Juni 2002 gab es eine Facelift-Version des Golf III Cabriolet mit Optik des Golf IV.

Alle Golf-Cabriolet-Generationen stellte die Firma Karmann in Osnabrück her, die auch an der Entwicklung des offenen Golf beteiligt war und noch bis Januar 1980 das Vorgängermodell Käfer Cabrio produzierte. Einzelne Fahrzeuge der Baureihen Golf III und Golf IV Cabriolet produzierte auch Volkswagen de Mexico in ihrem Werk Puebla.

Das Golf Cabriolet war von Frühjahr 1979 bis zu seiner Produktionseinstellung Mitte 2002 stets eines der beliebtesten offenen Fahrzeuge auf dem deutschen und österreichischen Markt.

Im Juni 2011 brachte Volkswagen ein neues Golf Cabriolet auf Basis des Golf VI auf den Markt, das im März 2011 auf dem Genfer Auto-Salon vorgestellt wurde.[2]

Einführung des Überrollbügels[Bearbeiten]

Das Golf Cabriolet war das erste offene Fahrzeug mit einem festen Überrollbügel. In den 70er Jahren begann in den USA eine Diskussion bezüglich Fahrzeugsicherheit. Demnach war Cabriofahren außerordentlich „unsicher“, da die Fahrzeuge wenig Widerstand bzw. Schutz bei Seitenkollision und Unfällen mit Überschlag boten. Aus diesem Grund führte VW beim offenen Golf den Überrollbügel ein.

VW Golf Cabriolet GL (1980)

Der neue Wagen kam anfangs bei der Käfer-gewohnten Kundschaft nicht gut an und wurde besonders in roter Lackierung mit dem neuen Überrollbügel etwas abwertend als „Erdbeerkörbchen“ bezeichnet.[3] Kritisch an dem neuen VW-Modell wurde gesehen, dass das „Offenfahrgefühl“ durch die nicht völlig versenkbaren hinteren Seitenscheiben und den Bügel eingeschränkt wird. Vorteilhaft ist jedoch, dass die vorderen Sicherheitsgurte (das viersitzige Auto hat auf den beiden hinteren Plätzen nur Beckengurte) am Bügel einen höheren oberen Anlenkpunkt haben und durch ihn die Sicherheit bei Unfällen mit Überschlag und die Torsionssteifigkeit der Karosserie erhöht ist.

Nach dem Golf Cabriolet bauten auch viele weitere Automobilhersteller bei ihren Cabrios Überrollbügel ein. Einige Beispiele sind das Ford Escort Cabriolet (1983), das Peugeot 205 Cabriolet (1986) und das Opel Kadett Cabriolet (1987).

Selbst in der letzten Generation bis 2002 war der Überrollbügel noch beim Golf Cabrio zu finden. Heute (2013) ist er fast ausgestorben, da viele Cabrios automatisch aufklappende Stützen als Überrollschutz besitzen. Auch das seit März 2011 gebaute Golf Cabriolet auf Basis des Golf VI hat keinen festen Überrollbügel mehr.

Persenning[Bearbeiten]

Beim Golf I Cabriolet ist bei geöffnetem Dach die Verwendung der mitgelieferten Persenning vorgeschrieben; vor allem zum Schutz von Passanten bei eventuellen Unfällen vor den offenliegenden und scharfkantigen Metallgelenken. Beim ersten Modell bis August 1981 – ab da lag das geöffnete Dach 10 cm tiefer – baute das Verdeck sehr hoch auf, dass bei schlechter Wegstrecke die Gefahr des Schwingens gegeben war und die Verriegelung ausgelöst wurde. Der Fahrtwind bewegte dann das entriegelte Verdeck nach oben. Bei den darauf folgenden Generationen (Golf III und IV) ist das Verdeck tiefer angebracht, was auch eine bessere Sicht nach hinten ermöglicht. Die Persenning ist nicht zwingend erforderlich, wurde jedoch beim Golf Cabrio III/IV mitgeliefert, um Verschmutzungen des Himmels zu vermeiden.

Golf I Cabriolet (1979–1993)[Bearbeiten]

Golf I Cabriolet
VW Golf I Cabriolet (1979–1987)

VW Golf I Cabriolet (1979–1987)

Produktionszeitraum: 1979–1993
Karosserieversionen: Cabriolet
Motoren: Ottomotoren:
1,5–1,8 Liter
(51–82 kW)
Länge: 3815 mm
Breite: 1610 mm
Höhe: 1410 mm
Radstand: 2398 mm
Leergewicht: 910–1015 kg

Das Golf I Cabriolet wurde ab März 1979 mit zwei Motorisierungen als Cabriolet GLS mit 1,5 Liter Hubraum und 51 kW (70 PS) sowie Cabriolet GLi mit 1,6 Liter und 81 kW (110 PS) angeboten. Nach der Produktionseinstellung des Käfer Cabriolets Anfang 1980 wurde der offene Golf zum Verkaufsschlager. Nachdem die Absatzzahlen für Cabrios in den 1980er-Jahren stetig anstiegen und das Golf Cabrio auch in zahlreichen TV-Serien erschien (Schwarzwaldklinik, Remington Steele), erreichte das Fahrzeug einen gewissen Kultstatus und ist heute (2008) ein gesuchter Youngtimer.

Die Produktion des ersten Golf Cabriolet wurde auch fortgesetzt, nachdem der Golf I im August 1983 durch den VW Golf II abgelöst worden war.

Mit dem von VW als „Rundum-Spoilersatz“ bezeichneten Facelift gab es im Mai 1987 eine Anpassung der Optik an den damaligen Zeitgeschmack. Dabei wurde der Kühlergrill gröber verrippt und der Wagen erhielt durch größere Kunststoffstoßfänger mit angesetzten Radläufen und Schwellerverbreiterungen eine breitere, bulligere Form. Die Motorenpalette entsprach während der gesamten Bauzeit im Allgemeinen den jeweils aktuellen Ottomotoren aus dem Golf.

Das Golf I Cabrio gab es ab 1992 auf Wunsch mit Fahrer-Airbag zu kaufen, wodurch es zum ersten VW wurde, bei dem ein Airbag erhältlich war. Entgegen häufiger Annahme gab es das Modell niemals mit einem Antiblockiersystem (ABS).

Im letzten Modelljahr 1993 wurde der Wagen nur noch mit dem 1,8-Liter-Motor mit einer Leistung von 72 kW (98 PS) und geregeltem Katalysator angeboten. Dieser Motor erfüllte die Abgasnorm Euro 1.

Viele Sondermodelle kamen heraus: Quartett, Bel Air, Young Line, Fashion Line, Classic Line, Toscana, Sportline, Acapulco, Genesis und Etienne Aigner.

Technische Daten[Bearbeiten]

1.5 GLS 1.6 1.6
Euro-Norm
(U-Kat)
1.6 GLI 1.8 1.8 GLI
Bauzeitraum 1979–1981 1983–1990 1979–07/1982 1984–1990 1986–1993 1982–08/1990
Motorkenndaten
Motorkennbuchstaben RE EG EX 2H DX
Motortyp R4-Ottomotor
Anzahl Ventile pro Zylinder 2
Ventilsteuerung OHC, Zahnriemen, Tassenstößel, Hydrostößel
Gemischaufbereitung Registervergaser Mech. Einspritzanlage (Bosch K-Jetronic) Registervergaser Elektronische Einspritzung (VW-Digifant) Mech. Einspritzanlage (Bosch K-Jetronic)
Bohrung × Hub 79,5 × 73,4 mm 81,0 × 77,4 mm 79,5 × 80,0 mm 81,0 × 86,4 mm
Hubraum 1457 cm³ 1595 cm³ 1588 cm³ 1781 cm³
max. Leistung 51 kW (70 PS) bei 5600/min 55 kW (75 PS) bei 5000/min 53 kW (72 PS) bei 5200/min 81 kW (110 PS) bei 6100/min 66 kW (90 PS) bei 5200/min 72 kW (98 PS) bei 5400/min 82 kW (112 PS) bei 5500/min
max. Drehmoment 110 Nm bei 2500/min 125 Nm bei 2500/min 120 Nm bei 2700/min 140 Nm bei 5000/min 145 Nm bei 3300/min 143 Nm bei 3000/min 157 Nm bei 3100/min
Kühlung Wasserkühlung, bei 82-kW-Motor: zusätzlicher Ölkühler
Kraftübertragung
Antrieb, serienmäßig Vorderradantrieb
Getriebe, serienmäßig 4-Gang-Schaltgetriebe 5-Gang-Schaltgetriebe
Getriebe, optional 5-Gang-Schaltgetriebe
3-Gang-Automatikgetriebe
3-Gang-Automatikgetriebe
Messwerte
Höchstgeschwindigkeit 150 km/h 154 km/h
149 km/h1
150 km/h
145 km/h1
172 km/h 164 km/h
159 km/h1
166 km/h
161 km/h1
173 km/h
Beschleunigung, 0–100 km/h 14,3 s 13,5 s
15,7 s1
14,0 s
16,2 s1
10,2 s 11,1 s
13,5 s1
11,0 s
13,4 s1
9,8 s
Verbrauch (l/100 km)
bei 90 km/h
bei 120 km/h
Stadt
 
 
8,8
6,32/5,83
9,02/8,43
8,72/8,73
6,42/5,93
9,22/8,63
8,93/8,93
 
 
8,8
6,2
9,0
8,9
 
 
9,4
6,3
8,9
10,9
Verbrauch (l/100 km)
bei 90 km/h1
bei 120 km/h1
Stadt1
- 7,1
9,8
9,1
7,2
10,0
9,3
- 6,9
9,6
9,4
 
 
10,1
-
Gewichte
Leergewicht 910 kg 960 kg 940 kg 975 kg 1015 kg 995 kg
Fahrwerk
Radaufhängung vorn Federbeine, untere Dreiecksquerlenker, 66-, 70- und 82-kW-Motor: Stabilisator
Radaufhängung hinten Federbeine, Verbundlenkerachse, 82-kW-Motor: Stabilisator
Bremsen Scheibenbremsen vorn (bei 66, 70 und 82 kW: innenbelüftet), Trommelbremsen hinten, Bremskraftverstärker, Bremskraftregler
Lenkung Zahnstangenlenkung (a. W. Servounterstützt)
Karosserie Stahlblech, selbsttragend
1 3-Gang-Automatikgetriebe
2 4-Gang-Schaltgetriebe
3 5-Gang-Schaltgetriebe

Logos Sondermodelle[Bearbeiten]

Golf III Cabriolet (1993–1998)[Bearbeiten]

Golf III Cabriolet
VW Golf III Cabriolet (1993–1998)

VW Golf III Cabriolet (1993–1998)

Produktionszeitraum: 1993–1998
Karosserieversionen: Cabriolet
Motoren: Ottomotoren:
1,6–2,0 Liter
(55–85 kW)
Dieselmotoren:
1,9 Liter
(66–81 kW)
Länge: 4081 mm
Breite: 1695 mm
Höhe: 1400 mm
Radstand: 2475 mm
Leergewicht: 1230–1310 kg

Auch vom im Spätsommer 1993 erschienenen Golf III Cabriolet gab es diverse Sondermodelle: Pink Floyd, Rolling Stones, Bon Jovi, Joker, Highline, Classic Edition.

Das Golf III Cabriolet war 1995 einer der wenigen offenen Wagen, welcher auch mit einem Dieselmotor (TDI) lieferbar war.

Technische Daten[Bearbeiten]

Logos Sondermodelle[Bearbeiten]

Golf IV Cabriolet (1998–2002)[Bearbeiten]

Golf IV Cabriolet
VW Golf IV Cabriolet (1998–2002)

VW Golf IV Cabriolet (1998–2002)

Produktionszeitraum: 1998–2002
Karosserieversionen: Cabriolet
Motoren: Ottomotoren:
1,6–2,0 Liter
(55–85 kW)
Dieselmotoren:
1,9 Liter
(66–81 kW)
Länge: 4081 mm
Breite: 1695 mm
Höhe: 1425 mm
Radstand: 2472 mm
Leergewicht: 1159–1262 kg

Im Frühjahr 1998 kam das Golf IV Cabriolet heraus. Die Veränderungen beschränkten sich jedoch auf die veränderte Front- und Heckpartie sowie einige Details im Innenraum wie z. B. eine blau/rote Armaturenbeleuchtung und neue Oberflächen. Es handelte sich also prinzipiell lediglich um ein Facelift des Golf III Cabriolet.

Die Produktion wurde Mitte 2002, zunächst ohne direkten Nachfolger, eingestellt.

Technische Daten[Bearbeiten]

Golf VI Cabriolet (seit 2011)[Bearbeiten]

Golf VI Cabriolet
VW Golf VI Cabriolet (seit 2011)

VW Golf VI Cabriolet (seit 2011)

Produktionszeitraum: seit 2011
Karosserieversionen: Cabriolet
Motoren: Ottomotoren:
1,2–2,0 Liter
(77–195 kW)
Dieselmotoren:
1,6–2,0 Liter
(77–103 kW)
Länge: 4246–4337 mm
Breite: 1782 mm
Höhe: 1408–1423 mm
Radstand: 2577 mm
Leergewicht: 1456–1614 kg

Nach einer Pause von 9 Jahren kam das Golf VI Cabriolet im Juni 2011 auf dem Markt. Produktionsstandort ist weiterhin Osnabrück, jedoch seit der Insolvenz durch den Autobauer Karmann und VW-Übernahme des Werkes gebaut von der Volkswagen Osnabrück GmbH.

Das Golf VI Cabriolet ist mit Ottomotoren von 77 bis 195 kW und Dieselmotoren von 77 bis 103 kW erhältlich.

Technische Daten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Auto-Bild Heft 24 vom 18. Juni 1999
  2. auto.t-online.de, VW Golf Cabrio: Der offene Volkswagen kommt 2011
  3. „Das Erdbeerschälchen“ (Spiegel Online am 4. Mai 2011)

Literatur[Bearbeiten]

  • Das Golf Cabriolet. Technik und Preise – Modelljahr 2014. Volkswagen AG, 26. September 2013.
  • Das Golf GTI Cabriolet. Technik und Preise – Modelljahr 2014. Volkswagen AG, 26. September 2013.
  • Das Golf R Cabriolet. Technik und Preise – Modelljahr 2014. Volkswagen R GmbH, 26. September 2013.
  • Das Golf Cabriolet. Technik und Preise – Modelljahr 2015. Volkswagen AG, 24. April 2014.
  • Das Golf GTI Cabriolet. Technik und Preise – Modelljahr 2015. Volkswagen AG, 24. April 2014.
  • Das Golf R Cabriolet. Technik und Preise – Modelljahr 2015. Volkswagen R GmbH, 24. April 2014.
  • Golf Cabriolet. Zusatzanleitung zur Betriebsanleitung Golf. Volkswagen AG, Dezember 1993.
  • Golf Cabriolet. Zusatzanleitung zur Betriebsanleitung Golf. Volkswagen AG, Februar 1997.
  • Golf Cabriolet. Tekniske data. Volkswagen AG, Maj 1999 (in dänisch).
  • Betriebsanleitung. Golf. Volkswagen AG, September 1993.
  • Betriebsanleitung. Golf. Volkswagen AG, Januar 1997.
  • Betriebsanleitung. Golf Cabriolet. Volkswagen AG, November 2011.
  • Automobil Revue. Katalog 2000.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: VW Golf Cabriolet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien