Wissant

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Wissant
Wappen von Wissant
Wissant (Frankreich)
Wissant
Region Nord-Pas-de-Calais
Département Pas-de-Calais
Arrondissement Boulogne-sur-Mer
Kanton Marquise
Koordinaten 50° 53′ N, 1° 40′ O50.8852777777781.662777777777815Koordinaten: 50° 53′ N, 1° 40′ O
Höhe 0–158 m
Fläche 12,79 km²
Einwohner 1.051 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 82 Einw./km²
Postleitzahl 62179
INSEE-Code
Website http://www.ville-wissant.fr

Ortskern von Wissant

Wissant (ndl.: Witzand) ist eine am Ärmelkanal gelegene französische Gemeinde und ein Badeort mit 1051 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Pas-de-Calais in der Region Nord-Pas-de-Calais.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Ursprung des Namens stammt von dem niederländischen wit-zand oder dem englischen white sand (weißer Sand), auch Withandum, Witsant, Wichsand sind überliefert. Schon der Abt Jean d'Ypres von Saint-Bertin erwähnt um 668 „in sombris propoe Wissantium“.

Geographische Lage und Wirtschaft[Bearbeiten]

Wissant liegt an der Kanalküste in einer zwölf Kilometer weiten Bucht zwischen Cap Gris-Nez und Cap Blanc-Nez. Weite Sandstrände mit Dünen und Naturschutzgebieten tragen zur touristischen Attraktivität des Ortes an der Côte d’Opale bei. Direkt am Strand steigt das Gelände bis 150 m über N.N. an.

Der Ort setzt sich aus folgenden Ortsteilen zusammen:

  • Averlot
  • La Motte Carlin
  • Le Colombier
  • Le Fort-César oder Motte du Castel
  • Estrouannes
  • La Motte du Vent
  • Gazevert
  • Sombres
  • Hautes Sombres
  • Le Vivier
  • La Mine d'Or
  • Les Wrimetz
  • Herlen

Das Gebiet wird landwirtschaftlich intensiv genutzt (Getreideanbau, Milchwirtschaft, Fleischproduktion, besonders Charolaisrinder), auch werden regionale Biere gebraut (Blanche de Wissant, Bière des deux Caps). Der Fischfang hat nur noch geringe Bedeutung in Wissant, nur noch ein Flobart, wie das typische offene Fischerboot genannt wird, ist im Einsatz. Vor allem Plattfische (Seezunge) und Krabben werden direkt fangfrisch aus dem Netz auf dem Marktplatz an den Endverbraucher verkauft. Allerdings werden auf dem Strand in Richtung Cap Griz-Nez im großen Stil Miesmuscheln für die beliebten moules frites gezüchtet.

Eine Reihe von kleinen Hotels und Pensionen sowie mehrere kleine Restaurants mit guter Küche versorgen Touristen und Einheimische. Der Campingplatz liegt günstig zum Ort, zum Meer wie auch dem angrenzenden Naturschutzgebiet mit einem großen See.

Der Wochenmarkt am Mittwochvormittag bietet zahlreiche regionale Produkte an. In den Sommermonaten findet am Freitag ein kleiner Abendmarkt statt, auf dem man auch die oft ökologischen Erzeugnisse ansässiger Anbieter erwerben kann.

Am 19. März 2007 verursachte eine Sturmflut zahlreiche Schäden an der längs des Strandes gelegenen Promenade (nur 5 m über N.N.), die bis jetzt nicht nachhaltig repariert werden konnten. Aufgehäufte große Felsen sollen die Strandpromenade und die direkt daran liegende Häuserzeile schützen, behindern aber die Sicht und den Zugang zum Strand.

Geschichte[Bearbeiten]

Man vermutet, dass Wissant das von Cäsar in "de bello gallico" (Buch VII) erwähnte "portus ictius" ist, von dem aus dieser seine Expeditionen nach England unternahm, dessen Kreidefelsenküste mit bloßem Auge gut sichtbar ist (ca. 35 km entfernt). Der vorrömische Begriff "Isiu" für "bei" und "vor" (England gelegen), von dem sich "ictius" ableiten soll, findet sich auch in "Wissant" wieder.

Im Mittelalter diente Wissant als Hafen für den Schiffsverkehr mit England. Zahlreiche historische Persönlichkeiten werden als Fahrgäste erwähnt. Nachdem die Engländer unter Eduard III. 1346 Calais erobert hatten, verlor Wissant seinen Rang als wertvoller Stützpunkt. Hafen und Ort wurden von den Invasoren zerstört, damit Wissant den Franzosen nicht mehr als Hafenanlage dienen konnte. Auch nachdem der Ort wieder an Frankreich durch den Vertrag von Brétigny (8. Mai 1360 zwischen Johann II. und Eduard III.) zurückgefallen war, errang er nicht mehr die alte Bedeutung. Wissant wurde noch mehrfach von den Engländern, auch unter Henry VIII. (1491–1547), niedergebrannt und Einwohner am Galgen hingerichtet (1513, das Kreuz im Nachbarort Hervelinghen, genannt das Kreuz der Gehängten, erinnert daran).

Zahlreiche Sturmfluten, z. B. 1738 und 1777 führten zu schweren Zerstörungen und versandeten den Hafen. Sie veranlassten die Bevölkerung, ihre Häuser an den Hang zu verlegen. Die Fischer fuhren ihre Boote mit Pferdegespannen und später Traktoren auf den flachen Sandstrand.

1803 erkundete Napoleon Bonaparte die Bucht von Wissant und entwickelte Pläne für die Neuanlage des Hafens, die aber nicht realisiert wurden.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Wissant stark von der Wehrmacht befestigt, da man hier die Landung der Alliierten erwartete. Die Überreste des Atlantikwalls sind immer noch zu sehen. Im Lokal Chez Nicole zeugen zwei noch heute erhaltene Wandbilder mit Kölner Dom und einer Rhein-/Mosellandschaft, die mit Tarnfarben gemalt wurden, von der Besatzungszeit.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Le Typhonium
  • Le Typhonium ist eine 1891 im ägyptischen Stil erbaute Villa des belgischen Architekten Edmond De Vigne
  • Camp de César (Fort César), ein archäologisch noch nicht erschlossener Hügel oberhalb des Ortes, wahrscheinlich eine Anlage aus dem Mittelalter.
  • Die gotische Kirche Saint-Nicolas aus dem 15. Jahrhundert, die im 19. Jahrhundert erweitert wurde
  • Mehrere Villen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert
  • Kriegerdenkmal vor dem Rathaus

Museum[Bearbeiten]

  • Musée de Moulin

Feste[Bearbeiten]

  • Fête du Flobart im August, ein Umzug mit den traditionellen Fischerbooten

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Jacques und Pierre de Wissant stellten sich mit vier weiteren Bürgern freiwillig im Hundertjährigen Krieg bei der Belagerung von Calais als Geiseln zur Verfügung. Sie sollen am 4. August 1347 barfuß, nur mit einem Hemd bekleidet und einem Strick um den Hals, vor den englischen König getreten sein, der beabsichtigt habe, sie zur Vergeltung für die Verluste seiner Belagerungstruppe hinrichten zu lassen. Nur die Bitte der ebenfalls anwesenden englischen Königin Philippa von Hennegau soll die sechs Männer gerettet haben. Auguste Rodin hat dies Ereignis zum Vorbild für seine berühmte Plastik Die Bürger von Calais (1889) genommen.

Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle besaß in Wissant ein kleines Ferienhaus, das heute noch steht. Eine Tafel weist auf den berühmten Feriengast hin.

Sport[Bearbeiten]

Wissant ist beliebter Ausgangsort für Wanderungen durch das hügelige Hinterland oder entlang der Küste, teilweise nicht ungefährliche Touren an der Steilküste in Richtung Cap Blanc-Nez. Auch für den Radsportler, ob mit Geländerad (Mountainbike) oder Rennrad, bietet die Region zahlreiche, oftmals anspruchsvolle Strecken (starke Steigungen) mit landschaftlich sehr schönen Panoramen. Viele Strecken sind ausgeschildert.

Bei erfahrenen Kite- und Windsurfern ist der Sport sehr beliebt, besonders bei stärkeren Winden. Für Anfänger ist Wissant wegen Wellengang, Strömung und zumeist kräftigerem Wind weniger geeignet. Kajakfahren auf dem Meer und Strandsegeln werden angeboten. Für Wellenreiten ist die Brandung kaum geeignet, aber seit 2009 sieht man Longboardsurfer, die stehend und mit Unterstützung eines Paddels herumfahren und auch versuchen, auf der Welle zu reiten (Stand Up Paddle Surfing).

Ein Teil des Naturschutzsees ist für Angler geöffnet. Meeresangeln lohnt sich erst bei Cap Gris-Nez, wird seit 2011 aber auch von der Kaimauer aus betrieben.

An schönen Tagen ist der weitläufige Strand oft sehr gut besucht. Je nach Gezeitenstand variiert die nutzbare Fläche aber stark. In der direkt am Ort gelegenen Badezone ist die Strandwacht meistens von 10 bis 18 Uhr im Einsatz.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Kern: Wissant - damals und heute. Ein Touristenführer über die Perle zwischen Cap Blanc Nez und Cap Gris Nez. Buchverlag Delphine Kern, Hürth ²2000, ISBN 3-933481-00-7 (auch auf Französisch erhältlich)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wissant – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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