San Miniato

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter San Miniato (Begriffsklärung) aufgeführt.
San Miniato
Wappen
San Miniato (Italien)
San Miniato
Staat: Italien
Region: Toskana
Provinz: Pisa (PI)
Koordinaten: 43° 41′ N, 10° 51′ O43.68333333333310.85140Koordinaten: 43° 41′ 0″ N, 10° 51′ 0″ O
Höhe: 140 m s.l.m.
Fläche: 102 km²
Einwohner: 27.527 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 270 Einw./km²
Stadtviertel Vedi elenco
Angrenzende Gemeinden Castelfiorentino (FI), Castelfranco di Sotto, Cerreto Guidi (FI), Empoli (FI), Fucecchio (FI), Montaione (FI), Montopoli in Val d'Arno, Palaia, Santa Croce sull'Arno
Postleitzahl: 56027
Vorwahl: 0571
ISTAT-Nummer: 050032
Volksbezeichnung: Samminiatesi
Schutzpatron: Genesius von Rom (25. August)
Website: http://www.comune.san-miniato.pi.it/
Panorama von San Miniato
Panorama von San Miniato
Domplatz
Renaissance-Palast Grifoni

San Miniato (bis 1945 San Miniato al Tedesco) ist eine Stadt mit 27.527 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) in der italienischen Provinz Pisa in der Toskana. Die Stadt ist Mitglied der Cittaslow, einer 1999 in Italien gegründeten Bewegung zur Entschleunigung und Erhöhung der Lebensqualität in Städten durch Umweltpolitik, Infrastrukturpolitik, urbane Qualität, Aufwertung der autochthonen Erzeugnisse, Gastfreundschaft, Bewusstsein und landschaftliche Qualität.

Geografie[Bearbeiten]

San Miniato liegt zwischen den Mündungen der beiden Flüsse Elsa und Egola in den Arno, eine der Voraussetzungen für die frühe Entwicklung der Stadt. Außerdem kreuzen sich hier zwei wichtige mittelalterliche Verkehrswege. Von der Hügelkette am Rande des an Dörfern und Ansiedlungen reichen Arnotals blickt die Stadt auf die Via Francigena, die europäische Verbindungsstraße nach Rom, sowie auf die Straße von Pisa nach Florenz. Regional betrachtet bilden die „Samminiateser Hügel“ den Angelpunkt zwischen dem Florentiner Gebiet von Montespertoli und San Casciano, dem Val d’Elsa und San Gimignano sowie dem pisanischen Hinterland bis zur einst etruskischen Stadt Volterra, deren Baudenkmäler an klaren Tagen vom Burghügel San Miniatos aus zu sehen sind.

Der Ort liegt in der klimatischen Einordnung italienischer Gemeinden in der Zone D, 1513 GR/G[2].

Zu den Ortsteilen gehören Balconevisi, Corazzano, Cusignano, Isola, La Serra, Ponte a Egola, Ponte a Elsa, Roffia, San Donato, San Romano, San Quintino und Stibbio. [3]

Die Nachbargemeinden sind Castelfiorentino (FI), Castelfranco di Sotto, Cerreto Guidi (FI), Empoli (FI), Fucecchio (FI), Montaione (FI), Montopoli in Val d’Arno, Palaia und Santa Croce sull’Arno.

Geschichte[Bearbeiten]

San Miniato fand als Siedlung erstmals 936 Erwähnung, als der Bischof von Lucca dem Adalberto dei Lombardi von Corvaia die hiesige Burg und Kirche übergab, die bereits im Jahr 783 dokumentiert waren. Die Burg war in der Nähe von San Genesio, das in der Ebene lag, errichtet worden, um die wichtige Straßenkreuzung der Via Francigena und der Römerstraße von Florenz nach Pisa zu überwachen.

Aufgrund dieser strategischen Bedeutung wurde San Miniato von Kaiser Friedrich Barbarossa befestigt, der den Ort darüber hinaus dann zum Zentrum für die kaiserlichen Finanzen der gesamten Toskana machte. Dieser Umstand und die mit der deutschen eng verbundene Stadtgeschichte sowie die große Bedeutung des Ortes für die deutschen Kaiser führte zum Beinamen „al tedesco“ („dem Deutschen“). Otto der Große baute bereits 963 hier ein Kastell. Am Ende des 12. Jahrhunderts wurde die Stadt dann in zwei Bereiche aufgeteilt: die „Incastellatura“, die kaiserliche Burg, und das „Castrum“, die zivile Stadt am Fuß der Burg mit ihren Händlern, Handwerkern und Bauern.

San Miniatos Bedeutung erreichte im 13. Jahrhundert ihren Höhepunkt, als Kaiser Friedrich II. ihr zahlreiche Privilegien verlieh, die Stadt aber auch aus militärischen Gründen völlig umbauen ließ und sie schließlich dem kaiserlichen Vikar der Toskana als Amtssitz zuwies. Der Aufstieg San Miniatos fällt mit dem Abstieg San Genesios zusammen, das erst seine Aufgabe auf Pfarrbezirk verlor und 1248 schließlich ganz zerstört wurde.

Nach dem Ende der Stauferherrschaft und Jahren der Bedrohung durch den Krieg zwischen Siena und Florenz um die Vorherrschaft in der Toskana, begab sich San Miniato 1347 unter die Oberherrschaft von Florenz und wurde 1370 der Sitz des florentinischen Vikars des unteren Valdarno.

San Miniato ist auch als Stammsitz eines Zweiges der Familie Bonaparte bekannt, Kaiser Napoleon I. besuchte seine Verwandtschaft dort mehrfach.

Im Jahr 1881 hatte San Miniato 3147 Einwohner.

Politik[Bearbeiten]

Wappen

Blasonierung: „In Rot ein gekrönter goldener Löwe, in der rechten Pranke ein goldenes Schwert (Dolch) haltend.“

Über dem Schild eine rundum gezinnte dreitürmige goldene Mauerkrone, Schild umgeben von zwei mit grünem Band verbundenen Lorbeerzweigen in natürlichen Farben, im silbernen Spruchband darunter der Wahlspruch (Motto) aus Vergils Äneis: „Sic nos in sceptra reponis“ - „So bringst du uns zur Herrschaft zurück“ (P. Vergilius Maro, Aeneis I, 253)

Architektur und Kunst[Bearbeiten]

Das Stadtbild und die Kunstschätze des heutigen San Miniato sind das Resultat von Epochen wirtschaftlicher und kultureller Prosperität. Das architektonische Erbe hat, mit Ausnahme der Burg, seinen Ursprung in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Nach einer Zeit des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Niedergangs fand in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine bauliche Erneuerung statt. Schließlich gab es Anfang des 18. Jahrhunderts dank Bischof G. Francesco Poggi noch einmal eine Zeit des städtebaulichen Wandels.

  • Eine Sehenswürdigkeit, die San Miniatos schon von weitem eine unverwechselbare Silhouette verschafft, ist der „Turm Friedrichs II." („Torre di Federico II“). Es ist der einzige größere Rest der Kaiserburg Kaiser Friedrichs II. von 1218, die ansonsten bis auf die Grundmauern abgerissenen wurde. Auch den Turm hatten deutsche Soldaten 1944 gesprengt, der erst 1958 wieder rekonstruiert wurde.
  • Auf das 13. Jahrhundert geht die Kirche Santa Caterina zurück. Sie war bis 1744 das Domizil einer Ordensgemeinschaft der Augustiner. Das einschiffige Bauwerk beherbergt Holzschnitzereien von S. Nicola aus Tolentino und aus der Werkstatt von Giovanni Pisano.
  • Zwischen Palästen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert liegt die historische Piazza Bonaparte. In der Mitte steht das von Pampaloni geschaffenen Denkmal des Großherzogs Leopolds II. . Eines der interessantesten Gebäude San Miniatos aus dem 16. Jahrhundert ist der Bonaparte Palast. Der korsische Zweig der Familie Bonaparte stammt aus einem Samminiateser Adelsgeschlecht. Als Kind soll Napoleon I. zweimal bei seinen Verwandten in San Miniato gelebt haben und sie als Kaiser oftmals besucht haben.
  • An den Hang des Haupthügels lehnt sich der Komplex des 1211 gegründeten Klosters San Francesco. Es war über viele Jahrhunderte ein blühendes Franziskanerzentrum. Im 15. Jahrhunderte stand es unter der Leitung S. Borromeo und S. Bernardo, die später in Oxford und an der Sorbonne lehren sollten.
  • Auf der anderen Hügelseite befindet sich das Heiligtum des Santissimo Crocifisso aus dem Jahr 1705, in dem ein als wundertätig angesehenes Holzkreuz aus dem 12. Jahrhundert verehrt wird. Der Entwurf des Bauwerkes in Form eines griechischen Kreuzes stammt von Anton Maria Ferri, dem es gelang, den Barock-Bau in das mittelalterliche Stadtbild einzubeziehen.
  • Gegenüber dem Heiligtum stehen der Palazzo del Comune (Rathaus) mit dem ursprünglichen, freskengeschmückten Ratssaal hinter einer Fassade aus dem 19. Jahrhundert. Neben dem Rathaus befindet sich das Loretino-Oratorium mit Bildtafeln von Francesco Lanfranchi, Bruder des berühmten Andrea del Sarto, sowie mit einem Holzaltar aus dem Jahr 1527.
  • Der Platz der Republik wird auf seiner Südseite vom Seminar-Palast begrenzt. Das Priesterseminar wurde 1713 eröffnet. Sein charakteristisches Äußeres verdankt das Bauwerk den Fresken von Francesco Di Pietro Chimenti aus Fucecchio.
  • Ein dreifaches Zugangssystem führt auf den Domplatz. Hier befinden sich der im 14. Jahrhundert auf drei älteren Gebäuden errichtete Bischofspalast sowie der Palast der Landvögte. Der Dom, die einstige Pfarrkirche Santa Maria aus dem 13. Jahrhundert mit ihrer romanischen Fassade steht auf dem Areal der alten Kaiserburg. Der im 12. Jahrhundert erbaute Glockenturm Torre di Matilde diente ursprünglich als Wacht- und Verteidigungsturm und wurde schließlich in den Domkomplex integriert.
  • Beispiele der Renaissance-Architektur in San Miniato sind der Palazzo Formichini, Sitz der Sammlung der Cassa di Risparmio (mit Werken von Guercino, Lorenzo di Bicci, Jacopo del Sellaio, Cigoli und Giovanbattista Naldini), und vor allem der 1555 von Giuliano di Baccio d’Agnolo erbauten Palazzo Grifoni. Talwärts trifft man hinter der achteckigen Kirche Santissima Annunziata, in der die Reliquien der Hl. Dorothea aufbewahrt werden, auf das Kloster Santa Chiara.

Die Stadt ist Mitglied der Cittaslow, einer 1999 in Italien gegründeten Bewegung zur Entschleunigung und Erhöhung der Lebensqualität in Städten.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Stand auf dem Trüffelmarkt in San Miniato
  • Mostra Mercato Nazionale del Tartufo Bianco di San Miniato - Seit 1969 findet dieser Trüffelmarkt alljährlich an drei Wochenenden im November statt. Es werden Weiße Trüffeln (Tuber magnatum Pico) aus der Gegend um San Miniato und andere gastronomische Produkte angeboten.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

San Miniato unterhält mit folgenden Städten Städtepartnerschaften:

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: San Miniato – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. Webseite der Agenzia nazionale per le nuove tecnologie, l’energia e lo sviluppo economico sostenibile (ENEA), abgerufen am 14. November 2012 (ital.) (PDF; 330 kB)
  3. Offizielle Webseite des ISTAT (Istituto Nazionale di Statistica) zu den Einwohnerzahlen 2001 in der Provinz Pisa, abgerufen am 14. November 2012 (ital.)
Navigationsleiste „Via Francigena

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