Bahnstromleitung

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Dieser Artikel handelt von den Hochspannungsleitungen für Bahnstrom. Für die direkte Versorgung entlang der Schienenwege siehe Oberleitung und Stromschiene.
Deutsche Bahnstromleitung bei Bartholomä
Österreichische Bahnstromleitung bei Breitenfurt
Schweizerische Bahnstromleitung bei Rapperswil-Jona

Eine Bahnstromleitung ist eine Hochspannungsleitung zur Stromversorgung elektrifizierter Eisenbahnen. Bahnstromleitungen versorgen die Unterwerke, die ihrerseits über den Fahrdraht an der Bahnstrecke die Triebfahrzeuge speisen (Speiseleitung).

Äußerlich sind Bahnstromleitungen meist daran zu erkennen, dass sie 2 oder 4, in seltenen Fällen auch 8 Leiterseile tragen. Das Bahnstromnetz ist weitgehend unabhängig vom Drehstromnetz ausgeführt, das der allgemeinen Stromversorgung dient und dessen Leitungen meist aus 3 oder 6 Leiterseilen bestehen.

Die Bahnstromnetze Deutschlands, Österreichs und der Schweiz sind miteinander verbunden, zum Beispiel über die Bahnstromleitung Muttenz–Haltingen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Bahnstromleitung entstand 1905 beim Bau des Wasserkraftwerks Kammerl, das die Ammergaubahn als erste Eisenbahnstrecke in Deutschland mit elektrischer Energie versorgte. Sie wurde zunächst mit einer Spannung von 5,5 kV und einer Frequenz von 15 Hz betrieben und erst 1953 auf den üblichen Bahnstrom umgestellt.

1912 wurde im sogenannten Übereinkommen betreffend die Ausführung elektrischer Zugförderung zwischen den preußisch-hessischen, badischen und bayerischen Staatsbahnen die Spannung des Fahrdrahtes einheitlich auf 15 kV bei einer Frequenz von 16 23 Hz bestimmt (was genau ein Drittel der üblichen Netzfrequenz von 50 Hz ist). Damit war der Grundstein für ein eigenständiges Bahnstromnetz in Deutschland, Österreich und der Schweiz gelegt.[1] Ein Jahr später, 1913, ging das Saalachkraftwerk Bad Reichenhall in Betrieb und speiste Strom in die nahegelegene Bahnstrecke Freilassing–Berchtesgaden ein.

Die ersten 110 kV-Bahnstromleitungen in Deutschland entstanden in den 1920er Jahren im Zuge des sogenannten Elektrifizierungsprogammes der Deutschen Reichsbahn, bei dem ca. 800 km Bahnstrecke im Großraum München erstmals im großen Stil auf elektrischen Betrieb umgestellt wurden. Zur Bereitstellung der elektrischen Energie wurden die Wasserkraftwerke Aufkirchen, Eitting, Pfrombach und Walchensee 1924 in Betrieb genommen und durch eigene 110 kV-Hochspannungsleitungen mit den Unterwerken der Bahnstrecken verbunden. Dabei handelte es sich um die Leitungsverbindungen Walchenseekraftwerk–Pasing, Pasing–Augsburg, Pasing–Landshut, Aufkirchen–Eitting–Pfrombach–Landshut und Walchenseekraftwerk–Holzkirchen–Rosenheim–Traunstein. Österreich wurde durch die Fortsetzung der Bahnstromleitung von Traunstein nach Steindorf an das Leitungsnetz angeschlossen.

Auch im damals noch zum Deutschen Reich gehörenden Schlesien wurde in den 1920er Jahren im Zuge des bereits 1914 aufgenommenen elektrischen Bahnbetriebes eine vom Kraftwerk Mittelsteine über Niedersalzbrunn, Ruhbank und Hirschberg nach Lauban führende Bahnstromleitung gebaut. Diese wurde mit der gleichen Frequenz wie die süddeutschen Leitungen, allerdings mit einer geringeren Spannung von 80 kV betrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Leitungen für das polnische Landesnetz umgerüstet, wobei ein Leiterseil entfernt und damit eine einkreisige Drehstromverbindung hergestellt wurde. Noch heute existieren Teilstücke der Leitungen auf Originalmasten aus den 1920er Jahren.

Im Jahr 1927 wurde das Saalachkraftwerk in Bad Reichenhall über eine einkreisige 110 kV-Leitungsverbindung an die Leitung Traunstein–Steindorf angebunden und eine Leitung von Landshut nach Regensburg-Burgweinting errichtet.

Bis 1933 reichte das Netz der Bahnstromleitungen von Augsburg über Neu-Ulm, Amstetten und Plochingen bis nach Stuttgart, wo das Kraftwerk Stuttgart-Münster ebenfalls Bahnstrom erzeugte.

1939 wurde das erste Bahnstromumformerwerk in Nürnberg fertiggestellt und eine Bahnstromleitung von Grönhart über Nürnberg, Zapfendorf und Steinbach am Wald zum Bahnkraftwerk Muldenstein errichtet[2]. Eine andere neue Leitung verlief von Landshut nach Vohburg. Weiterhin führte vom Walchenseekraftwerk nach Zirl eine zweite Leitung nach Österreich, um den Verbundbetrieb zwischen den Netzen zu ermöglichen.[3]

Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr 1946, wurde die nun die innerdeutsche Grenze überschreitende Leitung Nürnberg–Muldenstein auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone (spätere DDR) als Reparationsleistung demontiert. Bis zur Wiedervereinigung endete diese Leitung daher blind auf bayerischem Gebiet nahe der Zonengrenze nordöstlich von Steinbach am Wald.[4]

In den 1950er und 1960er Jahren wurde das westdeutsche Netz an Bahnstromleitungen erheblich ausgebaut, da nun immer mehr Bahnstrecken in Richtung Norden auf elektrischen Betrieb umgerüstet wurden.[5] Das Bahnstromnetz reichte nun von Bayern aus über Baden-Württemberg bis Hamburg.

Auch in der DDR wurde ab 1955 ein Netz an Bahnstromleitungen unterhalten. Dieses deckte jedoch nur den Süden des Staatsgebietes (heutiges Thüringen, südliches Sachsen-Anhalt und Sachsen) ab und bezog seine Energie hauptsächlich aus dem Kraftwerk Muldenstein. Die Masten dieser Leitungen ähnelten den weit verbreiteten 110 kV-Einebenenmasten und werden aufgrund ihres hohen Alters seit der Wiedervereinigung schrittweise durch Neukonstruktionen ersetzt. In den restlichen Gebieten der DDR, in denen es bis zur Wiedervereinigung keine Bahnstromleitungen gab, wurde die Bereitstellung der Energie über dezentrale Umformerwerke aus dem 50 Hz-Landesnetz gewährleistet. Durch den Verzicht auf eigene Bahnstromleitungen konnten die Investitionskosten gesenkt werden, allerdings mussten mehr Umformersätze installiert werden als eigentlich notwendig, um die Netzversorgung im Falle eines Systemausfalles kompensieren zu können.[6]

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden beide deutsche Netze wieder miteinander verbunden. So wurde am 14. März 1995 die Leitung LehrteHeeren in Betrieb genommen und somit erstmals wieder eine Verbindung zwischen beiden Bahnstromnetzen hergestellt. Im Laufe der Zeit dehnte sich das Netz an neuen Bahnstromleitungen nun bis nach Berlin und von dort nach Süden zum bestehenden DDR-Bahnstromnetz am 1994 stillgelegten Kraftwerk Muldenstein aus. Eine zweite Leitung ging am 29. Februar 1996 zwischen Bebra und Weimar in Betrieb, die weitgehend parallel der A 4 verläuft. Am 23. Juni 2001 wurde die dritte Verbindungsleitung zwischen Weimar und Saalfeld fertiggestellt.[7] Eine Verbindung von Steinbach am Wald nach Saalfeld wurde bereits 1996 eingerichtet, wobei die alten Masten der bislang blind an der ehemaligen innerdeutschen Grenze endenden Leitung demontiert wurden und stattdessen ein kompletter Leitungsneubau nach Thüringen folgte.

Eine vierte neu gebaute Leitung, die die ehemalige innerdeutsche Grenze quert, führt von Lüneburg nach Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern. Es handelt sich um die einzige Bahnstromleitung in dem Bundesland.

Erst als in den 1990er Jahren Bahnstrecken in Schleswig-Holstein elektrifiziert wurden, wurde die erste Bahnstromverbindung im nördlichsten deutschen Bundesland errichtet, die vom Schaltwerk Nenndorf südlich von Hamburg bis nach Jübek bei Schleswig führt. Als Besonderheit nutzt sie vier Leiterseile der beiden bisher ungenutzten Stromkreise der Elbekreuzung 2.

Anfang der 2000er Jahre wurden sämtliche aus den 1920er und 1930er Jahren stammende Bahnstromleitungen in Süddeutschland erneuert, wobei die alten Mastgestänge durch Neukonstruktionen auf gleicher Trasse ersetzt wurden. Da diese Leitungen ursprünglich nur für eine Betriebstemperatur von +40 °C ausgelegt waren und daher sowohl ein aus heutiger Sicht als zu niedrig gesehener Mindestabstand zum Boden eingehalten als auch ein zu niedriger Belastungsgrenzwert gewählt wurde, musste an einigen Stellen, etwa in Germering, eine komplett neue Trasse gebaut werden.[8]

Für die zahlreichen in Betrieb gegangenen Neubaustrecken der Deutschen Bahn wurden teils eigene Bahnstromleitungen neu gebaut, so etwa für die Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main oder die Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle.

Ein einziger Rückbau ist derzeit bekannt: Die Bahnstromverbindung von Holzkirchen nach Rosenheim wurde zunächst nur noch einkreisig betrieben und im Sommer 2004 komplett demontiert.

Das deutsche Netz an Bahnstromleitungen hat (Stand Februar 2016) eine Länge von insgesamt 7754 km.[9]

Betriebsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Bahnstrom

Die gebräuchlichsten Betriebsspannungen liegen in Deutschland und Österreich bei 110 kV, in der Schweiz 66 kV oder 132 kV. Im Gebiet von Wien werden einige Bahnstromleitungen mit 55 kV betrieben (HütteldorfAuhof, HütteldorfMeidling, MeidlingSimmering, HütteldorfFloridsdorf und FloridsdorfSimmering).[10] Manche Bahnstromleitungen zur Versorgung von Neubaustrecken wurden bereits so bemessen, dass sie in Zukunft auf 220 kV umgestellt werden können.

Bahnstromleitungen werden symmetrisch gegen Erde betrieben: Bei einer üblichen 110-kV-Bahnstromleitung weist jeder der beiden Leiter eine Spannung von 55 kV gegen Erde auf, wobei die Phasenlagen dieser Spannungen um 180° gegeneinander versetzt sind.

Die Frequenz des Bahnstromes wurde 1912 auf 16 23 Hz (≈16,667 Hz) festgelegt, exakt ein Drittel der im öffentlichen Stromversorgungsnetz vorliegenden Frequenz von 50 Hz. Es stellte sich jedoch heraus, dass das ganzzahlige Verhältnis in Umrichterwerken, die Drehstrom in Bahnstrom umwandeln, zu nachteiligen Nebenwirkungen führte. Daher wurde die Bahnstromfrequenz 1995 einheitlich auf exakt 16,7 Hz geringfügig angehoben.

Die Erdung des Bahnstromnetzes wird in größeren Unterwerken und in Bahnkraftwerken über Petersenspulen zur Löschung des Erdschlussstroms vorgenommen. Wie bei allen symmetrischen Stromleitungen gibt es auch bei Bahnstromleitungen Verdrillungen.

Freileitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Leitungsführung kurz zu halten und um unnötige Beeinflussungen elektrischer Anlagen im Streckenbereich zu vermeiden, werden Bahnstromleitungen üblicherweise nicht parallel zur Bahnlinie verlegt, obwohl dies technisch möglich ist und insbesondere entlang von S-Bahnstrecken auch gemacht wird.

Die meisten Bahnstromleitungen sind als Freileitung ausgeführt. Kabelstrecken gibt es nur in der Nähe mancher Kraftwerke und Unterwerke sowie in einigen Ballungsgebieten, wie etwa in Basel. Als Masten werden in Deutschland und Österreich meistens Stahlfachwerkmasten eingesetzt, in der Schweiz ist die Verlegung auf Betonmasten verbreitet.

Eine einzelne Bahnstromleitung besitzt zwei Leiter. Eine Leitungstrasse besteht meist aus zwei voneinander unabhängig schaltbaren Leitungen, es sind somit vier Leiterseile verlegt (im Unterschied zu Drehstrom-Leitungen, deren Leiteranzahl immer ein ganzzahliges Vielfaches von Drei beträgt). Die meisten Bahnstromleitungen mit vier Leiterseilen in Deutschland sind in Einebenenanordnung ausgeführt, in Österreich und der Schweiz ist Zweiebenanordnung üblich.

Bei Bahnstromleitungen mit vier Systemen (acht Leiterseile) wird fast immer die Zweiebenenanordnung gewählt, wobei jede der beiden Traversen vier Leiterseile trägt. Die in den 1980er Jahren gebaute und 1990 komplett fertiggestellte Bahnstromleitung von Flörsheim über Weiterstadt, Mannheim-Rheinau und Vaihingen/Enz zur Zentraleinspeisstelle Stuttgart-Zazenhausen verwendet Masten mit drei Ebenen, bei denen die oberen beiden und die unterste Traverse je zwei Systeme aufnehmen. SIe dient hauptsächlich der Versorgung der Schnellfahrstrecke Mannheim–Stuttgart. Es gibt auch – meist in der Nähe von Unnterwerken – Bahnstromleitungen mit sechs Systemen (zwölf Leiterseile), die fast immer die Dreiebenenanordnung (vier Leiterseile pro Traverse) ausgeführt sind.

Wie die meisten Freileitungen mit Betriebsspannungen von 110 kV verwenden auch Bahnstromleitungen nur selten Bündelleiter. Lediglich für die Versorgung stark befahrener oder besonders leistungsbedürftiger Strecken, insbesondere der Neubau- und Ausbaustrecken für ICE-Betrieb, werden auch Zweierbündel verwendet. Die Bahnstromleitungen vom Kernkraftwerk Neckarwestheim zum Bahnstromschaltwerk Neckarwestheim und die Bahnstromleitung Neckarwestheim–Zazenhausen sind mit Viererbündeln ausgeführt.

Abgesehen von manchen an Oberleitungsmasten verlegten Abschnitten werden Bahnstromleitungen fast immer mit einem Erdseil ausgestattet, nur bei Verlegung auf Hybridmasten, etwa bei Frankfurt-Rödelheim oder Neckarwestheim, kommen gelegentlich zwei Erdseile zum Einsatz.

Manche Bahnstromleitungen führen auf einigen kurzen Abschnitten nahe den Unterwerken auch 15 kV-Speiseleitungen mit, um etwas weiter entfernt liegende Bahnstrecken zu speisen.

Verlegung entlang der Bahnstrecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlegung entlang einer Oberleitung

Insbesondere in städtischen Ballungsräumen werden Bahnstromleitungen aus Platzgründen mitunter auch entlang einer Bahnstrecke verlegt. Hierbei werden entweder Vollwandmasten mit schmalerem Trassenprofil im erstellt und die Freileitung nah an der Bahnstrecke entlanggeführt oder die Bahnstromleitung ist an Auslegern der Oberleitungsmasten oberhalb der Oberleitung montiert.

Da Oberleitungsmasten einen kleineren Querschnitt besitzen als übliche Bahnstrommasten für zwei Systeme können die Traversen aus Festigkeitsgründen nur geringe Ausladungen haben. Daher ist es in der Regel nicht möglich, die Leitung mit beiden Stromkreisen in Einebenenanordnung auf den Oberleitungsmasten zu führen. Neben der Verwendung der Zweiebenenanordnung können bei zweigleisigen Strecken daher beide Stromkreise getrennt an den Oberleitungsmasten zu beiden Seiten der Strecke geführt werden. Man findet eine solche Anordnung zum Beispiel im Stadtgebiet von Böblingen.

Die Bahnstromleitung von Leer nach Emden ist als einzige in Deutschland ausschließlich an Oberleitungsmasten befestigt und folgt der Emslandstrecke. Sie ist, anders als die meisten Bahnstromleitungen in Deutschland, einkreisig ausgeführt.

Mitverlegung auf anderen Trassen (Hybridleitung)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hybridleitung (links): oberste Traverse Bahnstrom (je 2 Leiter), darunter Drehstrom (je 3 Leiter). Rechts steht eine 380-kV-Drehstromleitung.

Es gibt auch Hochspannungsmasten, die sowohl Stromkreise für Bahnstrom als auch welche für Drehstrom tragen, wie zum Beispiel entlang der Bahnstromleitung Rupperswil-Muttenz. Insbesondere in der Nähe von Ballungsgebieten, Kraftwerken, die sowohl Bahnstrom als auch Strom für das öffentliche Netz liefern und um die Gemeinschaftsunterwerke von Bahngesellschaften und Elektrizitätswerken sind aus Platzgründen solche Hybridleitungen zu finden. Hierbei ist insbesondere die parallele Verlegung zu 110 kV und manchmal auch zu 220-kV-Drehstromleitungen üblich.

Eine Verlegung zusammen mit 400 kV-Drehstromkreisen auf den gleichen Mast erfordert im Regelfall eine Auslegung der Isolation der Bahnstromleitung für 220 kV, da im Störungsfall der 400-kV-Leitung entlang der Bahnstromleitung Spannungsspitzen auftreten können, denen eine Isolation für 110 kV nicht gewachsen ist.

Bei solchen Leitungen befinden sich die Bahnstromkreise zumindest bei den in Deutschland realisierten Leitungen meist in einer Ebene. In der Schweiz ist auch bei solchen Leitungen die Verteilung über mehrere Traversen nicht selten. Auch werden die Bahnstromkreise in Deutschland meistens auf der untersten Traverse verlegt. Eine Ausnahme ist die Bahnstromleitung Flörsheim–Niedernhausen, bei der auf den Abschnitten zusammen mit einer 110 kV-Drehstromleitung die Bahnstromkreise auf der obersten Traverse verlaufen. Bei Niederjosbach kommen sogar Masten mit fünf Traversen zum Einsatz (Zweiebenenanordnung der Bahnstromleitung und darunter Dreiebenenanordnung der Drehstromleitung).

Verlegung in der Trasse demontierter Drehstromfreileitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge von Sanierungen oder Neubauten von Bahnstromleitungen kann es vorkommen, dass diese den Raum oder sogar die Masten einer demontierten Drehstromleitung nutzen. Die aus den 1930er Jahren stammende Bahnstromleitung Stuttgart–Plochingen wurde 2008 erneuert und dabei teilweise neu trassiert: Auf einem Abschnitt zwischen Neckarrems und Aichschieß wurden dabei die Masten der zur gleichen Zeit demontierten Schwarzwaldleitung (ursprünglich 220 kV) umgebaut, wobei die alten Traversen entfernt und neue Traversen für die Aufnahme von vier Leiterseilen montiert wurden. Die Bahnstromleitung folgt nun dieser Trasse.

Die Ende 2002 fertiggestellte Bahnstromleitung Köln–Sindorf nutzt auf einem etwa 4 km langen Abschnitt entlang der Erft zwischen Kierdorf und Türnich die Donaumasten einer heute nicht mehr bestehenden 110 kV-Leitung der RWE.[11] Dabei wurden auf der untersten Traverse die beiden äußeren Leiterseile entfernt, die verbliebenen vier werden heute von der Bahnstromleitung genutzt.

Bezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschriftung eines Hochspannungsmasten der DB Energie GmbH

Die Bahnstromleitungen sind mit Metallschildern bezeichnet, die etwa 30×40 cm groß sind und schwarze Schrift auf weißen Grund tragen. Darauf sind verzeichnet (Klammern beziehen sich auf das Beispiel im Bild):

  • die Anordnung der Leiter (1 TR / 2 TR) in dieser Blickrichtung
  • die Leitungsbezeichnungen (linker Stromkreis Amstetten–Osterburken, rechter Stromkreis Amstetten–Aalen). Dabei wird der Name des ersten und letzten an dieses System angeschlossenen Unterwerkes genannt, Abzweige werden nicht erwähnt. Ist die Bezeichnung für beide Leitungssysteme gleich, wird sie nur einmal aufgeführt.
  • die Mastnummer (2696). Die Mastnummern sind ein- bis fünfstellig und nur pro Leitung einmalig, nicht deutschlandweit. Führende Nullen sind möglich.
  • der Betreiber (DB Energie GmbH)

Besondere Leitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Bahnstromleitung der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg besitzt im Stadtgebiet von Fulda 30 aufeinander folgende Abspannmasten. Ein Mast der Leitung (Nr. 9108) befindet sich in einem Lagerschuppen am Fuldaer Bahnhof und ragt aus dessen Dach.
  • Die 2002 fertiggestellte Bahnstromleitung KölnSindorf ist im Bereich der Kölner Südbrücke an Auslegern zu beiden Seiten der Brücke montiert.
  • Die 1977 fertiggestellte Bahnstromleitung Neckarwestheim–Zazenhausen ist eine der wenigen Bahnstromleitungen in Deutschland mit Viererbündeln. Eine weitere führt vom Schaltwerk Neckarwestheim zum Kernkraftwerk Neckarwestheim. Auch die Rückstromleitung von der ICE-Trasse zum Unterwerk Kreiensen ist als Viererbündel ausgeführt, allerdings ist sie nicht Bestandteil einer Bahnstromleitung, sondern einer Oberleitungsspeisung.[12][13]
  • Die Bahnstromleitung FlörsheimBingen wird auf rheinland-pfälzischem Gebiet auf Masten mit dreieckiger Grundfläche geführt. Einige dieser Konstruktionen sind heute durch moderne, konventionelle Masten mit quadratischer Grundfläche ersetzt worden.
  • Die höchsten reinen Bahnstrommasten gehören zur westlichen der Weser-Freileitungskreuzungen Bremen-Industriehafen. Sie dienen einer vierkreisigen Bahnstromleitung zur Überquerung der Weser.
  • Die in den 1990er Jahren fertiggestellte Bahnstromleitung NenndorfNeumünsterJübek nutzt vier Leiterseile der Elbekreuzung 2.
  • Die Bahnstromleitung DuisburgKirchhellen führt unter einer Straßenbrücke der L 155 (Sterkrader Straße) hindurch und verwendet Masten mit zwei übereinander liegenden Halbtraversen, um die Trassenbreite möglichst gering zu halten.

Weitere Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die mit Einphasenwechselstrom mit einer Frequenz von 25 Hertz betriebene Mariazeller Bahn verfügt über eigene Bahnstromleitungen mit einer Betriebsspannung von 27 kV. Diese Leitungen sind an den Oberleitungsmasten oberhalb der Oberleitung angebracht.

In den Gebieten um New York gibt es einige Bahnen, die ebenfalls mit Einphasenwechselstrom von 25 Hertz fahren. Diese Bahnen verfügen ebenfalls über Bahnstromleitungen, welche meistens an den Oberleitungsmasten befestigt sind.

In Italien wurden bis 1977 zahlreiche Bahnen mit Drehstrom von 16,667 Hertz betrieben. Auch diese Bahnen wurden über eigene Bahnstromleitungen, die mit 60 kV betrieben wurden, gespeist. Da diese Leitungen wie Drehstromleitungen des öffentlichen Netzes ausgeführt waren, waren sie weit weniger markant als die Bahnstromleitungen der deutschsprachigen Länder.

Auch bei manchen Bahnen für 50-Hertz-Betrieb gibt es Bahnstromleitungen, zum Beispiel existieren für die Energieversorgung von einigen TGV-Strecken einphasige Hochspannungsleitungen.[14]

Situation bei dezentraler Bahnstromversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Schweden, Norwegen und im Nordosten Deutschlands (vorwiegend Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern) wird in dezentralen Bahnstromumformerwerken der dem öffentlichen Netz entnommene Drehstrom in Einphasenwechselstrom mit einer Frequenz von 16,7 Hz umgewandelt. In diesen Regionen gibt es keine Bahnstromleitungen.

Auch bei Bahnen, die mit Gleichstrom oder Einphasenwechselstrom der Frequenz des öffentlichen Netzes fahren, wird die Umwandlung stets in den Unterwerken vorgenommen, so dass hier üblicherweise keine Bahnstromfreileitungen existieren. Ausnahmen können in Gebieten existieren, wo die elektrische Bahn der erste Großverbraucher war, so dass die Bahngesellschaft für die Stromversorgung erst Versorgungsleitungen bauen musste oder wo eine Umelektrifizierung von einem System mit zentraler Bahnstromversorgung in ein Gleichstrom- oder Wechselstromsystem mit Netzfrequenz erfolgte. In allen diesen Fällen sind die Bahnstromleitungen Drehstromleitungen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Übereinkommen betreffend die Ausführung elektrischer Zugförderung, elektrische-bahnen.de
  2. Enteignungen zur Herstellung einer 100 kV Bahnstromfernleitung von Nürnberg nach Muldenstein, Deutsche digitale Bibliothek, abgerufen am 14. Juni 2016
  3. ETR Ausgabe 1+2 2010, Seite 14
  4. Aus der Geschichte der Elektrizität, Jahr 1946, Walter Schossig, abgerufen am 14. Juni 2016
  5. ETR Ausgabe 1+2 2010, Seite 15
  6. Bahnstrom Regenerativ - Analyse und Konzepte zur Erhöhung des Anteils der Regenerativen Energie des Bahnstroms, Seite 11, abgerufen am 14. Juni 2016
  7. 20 Jahre Elektrische Wiedervereinigung Deutschlands, Verband der Elektrotechnik
  8. ETR Ausgabe 1+2 2010, Seite 16
  9. DB Informationsbroschüre Bahnstrom, S. 6
  10. Bezeichnung der Bahnstromleitungen (PDF-Datei, 55 Kb), abgerufen am 6. März 2012
  11. Kölner Stadt-Anzeiger vom 24. Januar 2003: Leitung stört nur die Pulsuhr. Abgerufen am 30. Juni 2016.
  12. OpenStreetMap | Way | Kreiensen - Rethen;Bahnrückstrom (28195848)
  13. http://www2.pe.tu-clausthal.de/agbalck/vorlesung/energ2001/en-vor09/img_6848.htm
  14. http://www.justmystage.com/home/overheadtml/france1.html