Riquewihr

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Riquewihr
Wappen von Riquewihr
Riquewihr (Frankreich)
Riquewihr
Region Grand Est
Département Haut-Rhin
Arrondissement Colmar-Ribeauvillé
Kanton Sainte-Marie-aux-Mines
Gemeindeverband Pays de Ribeauvillé
Koordinaten 48° 10′ N, 7° 18′ OKoordinaten: 48° 10′ N, 7° 18′ O
Höhe 230–936 m
Fläche 17,04 km2
Einwohner 1.136 (1. Januar 2014)
Bevölkerungsdichte 67 Einw./km2
Postleitzahl 68340
INSEE-Code
Website http://www.ribeauville-riquewihr.com/

Riquewihr und seine Weinberge

Riquewihr (deutsch Reichenweier) ist eine französische Gemeinde mit 1136 Einwohnern (1. Januar 2014) im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass). Sie gehört zum Arrondissement Colmar-Ribeauvillé, zum Kanton Sainte-Marie-aux-Mines und zum Gemeindeverband Pays de Ribeauvillé.

Riquewihr wurde auf Grund seines unversehrt erhaltenen Stadtbildes aus dem 16. Jahrhundert als eines der Plus beaux villages de France (schönste Dörfer Frankreichs) klassifiziert.[1]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Riquewihr liegt am Fuß der Vogesen, etwa zwölf Kilometer nordnordwestlich von Colmar. Das Gemeindegebiet von Riquewihr ist Teil des Regionalen Naturparks Ballons des Vosges.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 8. Jahrhundert gründete ein Franke namens Richo ein Landgut namens Richo villa, aus dem sich der Ort und sein Name entwickelten. Im 10. bis 11. Jahrhundert ging der Ort mit der zugehörigen Gutsherrschaft aus dem Grundbesitz der Grafen von Egisheim-Dabo (auch Dagsburg) an die Grafen von Horbourg über. Diese umgaben den Ort 1291 mit einer ersten Festungsmauer. 1320 erhielt Riquewihr die Stadtrechte. 1324 wurde die Herrschaft Reichenweier an den Grafen Ulrich von Württemberg verkauft. Im Jahre 1397 verlobte sich Graf Eberhard II. von Württemberg mit Henriette von Montfaucon, die er im Jahre 1407 ehelichte. Henriette war die Erbin des Grafen von Montbéliard. Von diesem Zeitpunkt an gehörte sie neben der Grafschaft Württemberg-Mömpelgard zu den linksrheinischen Besitzungen des Hauses Württemberg. Im Jahre 1495 wurde die Grafschaft zum Herzogtum erhoben. Herzog Georg von Württemberg erlaubte 1534 die Einführung der von Zwingli inspirierten Religionsreform zur Reformierten Kirche. Im Jahre 1559 führte Herzog Christoph von Württemberg Luthers Lehren ein, um eine religiöse Einheit auf seinen Besitztümern am Rheinufer zu sichern. Zur Herrschaft Reichenweier zählten folgende Orte: Altweier, Beblenheim, Schloss Bilstein, Hunaweier, Mittelweier, Ostheim und Reichenweier. Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 setzte dem Ort wie auch anderen im Kriegsgebiet schwer zu. 1680 kam Riquewihr unter die Gewalt von Ludwig XIV., wiewohl es im Besitz Württembergs blieb. 1789, während der Französischen Revolution, schlossen sich die Bürger von Riquewihr der Französischen Republik an, 1796 wurden die Württemberger ausgeschlossen und Riquewihr Frankreich angegliedert[2]. Von 1871 bis 1918 gehörte der Ort als Teil des Reichsland Elsaß-Lothringen zum Deutschen Kaiserreich und war dem Kreis Rappoltsweiler im Bezirk Oberelsaß zugeordnet, danach wieder zu Frankreich, 1940–1944 war er von Deutschland annektiert. Nach 1945 entwickelte sich der Weinort zum Anziehungspunkt für Touristen. Die Bevölkerung ist bis heute mehrheitlich lutherisch.

Am Neujahrstag 2014 brannten im mittelalterlichen Ortszentrum mehrere historische Fachwerkhäuser nieder.[3][4]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1910 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2014
Einwohner 1438[5] 1247 1322 1195 1045 1075 1212 1271 1136

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Altstadt: Riquewihr ist bedeutend wegen seiner einmaligen Altstadt, die mitsamt den Befestigungsanlagen nahezu komplett erhalten ist.
    • Der fachwerkverzierte obere Torturm Dolder ist ein Wahrzeichen der Stadt.
    • Diebesturm, nordwestlicher Eckturm der Stadtbefestigung.
    • Die Burgruine Reichenstein aus dem 13. Jahrhundert, deren fünfeckiger Bergfried akut einsturzgefährdet ist, liegt etwa zwei Kilometer nordwestlich der Stadt im Wald.
    • Mit der noch weiter nordwestlich liegenden Burg Bilstein steht eine weitere Burgruine auf Riquewihrer Gebiet.
  • Museen:
    • Das Musée Hansi zeigt das Werk des Grafikers Jean-Jacques Waltz.
    • Das Musée de la Poste (Postmuseum) befindet sich im ehemaligen württembergischen Schloss.
    • Das Musée de la Tour de Voleurs mit Gefängnis und Folterkammer befindet sich im ehemaligen Judenviertel.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Töchter und Söhne der Stadt:

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Riquewihr ist einer der bedeutendsten elsässischen Weinbauorte. (Siehe Knipperlé). Daneben ist der Ort stark auf den Tourismus, insbesondere den Tagestourismus, ausgerichtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Riquewihr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Riquewihr – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Riquewihr auf Les plus Beaux Villages de France (französisch)
  2. Informationsflyer des Office de Tourisme du Pays de Ribeauvillé et Riquewihr
  3. Badische Zeitung: Riquewihr nach dem Grossbrand - Wie geht es weiter? vom 8. Januar 2014
  4. Badische Zeitung: Bewohner von Riquewihr warten auf den Wiederaufbau; vom 16. Oktober 2014
  5. Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Kreis Rappoltsweiler