Anschluss (Österreich)

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Der im nationalsozialistischen Sprachgebrauch sogenannte Anschluss bezeichnet den Einmarsch deutscher Truppen in Österreich am 12. März 1938 und die darauffolgende De-facto-Annexion durch das nationalsozialistische Deutsche Reich am 13. März 1938. Dieser „Anschluss“ beendete die Ära des Austrofaschismus.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation im Jahr 1806, das die deutschsprachigen Erbländer Österreichs mit den anderen deutschen Staaten verbunden hatte, entstand 1815 auf dem Wiener Kongress als neue Verbindung der Deutsche Bund. Dieser lose Zusammenschluss von 41 deutschen Einzelstaaten wurde jedoch den Bestrebungen nach einem einheitlichen Staat nur unzureichend gerecht, sodass zur Erreichung dieses Zieles unterschiedliche Lösungsansätze entstanden: einerseits die Großdeutsche Lösung, ein neuer deutscher Gesamtstaat, einschließlich der deutschsprachigen Länder des Kaisertums Österreich (was allerdings keine Aussicht auf Erfolg hatte, da das österreichische Kaiserhaus nicht auf seine nicht-deutschsprachigen Gebiete verzichtet hätte) und andererseits die Kleindeutsche Lösung, ohne Österreich. Die Kleindeutsche Lösung wurde nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg verwirklicht, so dass es zur Gründung des Deutschen Kaiserreiches kam, dem Zusammenschluss von deutschen Fürstentümern und Königreichen unter Führung Preußens, aber ohne Österreich (auch ohne Liechtenstein, Luxemburg und anderer Gebiete mit deutschsprachiger Bevölkerung).

Anschlussbestrebungen nach dem Ersten Weltkrieg

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Auseinanderbrechen des k. u. k. Vielvölkerstaates war der Zusammenschluss der neuen Republik Österreich (1918/1919 Deutschösterreich) mit dem nun ebenfalls republikanischen Deutschen Reich, der Weimarer Republik, das erklärte Ziel einer Mehrheit der österreichischen Politiker. Er schien die logische Folge des Nationalismus zu sein, der bereits den Vielvölkerstaat in nach Nationen abgegrenzte Staaten zerbrechen hatte lassen. Auch erschien das verhältnismäßig kleine „Restösterreich“ vielen angesichts des Umstandes, dass wirtschaftlich bedeutende Regionen fortan nicht mehr zum Staatsgebiet gehörten, als nicht lebensfähig. Die Hungerwinter 1918/19 und 1919/20 verstärkten diesen Eindruck.

Mit Unterzeichnung des Vertrages von Saint-Germain für Österreich und dem Friedensvertrag von Versailles für das Deutsche Reich und dem darin statuierten „Anschlussverbot“ wurde das Ziel der Vereinigung von beiden Seiten politisch vorerst nicht mehr aktiv weiter verfolgt. Sie blieb aber, aus verschiedenen Gründen, weiterhin erklärtes Fernziel, vor allem für die Großdeutsche Volkspartei, die Deutschnationale Bewegung wie auch für die Sozialdemokraten („Anschluß an Deutschland ist Anschluß an den Sozialismus“, Parole der Arbeiterzeitung). Auch die Christlichsoziale Partei trat politisch dafür ein.

Auf Landesebene stimmten im Mai 1919 die Vorarlberger mehrheitlich für den Anschluss ihres Bundeslandes an die Schweiz, was sowohl von der Schweizer Regierung als auch von der Bundesregierung in Wien abgelehnt wurde. Nach dem gescheiterten Restaurationsversuch des früheren Kaisers Karl I., der am 26. März 1921 nach Ungarn gereist war und versucht hatte, die ungarische Königskrone zu erringen, erstarkte vor allem in den noch monarchistisch-konservativ geprägten Bundesländern Widerstand gegen die republikanische Regierung in Wien. Mit Unterstützung aus dem benachbarten Bayern, wo die sozialistische Münchner Räterepublik zwei Jahre zuvor niedergekämpft worden war, bildeten sich in Salzburg und Tirol die ersten österreichischen Heimwehren. Diese setzten sich vehement für einen Zusammenschluss mit dem nun betont konservativ regierten Deutschland der Weimarer Zeit ein. Selbst Monarchisten, die den Zusammenschluss früher als „jüdische Erfindung“ abgelehnt hatten, strebten diesen gemeinsam mit den Deutschnationalen offen an.

Der Tiroler Landtag ließ im April 1921 eine Abstimmung durchführen, bei der sich eine Mehrheit von 98,8 % für den Zusammenschluss aussprach. Eine am 29. Mai 1921 in Salzburg durchgeführte Abstimmung ergab eine Zustimmung von 99,3 % der abgegebenen Stimmen. Weitere Abstimmungen wurden durch Proteste der alliierten Garantiemächte des Friedensvertrages, insbesondere der französischen Regierung, unterbunden. Für den Fall, dass weitere Bundesländer folgen sollten, wurde mit der Verhinderung von Auslandskrediten an das wirtschaftlich geschwächte Österreich gedroht. Bundeskanzler Michael Mayr (CS), der die Einstellung aller noch geplanten diesbezüglichen Abstimmungen gefordert hatte, trat am 1. Juni zurück, als der steirische Landtag ankündigte, dennoch abstimmen zu lassen. Sein Nachfolger wurde der deutschnational eingestellte parteilose Johann Schober (zugleich Polizeipräsident von Wien), der weitere Abstimmungen verhinderte und jene, die den Zusammenschluss anstrebten, auf einen späteren, dafür günstigeren Zeitpunkt verwies.

Mit der Machtergreifung des gebürtigen Oberösterreichers Adolf Hitler im Deutschen Reich 1933, der 1925 seine österreichische Staatsbürgerschaft zurückgelegt hatte und 1932 im Alter von 43 Jahren deutscher Reichsbürger geworden war, änderten sich die Rahmenbedingungen grundlegend.

Positionen der Parteien

Alle österreichischen Parteien mit Ausnahme der KPÖ waren vor 1933 grundsätzlich für eine Vereinigung mit dem Deutschen Reich. Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAPÖ) befürwortete zum Beispiel noch 1926 im grundsätzlich marxistisch ausgerichteten Linzer Programm „mit friedlichen Mitteln den Anschluss an die Deutsche Republik[1]. Sie strich den entsprechende Passus jedoch „angesichts der durch den Nationalsozialismus im Deutschen Reich veränderten Lage“ auf ihrem Parteitag 1933. Nach dem Verbot aller anderen Parteien trat auch die aus der Christlichsozialen Partei (CS) hervorgegangene Vaterländische Front gegen einen Anschluss auf. Die Vaterländische Front war 1933 von Engelbert Dollfuß als „Sammelbewegung aller vaterlandstreuen Österreicher“ gegründet worden und vertrat diese Position als einzige erlaubte politische Organisation des austrofaschistischen Ständestaates, nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines zu erwartenden Machtverlusts.

Machtbeteiligung der Nationalsozialisten

Nach seiner Machtergreifung 1933 hielt sich Hitler, der die Forderung „Deutschösterreich muß wieder zurück zum großen deutschen Mutterlande“ schon in seinem Buch „Mein Kampf“ (1924/25) niedergeschrieben hatte, zunächst in Sachen Österreichs zurück. Er wollte Benito Mussolini nicht verärgern, da er ein Bündnis mit ihm anstrebte.

Am 25. Juli versuchten österreichische Nationalsozialisten unter Führung der SS-Standarte 89 einen Putsch (Juliputsch), der jedoch scheiterte. Einigen Putschisten gelang es, bis in das Bundeskanzleramt in Wien vorzudringen, wo Dollfuß durch Schüsse so schwer verletzt wurde, dass er den Verletzungen wenig später erlag. Hitler bestritt eine Beteiligung an dem Putschversuch von deutscher Seite. Die seit 1933 verbotene österreichische NSDAP wurde zwar weiterhin aus dem Deutschen Reich unterstützt, aber das deutsche Regime ging nun verstärkt dazu über, das politische System in Österreich mit Vertrauensleuten zu unterwandern. Dazu zählten, neben anderen, Edmund Glaise-Horstenau, Taras Borodajkewycz und Arthur Seyß-Inquart.

Italien begann am 3. Oktober 1935 die Eroberung des damaligen Abessinien (Italienisch-Äthiopischer Krieg), was Mussolini international weitgehend isolierte und ihn ein Bündnis mit Hitler suchen ließ. Für die in Österreich regierende Vaterländische Front bedeutete das den Verlust eines wichtigen Verbündeten. Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, Nachfolger des ermordeten Engelbert Dollfuß, musste nach Wegen suchen, das Verhältnis zum Deutschen Reich zu verbessern. Am 11. Juli 1936 schloss er mit Hitler das Juliabkommen. Das Deutsche Reich hob die in Folge des Verbots der NSDAP in Österreich 1933 verhängte Tausend-Mark-Sperre auf, in Österreich wurden inhaftierte Nationalsozialisten amnestiert und NS-Zeitungen wieder zugelassen. Darüber hinaus nahm Schuschnigg Vertrauensleute der Nationalsozialisten in die Regierung auf. Edmund Glaise-Horstenau wurde Bundesminister für nationale Angelegenheiten, Guido Schmidt Staatssekretär im Außenministerium und Arthur Seyß-Inquart in den Staatsrat aufgenommen. 1937 folgte die Öffnung der Vaterländischen Front für Nationalsozialisten. In neu eingerichteten „Volkspolitischen Referaten“, die meist unter der Leitung von Nationalsozialisten standen, konnte die NSDAP sich neu organisieren.

Nach Festigung seines Bündnisses mit Mussolini, der Achse Berlin-Rom, gelangte Hitler zu der Ansicht, dass Mussolini es müde wurde, den Wächter der österreichischen Unabhängigkeit zu spielen. Als er am 5. November 1937 der Wehrmachtsführung seine militärischen Pläne erläuterte (Hoßbach-Niederschrift), nannte er als spätesten Zeitpunkt für die Annexion der Tschechoslowakei und Österreichs das Jahr 1943, unter günstigen Umständen könne dies schon 1938 erfolgen.

Am 12. Februar 1938 zitierte Hitler Bundeskanzler Schuschnigg zu einem Treffen auf den Obersalzberg in Bayern. Hitler drohte mit dem Einmarsch der Wehrmacht, sollte das Parteiverbot für die österreichischen Nationalsozialisten nicht wieder aufgehoben und ihnen die volle Agitationsfreiheit gewährt werden. Auch forderte er ihre verstärkte Einbindung in die Regierung. Schuschnigg beugte sich den Drohungen und glaubte, mit dem Berchtesgadener Abkommen die Selbständigkeit Österreichs sichern zu können. Wie von Hitler gefordert, wurde Seyß-Inquart am 16. Februar zum Innenminister ernannt und erlangte damit die Kontrolle über die Polizei.

Als Schuschnigg erkannte, dass seine neuen Regierungspartner ihm innerhalb weniger Wochen den Boden unter den Füßen wegzogen und dabei waren, die Macht zu übernehmen, gab er am 9. März bekannt, am folgenden Sonntag, dem 13. März, eine Volksabstimmung zur Unabhängigkeit Österreichs abhalten zu wollen. Die Frage hierin sollte lauten, ob das Volk ein „freies und deutsches, unabhängiges und soziales, ein christliches und einiges Österreich“ wolle oder nicht. Hitler, der offenbar eine Ablehnung des Anschlusses an das Deutsche Reich befürchtete, quittierte das mit der Mobilmachung der für den Einmarsch vorgesehenen 8. Armee. Glaise-Horstenau, der zu diesem Zeitpunkt in Berlin gewesen war, überbrachte von dort das Ultimatum Hitlers, das von Hermann Göring zusätzlich in Telefonaten mit Schuschnigg bekräftigt wurde. Die Reichsregierung forderte die Verschiebung beziehungsweise die Absage der Volksbefragung. Am Nachmittag des 11. März willigte Schuschnigg ein. Noch am selben Abend erzwang Hitler den Rücktritt Schuschniggs zugunsten Arthur Seyß-Inquarts. Göring ließ daraufhin auf Befehl Hitlers ein Telegramm mit der Bitte um die Entsendung reichsdeutscher Truppen aufsetzen, das sich die Reichsregierung daraufhin im Namen des neuen Bundeskanzlers Seyß-Inquart selbst zusandte.

Vollzug des „Anschlusses“

Nachdem Hitler am 11. März 1938 die „Militärische Weisung für den Einmarsch in Österreich“ mit dem Decknamen „Unternehmen Otto“ ausgestellt hatte, ließ er am 12. März 1938 Soldaten der Wehrmacht und Polizisten – insgesamt rund 65.000 Mann mit teils schwerer Bewaffnung – in Österreich einmarschieren, die von der Bevölkerung vielfach mit Jubel empfangen wurden. In Wien traf am Flughafen Aspern der Reichsführer-SS Heinrich Himmler in Begleitung von SS- und Polizeibeamten ein, um die Übernahme der österreichischen Polizei durchzuführen. Noch am selben Abend trafen in Linz Hitler und Seyß-Inquart zusammen und vereinbarten die sofortige Durchführung der „Wiedervereinigung“ ohne die früher geplanten Übergangsfristen. Das „Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ wurde am folgenden Tag in der zweiten Kabinettssitzung der Regierung Seyß-Inquart in Wien beschlossen; daher gilt allgemein der 13. März 1938 als eigentlicher Tag des „Anschlusses“.

Am 15. März verkündete Hitler auf dem Heldenplatz in Wien unter dem Jubel zehntausender Menschen „den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich”.

Seyß-Inquart bildete eine nationalsozialistische Regierung und vollzog den „Anschluss“. Bereits in den ersten Tagen nach der Machtübernahme inhaftierten die neuen Machthaber, auch unter Mithilfe österreichischer Anhänger, rund 72.000 Menschen, insbesondere in Wien. Darunter waren viele Politiker und Intellektuelle der Ersten Republik und des Ständestaats sowie vor allem Juden. Auch der frühere Bundeskanzler Schuschnigg wurde zunächst unter Hausarrest gestellt und später wie die meisten anderen Häftlinge in das KZ Dachau deportiert. Die Polizei, die jetzt Heinrich Himmler unterstellt war, unterband jeden nachhaltigen Widerstand. Am Brenner trafen sich schließlich deutsche und italienische Truppeneinheiten zu freundschaftlichen Zeremonien.

Volksabstimmung

Stimmzettel zum „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich
Stimmzettel zum „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich

Hitler ließ sich die Vereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich nachträglich durch eine Volksabstimmung am 10. April absegnen. Im Vorfeld waren prominente Persönlichkeiten wie der Wiener Kardinal Theodor Innitzer, der eine Erklärung der Bischöfe dazu mit „Heil Hitler“ unterzeichnete, und der Präsident des evangelischen Oberkirchenrates Robert Kauer sowie Politiker, darunter der Sozialdemokrat und ehemalige österreichische Staatskanzler Karl Renner sowie der frühere Bundespräsident Michael Hainisch, und Künstler wie Paula Wessely und Josef Weinheber öffentlich für ein Ja eingetreten. In mehreren Städten Österreichs fanden vor der Abstimmung penibel inszenierte Auftritte hoher Funktionäre der NSDAP (Hitler selbst, Goebbels, Göring, Hess und andere) statt. Die Propaganda durchdrang alle Lebensbereiche: Fahnen, Banner und Plakate mit Parolen und dem Hakenkreuz-Symbol wurden in allen Städten, an Straßenbahnen, an Wänden und eigens errichteten Plakatständern und Säulen, angebracht; alleine in Wien fanden sich rund 200.000 Hitler-Portraits an öffentlichen Orten. Selbst in Poststempeln war zu lesen: „Am 10. April dem Führer Dein Ja. Presse und Rundfunk waren fest in der Hand der neuen Machthaber, hatten kein anderes Thema als das Ja, so dass es keine öffentlichen Gegenstimmen gab. Rund acht Prozent der eigentlich Wahl- und Stimmberechtigten waren von der Abstimmung ausgeschlossen worden: etwa 200.000 Juden, rund 177.000 „Mischlinge“ und die bereits zuvor aus politischen oder rassistischen Gründen Verhafteten. Bei der Abstimmung selbst zogen viele es vor, nicht anonym in der Wahlzelle ihre Wahl zu treffen, sondern öffentlich vor den Wahlhelfern ihr Kreuz bei Ja zu machen, um nicht in den Verdacht zu geraten, gegen den „Anschluss“ gestimmt zu haben und folglich als „Systemgegner“ möglichen Repressalien ausgesetzt zu sein.[2]

Auswirkungen

Am Abend des 10. April berichtete Gauleiter Bürckel aus dem Wiener Konzerthaus das Ergebnis der Abstimmung nach Berlin. Nach amtlichen Angaben hatte es eine Zustimmung von 99,73 % gegeben. Im Deutschen Reich, dem so genannten „Altreich“, stimmten 99,08 % für den Anschluss. Die Wahlbeteiligung in Österreich lag bei 99,71 %, im „Altreich“ bei 99,60 %.

Zugleich bediente sich Deutschland bei den Gold- und Devisenreserven Österreichs, wo aufgrund der deflationistischen Wirtschaftspolitik der Regierungen in den 1930er Jahren beachtliche Mengen zusammengekommen waren, die nun in das devisenarme Deutsche Reich transferiert wurden. So gerieten mehr als 2,7 Milliarden Schilling an Gold und Devisen unter deutsche Kontrolle.[3]

Im bald in „Ostmark“ umbenannten Österreich hatte die NSDAP großen Zulauf. Auswertungen von Mitgliedskarteien zufolge war der prozentuale Anteil der NSDAP-Mitglieder an der Gesamtbevölkerung im vormaligen Österreich höher als in den meisten Teilen des übrigen Deutschen Reichs.

Die Westmächte Großbritannien und Frankreich, die 1919 den Beitritt Deutschösterreichs zu einem föderalen Deutschen Reich und 1931 auch eine Zollunion verboten hatten, übersandten jetzt lediglich diplomatische Protestnoten. Die London Times schrieb dazu, schließlich habe sich Schottland vor 200 Jahren auch England angeschlossen. Lediglich Mexiko und die Sowjetunion legten Protest ein; erstere durch Übermittlung einer Protestnote „gegen die ausländische Aggression gegen Österreich“ beim Völkerbund sowie die – erfolglose – Forderung der Einberufung einer Ratstagung durch den damaligen Außenminister Eduardo Hay,[4] letztere durch Protestschreiben an die Westmächte.

Zum Gedenken an die mexikanische Protestnote wurde am 27. Juni 1956 der Erzherzog-Karl-Platz in Wien in Mexikoplatz umbenannt und 1985 ein Gedenkstein mit folgender Aufschrift dort platziert: „Mexiko war im März 1938 das einzige Land, das vor dem Völkerbund offiziellen Protest gegen den gewaltsamen Anschluß Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich einlegte. Zum Gedenken an diesen Akt hat die Stadt Wien diesem Platz den Namen Mexiko-Platz verliehen.“ Auch in Mexiko-Stadt wurde zu diesem Anlass 1988 von Österreich ein Denkmal gestiftet.

Eingliederung in das „Großdeutsche Reich“

Hauptartikel: Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus

Die Österreicher wurden mit Verordnung vom 3. Juli 1938 zu Bürgern des Deutschen Reiches und teilten nun die nationalsozialistische Geschichte des nunmehr „Großdeutschen Reiches“ bis zu dessen historischen Untergang 1945.

Am 1. Mai 1939 wurde das so genannte „Ostmarkgesetz“ verabschiedet, mit dem die Befugnisse vom Reichsstatthalter an den Reichskommissar übergeben werden sollten. Die Umsetzung dieses Gesetzes war am 31. März 1940 beendet. Josef Bürckel wurde im April als „Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich“ eingesetzt. Ihm folgte ab 1940 Baldur von Schirach. Das Staatsgebiet der ehemals souveränen Republik Österreich wurde in Reichsgaue (Kärnten, Niederdonau, Oberdonau, Salzburg, Steiermark, Tirol und Wien) aufgeteilt. Hitler ließ den von ihm ungeliebten Namen „Österreich“ (nach seinen Worten eine „Mißgeburt der Geschichte“) anfangs durch „Ostmark“ ersetzen, eine ab dem 19. Jahrhundert verbreitete Übersetzung für marcha orientalis, die damals auch für Gebiete im Osten Preußens verwendet wurde (siehe Deutscher Ostmarkenverein). In der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft gab es daneben einen Gau „Bayerische Ostmark“.[5]

Ab 1942 wurde die Benennung „Ostmark“ durch „Donau- und Alpenreichsgaue“ abgelöst. Der Historiker Karl Vocelka, Professor für österreichische Geschichte an der Universität Wien, sieht darin einen weiteren Schritt im Bestreben der nationalsozialistischen Machthaber, jeden Hinweis auf eine (historische) Eigenständigkeit Österreichs auszulöschen.[6] Möglich ist auch eine Umbenennung, da das frühere Österreich im Zuge der Eroberungen des Deutschen Reiches in Osteuropa keine „östliche Grenzmark“ mehr darstellte.[7]

Einzelnachweise

  1. Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschösterreichs: Das Linzer Programm, 3. November 1926
  2. Wilhelm J. Wagner: Der große Bildatlas zur Geschichte Österreichs. Kremayr & Scheriau 1995, ISBN 3-218-00590-6 (Kapitel „Heim ins Reich“).
  3. Manfred Jochum: Die Erste Republik in Dokumenten und Bildern. Wilhelm Braumüller Universitäts-Verlagsbuchhandlung, Wien 1983, S. 247.
  4. Die Protestnote Mexikos an den Völkerbund im Wortlaut.
  5. Helmut W. Schaller/Historisches Lexikon Bayerns: Bayerische Ostmark, 1933-1945; 1942 wurde der Gau „Bayerische Ostmark“, der infolge der NS-Eroberungspolitik nicht mehr im Grenzgebiet lag, in „Gau Bayreuth“ umbenannt.
  6. Karl Vocelka: Geschichte Österreichs (S. 300), Heyne 2002, ISBN 3-453-21622-9.
  7. Andreas Hillgruber: „Die versuchte Auslöschung des Namens „Österreich“ und seine Ersetzung zunächst durch „Ostmark“, dann (als die Ostgrenze des Großdeutschen Reiches durch die vorrückende Front immer weiter nach Osten verschoben wurde) durch die Verlegenheitsbezeichnung „Donau- und Alpengaue“, kennzeichnete oberflächlich den Weg vermeintlich vollständiger Eingliederung.“ In: Das Anschlussproblem (1918–1945) – Aus deutscher Sicht, S. 175. In: Deutschland und Österreich. Ein bilaterales Geschichtsbuch, hrsg. von Robert A. Kann und Friedrich E. Prinz, Wien-München 1980.

Siehe auch

Weblinks

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