Fehmarnbelttunnel

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Dieser Artikel behandelt das Tunnelbauwerk; zum Gesamtprojekt der Querung und den zusätzlichen Aus- und Umbaumaßnahmen auf Lolland und Fehmarn siehe Feste Fehmarnbeltquerung.
Fehmarnbelttunnel DeutschlandDeutschland
Femern Bælt-tunnelen DanemarkDänemark
Nutzung Straßen- und Eisenbahntunnel
Verkehrsverbindung Vogelfluglinie
Ort Fehmarnbelt
Länge 17,6 km
Anzahl der Röhren 4[1]
Querschnitt 376 m²[1]
Bau
Bauherr Femern A/S
Baukosten 7,4 Mrd. Euro (Kostenschätzung April 2015)[2]
Baubeginn Frühjahr 2015 (geplant)[3]
Fertigstellung 2021 (geplant)[3]
Planer Femern A/S[3]
Betrieb
Maut ja, Höhe noch unbekannt[3]
Lage der geplanten Fehmarnbeltquerung
Fehmarnbeltbrücke.svg
Lage
Fehmarnbelttunnel (Dänemark)
Red pog.svg
Red pog.svg
Koordinaten
Portal Puttgarden 54° 29′ 50,7″ N, 11° 13′ 56,8″ O54.49741211.232448
Portal Rødbyhavn 54° 39′ 5,8″ N, 11° 22′ 3,6″ O54.65161611.367674
Georeferenzierung Karte mit allen Koordinaten: OSM, Google oder Bing

Der Fehmarnbelttunnel (dänisch Femern Bælt-tunnelen; vereinfachend auch Ostseetunnel) ist ein geplanter, 17,6 Kilometer langer Straßen- und Eisenbahntunnel unter der Ostsee zwischen der deutschen Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland zur Querung des Fehmarnbelts[3] im Zuge der Vogelfluglinie. Nach seiner Fertigstellung könnte er der längste Untersee-Autotunnel der Welt sein.

Der Bau wurde am 28. April 2015 vom dänischen Parlament genehmigt.[2][4]

Ausgangslage[Bearbeiten]

Seit 1963 wird die Ostsee an dieser Stelle durch Fähren zwischen Puttgarden und Rødbyhavn gequert. Dem Entschluss, einen Tunnel zu bauen, gingen mehrere Jahre der Planung und der Diskussion darüber voraus, ob und in welcher Weise der Fehmarnbelt eine feste Querung erhalten solle. Am 1. Februar 2011 billigte das dänische Parlament Pläne, die Fehmarnbeltquerung durch einen Absenktunnel herzustellen, wie von der Planungs- und Betreibergesellschaft Femern A/S vorgeschlagen. Baubeginn sollte zunächst 2015 sein. Bis 2021 sollten die Arbeiten abgeschlossen und der Tunnel für den Verkehr freigegeben werden.[3][1][5][6]

Besonders das Königreich Dänemark trieb die Planung durch politische Entscheidungen voran, vor allem durch die Übernahme der gesamten Baukosten. Die Planung und der spätere Betrieb werden deshalb von einer speziell für das Projekt gegründeten staatlichen dänischen Gesellschaft Femern A/S übernommen.[7]

Beschreibung des Bauwerks[Bearbeiten]

Der Fehmarnbelttunnel wird als Absenktunnel gebaut werden. Ausschlaggebend für die Entscheidung zum Bau eines Tunnels (anstelle einer ebenfalls diskutierten Brücke) waren der Empfehlung der Planungsgesellschaft Femern A/S zufolge verschiedene Punkte. Zum einen stellt ein Tunnel kein Hindernis für die Schifffahrt am Fehmarnbelt dar, zum anderen wird das technische Risiko beim Bau eines Tunnels als geringer angesehen, auch wenn dieser im Vergleich zu anderen Projekten in größerer Wassertiefe errichtet werden muss.[8]

Zuerst wird ein Graben in den Meeresgrund gebaggert, in den vorgefertigte Tunnelelemente aus Beton abgesenkt und verbunden werden. Danach wird der Tunnel mit einer Schutzschicht aus großen Steinen und einer Sandschicht zur Wiederherstellung des Meeresgrunds abgedeckt. Insgesamt werden 79 Standardelemente und 10 Spezialelemente von je 217 m Länge benötigt. Die Standardelemente werden 42 m breit und 9 m hoch sein und vier Röhren für den Verkehr sowie eine Rettungsröhre enthalten. Die Spezialelemente sollen drei Meter breiter und vier Meter höher sein, um zusätzlich Platz für Haltebuchten und Anlagentechnik zu bieten.[9][10]

Durch die vier Tunnelröhren werden sowohl Straßenfahrzeuge als auch Züge für jede Richtung getrennt. Besonders die separaten Richtungsfahrbahnen der Straße erhöhen die Sicherheit im Tunnel. Jede Richtungsfahrbahn wird zudem mit zwei Fahrstreifen und einem vollwertigen Standstreifen ausgestattet sein.[11] Die Höchstgeschwindigkeit für Pkw wird 110 km/h betragen.[12] Die Röhren für den Zugverkehr erlauben Geschwindigkeiten bis zu 200 km/h.[9]

Zur Erhöhung der Sicherheit im Tunnel wird, neben den üblichen Lösch-, Verkehrsleit- und Überwachungssystemen, durchgehend ein Mobilfunknetz zur Verfügung stehen und eine sich verändernde Beleuchtung der Ermüdung des Fahrers vorbeugen.[11]

Die Tunnelportale sollen den Planungen zufolge sowohl auf Fehmarn als auch auf Lolland unmittelbar östlich der bestehenden Fährhäfen gebaut werden.

Fertigung und Bau[Bearbeiten]

Die Planungsgesellschaft hat das Tunnelprojekt in vier Baulose unterteilt: „Tunnel Nord“, „Tunnel Süd“, „Portale und Rampen“ und „Vertiefung des Meeresbodens und Landgewinnung“. Auf Fehmarn und Lolland werden Baustellen mit kleinen Baustellenhäfen eingerichtet, über die ein Teil des Materialtransports abgewickelt werden soll. In Rødbyhavn wird zudem eigens eine Fabrik für die Serienproduktion der Tunnelelemente errichtet.

Kosten und Finanzierung[Bearbeiten]

Das Projekt soll durch Kredite vorfinanziert werden. Deren Tilgung soll durch Mauteinnahmen erfolgen. Der Tunnel sowie die dänische Hinterlandanbindung sollte sich Schätzungen zufolge nach 39 Jahren amortisiert haben.[7] Grundlage dieser Prognose war eine Schätzung der Kosten aus dem Jahr 2011 über 5,5 Mrd. Euro. Anfang 2015 wurde bekannt, dass diese Prognose auf 9 Milliarden Euro gestiegen ist.[13] Dies könnte die Finanzierung des Projektes gefährden. Um Kosten zu senken, soll die Bauzeit um zwei Jahre gestreckt werden. 2022Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren wurde nun als Jahr der Fertigstellung der Arbeiten genannt.[14][Anm. 1]

Über die staatliche Betreibergesellschaft wäre Dänemark der Eigentümer des Tunnels.

Ausschreibung und Vergabe[Bearbeiten]

Im Herbst 2012 startete die Planungsgesellschaft die Vergabe mit einem Präqualifikationsverfahren, in dessen Rahmen interessierte Bauunternehmen und Konsortien darlegen mussten, dass sie sowohl technisch, als auch wirtschaftlich in der Lage sind, eines oder mehrere der vier Baulose abzuwickeln. Am 27. Mai 2013 wurde bekannt gegeben, dass alle neun Bewerber das Verfahren erfolgreich durchlaufen haben und für die Angebotserstellung zugelassen sind.[15]

Die internationale Ausschreibung des Projektes erfolgte am 27. August 2013 bei einem ersten Treffen von Vertretern der präqualifizierten Konsortien und des Auftraggebers in Kopenhagen.[16]

Für das Projekt wurden 17 Angebote abgegeben. Es gliedert sich in vier Hauptbauaufträge:

  • Ausbaggern der 18 km langen und 12 m tiefen Rinne im Meeresboden
  • Herstellen und Einbauen des Absenktunnels
  • Anlage der nördlichen und südlichen Tunnelportale
  • Straßen- und Schienenanbindungen beiderseits des Tunnels[17]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Der Neubau der Bahnstrecke Lübeck–Puttgarden wird nicht vor 2024 abgeschlossen sein. (und: Fehmarnbeltquerung gefährdet. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 4/2015, S. 188.)

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b c "Zahlen, Daten, Fakten: Der Absenktunnel". Femern A/S, abgerufen am 30. Mai 2013 (PDF; 211 kB).
  2. a b Dänisches Parlament stimmt Bau des Fehmarnbelt-Tunnels zu. Deutschlandfunk, 28. April 2015
  3. a b c d e f "Die Feste Fehmarnbeltquerung: Projektprofil". Femern A/S, abgerufen am 30. Mai 2013 (PDF; 154 kB).
  4. Fehmarnbelt-Querung: Dänisches Parlament beschließt Bau des Ostsee-Tunnels in Spiegel Online vom 28. April 2015. Abgerufen am 28. April 2015
  5. http://www.spiegel.de/wirtschaft/fehmarnbelt-querung-tunnel-wird-teurer-als-bislang-veranschlagt-a-1004141.html Deutsch-dänisches Riesenprojekt: Tunnel am Fehmarnbelt wird teurer
  6. http://www.spiegel.de/wirtschaft/fehmarnbelt-gegner-wollen-gegen-tunnelbau-klagen-a-984538.html Dänisch-deutsches Riesenprojekt: Bürger wollen Fehmarnbelt-Tunnel stoppen
  7. a b Wie hoch sind die Kosten und wer bezahlt? Femern A/S, abgerufen am 31. Mai 2013.
  8. Die technische Vorzugslösung für das UVP-Verfahren – Empfehlung der Femern A/S. Femern A/S, abgerufen am 31. Mai 2013.
  9. a b Standardelemente. Femern A/S, abgerufen am 6. September 2013.
  10. Spezialelemente. Femern A/S, abgerufen am 6. September 2013.
  11. a b Welche Sicherheitsvorkehrungen werden im Fehmarnbelttunnel getroffen? Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein, abgerufen am 6. September 2013.
  12. Fehmarnbelttunnel bricht alle Rekorde Seite der Betreibergesellschaft
  13. zeit.de / Tagesspiegel 18. Februar 2015: Ein Milliardengrab in der Ostsee? Der Fehmarnbelttunnel zwischen Deutschland und Dänemark wird viel mehr kosten als erwartet – und immer noch ist unklar, ob er gebraucht wird. Ein Gutachten nährt Zweifel
  14. lund: Fehmarnbeltquerung gefährdet. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 4/2015, S. 188
  15. Wichtige Meilensteine des Projekts. Femern A/S, abgerufen am 31. Mai 2013.
  16. Ausschreibungsverfahren gestartet. In: Fehmarnsches Tagesblatt vom 28. August 2013, Jahrgang 158, Nr. 200, S. 1
  17.  Internationale Konsortien geben Angebote für Fehmarnbelttunnel ab. In: Tunnel. Internationale Fachzeitschrift für unterirdisches Bauen. Nr. 4/2014, Bauverlag, Gütersloh Juni 2014, ISSN 0722-6241, S. 10–12.