Indian
Die Indian Motocycle Company, gegründet im Januar 1901 in Springfield (Massachusetts) durch George Mallory Hendee und Oscar Hedstrom, war einer der ersten Hersteller von Serienmotorrädern in den USA. Der überwiegende Teil der Maschinen von Indian waren Motorräder mit großvolumigen Zweizylinder-V-Motoren mit Seitenventil-Steuerung und Fahrwerken mit langem Radstand, die eine bequeme, niedrige Sitzposition erlaubten.
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[Bearbeiten] Geschichte
Die Indian Motocycle Company war in den 1920er Jahren größter Hersteller motorisierter Zweiräder weltweit.[1] Eine Indian gilt als das klassische amerikanische Tourenmotorrad der 1900er bis 1950er Jahre. Harley-Davidson war spätestens ab 1920 der größte Konkurrent von Indian; verglichen mit Harley-Davidson hatte eine Indian jedoch auf Grund der besseren Technik und der höheren Preise einen größeren Image-Wert. In den 1920ern wurden nicht autorisierte Kopien von Indians in Deutschland bei Mabeco in Berlin gefertigt. Die Motoren lieferte Siemens & Halske.
Mit der Übernahme der Firma Henderson/Ace wurde Indian zu einem der Pioniere im Bau von Vierzylinder-Motorrädern. Die technisch zunächst unveränderten Modelle hießen fortan Indian Four. In verschieden Varianten von Ende der 1920er bis in die 1940er Jahre gebaut, hatte dieses Modell einen hervorragenden Ruf als komfortables, leistungsstarkes und langstreckenfähiges Motorrad.
Die US-Regierung schrieb aufgrund des beginnenden Zweiten Weltkrieges einen Großauftrag für Militärmaschinen aus. Bei dieser Ausschreibung konkurrierten Harley-Davidson und Indian, jedoch erhielt Harley-Davidson zuerst den Zuschlag. Indian wurde ab 1940 ebenfalls beteiligt, es wurden jedoch nur kleinere Stückzahlen zu einem geringeren Preis geordert. Mit dem Großauftrag war Harley-Davidson für die nächsten Jahre finanziell abgesichert und die Marke erreichte allmählich einen höheren Bekanntheitsgrad als Indian. In den Kriegsjahren und auch danach konnten für die zivile Nutzung nur wenige Indians verkauft werden – zum einen hatte die Bevölkerung wenig Geld, zum anderen wurde der Markt nun mit den nicht mehr benötigten Militärmaschinen von Harley-Davidson und auch von Indian selbst überschwemmt.
1949 verkaufte Indian unter der Bezeichnung Indian CZ 125 kleine Zweitakt-Motorräder des tschechoslowakischen Herstellers ČZ aus Strakonice zum Stückpreis von 381 US-Dollar.
Nach dem Konkurs des Werks in Springfield, Mass. 1953 wurden bis 1960 Royal-Enfield-Motorräder unter dem Markennamen Indian verkauft. Dazu wurden einfach die Tankembleme und Kotflügel getauscht.
1960 ging der Markenname an das Konsortium Associated Motorcycles of England, die Produzenten von A.J.S. und Matchless. Auch deren Motorräder wurden, mit Namen Indian versehen, in den USA verkauft. Man verzichtete allerdings auf die Farbänderung und den beleuchteten Indianerkopf.
Burt Munro stellte mit seiner selbst umgebauten Indian mehrere Geschwindigkeitsweltrekorde für Motorräder auf, von denen einer bis heute gültig ist.
Das heutige Bild einer Indian wird geprägt von den Chief-Modellen, welche im typischen Stil des Art déco ab 1940 gebaut wurden. Auch die Scout-Modelle wiesen ab diesem Zeitpunkt dieses Design auf. Insbesondere die Motorräder der Baujahre 1946 bis 1949 mit Parallelogrammgabel gelten bis heute als gestalterischer Höhepunkt. Seit 1947 allen Indian-Motorrädern gemeinsam ist der beleuchtete Indianerkopf auf dem vorderen Kotflügel, der aufgrund seiner allgemeinen Bekanntheit irrtümlicherweise oft als originärer Bestandteil aller Baujahre und Modelle angesehen wird.
Bis heute im Einsatz bei Steilwandfahrern sind Indian-Modelle aus den 1920er und 1930er Jahren; unter anderem die drehmomentstarke Scout mit laufruhigem Motor und mit einer außergewöhnlichen Stabilität und Handlichkeit des Fahrwerks, das optimal ausbalanciert ist.
1999 brachte der japanische Hersteller Kawasaki eine Neukonstruktion namens VN 1500 Drifter bzw. VN 800 Drifter auf den Markt, die sich optisch als fast perfekte Indian-Replik eines Tourenmodells der 1950er Jahre präsentierte.
Kurz darauf, im Jahr 2000, gab es in Gilroy (Kalifornien), USA den Versuch, die Marke Indian als eigenständigen Hersteller wiederzubeleben. Gebaut wurde die Indian 101 Scout, die von einem S&S-V2-Motor mit 1.442 cm³ und ca. 75 PS angetrieben wurde. Das Unternehmen musste aber 2003, einige Monate nach Präsentation der neuen Indian Chief Deluxe (1.638 cm³, ca. 85 PS), Insolvenz anmelden.
Am 20. Juli 2006 wurde in Kings Mountain (North Carolina) eine neue Fabrik der Indian Motorcycle Company eröffnet. Hauptanteilseigner war die Stellican Limited, eine in London ansässige Investmentgesellschaft. Seit 2009 wurden wieder Indian-Motorräder ausgeliefert.
2011 bestätigte Polaris Industries als weltgrößter Hersteller von Schneemobilen, Quads und ATVs den Kauf von Indian. Scott Wine, CEO von Polaris, erklärte, Indian mit den Fertigungsstandards von Polaris wieder auf dem Markt etablieren zu wollen; die Marke soll weiterhin eigenständig bleiben.[2]
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[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Hugo Wilson: Das Lexikon vom Motorrad, Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-613-01719-9
[Bearbeiten] Weblinks
- Offizielle Homepage von Indian Motorcycle
- Geschichte, Englisch
- Deutscher Indian-Club
- Österreichischer Indian-Club
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Frauenbewegung mit 36 PS, Einestages
- ↑ Polaris kauft Indian Motorcycle, 20. April 2011