Hannelore Elsner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hannelore Elsner, 2011

Hannelore Elsner (* 26. Juli 1942 in Burghausen; eigentlich Hannelore Elstner) ist eine deutsche Schauspielerin, Synchronsprecherin und Autorin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hannelore Elsner wurde im bayerischen Burghausen geboren und wuchs in München auf. Ihr zwei Jahre älterer Bruder starb am Kriegsende bei einem Tieffliegerangriff.[1] Den Vater, Ingenieur von Beruf, verlor sie mit acht Jahren.

Ausbildung und Schauspielkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Abschluss ihrer in München absolvierten Schauspielausbildung begann sie ihre Karriere an Theatern in München und Berlin. Erste Theaterengagements hatte sie ab 1964 an der Kleinen Komödie München, wo sie 1964 in dem Lustspiel Schöne Geschichten mit Papa und Mama von Alfonso Paso und 1966 in Vater einer Tochter von Curth Flatow an der Seite von Georg Thomalla spielte. An den Münchner Kammerspielen war sie als Ala in Dieter Giesings Inszenierung von Sławomir Mrożeks Tango (1966, mit Maria Nicklisch und Helmut Griem als Partnern) als erste Nackte an den Kammerspielen zu sehen.[2] Elsner gastierte auch an der Komödie Berlin in dem Stück Eine Hand voll Brennesseln von Marc-Gilbert Sauvajon.

Unter der Regie von Edgar Reitz und István Szabó schuf sie sich später einen Namen als Charakterdarstellerin in Kinofilmen, nachdem sie in ihren ersten zwanzig Berufsjahren vor allem ihren Sexappeal in eher seichten Unterhaltungsfilmen eingesetzt hatte.

Bereits mit 17 Jahren gab Hannelore Elsner ihr Filmdebüt als Partnerin an der Seite von Freddy Quinn in Freddy unter fremden Sternen (1959). Im Filmdrama Die endlose Nacht (1963) spielte sie die Rolle eines attraktiven, mittellosen Starlets. In den 1960er- und 70er-Jahren trat sie vermehrt in Unterhaltungsfilmen auf, beispielsweise an der Seite von Peter Alexander in Zum Teufel mit der Penne, mit Beppo Brem in Allotria in Zell am See, neben Hansi Kraus in Die Lümmel von der ersten Bank und in Pepe, der Paukerschreck sowie mit Georg Thomalla in Hurra, wir sind mal wieder Junggesellen!. 1962 sah man sie auch in einem der beliebtesten Volksstücke aus dem Kölner Millowitsch-Theater. Hier spielte sie neben Peter René Körner, Willy Millowitsch und Elsa Scholten in Tante Jutta aus Kalkutta.

Seit den 1960er Jahren spielte sie in zahlreichen Fernsehserien mit, unter anderem in einigen Folgen der Krimiserie Das Kriminalmuseum. 1973 war Elsner in dem DEFA-Film Aus dem Leben eines Taugenichts in der Rolle einer Gräfin zu sehen, wobei sie die erste westliche Darstellerin in einem DEFA-Film war. Von 1983 bis 1997 wirkte sie in mehreren Filmen der Fernsehreihe Tatort mit. Im Tatort: Peggy hat Angst (1983) spielte sie die titelgebende Peggy Karoly.

Von 1994 bis 2006 verkörperte sie in der ARD-Fernsehkrimiserie Die Kommissarin die Kriminalhauptkommissarin Lea Sommer, die in insgesamt 66 Folgen in Frankfurt am Main bzw. Hamburg ermittelte. Für ihre dortige Darstellung wurde sie 1995 als „Beste Darstellerin in einer Serie“ mit dem „Telestar“ ausgezeichnet.

Ihre größten Erfolge feierte Elsner nach einer fünfzehnjährigen Pause mit der Rückkehr auf die Kinoleinwand. Die Rolle der suizidgefährdeten Schriftstellerin Hanna Flanders in Oskar Roehlers Spielfilm Die Unberührbare brachte ihr im Jahr 2000 den Deutschen Filmpreis, den Deutschen Kritikerpreis und den Bayerischen Filmpreis ein. Eine weitere Rolle unter Roehlers Regie hatte sie in dem 2001 gedrehten und 2002 erschienenen Fernsehfilm Fahr zur Hölle, Schwester!, in dem sie die Rolle der Rita, die für den Unfall ihrer Schwester Claire (Iris Berben) verantwortlich gemacht wird und seitdem nur noch Wut für ihre eigene Schwester empfinden kann, spielte. 2003 gewann sie erneut den Deutschen Filmpreis für ihre Rolle in Oliver Hirschbiegels Mein letzter Film, wo sie eine alternde Schauspielerin namens Marie verkörperte. Der Berliner Filmemacher Rudolf Thome besetzte sie in seiner Trilogie „Zeitreisen“ jeweils in der Hauptrolle. In Rot und Blau (2003) spielte sie die Architektin Barbara Bärenklau, in Frau fährt, Mann schläft (2004) war sie die Zahnärztin Dr. Sue Süssmilch und in Rauchzeichen (2006) spielte sie an der Seite von Adriana Altaras die Wirtin Annabella Silberstein.

In der Filmkomödie Alles auf Zucker! (2004) spielte sie Marlene, die Frau des ehemaligen DDR-Sportreporters Jaeckie Zucker (Henry Hübchen). In der Fjodor Dostojewski-Romanverfilmung Die Spielerin (2005) verkörperte sie die Rolle der attraktiven und wohlhabenden Polina Sieveking. In dem Filmdrama Kirschblüten – Hanami (2008) war sie in der Rolle der Trudi Angermeier zu sehen, die nach einer ärztlichen Untersuchung erfahren muss, dass ihr Ehemann schwer krank ist und schließlich bei einem gemeinsamen Ostseeurlaub stirbt. In dem Märchenfilm Dornröschen (2009) spielte sie die dreizehnte Fee Maruna, in Die Bremer Stadtmusikanten (2009) lieh sie der Katze ihre Stimme. In der Filmbiographie Zeiten ändern dich des Musikers Bushido übernahm sie die Rolle seiner Mutter. Von 2010 bis 2013 verkörperte sie die Direktorin Theobald in den Filmen um Hanni & Nanni. In dem ZDF-Fernsehkrimi Kommissarin Lucas – Am Ende muss Glück sein (2011) war sie in der Rolle der Kneipenwirtin Nadja Schumann, die sich nebenbei prostituiert, zu sehen. In Marcus H. Rosenmüllers Spielfilm Wer’s glaubt, wird selig (2012) spielte sie die herrische Schwiegermutter Daisy, die nach ihrem plötzlichen Ableben heilig gesprochen werden soll. In dem ARD-Fernsehfilm Besondere Schwere der Schuld (2014) war sie in der Rolle der Agnes Barner zu sehen, die ihrem Sohn Tom verschweigt, dass sie und ihr Mann Klaus ihn nur großgezogen haben, er aber nicht ihr leibliches Kind ist. In der Tragikomödie Auf das Leben!, die im November 2014 in die deutschen Kinos kam, war sie unter der Regie von Uwe Janson in der Rolle der einsamen, ehemaligen Cabaret-Sängerin Ruth, die durch die Freundschaft zu einem jungen, schwer kranken Mann neuen Lebensmut fasst, zu sehen. In dem ZDF-Sonntagfilm Ein Sommer im Burgenland (Erstausstrahlung: Februar 2015) spielte sie die aus einer Roma-Familie stammt die gebürtige Ungarin Maria, für die ihre Reise ins Burgenland zu einer Reise in die eigene Vergangenheit wird. In Lars Kraumes Fernsehfilm Familienfest (2015) spielte sie Renate, die erste Ehefrau des berühmten Pianisten Hannes Westhoff (Günther Maria Halmer), eine „trinksüchtige Grande Dame“.[3] In Hannas schlafende Hunde (2016) spielte sie die Rolle der Ruth Eberth, deren junge Enkelin ihre Identität nicht verleugnen will. Im Januar 2017 war Elsner in der Fernsehtragikomödie Die Diva, Thailand und wir! in der Hauptrolle zu sehen; sie spielte die 72-jährige Anneliese Behrens, die nach einer Krebsdiagnose von ihrer Familie betreut werden muss.

Daneben arbeitete sie auch als Synchronsprecherin und lieh z. B. Liza Minnelli (u. a. in Cabaret und Pookie) und Fanny Ardant (8 Frauen) ihre Stimme. 1997 wurde Hannelore Elsner der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verliehen, 2006 erhielt sie den Bayerischen Fernsehpreis für ihr Lebenswerk.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elsner war von 1964 bis 1966 mit dem Schauspieler Gerd Vespermann verheiratet. Ab 1973 war Regisseur Alf Brustellin, der 1981 tödlich verunglückte, ihr Partner. 1993 heiratete sie den Theaterdramaturgen und Verlagsleiter Uwe B. Carstensen. Diese Ehe wurde im Jahr 2000 geschieden. Mit dem Regisseur Dieter Wedel hat sie einen Sohn. Einige Jahre lebte sie mit dem Germanistikprofessor Günter Blamberger zusammen.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörbücher (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erinnerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alice Schwarzer: Hannelore Elsner, Schauspielerin in: Alice Schwarzer porträtiert Vorbilder und Idole. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2003, ISBN 978-3-462-03341-0, S. 96–107. (Erstveröffentlichung in EMMA 2/2000)
  • Albert Langen: Langen Müllers Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland, Österreich, Schweiz. Georg Müller Verlag, München, Wien 1986, S. 216, ISBN 3-7844-2058-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hannelore Elsner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Im Gespräch: Hannelore Elsner – Ein Verlassensein im Herzen in: Süddeutsche Zeitung vom 22. Mai 2011; abgerufen am 9. Dezember 2016.
  2. Hannelore Elsner. Interview von Serge Debrebant in: Süddeutsche Zeitung (Heft 08/2008)
  3. Lars Kraumes "Familienfest": Mama ist mal wieder sternhagelvoll. Fernsehkritik. In: SPIEGEL online vom 13. Oktober 2015. Abgerufen am 30. Dezember 2016.