St. Leonhard in Passeier

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St. Leonhard in Passeier
(ital.: San Leonardo in Passiria)
Wappen von St. Leonhard in Passeier
St. Leonhard in Passeier (Südtirol)
St. Leonhard in Passeier
St. Leonhard in Passeier
Lage von St. Leonhard in Passeier in Südtirol
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen (Südtirol)
Bezirksgemeinschaft: Burggrafenamt
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2012)
3.510/3.560
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
98,83 % deutsch
1,05 % italienisch
0,12 % ladinisch
Koordinaten 46° 49′ N, 11° 15′ O46.81694444444411.250277777778689Koordinaten: 46° 49′ N, 11° 15′ O
Meereshöhe: 450–2746 m s.l.m. (Zentrum: 689 m s.l.m.)
Fläche: 88,3 km²
Dauersiedlungsraum: 9,8 km²
Fraktionen: Schweinsteg, St. Leonhard, Walten
Nachbargemeinden: Moos in Passeier, Ratschings, Riffian, St. Martin in Passeier, Sarntal, Schenna
Partnerschaft mit: Fuchsmühl
Postleitzahl: 39015
Vorwahl: 0473
ISTAT-Nummer: 021080
Steuernummer: 82003310214
Politik
Bürgermeister (2010): Oswald Lorenz Tschöll (SVP) †[1]

St. Leonhard in Passeier (italienisch San Leonardo in Passiria) ist eine Marktgemeinde und eine Ortschaft in Passeier in Südtirol (Italien) mit 3560 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012). St. Leonhard liegt auf einer Höhe von 689 m.ü.d.M. und grenzt an die Gemeinden Moos und St. Martin in Passeier.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

St. Leonhard liegt am Fuße des Jaufen an der Einmündung des Waltenbaches in die Passer. Dabei bildet die Passer, die westlich des Ortes fließt und an dieser Stelle einen Knick aus der strikten Süd-Nord-Richtung in eine Ost-West-Rechtung macht, eine Grenze zum Gebiet der Gemeinde St. Martin in Passeier. Westlich und südlich der Passer gelegene Höfe gehören zu St. Martin, obwohl sie geographisch nur einen Steinwurf entfernt vom Ortszentrum St. Leonhard liegen.

Im Sommer kann St. Leonhard über das Timmelsjoch (Staatsstraße 44 bis) von Österreich aus und über den Jaufenpass (Staatsstraße 44) von Sterzing aus erreicht werden. Weiter ist St. Leonhard von Meran aus durch das gesamte vordere Passeiertal aufwärts über die Staatsstraße 44 zu erreichen. Die Verbindung über Meran ist im Winter, wenn bei ungünstigen Wetterverhältnissen auch der Jaufenpass gesperrt werden muss, zeitweise die einzige mögliche Verbindung.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Neben dem Hauptort umfasst die Gemeinde St. Leonhard die Ortschaften Walten, Schweinsteg, Prantach, Mörre, Gomion, Glaiten und Schlattach.

Geschichte[Bearbeiten]

St. Leonhard im Passeiertal Richtung Meran

St. Leonhard entstand aus einer Pfarrei, die Bischof Gebhard von Trient 1116 weihte und die Kaiser Friedrich II. 1219 dem Deutschen Orden schenkte. Sie reichte ursprünglich vom Timmelsjoch bis zum heutigen Schenna. Die Deutschordensritter bauten an der Kirche ein Pilgerhospiz; die Dorfgemeinde entwickelte sich um diese Keimzelle.

Der Schutzpatron Leonhard von Limoges ist der Patron der Bauern und Knechte, Tagelöhner und Fuhrleute, Schmiede, Schlosser und Händler – Berufsstände, die diese Gegend bis ins 19. Jahrhundert dominierten. Gamssteige wurden zu Schmugglerwegen im Handel zwischen Österreich und Italien. Auch der berühmteste Sohn des Ortes, der Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer vom Sandwirt, war Viehhändler; hier wurden die Pferde gewechselt beim Transport von Handelswaren aller Art über die Grenzen.

Seit dem 20. Jahrhundert zog der Tourismus als neuer Wirtschaftszweig in St. Leonhard ein. Durch die zentrale Lage in Passeier hat sich der Ort nicht nur zum verwaltungstechnischen Zentrum des Tales, sondern auch zum Zentrum des Fremdenverkehrs entwickelt. Um den historischen Ortskern sind zahlreiche Hotels mittlerer Größe und Familienpensionen entstanden, die sich in die noch dörfliche Atmosphäre des Ortes harmonisch integrieren. Eine bedeutende Rolle spielen Durchgangs-Rucksacktouristen, die den Ort beispielsweise auf dem Europäischen Fernwanderweg E5 durchqueren oder ihn als Einstiegsbasis zum Meraner Höhenweg nutzen. Durch den Bau einer Umgehungsstraße für den Durchgangsverkehr zum Jaufenpass und zum Timmelsjoch ist die infrastrukturelle Situation und Lebensqualität des Ortskerns in St. Leonhard im 21. Jahrhundert verbessert worden.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche und Widum von Osten

Sehenswürdigkeiten im Hauptort[Bearbeiten]

  • Von der ursprünglichen romanischen Kirche steht nur noch der untere Teil des Turms. An seiner Ostseite ist noch Bauplastik aus dieser Zeit (ein Dämonenkopf) zu erkennen. Der heutige Bau ist gotisch mit zweischiffigem Langhaus, Spitzbogenfenstern, Kreuzgewölben und polygonalem Chor. Im 18. Jahrhundert wurde das Innere barockisiert. Ein spätgotischer Flügelaltar von Hans Klocker, das kunsthistorisch wertvollste Ausstattungsstück, wurde entfernt, seine Skulpturen verstreut und durch Werke der Passeirer Malerschule der Nachbargemeinde St. Martin und ihrer Zeitgenossen aus anderen Gebieten Tirols ersetzt. Hochaltar und Kanzel stammen aus dem 19. Jahrhundert. Erhalten aus der gotischen Zeit sind die floralen Gewölbedekorationen im Chor (1583) sowie ein Taufstein (datiert 1545) mit Passeirer Wappen.
  • Die St. Georgs-Kapelle auf dem Friedhof ist ein gotischer Bau mit Dachreiter. Die Ausstattung stammt aus dem 20. Jahrhundert.

Sehenswürdigkeiten außerhalb des Hauptortes[Bearbeiten]

Geburtshaus von Andreas Hofer[Bearbeiten]

Gasthaus Sandwirt

Außerhalb des Ortskernes von St. Leonhard an der SS 44 in Richtung St. Martin befindet sich das Gasthaus Sandwirt, das Geburtshaus von Andreas Hofer. Dazu gehören auch die beiden sogenannten Kapellen am Sand:

  • zum einen eine frühbarocke Nachbildung des Heiligen Grabes von Jerusalem, die der Großvater von Andreas Hofer, der ins Heilige Land gepilgert war, 1698 hatte errichten lassen
  • zum anderen die Hofer-Gedächtniskapelle, eine Gedenkkapelle von 1883/84, ein neoromanischer Kreuzkuppelbau aus Granit mit Historiengemälden von Edmund von Wörndle, Szenen aus dem Leben Andreas Hofers darstellend[2][3]

Im Jahre 2002 wurde in den Stallungen des Sandhofes der Gedenkraum zu Ehren Andreas Hofers zu einem modernen Museum ausgebaut. Im Zuge der Um- und Ausbauarbeiten wurde das Heimatmuseum integriert, welches bis dahin in St. Martin in Passeier zu finden war, und zusätzlich ein großer Freilichtbereich angelegt. Dieser zeigt einen typischen Passeirer Haufenhof. Die Gebäude, die sich dort befinden, sind zwischen dem 15. Jahrhundert und 1920 entstandene Originalbauten, die teilweise an ihrem ursprünglichen Standort bis vor einer Generation bewohnt waren. Das Museum tritt seit dieser Zeit unter den Namen MuseumPasseier auf.

Im Jahre 2008 wurde der Andreas-Hofer-Bereich des Museums abermals umgebaut. Dadurch wurde für das Gedenkjahr 200 Jahre Tiroler Freiheitskampf Platz für alle neuen Erkenntnisse um die Person des Sandwirtes geschaffen.

Jaufenburg und Heiligkreuzkapelle[Bearbeiten]

Im Turm der mittelalterlichen Jaufenburg oberhalb des Ortes ist eine Außenstelle des MuseumPasseier eingerichtet. Die unterhalb der Burg liegende spätgotische Kapelle (1531) enthält Fresken aus der Entstehungszeit und ein Ölbild mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts von Benedikt Auer (1816), einem Vertreter der Passeirer Malerschule. Die Kapelle beherbergte früher auch eine spätgotische Kreuzigungsgruppe von Hans Leininger (1525) sowie weitere Skulpturen, die ins Diözesanmuseum Brixen verbracht wurden.

Kapelle St. Hippolyt in Glaiten[Bearbeiten]

Die Kapelle St. Hippolyt in Glaiten Passeiertal

Die Kapelle St. Hippolyt spätromanischen Ursprungs (Ersterwähnung 1380) liegt in der Fraktion Glaiten auf etwa 1000 Meter Seehöhe. Sie ist vom Ortskern aus sichtbar. Erreichbar ist die Kapelle nur zu Fuß. Allerdings kann bis auf einen Kilometer über die Jaufenpassstraße herangefahren werden. Von St. Hippolyt aus kann man das ganze Passeiertal bis nach Meran überblicken.

Die Kapelle enthält Fresken mit Szenen aus dem Leben des Heiligen aus der Entstehungszeit, die ikonographisch Seltenheitswert besitzen, weil sie sich nicht auf den Bischof Hippolyt, sondern den legendären römischen Kerkermeister gleichen Namens beziehen. Weitere Freskenfragmente stellen das Jüngste Gericht und eine Marienkrönung dar.

Ein Ölbild, datiert 1616 oder 1646, wird Christoph Dax aus Innsbruck zugeschrieben; sein Thema ist die Marter des Hl. Hippolyt, von einem Pferd zu Tode geschleift.

Schildhof und Kirche in Gomion[Bearbeiten]

In der Fraktion Gomion steht einer der 11 in Passeier erhaltenen Schildhöfe. Mit diesem wurde 1478 nach dem Erlöschen der Camianer Georg von Annenberg belehnt.

Gegenüber dem Schildhof befindet sich die einschiffige Kirche Maria Lourdes (1891) mit holzgeschnitzter Madonna aus St. Ulrich in Gröden.

Wallfahrtskapelle in der Mörre[Bearbeiten]

In der Fraktion Mörre liegt die 1848 erbaute Kapelle exponiert in ca. 700 m Höhe über dem Passeiertal. Sie enthält barocke Skulpturen und ein Votivbild der Passeirer Malerschule.

Freizeiteinrichtungen[Bearbeiten]

St. Leonhard besitzt eine Tennishalle und ein Freibad, zwei Reitställe und einen Fahrradverleih.

Der anspruchsvolle 18-Loch Golfplatz befindet sich in der Fraktion Prantach. Die einfachste Zufahrt führt über die Gemeinde St. Martin in Passeier. Da der Platz aber östlich der Passer liegt, befindet sich die Anlage auf dem Gemeindegebiet von St. Leonhard.

Politik[Bearbeiten]

Die Bürgermeister seit 1927[Bearbeiten]

Faschistische Amtsbürgermeister (podestà) und kommissarische Bürgermeister:

  • 1927–1934 Umberto Mattiussi
  • 1934–1935 Giovanni Galletti
  • 1935 Diego Vesi
  • 1935–1936 Sebastiano Renda
  • 1936 Ennio Albieri
  • 1936–1938 Silvio Battistella
  • 1938–1945 Matthias Raffl sen.
  • 1945–1952 Eduard Delucca

Gewählte Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg:

  • 1952–1960 Johann Delucca
  • 1960–1975 Josef Tschöll
  • 1975–1990 Matthias Raffl jun.
  • 1990–2010 Konrad Pfitscher
  • 2010–2014 Oswald Lorenz Tschöll †

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: Im schwarzen Wappenschild eine eingebogene goldene Spitze.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

St. Leonhard ist der Geburtsort Andreas Hofers. Des Weiteren wurde der Nordpolfahrer Johann Haller am 30. Juni 1844 in St. Leonhard in Passeier geboren, ebenso wie der Gämsenjäger Josef Pichler (genannt Pseirer Josele), dem im Jahr 1804 im Auftrag des Erzherzogs Johann von Österreich die Erstbesteigung des Ortlers gelang.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gruber, Karl: Die Kirchen von St. Leonhard in Passeier, Tappeiner Verlag, Lana 1993, mit weiteren Literaturnachweisen S. 49

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Leonhard in Passeier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bürgermeister von St. Leonhard tot aufgefunden, stol.it
  2. Hofer-Gedächtniskapelle, museum.passeier.it;
  3. Andreas Hofer Denkmalkirche, sagen.at