Laas (Südtirol)

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Laas
(italienisch: Lasa)
Wappen von Laas
Laas (Südtirol)
Laas
Laas
Lage von Laas in Südtirol
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen (Südtirol)
Bezirksgemeinschaft: Vinschgau
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2012)
3.933/3.967
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
98,09 % deutsch
1,67 % italienisch
0,4 % ladinisch
Koordinaten 46° 37′ N, 10° 42′ O46.61666666666710.7868Koordinaten: 46° 37′ N, 10° 42′ O
Meereshöhe: 832–3545 m s.l.m. (Zentrum: 868 m s.l.m.)
Fläche: 110,1 km²
Dauersiedlungsraum: 19,8 km²
Fraktionen: Allitz, Eyrs, Laas, Tanas, Tarnell, Tschengls, Parnetz
Nachbargemeinden: Mals, Martell, Prad am Stilfserjoch, Schlanders, Schluderns, Stilfs
Postleitzahl: 39023
Vorwahl: 0473
ISTAT-Nummer: 021042
Steuernummer: 82007330218
Politik
Bürgermeister (2010): Andreas Tappeiner (SVP)

Laas (italienisch Lasa) ist eine Gemeinde mit 3967 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) im Südtiroler Vinschgau (Italien). Hauptort ist das gleichnamige Dorf, das vor allem für den Laaser Marmor bekannt ist.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Laas im Jahr 2006

Die Gemeinde besteht aus dem Hauptort Laas und den Fraktionen Allitz, Eyrs, Parnetz, Tschengls, Tanas und Tarnell. Der Hauptort liegt an der Etsch am Eingang des Laasertales zwischen dem nördlich gelegenen Sonnenberg und dem Nördersberg genannten Südhang des Vinschgaus an der Staatsstraße SS 38 und ist eine Haltestelle der 2005 wiedereröffneten Vinschgerbahn. Eyrs befindet sich westlich davon. Allitz und Tannas liegen auf dem Sonnenberg, während Parnetz, Tarnell und Tschengls auf sogenannten Rodungsinseln auf Mittelgebirgsterrassen des Nörderbergs angesiedelt sind. Das von Schwemmkegeln dominierte Landschaftsbild wurde durch Hochwasser und Erdrutsche hervorgerufen.

Klima[Bearbeiten]

Das Klima ist durch geringe Niederschlagsmengen und dadurch bedingte Trockenheit geprägt.

Ortsname[Bearbeiten]

Laas wurde urkundlich erstmals 1209 als Laz erwähnt. Der Ursprung des Namens ist nicht eindeutig geklärt. Eine mögliche Erklärung liegt in der Rückführung auf eine vorromanische Bezeichnung für Gestein, Schottergeschiebe oder Schuttkegel, eine andere Deutung bezieht sich auf einen angenommenen ehemaligen, von der Etsch gebildeten See (lat. lacus).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

„Kandlwaal“ in Laas

Historisches Aquädukt[Bearbeiten]

Die als „Kandlwaal“ bezeichnete Holzrinne war einst Teil des aus Waalen bestehenden Bewässerungssystems. Das 600 m lange hölzerne Aquädukt überquerte die Etsch auf 32 bis zu 15 m hohen Steinpfeilern. 1907 wurde der Kandlwaal von einem Brand zerstört. Teile davon sind heute noch zu sehen.

Pfarrkirche St. Johannes der Täufer

Pfarrkirche zum Hl. Johannes dem Täufer[Bearbeiten]

Die aus dem 12. Jahrhundert stammende romanische Apsis wurde 1973 mit aufgefundenen originalen Teilen rekonstruiert. Sie ist durch Halbsäulen und Fenster gegliedert, die von Adler- und Blattkapitellen verziert werden. Figurale Reliefs von Löwen und Heiligen zieren den Rundbogenfries. Der ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert stammende romanische Turm hat gekuppelte und darüber dreiteilige Rundbogenfenster. Im Inneren befindet sich eine frühmittelalterliche Altarmensa mit einem Relief der Märtyrer Sisinus, Alexander und Martyrius. Das Taufbecken stammt aus dem späten 15. Jahrhundert, das Hochkruzifik entstand um 1500. Das Langhaus der Pfarrkirche ist ein Neubau aus dem Jahr 1849.

St.-Sisinus-Kirchlein[Bearbeiten]

Die dem Nonsberger Märtyrer Sisinus geweihte kleine Kirche befindet sich auf einem flachen Hügel im Westen des Hauptortes. Der Bau ist von einer mit einer gotischen Spitzbogentür versehenen Steinmauer umgeben. Urkundlich wurde die Kirche 1290 erwähnt, sie ist aber vermutlich um einiges älter. Das Kirchenschiff weist zwei rundbogige romanische Schlitzfensterchen auf, eines davon an der Ostwand. Der massive Chorturm hat gekuppelte Rundbogen-Schallfenster mit derben Säulchen und Kämpfern, der niedrige, gemauerte Viereck-Turmhelm stammt aus dem 11. od. 12. Jahrhundert.[1]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Das Marmorwerk in Laas
Der Bahnhof der Vinschgerbahn in Laas

Die Marmorvorkommen im Laasertal wurden vermutlich bereits in der Römerzeit abgebaut, die systematische Gewinnung begann jedoch erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach der Annexion Südtirols durch Italien eröffnete die Lasa Marmo SPA 1929 die Laaser Marmorbahn, mit der der Marmor heute noch aus 1550 Metern Höhe ins Tal gebracht wird. Mittels einer Seilbahn überwinden die Blöcke als erstes eine Schlucht. Danach werden sie durch Gleistransport den Berg entlang zu einer Standseilbahn, der Laaser Schrägbahn, geführt, mit der sie dann zum Marmorwerk im Tal gebracht werden.

Es gibt heute im Hauptort noch zwei marmorverarbeitende Betriebe sowie zwei Bildhauer. Ein weiterer marmorverarbeitender Betrieb steht in der Fraktion Eyrs. 1982 wurde die Berufsfachschule für Steinbearbeitung in Laas wiedergegründet. Seit 2000 wird der Laaser Marmor auch durch das Ausstellen marmorner Kleinkunstwerke im Rahmen des jährlich stattfindenden Laaser Kulturfests marmor & marillen ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. In der Talsohle befindet sich ein ausgedehntes Obstbaugebiet. Zwei große Obstgenossenschaften sorgen für die Lagerung und den Verkauf von Marillen, Äpfeln, Karfiol und anderem Gemüse.

In Laas liegen Teile des Wasserkraftwerks Kastelbell[2]. Hier wird durch eine Wehranlage die Etsch gestaut. 294 m tiefer, in Kastelbell, werden mit drei Francisturbinen 60 MWatt mittlere elektrische Leistung gewonnen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Josef Weingartner: Die Kunstdenkmäler Südtirols. Athesia-Verlag, Bozen 1985
  • Rudolf Gurschler: Streifzüge durch den Vinschgau. Schlanders 1994
  • Josef Rampold: Vinschgau. Athesia-Verlag, Bozen 1996
  • Walter Pippke und Ida Leinberger: Südtirol: Landschaft und Kunst einer Gebirgsregion unter dem Einfluß nord- und südeuropäischer Traditionen. DuMont Buchverlag, Köln 2000
  • Hubert Tscholl und Wolfgang Morscher: Die Laaser Marmorbahn - ein Meisterwerk der Technik. Studien-Verlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2009. ISBN 978-3-7065-4800-7
  • Toni Bernhart: Das Laaser Spiel vom Eigenen Gericht (Transfer Europa 103). Folio-Verlag, Wien/Bozen 2010. ISBN 978-3-85256-535-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Laas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Josef Weingartner: Die Kunstdenkmäler Südtirols Bd II, 7. Auflage, Athesia, Bozen S. 846
  2. Das Wasserkraftwerk von Kastelbell, abgerufen am 31. März 2010