Branzoll

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Branzoll in Südtirol; zur gleichnamigen Befestigung bei Klausen siehe Burg Branzoll.
Branzoll
(ital.: Bronzolo)
Wappen von Branzoll
Branzoll (Südtirol)
Branzoll
Branzoll
Lage von Branzoll in Südtirol
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen (Südtirol)
Bezirksgemeinschaft: Überetsch-Unterland
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2012)
2.631/2.646
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
37,34 % deutsch
62,01 % italienisch
0,65 % ladinisch
Koordinaten 46° 24′ N, 11° 19′ O46.40390911.321046236Koordinaten: 46° 24′ N, 11° 19′ O
Meereshöhe: 223–263 m s.l.m. (Zentrum: 236 m s.l.m.)
Fläche: 7,45 km²
Dauersiedlungsraum: 4,5 km²
Nachbargemeinden: Aldein, Leifers, Deutschnofen, Auer, Pfatten
Postleitzahl: 39051
Vorwahl: 0471
ISTAT-Nummer: 021012
Steuernummer: 00562710210
Politik
Bürgermeister (2010): Zito Benedetto (Democratici di Centro Bronzolo)

Branzoll (italienisch Bronzolo) ist eine Gemeinde mit 2646 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) im Südtiroler Unterland in Italien etwa 13 km südlich von Bozen. Die Mehrheit der Bevölkerung spricht Italienisch als Muttersprache.

Geographie[Bearbeiten]

Branzoll von Nordwesten gesehen, dahinter das Tal des Aldeiner Bachs

Branzoll befindet sich im Unterland, einem von Bozen bis zur Salurner Klause reichenden Abschnitt des Etschtals im Süden Südtirols. Das 7,45 km² große Gemeindegebiet erstreckt sich auf der orographisch linken (östlichen) Seite der Etsch zwischen Leifers im Norden und Auer im Süden. Das Gemeindezentrum (220–280 m s.l.m.) liegt auf einem Schwemmkegel, wo der Aldeiner und der Petersberger Bach von Osten aus den Fleimstaler Alpen kommend die Unterlandler Talsohle erreichen. Hinter dem Dorf steigt das Gemeindegebiet zum das Unterland ostseitig flankierenden Regglberg an, dessen den Talboden überragenden Kuppen (von Norden nach Süden) Judenberg, Rosssprung und Göller genannt werden. In diesen bewaldeten Höhen stößt Branzoll an die Regglberger Nachbargemeinden Deutschnofen und Aldein. Im Westen bildet der Verlauf der Etsch die Grenze zur Gemeinde Pfatten.

Geschichte[Bearbeiten]

Branzoll wird erstmals 1181 als Branzol erwähnt. Der Name leitet sich vom germanischen Personennamen Berinza ab. Das Dorf wurde - ähnlich wie die Nachbarorte Leifers und Auer - auf einem breiten Schuttkegel errichtet, um den Gefahren der ursprünglich sehr häufig auftretenden Etschhochwässer auszuweichen.[1] Die Gemeinde gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zum Gerichtsbezirk Neumarkt in Tirol und war Teil des Bezirks Bozen.

Bis in das 19. Jahrhundert hinein bildeten Viehzucht und Weinanbau die wirtschaftliche Grundlage der Bevölkerung. Zusätzlich wurde bis etwa 1880 Holz von den Deutschnofner Höhen herabgeliefert und am Ausgang des Aldeiner Baches zum Verkauf angeboten. Dort wurden große Mengen von norditalienischen Holzhändlern erworben, die es von der Branzoller Lende aus auf der Etsch in Richtung Verona verflößten. Branzoll bildete den nördlichsten Punkt von Italien aus, der für die Schiffahrt erreichbar war. Hieraus ergab sich die Bedeutung als wichtiger Warenumschlagplatz. Auch der Porphyrabbau hatte für lange Zeit eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung, die bis in die heutige Zeit hinein reicht.[2][3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Alte Pfarrkirche St. Leonhard

Branzoll besitzt neben der historischen Pfarrkirche St. Leonhard auch eine neuere Kirche, die dem hl. Herzen Jesu gewidmet ist. Sie wurde im Jahr 1896 im neuromanischen Stil erbaut, als die alte Kirche zu klein geworden war. Die alte, spätgotische St.-Leonhards-Kirche steht etwa 100 Meter südlich der neuen Kirche. Sie wurde in der Zeit um 1500 errichtet, wobei der romanische Turm noch von dem Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert stammt, welcher durch den jetzigen ersetzt worden ist. Sehenswert im Inneren der Kirche ist der auf das Jahr 1585 datierte Taufstein aus weißem Marmor.[4]

Palais Thomsen

Weiters wird das Dorfbild durch einige, für das Unterland typische Ansitze geprägt. Bemerkenswert ist das Palais Thomsen, in dessen Innenhof sich ein achteckiger Brunnen aus Trientner Marmor aus dem Jahr 1849, sowie drei hohe Zedern befinden.

Heimatbühne Branzoll[Bearbeiten]

Eine wichtige Rolle im kulturellen Leben der deutschen Sprachgruppe im Dorf spielt die Heimatbühne Branzoll. Sie wurde 1954 auf Initiative von Rudi Christoforetti mit dem Ziel gegründet, einen Kulturträger für die deutschsprachige Kultur zu schaffen.[5] Als erste Wanderbühne Südtirols tourte sie auch durch Deutschland und spielte u. a. in München, Nürnberg und Erlangen. Der Erlös der Deutschlandtourneen wurde für die Finanzierung des deutschsprachigen Kindergartens von Branzoll verwendet.[6] 1960 wurde das erste Puppentheaterspiel aufgeführt.[7] Nach der vorläufigen Einstellung der Theateraufführungen 1969 und einer Pause von 25 Jahren wurde die Heimatbühne 1994 wiedergegründet und bringt seither wiederum volkstümliches Theater zur Aufführung.[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Branzoll – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bruno Mahlknecht: Leifers Branzoll Pfatten. Südtiroler Gebietsführer, Band 14. Athesia, Bozen 1977. S. 19.
  2. Bruno Mahlknecht: Leifers Branzoll Pfatten. Südtiroler Gebietsführer, Band 14. Athesia, Bozen 1977. S. 22-26.
  3. Branzoll bei Geschichte Tirol
  4. Bruno Mahlknecht: Leifers Branzoll Pfatten. Südtiroler Gebietsführer, Band 14. Athesia, Bozen 1977. S. 74-75.
  5. Günther Pallaver: So ein Theater! Tourneen, Operetten, Puppenspiele. 50 Jahre Heimatbühne Branzoll. Eine Chronik zwischen Kultur und Politik. Edition Raetia, Bozen 2004. S. 20.
  6. Günther Pallaver: So ein Theater! Tourneen, Operetten, Puppenspiele. 50 Jahre Heimatbühne Branzoll. Eine Chronik zwischen Kultur und Politik. Edition Raetia, Bozen 2004. S. 29-42.
  7. Günther Pallaver: So ein Theater! Tourneen, Operetten, Puppenspiele. 50 Jahre Heimatbühne Branzoll. Eine Chronik zwischen Kultur und Politik. Edition Raetia, Bozen 2004. S. 69.
  8. Günther Pallaver: So ein Theater! Tourneen, Operetten, Puppenspiele. 50 Jahre Heimatbühne Branzoll. Eine Chronik zwischen Kultur und Politik. Edition Raetia, Bozen 2004. S. 105-113.