Terenten

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Terenten
(ital.:Terento)
Wappen von Terenten
Terenten (Südtirol)
Terenten
Terenten
Lage von Terenten in Südtirol
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen (Südtirol)
Bezirksgemeinschaft: Pustertal
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2013)
1.733/1.735
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
99,40 % deutsch
0,54 % italienisch
0,06 % ladinisch
Koordinaten 46° 50′ N, 11° 47′ O46.83333333333311.7833333333331210Koordinaten: 46° 50′ N, 11° 47′ O
Meereshöhe: 1210 m s.l.m.
Fläche: 42,52 km²
Dauersiedlungsraum:  km²
Fraktionen: Pichlern
Nachbargemeinden: Mühlwald, Kiens, Vintl
Partnerschaft mit: Edermünde/Hessen
Postleitzahl: 39030
Vorwahl: 0472
ISTAT-Nummer: 021096
Steuernummer: 81004010211
Politik
Bürgermeister (2010): Dr. Manfred Schmid (SVP)

Terenten (italienisch Terento) ist eine auf einem Hochplateau über dem Pustertal gelegene Gemeinde mit 1735 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) in Südtirol (Italien).

Geografie[Bearbeiten]

Die Lage von Terenten im unteren Pustertal

Die Gemeinde Terenten, insgesamt 42,52 km² groß, befindet sich im unteren Pustertal in Südtirol, etwa auf halbem Weg zwischen den Städten Bruneck und Brixen. Das Gemeindegebiet umfasst eine Mittelgebirgsterrasse auf der Sonnenseite des in Ost-West-Richtung verlaufenden Pustertals sowie die sich nördlich dahinter erhebenden Berge. Das Gemeindezentrum Terenten (1160–1270 m s.l.m.), die Fraktion Pichlern etwas östlich davon sowie zahlreiche weitere Weiler (darunter Pein, Margen, Hohenbühl, Holderloch, Talson, Sonnberg, Ast, Schneeberg und Lehen) liegen allesamt auf der Siedlungsterrasse verstreut. Im Süden bildet die Geländestufe, die zum Pusterer Talboden bei Obervintl und St. Sigmund abfällt, die Gemeindegrenze zu Vintl und Kiens. Im Westen endet Terenten über dem Eingang des zu Vintl gehörenden Pfunderer Tals, im Osten nahe der zu Kiens gehörenden, ebenfalls erhöht über dem Pustertal liegenden Fraktion Hofern.

Hinter den Siedlungsflächen steigt das Gemeindegebiet zu den Bergen der südlichen Zillertaler Alpen an, darunter zum Kamm, der das untere Pustertal vom Mühlwalder Tal trennt und die Gemeindegrenze zu Mühlwald trägt. Gegliedert wird das Gebiet durch zwei von der Mittelgebirgsterrasse ansteigende Täler: das Terner Tal (auch Terentental) und das Winnebachtal. Zu den bedeutendsten Gipfeln Terentens zählen die Eidechsspitze (2738 m), die Hochgrubbachspitze (2809 m), der Graunock (2827 m) und die Kempspitze (2704 m).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Terenten leitet sich aus dem lateinischen "torrens" oder "torrentis" (= Wildbach, Sturzbach) ab. Mit dieser Bezeichnung wird wahrscheinlich dem Umstand Rechnung getragen, dass die ursprüngliche Siedlung zwischen zwei Bächen, dem Terner- und dem Winnebach, gelegen ist. Diese Ortsbezeichnung ist also romanischen Ursprungs und weist damit auf die vordeutsche Siedlungstätigkeit hin. Um die Jahrtausendwende wurden diese romanischen Ortsnamen durch eine althochdeutsche Lautform bzw. durch althochdeutsche Endungen ersetzt. Die Endungen -um und -un (Torentum oder Torentun) werden schließlich zum heutigen -en.

Um 993/94–1005 wird Terenten erstmals urkundlich erwähnt. Die Nennung findet sich in einem Traditionsbuch des Bistums Freising. Graf Otto übergibt dem Bischof Gottschalk von Freising viele Güter in Südtirol, darunter auch "in monte Tôrento hobas IIII" (= 4 Höfe in Terenten).[1] Die nächste Nennung stammt aus der Zeit zwischen 1115 und 1125: Die Brüder Heinrich und Morhart schenken dem Domkapitel von Brixen "predium in monte Torentum situm" (= ein Gut, gelegen auf dem Berg Terenten). In anderen Quellen des Mittelalters ist die Rede von Torenten, von Torentum mons, Torent oder Torend, Torinten, Thorente, Torenden usw.

Die ersten Hofstätten wurden zur Zeit der bajuwarischen Besiedlung des Pustertales, im 6. Jh. n. Chr., errichtet. Man besiedelte zunächst die günstigeren Lagen und stieß dann durch Rodung bis an die Waldgrenze vor; die Rodungsarbeit wurde etwa um 1350 abgeschlossen. Die Besiedlung erfolgte wahrscheinlich durch eine ganze Siedlerschaft (nicht von einem einzigen Hof aus), und zwar entlang der heutigen Hauptstraße. Größere Siedlungseinheiten sind zum Teil heute noch erkennbar durch die Eschenumzäunung. In späterer Zeit entstanden die Höfe an den Randlagen, die im Mittelalter zumeist als Lehensgüter aufscheinen. So entstand das Terenten kennzeichnende Bild einer Streusiedlung, das so typisch bajuwarisch ist.

Seit dem 14. Jahrhundert, genauer seit 1425, gehörte Terenten zum Gericht Schöneck (früher Gericht Rodeneck), dem Verwaltung und Gerichtsbarkeit für mehrere Unterpustertaler Gemeinden oblagen. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts der administrative und judikative Bereich im Sinne der Gewaltenteilung getrennt wurde, kam Schöneck unter staatliche Verwaltung. Anstelle der Gerichte entstanden als staatliche Verwaltungseinheiten die Gemeinden. Seit 1811 wurden Gemeinderäte und -ausschüsse gewählt. Der erste Gemeindevorsteher in Terenten war Georg Engl, Hasenwirt, der 1821 urkundlich genannt ist.

1850 erfolgte die Eingemeindung von Margen. 1929, zur Zeit des Faschismus, wurde in Rom die Fusion der Gemeinden Terenten und Pichlern beschlossen. Bis zu diesem Zeitpunkt war Pichlern eine eigenständige Gemeinde. 1968 erfolgte die Aufnahme der Gemeinde Terenten in die Talgemeinschaft Pustertal, heute Bezirksgemeinschaft Pustertal.

Wappen[Bearbeiten]

Seit 1969 führt die Gemeinde ein eigenes Wappen. Es weist einen "in Rot nach Rechts stehenden Karrenpflug" auf. Das Wappen trägt dem ausgedehnten Feldbau in Terenten Rechnung. Das Wappen wurde 1969 vom Gemeinderat genehmigt. Der Regionalausschuss erteilte seine Zustimmung.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die letzten Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen wurden am 16. Mai 2010 abgehalten. Dabei gingen 12 Sitze an die bisher allein regierende Südtiroler Volkspartei (SVP). 3 Sitze gingen an die Liste der Freiheitlichen, die zum ersten Mal bei Gemeinderatswahlen in Terenten angetreten sind. Im Gemeinderat von Terenten gibt es somit zum ersten Mal 2 Fraktionen. Die Amtsdauer der Gemeinderäte beträgt 5 Jahre.

Gemeindeausschuss[Bearbeiten]

Der Gemeindeausschuss besteht aus 5 Mitgliedern: Bürgermeister, Vize-Bürgermeister und 3 Referenten (in der Regel Mitglieder des Gemeinderates). Den Gemeindeausschuss für die Legislaturperiode 2010–2015 bilden folgende Personen:

  • Dr. Manfred Schmid, Bürgermeister, SVP
  • Reinhold Weger, Vize-Bürgermeister, SVP
  • Claudia Fink, Gemeindereferentin, SVP
  • Michael Schmid, Gemeindereferent, SVP
  • Paul Moser, Gemeindereferent, SVP

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Wirtschaft in Terenten ist geprägt durch die jahrhundertealte Tradition in der Landwirtschaft. Noch heute bearbeiten weit über hundert landwirtschaftliche Betriebe Grund und Boden. Im Mittelpunkt stehen dabei heute vor allem die Viehwirtschaft und die Milchwirtschaft. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten wurde vor allem Getreide angebaut und in den vielen Mühlen zu Mehl verarbeitet. Viele der Mühlen, vor allem jene am Terner Bach, sind heute noch erhalten. Diese bäuerliche Tradition soll mit der Initiative "'s Terner Schmelzpfandl" wieder belebt, und der Bevölkerung zugänglich gemacht werden.

Zudem ist in den letzten Jahrzehnten eine rege Handwerkstätigkeit in Terenten entstanden. Voraussetzung dafür war die Erschließung der Gemeinde durch die Pustertaler Sonnenstraße (Vintl - Terenten - Pfalzen). Heute bieten die vielen Betriebe, vor allem in den Sektoren Bauwirtschaft und Holzwirtschaft, in den Handwerkerzonen Terenten und Pichlern vielen Einheimischen und Pendlern Arbeit und tragen zum wirtschaftlichen Wohlstand in Terenten bei.

Sehr große Bedeutung hat, wie in fast allen Gemeinden Südtirols, der Tourismus. Eine Vielzahl an Hotels, Pensionen und privaten Zimmervermietern bieten verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten an.

Bildung[Bearbeiten]

In Terenten befindet sich eine Grundschule, die dem deutschen Schulsprengel der Nachbargemeinde Vintl angeschlossen ist.[2]

Bedeutende Persönlichkeiten aus Terenten[Bearbeiten]

  • Dr. Simon Aichner, Fürstbischof von Brixen
  • Generalvikar Dr. Franz Schmid
  • Domdekan Josef Schmid: Josef Schmid kam am 26. Februar 1810 als Sohn des Michael Schmid, Wiedenhofbauer in Terenten, zur Welt. Weil er in der Volksschule schon große Begabung zeigte, schickte man ihn in Gymnasium nach Brixen, wo er auch Theologie studierte. Im Jahr 1835 empfing er die Priesterweihe. Nachdem er viele Jahre in der Seelsorge tätig war, berief man ihn 1874 ins Domkapitel nach Brixen, in dem er bis zum Domdekan vorrückte. Er starb am 21. März 1886.
Dorfzentrum von Terenten
  • Dr. Georg Schmid, Dompropst: Georg Schmid kam am 4. April 1856 als Sohn des Raffaltbauern in Terenten zur Welt. Er studierte am Vinzentinum und Priesterseminar in Brixen und wurde am 25. Juli 1880 zum Priester geweiht. Zunächst wirkte er als Kooperator in verschiedenen Pfarreien, bis er 1892 nach Rom ging und das Doktorat in Theologie und Kirchenrecht erwarb. Im Jahre 1895 erhielt er die Pfarre St. Jakob am Arlberg, 1899 wurde er Pfarrer und Dekan in Stilfes, als welcher er 15 Jahre erfolgreich wirkte. In dieser Zeit beschäftigte er sich auch mit archivalischen Studien; er veröffentlichte die Urkunden- und Aktenregesten aus dem Dekanats-Archiv Stilfes von 1300 bis zum Jahre 1810. Im Jahre 1914 wurde er Dekan der Pfarre Brixen. Am 1. Februar 1925 wurde Dr. Georg Schmid zum Dompropst in Brixen ernannt. Am 1. September 1933 verschied er in Brixen.
Pfarrkirche zum Heiligen Georg
  • P. Franz S. Mayr: Zu den großen Männern von Terenten, die es zu hohem Ansehen gebracht und einflussreiche Ämter bekleidet haben, muss mit Recht auch P. Franz S. Mayr, OSB, gezählt werden, der es in Afrika bis zur verantwortungsvollen Stelle eines Apostolischen Präfekten brachte. Am 12. August 1867 hat er beim Moser in Pein das Licht der Welt erblickt. Weil er in der Volksschule besonderes Talent verriet, schickte ihn der damalige Seelsorger ins Vinzentinum nach Brixen. Im Jahre 1889 trat Franz Stephan Mayr in die St.-Benedikt-Missionsgenossenschaft zu Sankt Ottilien in Bayern ein. Dort vollendete er seine theologischen Studien und feierte dann auch in der dortigen Missionshauskirche sein erstes hl. Meßopfer im Jahre 1890. Bald danach wurde er von seinen Oberen als Missionar nach Daressalam in Ostafrika geschickt, wo er seit Februar 1891 als Apostolischer Präfekt die Mission leitete, die neuen Missionsbauten vollendete und auf weiten, beschwerlichen, lebensgefährlichen Reisen viele Kinder aus der Sklaverei durch Loskauf befreite. Alles setzte er daran, den schwarzen Menschen wieder zu Menschen unter Menschen zu machen. Leider befiel ihn noch im selben Jahre das gelbe Fieber, dem er am 21. Oktober 1891 erlag.
  • Joseph Zoderer: Seit dem Jahr 1981 lebt der bekannte Südtiroler Schriftsteller Joseph Zoderer mit seiner Frau in Terenten.

Wissenswertes[Bearbeiten]

  • Terenten wird sehr oft auch als Sonnendorf bezeichnet. Dies wird begründet mit der Tatsache, dass Terenten die höchste Sonneneinstrahlung unter den Südtiroler Gemeinden hat. Im Winter von 08:00 Uhr bis 16:00 Uhr und im Sommer sogar von 04:00 Uhr bis 20:00 Uhr.
    Blick auf den Weiler Margen
  • Terenten war eine der ersten Gemeinden Südtirols, die ein Fernheizwerk errichtet hat. Die letzte Erweiterung des Netzes wurde im Jahr 2006 abgeschlossen. Eine weitere Erweiterung wurde im Jahr 2007 durchgeführt.
  • In Terenten steht zurzeit eine der größten Biogasanlagen Südtirols. Sie wurde von der Genossenschaft Agrarenergie Terenten Gen. m. b. H., gegründet von Terner Bauern, errichtet und ging im Jänner 2006 in Betrieb. Sie wurde im September 2006 offiziell eingeweiht.
  • Die Gemeinde Terenten hat mit der Gemeinde Vintl und der Landesenergiegesellschaft Südtirol (SEL AG) ein Wasserkraftwerk errichtet. Auch die Führung und Verwaltung wird von den 3 Eigentümern durchgeführt. Standort des Krafthauses ist in Vintl, wo der Winnebach in die Rienz mündet. Hierfür wurde die E-Werk Winnebach Konsortial G.m.b.H. gegründet. Das Werk wurde im Juli 2009 offiziell eingeweiht und in Betrieb genommen.
  • Die Gemeinde Terenten ist Mitglied des Klimabündnisses.
  • Terenten gehört zum Tourismusverband der Krontour, sprich zum Gebiet des Kronplatz.
  • Terenten verfügt auch über einen eigenen Skilift.

Sehenswertes[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche St. Georg in Terenten (1362 erstmals erwähnt, Langhaus von 1683/84, 1848 bis 1850 neoromanische Umgestaltung, Deckengemälde von Christoph Brandstätter)
  • St. Zeno in Pein (erbaut 12. oder 13. Jh, Turm von 1794/95, Malereien von Johann Mitterwurzer, Glocke von 1539), mit Bittgang (Kreuzwegstationen)
  • St. Margareth in Margen (1309 erstmals erwähnt)
  • Mühlenlehrpfad am Terner Bach
  • Schausägewerk „Asen-Säge“, im Jahr 2005 saniert
  • Biotop „Pirchner-Moos“
  • Die Terner Erdpyramiden, mit Wanderweg
  • Der jährliche Almabtrieb mit Sennerball im Oktober

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Martin Bitschnau, Hannes Obermair: Tiroler Urkundenbuch II/1, Innsbruck: Wagner 2009, S. 135ff. Nr. 170. ISBN 978-3-7030-0469-8
  2. Schulsprengel Vintl. Südtiroler Bürgernetz, abgerufen am 25. Oktober 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Terenten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien