Sexten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sexten
(ital.: Sesto)
Wappen von Sexten
Sexten (Südtirol)
Sexten
Sexten
Lage von Sexten in Südtirol
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen (Südtirol)
Bezirksgemeinschaft: Pustertal
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2012)
1.937/1.913
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
95,37 % deutsch
4,36 % italienisch
0,27 % ladinisch
Koordinaten 46° 40′ N, 12° 23′ O46.67277777777812.3763888888891310Koordinaten: 46° 40′ N, 12° 23′ O
Meereshöhe: 1.244–3145 m s.l.m. (Zentrum: 1310 m s.l.m.)
Fläche: 80,88 km²
Dauersiedlungsraum: 5,3 km²
Fraktionen: Kiniger, Mitterberg, Moos, Schmieden, St.Veit
Nachbargemeinden: Auronzo di Cadore (BL), Comelico Superiore (BL), Innichen, Kartitsch (AT), Sillian (AT), Toblach
Postleitzahl: 39030
Vorwahl: 0474
ISTAT-Nummer: 021092
Steuernummer: 00436290217
Politik
Bürgermeister (2010): Fritz Egarter (SVP)

Sexten (italienisch Sesto) ist eine Gemeinde mit 1913 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012) im östlichsten Teil von Südtirol in Nordostitalien. Die bedeutendsten dörflichen Siedlungen sind der Hauptort Sexten und der etwa zwei Kilometer entfernte Ortsteil Moos.

Geografie[Bearbeiten]

Blick auf das Sextental von Süden: links St. Veit, rechts Moos, hinter den beiden Hauptorten ansteigend der Helm

Die Gemeinde Sexten im äußersten Osten Südtirols nimmt – bis auf den Talausgang – das komplette Sextental, kleinere Seitentäler und die umliegenden Berge auf einer Gesamtfläche von 80,88 km² ein. Das Sextental zweigt bei Innichen vom Pustertal in südöstliche Richtung ab und wird auf seiner ganzen Länge vom Sextner Bach durchquert, einem Zufluss der Drau. Die bedeutendsten dörflichen Siedlungen liegen grob in der Mitte des Tals: das Gemeindezentrum Sexten (1280–1360 m s.l.m.), nach dem Kirchenpatron Veit auch St. Veit genannt, und der etwa zwei Kilometer taleinwärts gelegene Ortsteil Moos (1330–1390 m). Zwischen diesen beiden Hauptorten entstand ab den 1950er Jahren die Siedlung Waldheim (1310–1320 m). Daneben bestehen noch die die sonnseitigen Talhänge besetzenden Fraktionen Kiniger und Mitterberg, sowie Schmieden etwas nordwestlich von St. Veit.

An seiner Nordostflanke wird das Sextental von einem Abschnitt des Karnischen Hauptkamms eingerahmt, der vom nördlichen Pustertal ansteigend im Helm (2434 m) seinen ersten bedeutenden Gipfel findet und die Grenze Sextens zum österreichischen Osttirol trägt. Im Südosten endet das Sextental am Kreuzbergpass (1636 m), der Südtirol mit dem Cadore (Provinz Belluno, Venetien) verbindet und die Karnischen Alpen von den Dolomiten trennt.

Die Sextener Dolomiten nehmen große Teile im Süden und Südwesten des Gemeindegebiets ein, die fast zur Gänze im Naturpark Drei Zinnen unter Schutz gestellt sind. Erschlossen wird das Gebiet durch das bei Moos Richtung Süden abzweigende und von hohen Bergmassiven umgebene Fischleintal. An der Ostseite und Südseite des Fischleintals ragt die berühmte Sextener Sonnenuhr auf, bestehend aus dem Neuner (2582 m), Zehner (2965 m), Elfer (3092 m), Zwölfer (3094 m) und Einser (2698 m). Im Südwesten bildet der Kamm zwischen Paternkofel (2744 m) und Toblinger Knoten (2617 m) die Gemeindegrenze zu Toblach. Der vom Toblinger Knoten nordwärts streichende Kamm trägt unter anderem die Dreischusterspitze (3145 m), den höchsten Gipfels Sextens, und trennt das Fischleintal vom zu Innichen gehörenden Innerfeldtal im Westen.

Namensgebung[Bearbeiten]

Kaiser Otto I. übergab im Jahre 965 die Sextner Talschaft dem Kloster Innichen unter den damaligen Namen Sexta. Im Mittelalter wurde der damalige Namen in Valle Sexta umbenannt. Es ist umstritten, woher der heutige Name Sexten stammt, es existieren einige Thesen.

Geschichte[Bearbeiten]

Hutmacher[Bearbeiten]

Mehrere Leute waren im 17. Jahrhundert in Sexten als Hutmacher tätig. Sie schlossen sich auch zur „Ehrsamen Bruderschaft der Hueter“ zusammen. Rund 70 Sextner verdienten damals ihr Geld als Hutmacher. Damals wurden sogar wasserbetriebene Maschinen eingesetzt. Das Hutmachergewerbe ist mittlerweile ausgestorben.

Steinmetzen[Bearbeiten]

Mühlstein aus Sexten.

In Matrikenbücher des 17. Jahrhunderts findet sich als Berufsbezeichnung des Vaters Steinmetz eingetragen. Es wurde das ganze Jahr an den Mühlsteinen gearbeitet. Als Schutzpatron wurde die hl. Katharina und Florian verehrt. Die Steinmetze schlossen sich sogar zu einer Gesellschaft zusammen, die aber nach kurzer Zeit aufgelöst wurde. Die Mühlsteine fanden guten Absatz in Salzburg, Kärnten und Venetien. Im Jahre 1908 sind in Sexten vier Steinmetze aufgeführt. Das Erz fand ich in den Langpigl zwischen Sexten und Innichen. Etwa 300 Mühlsteine sollten laut einer Statistik des Jahres 1868 außer Sexten verkauft werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg starb das Handwerk langsam aus.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg war Sextner ein Schauplatz von Kämpfen. Zweieinhalb Jahre lang tobte der Krieg zwischen italienischen und österreichischen Truppen. Noch heute zeugen Löcher, Bunker, Schützengräben und Stellungen in den Felsen vom Krieg. Der Ort befand sich direkt an der Front und erlebte 1915 eine gewaltsame Evakuierung. Am 12. August 1915 wurde St. Veit (Pfarrkirche und 23 Gebäude) durch Brandgranaten zerstört. Im Juni 1917 durften die Bürger wieder zurückkehren. Die Pfarrkirche war schwer beschädigt und nicht zu gebrauchen, daher wurden zwei Notkirchen erbaut, die Waldkapelle und die Spritzenhütte. Am Samstagnachmittag unterrichtete der Sextner Pfarrer die wenigen Schüler beim Honsa Lois in der Stube, am Sonntagvormittag wurde in der Waldkapelle ein feierlicher Gottesdienst gehalten und nachmittags eine Andacht.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Kirche St. Peter und Paul in St. Veit (Hauptort) enthält Deckengemälde des Bozner Künstlers Albert Stolz. Am Friedhofseingang ist in einem Rundbau der Totentanz von Rudolf Stolz zu sehen.[1] Noch heute existiert die Historische Festung Mitterberg aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Im Friedhof befinden sich Arkadenbilder von Albert Stolz, Rudolf Stolz, Margarethe Stolz-Hoke und Johann Baptist Oberkofler. Die Filialkirche zum hl. Josef in der Fraktion Moos wird schon 1945 im Stiftsbrief des Josef Egarter von Rosenau aufgeführt.

Rudolf Stolz ist auch das im Ortszentrum befindliche Rudolf-Stolz-Museum gewidmet. Es zeigt in zwei Schauräumen vorwiegend Planskizzen und Entwürfe zu den zahlreichen Fresken sowie Studien, Aquarelle und graphische Arbeiten von Rudolf Stolz,[2] sowie temporäre Sonderausstellungen anderer Künstler.

Um 1820 wurde von Valentin Wassermann das Valentinskirchlein am Eingang des Fischleintals erbaut. Das Lordisstöckl am Wege zur Waldkapelle wurde um 1890 von Klara Rogger erbaut und wird von den Sextnern gerne bei besonderen Anliegen aufgesucht. Am Außerberg finden sich Schalensteine, die von Pfarrer Küer entdeckt wurden. Sie zählen zu den ältesten Siedlungsspuren in Sexten.

Wappen[Bearbeiten]

Seit 1972 führt die Gemeinde (verliehen per Landesdekret) ein Wappen, das nach historischem Vorbild auf blauem Schild die Drei Zinnen in weißer Farbe und auf dem Gipfel des mittleren eine schwarze Gämse zeigt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Bekannte Bergführer und Bergsteiger:

Tourismus[Bearbeiten]

Hohe Leist (La Lista) und Zwölferkofl (Croda dei Toni) der Sextener Sonnenuhr

Der Ort ist als Sommer- und Wintersportort bekannt. Des Weiteren durch die „Sextener Sonnenuhr“, gebildet aus fünf Dolomiten-Gipfeln: Neuner, Zehner (Sextener Rotwand), Elfer, Zwölfer und Einser. Der Zwölfer (3094 m) liegt nahe beim Kletter-Paradies der Drei Zinnen. Der Ort ist auch aufgrund der Tiroler Krippen, Wanderwege, Berge, Felsformationen und der Tier- und Pflanzenwelt bekannt.

In Sexten befindet sich auch eine 16,5 m hohe Indoor-Kletterhalle, genannt Dolomitarena.

1983 war Sexten Austragungsort des Interski, des wichtigsten Kongresses für das Skilehrerwesen.

Schwesterstädte[Bearbeiten]

Schulen[Bearbeiten]

  • Grundschule Sexten
  • Kindergarten Sexten
  • Kindergarten Moos (Sexten)

Architekturpreis[Bearbeiten]

Durch die Vereinigung Sexten Kultur wird der anerkannte Architekturpreis für Neues Bauen in den Alpen verliehen. Nach den Jahren 1992, 1996 und 1999 wurde der Preis im September 2006 erneut vergeben (Preisträger 2006: Gion A. Caminada und Rainer Köberl & Astrid Tschapeller).

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Holzer: Sexten. Vom Bergbauerndorf zur Tourismusgemeinde. Tappeiner Verlag. 2000.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sexten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Baedeker: Reiseführer Südtirol, Seite 267
  2. http://www.provincia.bz.it/Museenfuehrer/deutsch/ausgabeseite.asp?ORGA_ID=681