BioNTech

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BioNTech SE

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Rechtsform Europäische Gesellschaft (Societas Europaea, SE)
ISIN US09075V1026
Gründung 2008
Sitz Mainz, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
  • Ryan Richardson CSO
  • Özlem Türeci, CMO
Mitarbeiterzahl > 1.100 (August 2019)
Branche Biotechnologie
Website www.biontech.de
Stand: 21. Oktober 2018

An der Goldgrube, Mainz-Oberstadt; Hauptsitz der BioNTech

BioNTech SE (Aussprache: [ˈbaɪɒnˌtek][1]) ist ein Biotechnologie-Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und Herstellung von aktiven Immuntherapien für einen patientenspezifischen Ansatz zur Behandlung von Krebs und anderen schweren Krankheiten fokussiert. Die Schwerpunkte von BioNTech liegen in der Erforschung von Medikamenten auf mRNA-Basis für den Einsatz als individualisierte Krebsimmuntherapien, als Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten und als Proteinersatztherapien bei seltenen Erkrankungen. Darüber hinaus ist das Unternehmen aktiv in der Erforschung von programmierbaren Zelltherapien („Engineered Cell Therapy“), neuartigen Antikörpern und niedermolekularen Immunmodulatoren („Small Molecules“) als Behandlungsoptionen im Kampf gegen Krebs.[2][3]

BioNTech strebt den Aufbau eines vollständig integrierten Biotechnologie-Unternehmens an, dessen Aktivitäten von der Forschung über die klinische Entwicklung bis hin zur Herstellung und zum Vertrieb reichen.[3]

BioNTech war das erste Unternehmen, das ein mRNA-basiertes Humantherapeutikum zur intravenösen Verabreichung entwickelte, die individualisierte mRNA-basierte Krebsimmuntherapie in klinische Studien brachte und einen eigenen Herstellungsprozess für einen solchen Produktkandidaten etablierte.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BioNTech wurde 2008 auf der Grundlage langjähriger Forschungsarbeiten von Uğur Şahin, Christoph Huber und Özlem Türeci gegründet. Der Schwerpunkt der Unternehmenstätigkeit liegt auf der Entwicklung und Herstellung von Technologien und Medikamenten für individualisierte Krebsimmuntherapien.[3]

An der Gründung beteiligt waren Andreas und Thomas Strüngmann mit einem Startkapital von rund 180 Millionen US-Dollar sowie Michael Motschmann und Helmut Jeggle. Christoph Huber, Michael Motschmann und Helmut Jeggle sind seit der Unternehmensgründung im Jahr 2008 Mitglieder des Aufsichtsrats. Helmut Jeggle ist seither Vorsitzender des Aufsichtsrats. 2018 wurde der Aufsichtsrat um Ulrich Wandschneider erweitert.[4]

IPO[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2019 gab BioNTech die Änderung seiner Gesellschaftsform von einer deutschen Aktiengesellschaft („AG“) in eine europäische Aktiengesellschaft („Societas Europaea“ oder „SE“) bekannt.[5] Mit Stand von August 2019 beschäftigte das Unternehmen mehr als 1.100 Mitarbeiter. Bis August 2019 hatte BioNTech durch Privatplatzierung von Aktien und Kooperationen ein Kapital in Höhe von 1,3 Milliarden USD eingeworben. Zu den Aktionären von BioNTech gehören das Strüngmann Family Office (Mehrheitsaktionär), die Fidelity Management & Research Company, die Invus Group, LLC, Janus Henderson Investors, die MIG Fonds, die Redmile Group, die Salvia GmbH und mehrere europäische Family Offices.[3]

Im September 2019 unterzeichnete BioNTech eine Vereinbarung mit der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) zur Entwicklung von HIV- und Tuberkulose-Programmen. Ziel ist es, Impfstoff- und Immuntherapiekandidaten zur Vorbeugung von HIV- und Tuberkulose-Infektionen sowie zur dauerhaften antiretroviralen therapiefreien Remission von HIV-Erkrankungen zu identifizieren und präklinisch zu entwickeln.[6]

Am 10. Oktober 2019 erfolgte der Börsengang von BioNTech an der US-Technologiebörse Nasdaq. Hier wird BioNTech unter dem Kürzel „BNTX“ gehandelt.[7]

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2019 gaben die Europäische Investitionsbank und BioNTech bekannt, dass dem Unternehmen eine Finanzierung in Höhe von 50 Millionen Euro im Rahmen der Investmentoffensive für Europa gewährt wird.[8] Im Juni 2020 erhielt BioNTech durch eine Privatplatzierung von Stammaktien und Pflichtwandelanleihen bei Singapurs Staatsfond Temasek und anderen Investoren 222 Millionen Euro.

Wissenschaftlicher Beirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BioNTech wird seit seiner Gründung von einem wissenschaftlichen Beirat unter der Leitung von Rolf Zinkernagel und Hans Hengartner unterstützt. Rolf Zinkernagel ist emeritierter Professor an der Universität Zürich und ehemaliger Leiter des Instituts für Experimentelle Immunologie in Zürich. 1996 erhielt Zinkernagel den Nobelpreis für seine Entdeckung, wie das Immunsystem virusinfizierte Zellen erkennt. Hengartner ist Immunologe und emeritierter Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich und der Universität Zürich.[3]

Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BioNTech hat sieben Kooperationsvereinbarungen mit biopharmazeutischen Partnern geschlossen, um seine Ressourcen in den Bereichen Wissenschaft und Entwicklung zu erweitern. Zu den biopharmazeutischen Partnern gehören: Genentech, Sanofi SA, Genmab A/S, Genevant Sciences GmbH, Eli Lilly and Company, Bayer AG und Pfizer Inc.[3] Mit Pfizer ist derzeit eine Kooperation zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus im Gespräch.[9]

Darüber hinaus unterhält BioNTech Forschungskooperationen mit der University of Pennsylvania („Penn“) und dem Forschungsinstitut TRON (Translationale Onkologie) an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.[3]

BioNTech hat eine strategische Partnerschaft mit Siemens geschlossen, um eine automatisierte und papierlose Produktionsanlage für individualisierte mRNA-basierte Immuntherapien zu errichten.[3]

BioNTech Partnerprogramme:[3]

Biopharmazeutische Partner Kooperation
Genentech Forschung, Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von pharmazeutischen Produkten, die Neoepitop-mRNA enthalten; einschließlich Entwicklungskandidaten für die individualisierte Neoantigenspezifische Immuntherapie (iNeST).
Sanofi S.A. Entwicklung und Vermarktung von mRNA-basierten Therapeutika zur intratumoralen Applikation bei soliden Tumoren.
Genmab A/S Forschung, Entwicklung und Vermarktung von bispezifischen Antikörpern auf Polypeptidbasis gegen bestimmte Zielkombinationen zur Behandlung von Krebs. Der erste Produktkandidat, DuoBody-PD-L1x4-1BB, ist im Juni 2019 in eine Phase-1/2a-Studie bei soliden Tumoren eingetreten.[10]
Genevant Sciences GmbH Entwicklung von mRNA-basierten Proteinersatztherapien für seltene Erkrankungen.
Eli Lilly and Company Erforschung neuer Tumorzielstrukturen sowie dazugehöriger T-Zell-Rezeptoren (TCRs).
Bayer AG Entwicklung von mRNA-basierten Impfstoffen und Therapeutika speziell für die Anwendung bei Tieren.
Pfizer Inc. Entwicklung von mRNA-basierten Impfstoffen zur Influenza-Prävention.
Andere Kooperation
University of Pennsylvania Entwicklung und Vermarktung von mRNA-basierten Immuntherapien zur Behandlung von Infektionskrankheiten.[11]
Translationale Onkologie (TRON) Entwicklung neuer Diagnostika und Arzneimittel für die Therapie von Krebs und anderen schweren Krankheiten.
Siemens AG Strategische Partnerschaft, um eine vollautomatisierte, papierlose und digitalisierte kommerzielle cGMP-Produktionsstätte für individualisierte Immuntherapien zu errichten.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Onkologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krebs wird durch Abnormalitäten verursacht, die als somatische Mutationen bezeichnet werden. Diese Mutationen können sich im Laufe der Zeit im Genom von Zellen ansammeln und zu einer malignen Transformation führen. Der Prozess der Karzinogenese beinhaltet das Versagen des Immunsystems, solche transformierten Zellen zu erkennen und auszurotten.[12][13]

Ziel der Immuntherapie in der Onkologie ist es, das Immunsystem zu nutzen, um bösartige Zellen als "fremd" zu erkennen und Mechanismen zu überwinden, mit denen sich die Krebszellen der Immunabwehr entziehen. Das Immunsystem soll derart aktiviert werden, dass es in der Lage ist, das Tumorwachstum zu begrenzen und bösartige Zellen zu zerstören. Aufgrund ihrer zufälligen Natur führen krebserzeugende genetische Veränderungen zu einer Gesamtheit von Mutationen (dem „Mutanom“), das für den Tumor jedes einzelnen Patienten einzigartig ist.[14][15] Die Forschung nutzt das patientenspezifische Mutanom, um Medikamente für eine individualisierte Krebsimmuntherapie zu entwickeln. Hierbei wird die Behandlung für den einzelnen Patienten maßgeschneidert.[16] Die Entwicklung von Krebsimmuntherapien, die auf jeden Patienten individuell zugeschnitten sind, steht im Mittelpunkt der Forschungsaktivitäten von BioNTech.[3]

mRNA-Therapeutika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BioNTech erforscht Wirkstoffe auf Basis des Botenmoleküls Messenger-RNA (mRNA) als potenzielle neue Medikamentenklasse. mRNA bringt genetische Information zu den Ribosomen, dem Ort in der Zelle, wo Proteine gebildet werden. In den Ribosomen wird die genetische Information der mRNA in entsprechende Proteine übersetzt. Erste mRNA-basierte Produktkandidaten sind als Krebsimmuntherapeutika und Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten bereits in die klinische Entwicklung eingetreten.[17][16][18] Als Medikament liefert die hergestellte mRNA Anweisungen an eine Zielzelle, um ein gewünschtes therapeutisches Protein herzustellen. Bei der Behandlung von Krebs richtet sich das hergestellte Protein gegen Zielstrukturen, die direkt von den Mutationen der Krebszellen abstammen. Auf diese Weise soll der Krebs bekämpft werden.[17]

BioNTech hat mehrere Formate und Formulierungen von mRNA entwickelt, um genetische Informationen an Zellen zu liefern, wo sie zur körpereigenen Herstellung von Proteinen für therapeutische Zwecke verwendet werden.[3][17][19][20][21][22][23][24][25][26][16][27][28]

BioNTech erforscht mehrere mRNA-basierte Therapieplattformen für die Krebsimmuntherapie, insbesondere für die individualisierte Krebsimmuntherapie. Zu den am Menschen getesteten Plattformen gehören FixVac, iNeST und mRNA-basierte intratumorale Immuntherapien. Darüber hinaus entwickelt das Unternehmen zwei Plattformen, auf denen mRNA verwendet wird, um entweder RiboMabs (eine neue Klasse von mRNA-kodierten Antikörpern) oder RiboCytokines (eine neue Klasse von mRNA-kodierten Zytokinen) direkt im Patienten zu exprimieren.[3]

  • FixVac-Produktkandidaten (Fixed Vaccine Combination) sind Krebsimmuntherapien für eine bestimmte Krebsart. Sie richten sich gegen Antigene, die bei Patienten mit der betreffenden Krebsart häufig gefunden werden (serienmäßig produzierte Antigen-Immuntherapie). Diese Produktkandidaten enthalten ausgewählte Kombinationen von mRNA, die bekannte, krebsspezifische Antigene kodieren.[3]
  • iNeST-Produktkandidaten sind individualisierte neoantigenspezifische Immuntherapien. BioNTech hat erstmals ein On-Demand-Herstellungsverfahren entwickelt, um Patienten auf der Grundlage des spezifischen Mutationsprofils (dem „Mutanom“) ihres Tumors individuell behandeln zu können. Das Unternehmen untersucht diesen Behandlungsansatz bei metastasierten Melanomen und bei mehreren soliden Tumoren in Zusammenarbeit mit Genentech.[3]

Mit dem Produktkandidaten BNT121 liegen erste Daten aus einer Phase-1-Studie bei 13 Patienten mit metastasiertem Melanom vor. Bei neun Patienten wurde ein stabiles progressionsfreies Überleben von bis zu 41 Monaten beobachtet.[3]
Zudem verringerte sich die kumulative Rezidivrate signifikant im Vergleich zum Zeitraum vor der Behandlung.[16] Die ersten Produktkandidaten für individualisierte Krebstherapien hatte BioNTech mithilfe einer eigenen mRNA-Technologieplattform entwickelt. Seit 2016 wird die Plattform gemeinsam mit Genentech als individualisierte neoantigenspezifische Therapie (iNeST) entwickelt.[3]

  • Intratumorale Immuntherapie: Die intratumoralen Immuntherapie-Produktkandidaten werden als Zytokin-kodierende mRNA direkt in einen Tumor injiziert. Ziel ist es, die Tumor-Mikroumgebung zu verändern und die T-Zell-Aktivität zu fördern. Die Injektion der mRNA direkt in den Tumor erfolgt, um Toxizitäten außerhalb der Zielstrukturen zu vermeiden. BioNTech entwickelt in Zusammenarbeit mit Sanofi eine mRNA-basierte intratumorale Therapieplattform.[3]
  • RiboMabs (mRNA-kodierte monoklonale Antikörper) sind eine neuartige Klasse von mRNA-basierten Therapeutika. Sie zielen darauf ab, mithilfe der entsprechenden mRNA die gewünschten Antikörpern direkt im Körper des Patienten herzustellen.[3]
  • RiboCytokines (mRNA-kodierte Zytokine) bilden eine weitere neuartige Klasse von mRNA-basierten Therapeutika. Hier ist das Ziel, dass mithilfe entsprechender mRNA die gewünschten Zytokine direkt im Körper des Patienten hergestellt werden. Zytokine spielen eine zentrale Rolle bei der Kontrolle der Immunantwort auf Krankheitserreger und auf bösartige Zellen.[3]

Programmierbare Zelltherapien (Engineered Cell Therapies)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BioNTech entwickelt eine Reihe neuer Zelltherapien, um die T-Zellen des Patienten so zu verändern, dass sie sich gezielt gegen krebsspezifische Antigene richten.[29][30] Dazu gehören zwei Plattformen zur Behandlung von soliden Tumoren: Eine Plattform für T-Zellen mit chimärem Antigenrezeptor (CAR-T-Zellen) und eine Plattform für T-Zellrezeptor (TCR)-Programme. BioNTech untersucht unter anderem einen CAR-T-Produktkandidaten, BNT211, der sich gegen Claudin-6 (CLDN6) richtet. Das Antigen CLDN6 ist spezifisch für solide Tumoren.[3][31]

Antikörper der nächsten Generation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BioNTech entwickelt Antikörper der nächsten Generation (Checkpoint-Immunmodulatoren und zielgerichtete Krebsantikörper), um die Immunantwort des Patienten auf Krebs zu modulieren.[3][28][31][32][33][34][35]

In Zusammenarbeit mit Genmab erforscht BioNTech bispezifische Antikörper, die als duale Immunmodulatoren fungieren. Hierfür wendet das Unternehmen die von Genmab entwickelte DuoBody-Technologie an.[3][28][31]

Im Jahr 2019 erwarb BioNTech von MabVax einen Antikörper (MVT-5873 bzw. BNT321) mit einer neuartigen Wirkweise. Bei BNT321 handelt es sich um einen vollständig humanen monoklonalen IgG1-Antikörper, der sich gegen Sialyl Lewis A (sLea) richtet. sLEA ist ein neues identifiziertes Epitop, das spezifisch in Bauchspeicheldrüsenkrebs und anderen soliden Tumoren exprimiert wird.[36]

Small Molecule-Immunmodulatoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BioNTech erforscht niedermolekulare Wirkstoffe (Small Molecules) zur spezifischen Immunmodulation. Ziel ist es, die Aktivität anderer Wirkstoffe durch die Immunmodulation zu steigern.[37] In diesem Zusammenhang entwickelt das Unternehmen einen niedermolekularen Toll-like-Rezeptor-7 (TLR7) basierten Immunmodulator für die Behandlung solider Tumoren. TLR7 spielt eine wichtige Rolle bei der Aktivierung der angeborenen Immunantwort. Bei vielen Krebsarten werden Tumore durch eine entzündungshemmende Umgebung geschützt. Dadurch wird die Fähigkeit des Immunsystems, Krebszellen anzugreifen, verringert. TLR7-Agonisten können hier eine direkte zelluläre Immunantwort auslösen.[3]

Infektionskrankheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Bereich Onkologie hat BioNTech auch mRNA-Plattformen für die Entwicklung von mRNA-basierten Impfstoffen gegen Erreger von Infektionskrankheiten implementiert. Es bestehen Kooperationen mit Pfizer und der University of Pennsylvania („Penn“).[3] Im August 2019 schloss BioNTech mit der Bill & Melinda Gates Foundation ein Investitionsabkommen, um die Entwicklung von Immuntherapien zur Vorbeugung und/oder Behandlung von HIV, Tuberkulose und bis zu drei weiteren Infektionskrankheiten voranzutreiben.[6]

Das Unternehmen arbeitet in Zusammenarbeit mit Fosun an einem Impfstoff gegen SARS-CoV-2. Hierzu hat das Paul-Ehrlich-Institut am 22. April 2020 eine klinische Studie Phase 1/2 für das Impfstoffprogramm BNT162 genehmigt.[38] Bis Ende April erhielt eine erste Gruppe von zwölf Probanden die erste Impfung. Die Zulassung einer weiteren Studie in den Vereinigten Staaten wird erwartet.[39]

Seltene Erkrankungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich der seltenen Erkrankungen hat BioNTech Plattformen für die Entwicklung von mRNA-basierten Proteinersatztherapien implementiert. Ziel ist es, die benötigten Proteine mithilfe der mRNA direkt im Körper des Patienten zu kodieren und herzustellen. BioNTech teilt sich die Kosten und Gewinne mit Genevant Sciences.[3]

Technologien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Formulierungen für mRNA-Therapeutika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BioNTech verwendet für die mRNA-Wirkstoffkandidaten mehrere Formulierungen.[3]

  • Lipoplex (LPX) Formulierung: BioNTech hat eine RNA-Lipoplex-Formulierung auf Liposomenbasis entwickelt, RNA-LPX. Diese Formulierung ermöglicht die intravenöse Verabreichung von mRNA-Krebsimmuntherapien. RNA-LPX wird für die FixVac- und iNeST-Plattformen verwendet.[3]

Die LPX-Formulierung bettet die mRNA zwischen einer Lipiddoppelschicht ein und sorgt dafür, dass die notwendige mRNA für Tumorantigene in lymphoiden Kompartimenten wie der Milz in dendritische Zellen geschleust wird. Die dendritischen Zellen präsentieren die Tumorantigene und lösen so eine Immunantwort aus.[3][25]

  • Lipid-Nanopartikel (LNP): Für andere Anwendungen verkapselt BioNTech die mRNA in Lipidnanopartikeln. Diese Formulierungen werden für die RiboMabs- und RiboCytokines-Plattformen sowie für die Proteinersatz-Plattformen für seltene Erkrankungen verwendet.[3]
  • Polyplexe: Das Portfolio von BioNTech umfasst auch Polyplexe, die in bestimmten Entwicklungsprogrammen verwendet werden. Hierbei wird die mRNA an ein Polymer gebunden und bildet dann Nanopartikel.[3]

Antikörper-Entdeckungsplattformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kaninchen-basierte Plattform zur Identifizierung neuer Antikörper: Mit der Übernahme der Antikörperproduktionseinheit der MAB Discovery GmbH im Jahr 2019 integrierte BioNTech eine Kaninchen-basierte Antikörper-Entdeckungsplattform, mit der funktionelle monoklonale Antikörper (mAbs) erzeugt und entwickelt werden können.[40]
  • Human-basierte Plattform zur Identifizierung neuer Antikörper: BioNTech erwarb im Jahr 2019 von MabVax Therapeutics die Plattform HuMab zur Selektion neuer Antikörper für Humantherapeutika. Die Identifizierungstechnologie von HuMab fokussiert auf abnormale Kohlenhydrat-Targets, die bei soliden Tumoren hochreguliert sind.[3]

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptsitz von BioNTech befindet sich in Mainz. Das Unternehmen betreibt in Deutschland drei GMP-zertifizierte Produktionsstätten zur Herstellung von mRNA-Therapeutika und programmierbaren Zelltherapien („Engineered Cell Therapies“). Die Standorte sind Idar-Oberstein (BioNTech Innovative Manufacturing Services GmbH), Martinsried (BioNTech Small Molecules GmbH), Neuried (BioNTech SE) und eine vierte Einrichtung in Berlin, die peptidbasierte Dienstleistungen und Produkte für verschiedene Bereiche der biomedizinischen Forschung anbietet (JPT Peptide Technologies GmbH).[3] Im Jahr 2019 wurden die Standorte um eine Tochtergesellschaft in San Diego, USA, erweitert (BioNTech Research & Development, Inc.).[3]

Pipeline[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur BioNTech-Pipeline gehören mRNA-basierte Produktkandidaten, programmierbare Zelltherapien (engineered cell therapies), Checkpoint-Immunmodulatoren, zielgerichtete Krebsantikörper und niedermolekulare (small molecules) Immunmodulatoren. Die Indikationsbereiche, für die Produktkandidaten entwickelt werden, umfassen Krebserkrankungen, Infektionskrankheiten und seltene Erkrankungen. Im September 2019 befanden sich mehr als 20 Produktkandidaten in der Erforschung, von denen einige bereits in klinische Studien eingetreten sind.[3]

Klinische Entwicklungspipeline von BioNTech (Stand: September 2019):[3]

Produkt Substanzklasse Indikationen Phase Kooperation ClinicalTrials.gov / Publikation
BNT111 RNA-Wirkstoff Fortgeschrittenes Melanom 1 BioNTech hält alle Rechte Lipo-MERIT study
BNT113 RNA-Wirkstoff HPV-positiver Kopf- und Halskrebs 1 BioNTech hält alle Rechte HARE-40
BNT114 RNA-Wirkstoff Dreifach rezeptornegativer Brustkrebs 1 BioNTech hält alle Rechte TNBC-MERIT
BNT121 RNA-Wirkstoff Metastasiertes Melanom 1 Genentech Sahin et al. Nature 2017
RO7198457 (BNT122) RNA-Wirkstoff Erstlinientherapie des Melanoms in Kombination mit Pembrolizumab 2 Genentech NCT03815058
RO7198457 (BNT122) RNA-Wirkstoff Lokal fortgeschrittene oder metastasierte solide Tumoren 1 Genentech NCT03289962
SAR441000 (BNT131) RNA-Wirkstoff Solide Tumoren 1 Sanofi NCT03871348
DuoBody-PD-L1x4-1BB Bispezifischer Antikörper Metastasierte oder nicht resezierbare solide Tumoren 1 Genmab GEN1046

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Armin Mahler: Jedem sein eigenes Medikament. In: Der Spiegel. Nr. 28, 2017, S. 80 f. (online).
  • Elisabeth Dostert: Bekannt durch Corona. Was hinter der Firma Biontech aus Mainz steht. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 95, 24. April 2020, S. 20 (sueddeutsche.de [abgerufen am 25. April 2020]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. swr:Mainzer Unternehmen Biontech testet Corona-Impfstoff, abgerufen am 2020-04-23
  2. Offizielle Website BioNTech: BioNTech. Abgerufen am 13. Oktober 2019.
  3. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj BioNTech SE SEC report: Form F-1 BioNTech SE. Veröffentlicht: 2019-09-09. Abgerufen am 23. September 2019.
  4. BioNTech SE SEC report: Form F-1 BioNTech SE. 9. Oktober 2019, abgerufen am 20. Dezember 2019 (englisch).
  5. BioNTech Announces Corporate Form Transition from AG to SE. 04. Januar 2019. Abgerufen am 16. Oktober 2019. 
  6. a b The Gates Foundation sees BioNTech potential to ‘dramatically reduce global HIV and tuberculosis’. 05. September 2019. Abgerufen 20. September 2019. 
  7. BioNTech Announces Pricing of Initial Public Offering. 10. Oktober 2019. Abgerufen am 11. Oktober 2019. 
  8. SEC 6-K Report. 17. Dezember 2019, abgerufen am 20. Dezember 2019 (englisch).
  9. https://www.reuters.com/article/us-health-coronavirus-pfizer/pfizer-weighs-working-with-biontech-on-potential-coronavirus-vaccine-rd-head-idUSKBN20T03K
  10. BioNTech and Genmab Initiate First-In-Human Phase I/IIa Trial of Bispecific Antibody DuoBody®-PD-L1x4-1BB in Solid Tumors. 17. Juni 2019. Abgerufen am 20. September 2019. 
  11. BioNTech and the University of Pennsylvania Enter into Strategic Research Collaboration to Develop mRNA Vaccine Candidates Against Various Infectious Diseases. 05. November 2018. Abgerufen am 18. September 2019. 
  12. M Vormehr, M Diken, S Boegel, S Kreiter, Ö Türeci, U Sahin: Mutanome directed cancer immunotherapy. In: Curr Opin Immunol. Band 39, 2016, S. 14–22. doi:10.1016/j.coi.2015.12.001. PMID 26716729.
  13. MR Stratton, PJ Campbell, PA Futreal: The cancer genome. In: Nature. Band 458, Nr. 7239, 2009, S. 719–724. doi:10.1038/nature07943. PMID 19360079.
  14. MR Stratton: Exploring the genomes of cancer cells: progress and promise. In: Science. Band 331, Nr. 6024, 2011, S. 1553–1558. doi:10.1126/science.1204040. PMID 21436442.
  15. S Kreiter, JC Castle, Ö Türeci, U Sahin: Targeting the tumor mutanome for personalized vaccination therapy. In: Oncoimmunology. Band 1, Nr. 5, 2012, S. 768–769. doi:10.4161/onci.19727. PMID 22934277.
  16. a b c d U Sahin, E Derhovanessian, M Miller, BP Kloke, P Simon, M Löwer, V Bukur, AD Tadmor, U Luxemburger, B Schrörs, T Omokoko, M Vormehr, C Albrecht, A Paruzynski, AN Kuhn, J Buck, S Heesch, KH Schreeb, F Müller, I Ortseifer, I Vogler, E Godehardt, S Attig, R Rae, A Breitkreuz, C Tolliver, M Suchan, G Martic, A Hohberger, P Sorn, et al.: Personalized RNA mutanome vaccines mobilize poly-specific therapeutic immunity against cancer. In: Nature. Band 547, Nr. 7662, 2017, S. 222–226. doi:10.1038/nature23003. PMID 28678784.
  17. a b c U Sahin, K Karikó, Ö Türeci: mRNA-based therapeutics – developing a new class of drugs. In: Nat Rev Drug Discov. Band 13, Nr. 10, 2014, S. 759–780. doi:10.1038/nrd4278. PMID 25233993.
  18. U Sahin, Ö Türeci: Personalized vaccines for cancer immunotherapy. In: Science. Band 359, Nr. 6382, 2018, S. 1355–1360. doi:10.1126/science.aar7112. PMID 29567706.
  19. S Kreiter, A Selmi, M Diken, M Koslowski, CM Britten, C Huber, Ö Türeci, U Sahin: Intranodal vaccination with naked antigen-encoding RNA elicits potent prophylactic and therapeutic antitumoral immunity. In: Cancer Res. Band 70, Nr. 22, 2010, S. 9031–9040. doi:10.1158/0008-5472.CAN-10-0699. PMID 21045153.
  20. JC Castle, S Kreiter, J Diekmann, M Löwer, N van de Roemer, J de Graaf, A Selmi, M Diken, S Boegel, C Paret, M Koslowski, AN Kuhn, CM Britten, C Huber, O Türeci, U Sahin: Exploiting the mutanome for tumor vaccination. In: Cancer Res. Band 72, Nr. 5, 2012, S. 1081–1091. doi:10.1158/0008-5472.CAN-11-3722. PMID 22237626.
  21. JC Castle, M Loewer, S Boegel, J de Graaf, C Bender, AD Tadmor, V Boisguerin, T Bukur, P Sorn, C Paret, M Diken, S Kreiter, Ö Türeci, U Sahin: Immunomic, genomic and transcriptomic characterization of CT26 colorectal carcinoma. In: BMC Genomics. Band 15, 2014, S. 190. doi:10.1186/1471-2164-15-190. PMID 24621249.
  22. J Kowalska, A Wypijewska del Nogal, ZM Darzynkiewicz, J Buck, C Nicola, AN Kuhn, M Lukaszewicz, J Zuberek, M Strenkowska, M Ziemniak, M Maciejczyk, E Bojarska, RE Rhoads, E Darzynkiewicz, U Sahin, J Jemielity: Synthesis, properties, and biological activity of boranophosphate analogs of the mRNA cap: versatile tools for manipulation of therapeutically relevant cap-dependent processes. In: Nucleic Acids Res. Band 42, Nr. 16, 2014, S. 10245–10264. doi:10.1093/nar/gku757. PMID 25150148.
  23. S Kreiter, M Vormehr, N van de Roemer, M Diken, M Löwer, J Diekmann, S Boegel, B Schrörs, F Vascotto, JC Castle, AD Tadmor, SP Schoenberger, C Huber, Ö Türeci, U Sahin: Mutant MHC class II epitopes drive therapeutic immune responses to cancer. In: Nature. Band 520, Nr. 7549, 2015, S. 692–696. doi:10.1038/nature14426. PMID 25901682. PMC 4838069 (freier Volltext).
  24. MA Poleganov, S Eminli, T Beissert, S Herz, JI Moon, J Goldmann, A Beyer, R Heck, I Burkhart, D Barea Roldan, Ö Türeci, K Yi, B Hamilton, U Sahin: Efficient Reprogramming of Human Fibroblasts and Blood-Derived Endothelial Progenitor Cells Using Nonmodified RNA for Reprogramming and Immune Evasion. In: Hum Gene Ther. Band 26, Nr. 11, 2015, S. 751–766. doi:10.1089/hum.2015.045. PMID 26381596.
  25. a b LM Kranz, M Diken, H Haas, S Kreiter, C Loquai, KC Reuter, M Meng, D Fritz, F Vascotto, H Hefesha, C Grunwitz, M Vormehr, Y Hüsemann, A Selmi, AN Kuhn, J Buck, E Derhovanessian, R Rae, S Attig, J Diekmann, RA Jabulowsky, S Heesch, J Hassel, P Langguth, S Grabbe, C Huber, Ö Türeci, U Sahin: Systemic RNA delivery to dendritic cells exploits antiviral defence for cancer immunotherapy. In: Nature. Band 534, Nr. 7607, 2016, S. 396–401. doi:10.1038/nature18300. PMID 27281205.
  26. S Grabbe, H Haas, M Diken, LM Kranz, P Langguth, U Sahin: Translating nanoparticulate-personalized cancer vaccines into clinical applications: case study with RNA-lipoplexes for the treatment of melanoma. In: Nanomedicine (Lond). Band 11, Nr. 20, 2016, S. 2723–2734. doi:10.2217/nnm-2016-0275. PMID 27700619.
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