Helmut Benthaus

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Helmut Benthaus

Helmut Benthaus, 1970

Spielerinformationen
Geburtstag 5. Juni 1935
Geburtsort HerneDeutschland
Position Mittelfeldspieler
Vereine in der Jugend
Rasensport Holthausen
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1954–1961
1961–1962
1962–1965
1965–1971
Westfalia Herne
TSV 1860 München
1. FC Köln
FC Basel
167 (17)
18 0(1)
52 0(3)
112 (17)
Nationalmannschaft
1958–1960 Deutschland 8 0(0)
Stationen als Trainer
1971–1982
1982–1985
1986–1987
FC Basel
VfB Stuttgart
FC Basel
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Helmut Benthaus (* 5. Juni 1935 in Herne) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und -trainer, der (seit 1980) auch die Schweizer Staatsbürgerschaft besitzt.[1]

Er gewann die Deutsche Meisterschaft sowohl als Spieler 1964 mit dem 1. FC Köln als auch als Trainer 1984 mit dem VfB Stuttgart. Benthaus war damit der erste Fußballer, dem es gelang, sowohl als Spieler als auch als Trainer in der Bundesliga Meister zu werden. Außerdem gewann er beim FC Basel als Spielertrainer und Trainer von 1965 bis 1982 sieben Meisterschaften. Er spielte acht Mal für die deutsche Nationalmannschaft.

Karriere als Aktiver[Bearbeiten]

Benthaus ist als Sohn eines Maurerpoliers in Holthausen aufgewachsen. Er war der Einzige aus seiner Grundschulklasse, der später das Gymnasium mit dem Abitur abschloss. Danach studierte er in Münster Philologie und Sport.[2]

Oberliga (1954–1963)[Bearbeiten]

Von seinem Heimatverein Rasensport Holthausen wechselte er zu Westfalia Herne, bei der er von 1954 bis 1961 in 167 Spielen in der Oberliga West zum Einsatz kam. Sein erstes Spiel in der Oberliga West bestritt er am 6. Februar 1955 bei der 1:2-Heimniederlage gegen Aachen an der Seite von Werner Hesse und Kurt Sopart. Höhepunkte waren die Meisterschaft 1959 im Westen, die Vizemeisterschaft 1960 und die folgenden Endrundenspiele um die Deutsche Meisterschaft. Wichtige Mitstreiter dieser erfolgreichen Herner Zeit waren die Spieler Hans Tilkowski, Alfred Pyka und Gerd Clement sowie der Trainer Fritz Langner.

Nationalmannschaft 1958–1960[Bearbeiten]

Am 21. Dezember 1958 hatte ihn Bundestrainer Sepp Herberger für das Spiel in Augsburg gegen Bulgarien in die Nationalmannschaft berufen. Nach dem 3:0-Sieg zum Einstand erhielt er noch sieben weitere Berufungen. Mit dem Spiel am 23. November 1960 in Sofia, wiederum gegen Bulgarien, war seine Karriere in der Herberger-Elf nach der 1:2-Niederlage beendet.

1860 München (1961–1962)[Bearbeiten]

Im Sommer 1961 nahm Max Merkel Benthaus mit zu seinem neuen Verein TSV 1860 München in die Oberliga Süd. Die Mannschafts- und Menschenführung des Österreichers (absolut autoritäre Strukturen) vertrug sich aber nicht mit den Anschauungen des 8-fachen Nationalspielers und Studenten Benthaus, so dass er nach nur einer Saison den Verein wieder verließ.

1. FC Köln (1962–1965)[Bearbeiten]

Benthaus ging zur Saison 1962/63 zum 1. FC Köln, dem Meister der Vorsaison, und begann ein Studium an der dortigen Sporthochschule. Köln zog als Titelverteidiger wieder ins Finale der Deutschen Meisterschaft 1963 ein, verlor dann aber überraschend mit 1:3 gegen Borussia Dortmund. Dies war bei den überragenden Mitspielern Fritz Ewert, Fritz Pott, Karl-Heinz Schnellinger, Leo Wilden, Hans Sturm, Karl-Heinz Thielen, Hans Schäfer, Anton Regh, Karl-Heinz Ripkens und Heinz Hornig von den Experten so nicht erwartet worden. In dieser letzten Runde der Oberliga 1962/63 - ein Jahr später startete die Fußball-Bundesliga - arbeitete Benthaus mit Trainer Zlatko Čajkovski zusammen und musste im Europa-Cup eine 1:8-Niederlage bei Dundee United miterleben, wobei er den Ehrentreffer erzielte.

1964 gewann der 1. FC Köln die erste Meisterschaft der neu gegründeten Bundesliga mit dem von Bremen gekommenen Trainer Georg Knöpfle. Mit nur zwei verlorenen Spielen in der gesamten Saison verwies Köln die Verfolger mit Abstand auf die Plätze. Benthaus kam in 27 Spielen zum Einsatz und erzielte ein Tor. Zudem wurde er im Messe-Cup gegen Sheffield Wednesday, den AS Rom und den FC Valencia eingesetzt.

Obwohl 1964/65 die Titelverteidigung nicht gelang (Werder Bremen rangierte vor den Kölnern), enttäuschte die Mannschaft nicht; als Höhepunkte der Spielzeit gab es im Februar/März 1965 im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister gleich drei Spiele gegen den FC Liverpool. Nachdem man sich im Hin- und Rückspiel jeweils mit 0:0 getrennt hatte, musste ein Entscheidungsspiel über das Weiterkommen entscheiden. Dieses wurde am 24. März 1965 in Rotterdam ausgetragen und endete erneut mit einem Unentschieden, diesmal mit 2:2, so dass ein Münzwurf die Entscheidung herbeiführen musste; diesen „gewann“ Liverpool. Am 27. März 1965, nach einem 3:0-Heimsieg gegen den 1. FC Kaiserslautern, gab Benthaus seinen Abschied vom 1. FC Köln bekannt.

Karriere als (Spieler-)Trainer[Bearbeiten]

FC Basel (1965–1982)[Bearbeiten]

1965 wechselte Benthaus von Köln als Spielertrainer zum FC Basel. Dabei bildete er mit den Spielern Jürgen Sundermann und Karl Odermatt ein beachtetes Mittelfeld. Die ersten sechs Jahre übte er erfolgreich diese Doppelfunktion aus, um ab 1971 ausschließlich als Trainer für die Rot-Blauen zu fungieren. Dort entdeckte er Ottmar Hitzfeld und entwickelte ihn behutsam weiter.

Benthaus, der in Basel seine Frau kennenlernte und 1980 den Schweizer Pass erhielt, gewann bis 1982 sieben Mal die Schweizer Meisterschaft - vor ihm gelang dem FC Basel in seiner Geschichte nur eine Meisterschaft - , zweimal den Pokal und einmal den Liga-Pokal. In dieser Zeit erlebte Benthaus den Wechsel von vier Klubpräsidenten und trainierte insgesamt drei Spielergenerationen. Dennoch schaffte er es stets, auf Meisterkurs zu bleiben.

VfB Stuttgart (1982–1985)[Bearbeiten]

Im Sommer 1982 wechselte Benthaus als Nachfolger von Jürgen Sundermann zum VfB Stuttgart. Der vormalige „Wundermann“ (so der Spitzname Sundermanns), der zuvor mit Benthaus beim FC Basel gespielt hatte, wechselte innerhalb der Landeshauptstadt zu den Stuttgarter Kickers. Unter VfB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder war nun ein „kühler, intellektueller Typ mit Meisterschaftserfahrung“ gefragt. Unausgesprochene Vorbehalte zu einem Trainer aus der Schweiz - auch wenn mit mehreren Meisterschaften verziert - waren Benthaus geläufig. Er wusste, dass der neue Job eine Bewährungsprobe in seiner Trainerkarriere darstellen sollte. Zudem standen die Voraussetzungen für Benthaus zunächst nicht gut; er übernahm den Neunten der Saison 1981/82 in dem Moment, als Hansi Müller zu Inter Mailand wechselte und Dieter Müller zu Girondins Bordeaux. Zudem hatte man in der Vorsaison gegen den Meister Hamburger SV und die Verfolger 1. FC Köln und FC Bayern München keine Chance gehabt und in den Auswärtsspielen die Fans enttäuscht. Als Aufwertung erwies sich jedoch die Verpflichtung des neuen Spielmachers Ásgeir Sigurvinsson. Da mit Kurt Niedermayer und Thomas Kempe auch noch zwei bewährte Spieler dazukamen, war der Spielerkader durch die Verpflichtung der Talente Hans-Peter Makan und Peter Reichert auf ein gutes Niveau gebracht worden. Der neue Trainer Benthaus strahlte Autorität aus und einte die Mannschaft auf ein gemeinsames Ziel. Die Förster-Brüder waren Leistungsträger in der Abwehr, Karl Allgöwer schoss viele und wichtige Tore, Hermann Ohlicher leistete gute Mittelfeldarbeit und Ásgeir Sigurvinsson wurde mit mehreren überragenden Spielen seiner Rolle des lange gesuchten Spielmachers sofort gerecht. Schlussendlich führte Benthaus, der „Intellektuelle“, wie er oft in den Medien beschrieben wurde, den VfB auf Anhieb auf Platz 3 der Abschlusstabelle.

Meistertitel 1984 und beinahe Bundestrainer[Bearbeiten]

Benthaus sortierte vor seiner zweiten Saison 1983/84 Didier Six aus dem Kader aus und holte dafür die Sturmhoffnung Dan Corneliusson von IFK Göteborg. Des Weiteren bekamen die Talente Guido Buchwald, Rainer Zietsch und Andreas Müller einen Vertrag. Favoriten für die Meisterschaft waren unter anderem der Titelverteidiger und Europa-Cup-Sieger von 1983, der Hamburger SV, wie auch der FC Bayern München. Tatsächlich gab es dann auch einen Kampf um die Meisterschaft. Wie erwartet waren Hamburg und Bayern an der Tabellenspitze und zusammen mit dem überraschend stark aufspielenden Borussia Mönchengladbach unter Trainer Jupp Heynckes lieferte sich der VfB Stuttgart, der sich gegenüber dem Vorjahr spielerisch steigern konnte, ein ausgeglichenes Rennen bis zum Schluss. Schließlich holte sich die Mannschaft von Benthaus mit 48:20-Punkten und 79:33 Toren die Deutsche Meisterschaft, in dem Jahr, in dem auch die Fußball-Europameisterschaft 1984 in Frankreich ausgetragen wurde. Corneliusson hatte zwar nicht die erhoffte Leistung zustande gebracht, aber Guido Buchwald spielte sich mit seinen Leistungen in den EM-Kader für das DFB-Team. Peter Reichert setzte sich in der Sturmspitze durch, getragen und geführt durch das Mittelfeld. Buchwald und Ohlicher, der Kapitän des Teams, sowie der Stürmer Allgöwer und Sigurvinsson dominierten die Konkurrenz.

Der Meistermacher selbst äußerte sich Jahre später zu diesem Titelgewinn so:

„Wissen Sie, was dieses Ereignis für mich bedeutet? Es war mehr als ein Sieg. Es war für mich so etwas wie die letzte Bestätigung meiner Arbeit als Trainer - ich war vorher ein paar Mal Schweizer Meister geworden, gut. Aber im Hinterkopf plagt die Schweizer doch immer dieser Komplex: Der richtige Fußball beginnt erst jenseits des Schlagbaums - drüben, in der Bundesliga. Ich war, wie gesagt, siebenmal Schweizer Meister - als Deutscher. Dann ging ich rüber und wurde Deutscher Meister - als Schweizer. Vielleicht ahnen Sie jetzt, was dieser Sieg mir wert ist.“

Als im Sommer 1984 Jupp Derwall nach einer für Deutschland enttäuschenden EM in seiner Funktion als Bundestrainer zurücktrat, stand Benthaus für den DFB in der engeren Wahl als Nachfolger. Da der VfB Stuttgart Benthaus aber nicht aus seinem Vertrag entlassen wollte, zerschlug sich der Plan und Franz Beckenbauer wurde zum Teamchef ernannt. [3]

Nach der Saison 1984/85, der Titelverteidiger erreichte nur den 10. Rang, trennten sich die Wege von Helmut Benthaus und dem VfB Stuttgart. Er kehrte zurück zum FC Basel, bei dem er aber nicht mehr an die früheren Erfolge anknüpfen konnte und 1987 durch Urs Siegenthaler ersetzt wurde.

Philosophie[Bearbeiten]

Benthaus dozierte während seiner Zeit als Spieler und Trainer in Basel an der örtlichen Universität. Zuvor hatte er schon in Köln einige Semester Philologie studiert, neben Englisch und dem Studium zum Diplom-Sportlehrer. In Köln hatte er 1965 auch noch zusätzlich die Fußball-Lehrer-Prüfung unter Lehrgangsleiter Hennes Weisweiler abgelegt. Seine Kurskollegen waren u.a. Heinz Hornig, Udo Lattek, Gyula Lorant, Eckhard Krautzun und Willi Holdorf. Geprägt durch das Ruhrgebiet, die Kriegsjahre, die Zeit des Wiederaufbaus, die Schuljahre bis zum Abitur, das Studium und die Vereinsstationen als Spieler, brachte Helmut Benthaus diese Erfahrungen - zusammen mit seiner Neugier für Verbesserungen - mit in den Trainerberuf.

Der ihm zugeschriebene Satz, „ich bin sehr gerne mit Menschen zusammen, die mehr wissen als ich, denn nur von denen kann ich etwas lernen“, zeigt einen wesentlichen Wesenszug des über den Tellerrand des Fußballs hinausdenkenden und lebenden Menschen Benthaus auf. Er verkörperte den modernen Trainer, den Pädagogen und Psychologen auf dem Fußballfeld, der Zwang und Super-Disziplin ablehnte. Für ihn war immer im Trainerberuf auch eine Lehrerfunktion integriert und daraus resultierte auch die Ansicht, dass ein „Trainer mit seinen Spielern nicht nur über die Taktik oder über das Ballstoppen reden sollte“. Öffentlich bekannte er, dass er eine Menge von Sepp Herberger hielt („das war noch einer, der das Wort Fußball-Lehrer in den Mund nahm, wenn er von Trainern sprach“) und dass er selbst auch Pädagoge sein wollte, Mittler seines Fachwissens. Außerdem verabscheute er „Scharlatane“ seiner Branche. VfB-Präsident Mayer-Vorfelder sagte einmal über seinen Trainer: „Er gehört zu den intellektuellen Trainern. Er denkt weiter als andere. Seine souveräne Art zeichnet ihn aus. Benthaus lebt von seiner Rationalität. Er hätte gewiss Probleme, eine junge Mannschaft zu motivieren, sie emotional mitzureißen“. Der damalige VfB-Geschäftsführer Ulrich Schäfer artikulierte: „Unser Trainer ist kühl, bedächtig, intelligent. Und genauso spielt jetzt die Mannschaft!"

Leben nach dem Fußball[Bearbeiten]

Nach seiner Tätigkeit als Trainer arbeitete Benthaus zehn Jahre lang als Versicherungsvertreter in Basel. Benthaus lebt heute im Basler Vorort Riehen, direkt an der deutschen Grenze bei Lörrach.[4] Im Mai 2010 wurde er vom FC Basel zum Ehrenmitglied ernannt.[5]

Erfolge[Bearbeiten]

als Spieler[Bearbeiten]

als Trainer[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Interview mit Helmut Benthaus, Badische Zeitung vom 23. Juni 2010
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRalf Piorr: Die graueste aller grauen Mäuse. In: derWesten.de. 2. Januar 2009, abgerufen am 12. Mai 2010.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDominik Bardow: Gewinnen reicht nicht. In: 11Freunde.de. 17. März 2010, abgerufen am 12. Mai 2010.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAndreas Hennings: Helmut Benthaus, dem Ex-Meistertrainer. In: Stuttgarter Nachrichten. 15. April 2010, abgerufen am 12. Mai 2010.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRemo Meister: Helmut Benthaus und Peter Ramseier zu Ehrenmitgliedern ernannt. In: FC Basel, offizielle Homepage. 3. Mai 2010, abgerufen am 12. Mai 2010.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]