Georg Knöpfle

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Georg Knöpfle um 1955

Georg „Schorsch“ Knöpfle (* 15. Mai 1904 in Schramberg; † 14. Dezember 1987 in Hamburg - Farmsen) war ein deutscher Fußballspieler und Trainer. Der aus dem Schwarzwald stammende Halbstürmer spielte in den 1920er und 1930er Jahren für die süddeutschen Spitzenvereine SpVgg Fürth (1926–1928) und FSV Frankfurt (1928–1934). Für die Deutsche Fußballnationalmannschaft absolvierte er zwischen 1928 und 1933 23 Länderspiele. Nach Beendigung seiner Laufbahn als Fußballspieler war er als Trainer aktiv, in dieser Funktion zählt der Gewinn der ersten deutschen Meisterschaft nach Einführung der Bundesliga mit dem 1. FC Köln 1964 zu den Höhepunkten seiner Karriere.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familie, Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Knöpfle war das vierte von sieben Kindern von Matthias Knöpfle (1871–1962) und Christine geb. Heß (1872–1942). Er besuchte von 1910 bis 1918 in Schramberg die Berneckschule. Von 1918 bis 1921 absolvierte er eine Mechanikerlehre in der Uhrenfabrik Junghans in Schramberg. 1926 zog er nach Fürth.

Er war seit 1935 mit der Schrambergerin Laura Alber (1905–2003) verheiratet; beide hatten zwei Töchter und einen Sohn.
Mit Schramberg und der dortigen Familie war er lebenslang verbunden. Während seiner Hamburger Zeit organisierte er 1949 ein denkwürdiges Gastspiel des HSV in Schramberg, das die Gäste mit 5:0 gewannen.

Fußballspieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spieler in Fürth und Frankfurt sowie Nationalspieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Knöpfle begann im Schwarzwald im Alter von neun Jahren das Fußballspielen bei der heimischen SpVgg 08 Schramberg. In diesem Umfeld konnte er sich in den Jugendmannschaften bis 1922 entwickeln und wurde 1921 sogar in der ersten Mannschaft eingesetzt. 1926 fand er in Fürth mit der SpVgg Fürth einen der besten Vereine dieser Zeit, der zudem im selben Jahr die deutsche Meisterschaft gewinnen konnte und mit William Townley einen berühmten englischen Trainer beschäftigte.
Nach einiger Zeit in den niederklassigen Mannschaften des Vereins gelang ihm 1927 der endgültige Durchbruch in der ersten Mannschaft.

In seiner kämpferisch betonten Spielweise machte er sich als Läufer, sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite, schnell einen Namen und nach mehrfachen Einsätzen für die süddeutsche Auswahl wurde er von Reichstrainer Otto Nerz erstmals für das Spiel der deutschen Nationalmannschaft am 15. April 1928 gegen die Schweiz in Bern berufen. In seinem Debüt gelang dabei ein 3:2-Sieg.

Knöpfle (3.v.l.) am 28. April 1929
vor dem Länderspiel gegen Italien

Nach weiteren Testspielen gegen schottische und englische Profiteams wurde er für den Kader der Olympischen Spiele in Amsterdam im selben Jahr nominiert und absolvierte dort als rechter Außenläufer zwei Spiele gegen die Schweiz und Uruguay.

Kurz nach diesem Turnier wechselte Knöpfle von Fürth zu FSV Frankfurt. Der deutsche Vizemeister von 1925 hatte zu diesem Zeitpunkt seine Führungsrolle am Main an den Lokalrivalen Eintracht verloren. Nach der Vizemeisterschaft 1932 errangen die Bornheimer erst in der Runde 1932/33 wieder den Meistertitel im Mainbezirk, und kämpften sich in anschließenden Endrunde um die „Süddeutsche“ bis ins Finale vor. Ein Kopfballtreffer von Knöpfle entschied das Endspiel im Frankfurter Waldstadion gegen den SV 1860 München zugunsten der Schwarz-Blauen, die damit ihren ersten – und bis heute einzigen – Süddeutschen Meistertitel feiern konnten. Er war noch ein weiteres Jahr für FSV Frankfurt aktiv, der in der neugeschaffenen Gauliga Südwest jedoch nicht an die vorangegangenen Erfolge anknüpfen konnte. Mit seinen 20 Länderspiel-Einsätzen ist er bis heute der Rekordnationalspieler des Vereins.

Fußballtrainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während seiner Zeit als Spieler beim FSV Frankfurt absolvierte Knöpfle an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin die Ausbildung zum Sport- und Fußballlehrer. In dieser Rolle gastierte er im Sommer 1932 drei Monate lang bei Victoria Hamburg.[1] Nach der Genesung von einer schweren Verletzung, die er im Mai 1933 bei einem Meisterschaftsspiel gegen Schalke 04 erhielt, musste er auf die Fortsetzung seiner Laufbahn als Spieler verzichten. So legte er 1935 beim DFB die Prüfung zum Bundessportlehrer ab und gehörte anschließend zum Trainerstab der Deutschen Fußballnationalmannschaft bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin. 1937 wurde er an die Hochschule für Lehrerbildung in Braunschweig berufen und später wirkte er als Leiter des Instituts für Leibesübungen an der TH Braunschweig. Gleichzeitig trainierte er die Mannschaft der Eintracht Braunschweig.

Vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs und nach Assistenztätigkeiten unter Trainer Nerz arbeitete Knöpfle zunächst als Auswahltrainer für den Bereich zwischen Mecklenburg und Niedersachsen, um ab 1937 als Vereinstrainer aktiv zu werden. Nach Stationen u. a. bei Eintracht Braunschweig (11 Jahre, gegen Kriegsende auch wieder als aktiver Spieler), dem SV Arminia Hannover, dem Hamburger SV, dem FC Bayern München,[2] wo er zum ersten und einzigen Mal wegen Erfolglosigkeit vorzeitig gehen musste (ihn löste Jakob Streitle ab), und Alemannia Aachen trainierte er ab der Saison 1958/59 Werder Bremen. In seiner fünfjährigen Amtszeit dort gewann er 1961 den DFB-Pokal und schied mit seiner Mannschaft im darauffolgenden Jahr im Europapokal der Pokalsieger nach einem Erfolg gegen den dänischen Titelträger Aarhus GF im anschließenden Viertelfinale gegen Atlético Madrid aus. 1963 wechselte er zum 1. FC Köln. In der ersten Saison der neu gegründeten Bundesliga gelang ihm in Köln sein sportlich größter Erfolg, indem er auf Anhieb die deutsche Meisterschaft gewann und dabei Spielern wie Wolfgang Overath und Wolfgang Weber in ihren jeweils ersten Spielzeiten zum sportlichen Durchbruch verhalf. In der Saison 1964/65 durchlitt er im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister gegen den FC Liverpool ein unglückliches Ausscheiden, nachdem beide Vereine nach Ablauf von Hin- und Rückspiel plus einem Entscheidungsspiel in Rotterdam keinen Sieger ermitteln konnten und der „Münzwurf von Rotterdam“ zugunsten des englischen Meisters entschied. Hierfür musste die Münze ein zweites Mal geworfen werden, da sie beim ersten Mal senkrecht im morastigen Boden stecken blieb. In derselben Saison konnte er mit Köln die Vizemeisterschaft gewinnen und nach insgesamt drei Jahren in Köln wechselte er 1966 erneut nach Hamburg, um beim HSV bis 1969 den Posten des technischen Direktors und „Fußballchefs“ zu bekleiden, außerdem von April 1969 bis 1970 noch einmal selbst das Training des Bundesligisten zu übernehmen. Anschließend betreute er noch den Amateurklub Meiendorfer SV und zog sich dann vom Fußball zurück.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004 ehrte der Fußballverein von Schramberg, die Spielvereinigung 08, Knöpfle posthum anlässlich seines 100. Geburtstags und benannte das Vereinsheims Georg-Knöpfle-Sportheim.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Knöpfle wurde aufgrund seiner geringen Körpergröße und in Anlehnung an seinen Namen als Spieler auch „Knopf“ genannt.
  • Während seiner Trainerzeit beim 1. FC Köln war er als „Meisterschmied“ und „Trainer mit der hohen Stirn“ bekannt.
  • Er war der erste technische Direktor in der Geschichte der Bundesliga.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eintrag Knöpfle, Georg „Schorsch“. In: Lorenz Knierim, Hardy Grüne: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Spielerlexikon 1890-1963. Agon Sportverlag, Kassel 2006, ISBN 3-89784-148-7, S. 197 f.
  • Hanspeter Kunz: Schrambergs Botschafter in Sachen Fußball, zum 100. Geburtstag von Georg Knöpfle. In: D’Kräz, Beiträge zur Geschichte der Stadt und Raumschaft Schramberg, Heft 23, 2003, S. 86-92.
  • Hanspeter Kunz: Georg Knöpfle, vom Straßenkicker zum Nationalspieler. In: D'Kräz, Heft 26, 2006, S. 22-27.
  • Hanspeter Kunz: Georg Knöpfle, der Fußballtrainer. In: D'Kräz, Heft 27, 2007, S. 54-62.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vereinsnachrichten, Jg. 1932. Drei Jahre später wirkte er in einem Jubiläumsspiel im Victoria-Trikot gegen Schalke 04 mit.
  2. Dietrich Schulze-Marmeling: Die Bayern - Die Geschichte des Rekordmeisters. Verlag DIE WERKSTATT. 2009, ISBN 978-3-89533669-0 - S. 663