Le Sen

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Le Sen
Le Sen (Frankreich)
Le Sen
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Landes
Arrondissement Mont-de-Marsan
Kanton Haute Lande Armagnac (Hauptort)
Gemeindeverband Cœur Haute Lande
Koordinaten 44° 8′ N, 0° 30′ WKoordinaten: 44° 8′ N, 0° 30′ W
Höhe 88–123 m
Fläche 51,10 km2
Einwohner 219 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 4 Einw./km2
Postleitzahl 40420
INSEE-Code

Rathaus von Le Sen

Le Sen ist eine französische Gemeinde mit 219 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Landes in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Sie gehört zum Arrondissement Mont-de-Marsan und zum Kanton Haute Lande Armagnac (bis 2015: Kanton Labrit).

Der Name in der gascognischen Sprache lautet Eussen, dessen Herkunft unklar ist.[1]

Die Einwohner werden Sennois und Sennoises genannt.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Le Sen liegt ca. 30 km nördlich von Mont-de-Marsan in der historischen Provinz Gascogne.

Umgeben wird Le Sen von den Nachbargemeinden:

Luxey
Nachbargemeinden Lencouacq
Labrit Cachen

Le Sen liegt in den Einzugsgebieten des Flusses Adour.

Der Estrigon, ein rechter Nebenfluss der Midouze, entspringt auf dem Gebiet der Gemeinde.[3]

Der Estrigon bei Le Sen

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Mitglied der adeligen Familie Albret hat vermutlich in der Mitte des 13. Jahrhunderts ein Priorat in Le Sen gegründet. Es umfasste Hospital, Nebengebäude, Ländereien und Meierhöfe und wurde dem Bischof von Bethlehem zur Unterstützung der Kreuzzüge geschenkt. Eine Maria gewidmete Kapelle wurde zu diesem Anlass errichtet. Nach den Kreuzzügen unterstand das Priorat den Albrets, die sogar selbst die Prioren nominierten. Nach der Konvertierung der Albrets zum Protestantismus diente das Priorat als Zufluchtsort und sollte auf Geheiß des französischen Königs zerstört werden. Aber Kardinal de Sourdis, Erzbischof von Bordeaux, bewahrte das Priorat und fügte es seinen Besitztümern zu. Während der Französischen Revolution wurde das Priorat als Nationalgut verkauft. Bis zu seinem Abriss im Jahre 1935 diente es als Herberge.[4]

Le Sen besaß einen Bahnhof an der Eisenbahnlinie, die Mont-de-Marsan mit Luxey verband und 1906 eröffnet wurde. 1955 wurde die Beförderung von Personen, 1959 der Güterverkehr eingestellt.[5]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Beginn der Aufzeichnungen stieg die Einwohnerzahl bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auf einen Höchststand von 525. In der Folgezeit sank die Größe der Gemeinde bei kurzen Erholungsphasen insbesondere während des 20. Jahrhunderts bis zu den 1970er Jahren auf rund 125 Einwohner, bevor eine Wachstumsphase einsetzte, die heute noch andauert.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2010 2016
Einwohner 189 182 127 127 161 201 205 207 219
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 1999,[6] INSEE ab 2006[7][8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Notre-Dame du Mont-Carmel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Notre-Dame du Mont-Carmel

Die Kirche war ursprünglich die Kapelle des Priorats und gehörte vermutlich seit dem 14. Jahrhundert zur Pfarrgemeinde von Labrit. In den Hugenottenkriegen wurde sie 1649 von protestantischen Truppen unter dem Kommando des Hauptmanns Lubardes geplündert und verwüstet, später erneut durch Truppen des Hauptmanns Cardonne aus Saint-Sever, die die südliche Wand zum Einsturz brachten. Ab 1650 wurde das Gebäude wiederhergestellt, einige Jahrzehnte nach der Vereinigung des Priorats mit Notre-Dame de la Miséricorde de la chartreuse in Bordeaux. Von diesem Bau mit einem einschiffigen Langhaus, dem ein Glockengiebel mit einem Treppenturm vorangestellt war, sind heute nur Teile der Wände des Langhauses und des ehemaligen Chors zu sehen. 1791 wurde die Kirche zusammen mit dem Priorat an den Baron von Poyferré de Cère verkauft. Nach dem Konkordat von 1801 wurde sie wieder für Gottesdienste zur Verfügung gestellt und danach von der Gemeinde zurückgekauft. 1867 begann eine umfangreiche Restaurierung, die einem Neubau unter der Leitung des Architekten des Départements, Alexandre Ozanne, gleichkommt. Die Arbeiten umfassten die Errichtung eines neuen, viereckigen Chors, von zwei Seitenkapellen, die ein Transept bilden, und einer südlich an den Chor gebauten Sakristei. Das Projekt endete 1870 mit einer vollständigen Überarbeitung der Fenster und Eingänge und dem Bau eines großen Glockenturms, der in der ursprünglichen Planung nicht vorgesehen war. Die Kirche ist nun in einem neugotischen Stil gehalten mit einem Langhaus mit einer Länge von drei Jochen. Der Glockenturm birgt im Erdgeschoss die Vorhalle, im ersten Stock eine Empore. Er wird von zwei oktogonalen Treppentürmen gesäumt. Langhaus und Chor sind mit einem falschen Kreuzgratgewölbe ausgestattet, das im Langhaus und in den Kapellen auf Mauervorsprüngen ruht, im Chor auf Kämpfern. Satteldächer mit Hohlziegeln decken das Langhaus und die Kapellen, der viereckige Helm und die polygonalen Dächer der Treppentürme sind gemauert. Abgeschrägte Strebepfeiler umsäumen das gesamte Gebäude. Am 27. April 1870 wurde die Kirche eingeweiht.[9]

Die 1649 geplünderte Kirche wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts beim Wiederaufbau neu eingerichtet. Aus der Zeit des Ancien Régime ist allerdings nur eine große hölzerne Statue mit der Darstellung Marias mit Jesuskind erhalten geblieben, die aus dem Ende des 17. oder dem Beginn des 18. Jahrhunderts datiert. Die flache Rückseite der 1,40 m großen Figur deutet darauf hin, dass sie ursprünglich für eine Nische eines Altarretabels vorgesehen war. In der Mitte des 19. Jahrhunderts und vor allem mit dem Neubau 1867 wurde die Inneneinrichtung ausgetauscht. Ein Glasfenster ist ein Werk des Glasmalers Gustave Pierre Dagrant aus Bayonne, das 1869 entstanden ist. Es besteht aus drei Lanzetten, die mittlere höher als die beiden anderen. Die mittlere Lanzette zeigt einen betenden Jesus Christus mit einem Kelch und einer Hostie, die linke Johannes den Täufer mit einem Lamm, die rechte den heiligen Blasius von Sebaste als Bischof mit Krummstab und Märtyrerpalme. Die Personen sind aufrecht vor rotem Hintergrund in vielpassförmigen Medaillons dargestellt. Die beschriebenen und viele weitere Einrichtungsgegenstände der Kirche sind als nationale Kulturgüter registriert.[10][11][12]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gebiet der Gemeinde befindet sich ein Betrieb der Firma BIOLANDES. Er wurde 1980 gegründet und destilliert Bestandteile von Kiefern für die Parfümerieindustrie. Die Abfallprodukte werden für die Düngung von Gärten verarbeitet und für die Gewinnung von Energie verwendet.[13]

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[14]
Gesamt = 39

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Grundschule mit 41 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2017/2018.[15]

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein leichter Rundweg mit einer Länge von 46 km führt vom Zentrum von Le Sen mit dem Fahrrad auf den Spuren der Pilger und Schäfer an Sehenswürdigkeiten von Le Sen und seiner Nachbargemeinden vorbei.[17]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Le Sen ist erreichbar über die Routes départementales 9, 392 626 und 651.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Le Sen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Le Sen (fr) Gasconha.com. Abgerufen am 9. Juni 2018.
  2. Landes (fr) habitants.fr. Abgerufen am 9. Juni 2018.
  3. Ma commune : Le Sen (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 9. Juni 2018.
  4. Le Sen (fr) Gemeindeverband Communauté de communes Cœur Haute Lande. Abgerufen am 9. Juni 2018.
  5. Description de la ligne Luxey/Mont-de-Marsan (fr) Voies ferrées des Landes. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  6. Notice Communale Le Sen (fr) EHESS. Abgerufen am 9. Juni 2018.
  7. Populations légales 2006 Commune du Sen (40297) (fr) INSEE. Abgerufen am 9. Juni 2018.
  8. Populations légales 2015 Commune du Sen (40297) (fr) INSEE. Abgerufen am 9. Juni 2018.
  9. église paroissiale Notre-Dame du Mont-Carmel (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 9. Juni 2018.
  10. le mobilier de l’église paroissiale Notre-Dame du Mont-Carmel (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 9. Juni 2018.
  11. statue : Vierge à l’Enfant (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 9. Juni 2018.
  12. verrière : Le Christ prêtre, saint Jean-Baptiste et saint Blaise (baie 0) (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 9. Juni 2018.
  13. Usine biolandes (fr) Parc naturel régional des Landes de Gascogne. Abgerufen am 9. Juni 2018.
  14. Caractéristiques des établissements en 2015 Commune du Sen (40297) (fr) INSEE. Abgerufen am 9. Juni 2018.
  15. École élémentaire (fr) Nationales Bildungsministerium. Abgerufen am 9. Juni 2018.
  16. 51 communes du Parc naturel régional des Landes de Gascogne (fr, PDF) Parc Naturel Régional des Landes de Gascogne. Archiviert vom Original am 3. März 2016. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ecotourisme-landes-de-gascogne.fr Abgerufen am 9. Juni 2018.
  17. A Le Sen, sur les pas des pèlerins et des bergers (fr) Parc naturel régional des Landes de Gascogne. Abgerufen am 9. Juni 2018.