Liposthey

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Liposthey
Liposthey (Frankreich)
Liposthey
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Landes
Arrondissement Mont-de-Marsan
Kanton Grands Lacs
Gemeindeverband Cœur Haute Lande
Koordinaten 44° 19′ N, 0° 53′ WKoordinaten: 44° 19′ N, 0° 53′ W
Höhe 61–73 m
Fläche 23,97 km2
Einwohner 523 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 22 Einw./km2
Postleitzahl 40410
INSEE-Code
Website www.liposthey.fr

Rathaus von Liposthey, mit Garluche-Steinen erbaut

Liposthey ist eine französische Gemeinde mit 523 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Landes in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Mont-de-Marsan und zum Kanton Grands Lacs (bis 2015: Kanton Pissos).

Der Name in der gascognischen Sprache lautet Lipostèir.[1] Er leitet sich aus dem Lateinischen lucu posteriu (deutsch Zollposten) des Mittelalters ab.[2]

Die Einwohner werden Lipostheyais und Lipostheyaises genannt.[3]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liposthey liegt ca. 60 km nordwestlich von Mont-de-Marsan in der historischen Provinz Gascogne am nördlichen Rand des Départements.

Umgeben wird Liposthey von den Nachbargemeinden:

Saugnacq-et-Muret
Ychoux Nachbargemeinden Pissos
Lüe Labouheyre

Liposthey liegt in den Einzugsgebieten der Eyre und des Küstenflusses Courant de Mimizan.

Der Ruisseau des Forges, auch Ruisseau du Moulin de Pin genannt, ist ein Nebenfluss des Courant de Mimizan und entspringt in Liposthey. Er durchquert das Gebiet der Gemeinde ebenso wie seine ebenfalls in Liposthey entspringenden Zuflüsse, der Ruisseau du Basque und sein Nebenfluss, der Barade de la Commune, auch Barade du Treytin genannt.

Ein Nebenfluss der Eyre, der Ruisseau du Mourcaou, entspringt in Liposthey so auch sein Zufluss, der Ruisseau du Braou, auch Barade du Poutou genannt.

Der Barade de Citran, ein Zufluss des Barade Neuve de Labaste, entspringt gleichfalls auf dem Gebiet der Gemeinde.[4]

Waschhaus
Straßenschild

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Antike war Liposthey ein Etappenort an der Straße von Bordeaux nach Dax. In der Folge verlief die Strecke als königliche Landstraße von Bordaux nach Bayonne. 1464 wurde eine Poststation eingerichtet. Das Dorf erscheint auf der Karte der Jakobswege nach Santiago de Compostela aus dem Jahre 1648. Zu dieser Zeit kamen Pilger auf der Via Turonensis an Liposthey vorbei, die von einem Hospital empfangen wurden. Während des Mittelalters war Liposthey ein Zollposten und verdankte ihm seinen Namen. Nach der Französischen Revolution war Liposthey ohne vorherige Abstimmung der Nachbargemeinde Pissos angegliedert. Die lokalen Politiker wehrten sich für eine Unabhängigkeit und nach zahlreichen Behördengängen und Verhandlungen erlangte Liposthey seine Autonomie im Jahre 1859 unter der Regentschaft des französischen Kaisers Napoleon III. Im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die traditionelle Landnutzung in Form von Feldbau und Naturweidewirtschaft, die die lokale Wirtschaft geprägt hatten, nach und nach zurückgedrängt. Das Gesetz vom 19. Juni 1857 sah die Entwässerung der Landes und Anpflanzung von See-Kiefern vor und bildete somit eine Wende in der Geschichte der Region. Die lokale Wirtschaft orientierte sich fortan an der industriellen Nutzung des Baumharzes und des Holzes. Im 19. Jahrhundert besaß Liposthey eine von zwanzig Stationen des frankreichweiten optischen Telegrafennetzes, dessen Technik von Claude Chappe entwickelt worden war. Die Station wurde 1822 auf einem viereckigen Turm installiert, der heute nicht mehr existiert. Bis zum ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wurden jeden Montag in der Gemeinde bedeutende Wochenmärkte abgehalten. Die Händler kamen aus dem ganzen Département und sogar aus Bordeaux und La Teste-de-Buch.[2]

Liposthey besaß einen Haltepunkt an der Eisenbahnlinie der Compagnie des voies ferrées des Landes, die Ychoux mit Moustey verband. Das Teilstück zwischen Ychoux und Pissos wurde am 27. Oktober 1890 eröffnet, das weitere Teilstück nach Moustey am 13. August 1905. Aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeit wurde am 15. September 1939 der Personenverkehr auf der nicht elektrifizierten, einspurigen Strecke kurzzeitig eingestellt, von 1940 bis 1950 aber weiter betrieben, um die kriegsbedingten Lücken im Eisenbahnnetz auszugleichen. Der Güterverkehr wurde schließlich am 1. September 1979 eingestellt.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem ersten Höchststand der Einwohnerzahl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von 380 sank die Größe der Gemeinde in der Folgezeit bei kurzen Erholungsphasen bis zu den 1960er Jahren auf rund 160 Einwohner, bevor eine robuste Wachstumsphase einsetzte, die die Gemeindegröße auf über 500 Einwohner hob.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2010 2016
Einwohner 173 163 206 251 302 323 387 438 523
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 1999,[6] INSEE ab 2006[7][8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Saint-Pierre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Saint-Pierre

Die dem Apostel Petrus geweihte Pfarrkirche wurde um 1868 neu errichtet. Ihr Langhaus birgt ein Kirchenschiff, das in einem Chor in einer dreiwandigen Apsis verlängert wird, die niedriger als das Langhaus gebaut wurde. Zwei Seitenkapellen bilden ein falsches Transept. Die Innenräume sind mit Kreuzrippengewölben ausgestattet, die auf Säulen ruhen. Im Westen ragt der Glockenturm mit der Vorhalle im Erdgeschoss vor dem Langhaus in die Höhe. Er wird bekrönt mit einem Helm, der mit Schiefer gedeckt ist.[9]

Alle Einrichtungsgegenstände sind in der gleichen Zeit oder nur wenig später als der Neubau der Kirche entstanden. Fünf Glasfenster sind Werke des Glasmalers Henri Feur aus Bordeaux, die 1893 entstanden sind. In vielpassförmigen Medaillons vor geometrischen und pflanzlichen Ornamenten im Hintergrund werden der Apostel Petrus, Jakobus der Ältere, die heilige Anna, der heilige Vinzenz von Paul und Maria dargestellt.[10][11]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[12]
Gesamt = 67

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Vor- und Grundschule mit 73 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2017/2018.[13]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liposthey ist erreichbar über die Routes départementales 10E und 43.

Die Autoroute A63, genannt Autoroute des Landes, durchquert das Gemeindegebiet. Die nahe gelegene Ausfahrt 17 bedient die Gemeinde.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Liposthey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Liposthey (fr) Gasconha.com. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  2. a b Un peu d’histoire (fr) Gemeinde Liposthey. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  3. Landes (fr) habitants.fr. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  4. Ma commune : Liposthey (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  5. Ychoux/Moustey (fr) Voies ferrées des Landes. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  6. Notice Communale Liposthey (fr) EHESS. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  7. Populations légales 2006 Commune de Liposthey (40156) (fr) INSEE. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  8. Populations légales 2015 Commune de Liposthey (40156) (fr) INSEE. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  9. église paroissiale Saint-Pierre (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  10. le mobilier de l’église paroissiale Saint-Pierre (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  11. ensemble de 5 verrières : Saint Pierre, Saint Jacques le Majeur, Sainte Anne, Saint Vincent de Paul, Notre-Dame de Lourdes (baies 0 à 4) (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  12. Caractéristiques des établissements en 2015 Commune de Liposthey (40156) (fr) INSEE. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  13. École maternelle et élémentaire (fr) Nationales Bildungsministerium. Abgerufen am 23. Juni 2018.