Arue (Landes)

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Arue
Arue (Frankreich)
Arue
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Landes
Arrondissement Mont-de-Marsan
Kanton Haute Lande Armagnac
Gemeindeverband Landes d’Armagnac
Koordinaten 44° 4′ N, 0° 21′ WKoordinaten: 44° 4′ N, 0° 21′ W
Höhe 47–113 m
Fläche 48,11 km2
Einwohner 347 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 7 Einw./km2
Postleitzahl 40120
INSEE-Code
Website www.arue.fr

Rathaus von Arue

Arue ist eine französische Gemeinde mit 347 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) im Département Landes in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016: Aquitanien). Die Gemeinde gehört zum Arrondissement Mont-de-Marsan und zum Kanton Haute Lande Armagnac (bis 2015: Kanton Roquefort).

Der Name in der gascognischen Sprache lautet Arua.[1] Er leitet sich vom Namen des gallorömischen Dorfes Atora ab, das sich an der gleichen Stelle befand.[2]

Die Einwohner werden Atrébates genannt.[3]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arue liegt ca. 25 km nordöstlich von Mont-de-Marsan im Waldgebiet Landes de Gascogne in der historischen Provinz Gascogne am nördlichen Rand des Départements.

Umgeben wird Arue von den Nachbargemeinden:

Lencouacq Retjons
Cachen
Bélis
Nachbargemeinden Saint-Gor
Maillères Roquefort
Pouydesseaux

Arue liegt im Einzugsgebiet des Flusses Adour.

Die Douze, hier auch Doulouze genannt, fließt durch das Gebiet der Gemeinde ebenso wie ihre Nebenflüsse,

  • der Estampon mit seinen Zuflüssen,
    • dem Ruisseau de Ribarrouy und
    • dem Ruisseau de Nabias, der in Arue entspringt,
  • der Ruisseau du Moulin d’Arue, der in Arue entspringt, und
  • die Gouaneyre.[4]
Der Estampon bei Arue
Brücke über die Gouaneyre bei Le Ginx

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursprünge reichen mindestens bis in die gallorömische Zeit zurück, denn die Gemeinde war ehemals ein Dorf mit Namen Atora. Zahlreiche Sarkophage sind in Arue und Umgebung gefunden worden, was vermuten lässt, dass es in der merowingischen Zeit eine Produktionsstätte gegeben hat. 1306 wurde Arue in den Aufzeichnungen erwähnt, denn das Dorf war Sitz eines Erzpriestertums des Bistums Aire-sur-l’Adour und war zu einer Bastide umgestaltet worden. Das Erzpriestertum umfasste 1572 elf Pfarrgemeinden und zwei Komtureien. Es liegen keine Informationen über die Geschichte zwischen dem 16. und dem 20. Jahrhundert vor, aber es ist davon auszugehen, dass Arue als Sitz eines Erzpriestertums in den Hugenottenkriegen und während der Französischen Revolution die gleichen Nöte wie die Nachbargemeinden hatte. Im 20. Jahrhundert florierte die Wirtschaft auf Basis einer Papierindustrie.[2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Beginn der Aufzeichnungen stieg die Einwohnerzahl in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf einen Höchststand von rund 820. In der Folgezeit sank die Größe der Gemeinde bei kurzen Erholungsphasen bis zu den 1990er Jahren auf rund 285 Einwohner, bevor eine Wachstumsphase einsetzte, die heute noch andauert.

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2010 2016
Einwohner 471 425 347 294 290 286 295 309 347
Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz
Quellen: EHESS/Cassini bis 2006,[5] INSEE ab 2010[6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche Saint-Pierre in Le Ginx
  • Pfarrkirche in Le Ginx, geweiht dem Apostel Petrus. Die romanische Kirche wurde im 12. Jahrhundert auf einer Lichtung im heutigen Ortsteil Le Ginx errichtet, ca. 6 km südwestlich des Zentrums von Arue. Le Ginx war früher eine Filialgemeinde von Cachen. Von dem ursprünglichen Bau hat ein Teil des Langhauses und die Apsis die Jahrhunderte überdauert. Letztere war originär halbrund, heute hat sie außen einen polygonalen Abschluss, der von zwei dicken Strebewerken gestützt wird. Die Kirche ist aus tonhaltigem Kalkstein aus Dumes und muschelhaltigem Sandstein gebaut, der von einem Steinbruch im Ortsteil Duraga stammt, dessen Betrieb inzwischen eingestellt wurde. Der massive Glockenturm ist vermutlich im 14. Jahrhundert an das Langhaus angefügt worden. Er ist als Wehrturm konzipiert worden, denn es sind heute noch Schießscharten und Kragsteine zur Halterung von Hurden sichtbar. Der zweigeschossige Eingangsvorbau mit rundbogenförmigen Eingangstüren nach Norden und nach Süden hin datiert aus dem 19. Jahrhundert. Das Haus an der Südseite des Langbaus ist zweifellos das frühere Pfarrhaus. An der Nordseite wird der Langbau von der Sakristei flankiert. Die Kirche ist dem Apostel Petrus geweiht, aber ihr schmuckloses Inneres enthält keine Darstellungen des Heiligen. Das Langhaus mit einem Kirchenschiff ist mit einer Gipsdecke versehen, der halbrunde Chor mit einem falschen Kesselgewölbe. Die Kirche birgt Einrichtungsgegenstände aus dem 18. bis 20. Jahrhundert, die als nationale Kulturgüter registriert sind.[7][8] An einer Seite der Kirche haben die Einwohner in einem Bauwerk aus Holz ein Museum eingerichtet, in dem Werkzeuge und alte Dinge aus dem späten 19. und dem frühen 20. Jahrhundert ausgestellt werden.[9]
Pfarrkirche Saint-Clair in Arue
  • Pfarrkirche in Arue, geweiht dem heiligen Clarus. Die frühere Pfarrkirche, die Mariä Himmelfahrt gewidmet war, wurde im 13. Jahrhundert errichtet und war der Sitz des Erzpriestertums. Die heutige Kirche ist ein neuromanischer Neubau der Jahre 1897 bis 1902 an derselben Stelle. Der Friedhof, der die Kirche umsäumt hatte, wurde bei der Gelegenheit versetzt. Das einschiffige Langhaus mit einer Länge von vier Jochen wird von zwei Seitenkapellen als Transept flankiert und von einer dreiwandigen Apsis verlängert, an dessen Seiten sich zwei Sakristeien anschließen. Das Langhaus und die Seitenkapellen sind mit einem Kreuzgratgewölbe gedeckt, der Chor mit einem falschen Kreuzrippengewölbe. Im westlichen Teil befindet sich ein Eingangsvorbau mit derselben Breite wie das Langhaus mit einem Glockenturm, dessen oktogonaler Helm mit Schiefer gedeckt ist. Das Gebäude zeigt eine unregelmäßige Verzahnung an Mauerecken mit Werksteinen und an allen Seiten abgeschrägte Strebewerke. Drei Glasfenster sind Werke des Glasmalers Gustave Pierre Dagrant aus Bordeaux, die 1902 während des Baus der Kirche entstanden sind. Weitere Einrichtungsgegenstände stammen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert und sind als nationale Kulturgüter registriert.[10]
  • Sarkophage. Dem Steinbruch von Duraga war in merowingischer Zeit vermutlich eine Produktionsstätte von Sarkophagen angeschlossen, die den gewonnenen Kalksandstein verarbeitete. Unweit des ehemaligen Steinbruchs befindet sich ein Bauernhof, der ein Mauerstück oder ein Strebewerk aus dem 12. Jahrhundert besitzt. Es wird angenommen, dass sich an dieser Stelle eine mittelalterliche Burg befand. In einer Ecke ist ein merowingischer Sarkophag an der Seite einer früheren Mauer in die Erde eingesunken. Sein Deckel ist verloren gegangen.[11]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirtschaft der Gemeinde basiert sowohl auf der Landwirtschaft als auch auf Handel und Dienstleistungen.

Aktive Arbeitsstätten nach Branchen am 31. Dezember 2015[12]
Gesamt = 39

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über eine öffentliche Vorschule mit 19 Schülerinnen und Schülern im Schuljahr 2017/2018.[13]

Logo des Jakobswegs

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Lagune von Nabias lädt im Frühjahr und im Sommer zum Spaziergang und Angeln ein. Informationstafeln informieren über die Lagune und die Geschichte der Eisenbahn in diesem Teil der Landes.[15]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arue ist erreichbar über die Routes départementales 9, 626 (ehemalige Route nationale 626) und 932 (ehemalige Route nationale 132).

Die Autoroute A65, genannt Autoroute de Gascogne, durchquert das Gemeindegebiet. An der Ausfahrt 3, die als Trompete in rechtsgeführter Form ausgeführt ist und Arue und Roquefort bedient, ist der Rastplatz Aire de Repos de la Porte d’Armagnac angeschlossen.

Eine Eisenbahnlinie der Compagnie des chemins de fer du Midi, die Mont-de-Marsan mit Marmande im Département Lot-et-Garonne verband, führte auch durch einen Teil des Gemeindegebiets. Der Betrieb wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eingestellt und die ehemalige Bahntrasse dient heute teilweise als Wander- oder Radweg.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Arue (Landes) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arue (fr) Gasconha.com. Abgerufen am 10. Januar 2018.
  2. a b Arue (fr) Conseil régional d’Aquitaine. Archiviert vom Original am 10. Januar 2018. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 10. Januar 2018.
  3. Landes (fr) habitants.fr. Abgerufen am 10. Januar 2018.
  4. Ma commune : Arue (fr) Système d’Information sur l’Eau du Bassin Adour Garonne. Abgerufen am 10. Januar 2018.
  5. Notice Communale Arue (fr) EHESS. Abgerufen am 10. Januar 2018.
  6. Populations légales 2015 Commune d’Arue (40014) (fr) INSEE. Abgerufen am 10. Januar 2018.
  7. Église Saint-Pierre de Ginx (fr) Conseil régional d’Aquitaine. Archiviert vom Original am 10. Januar 2018. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 10. Januar 2018.
  8. église paroissiale Saint-Pierre (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 10. Januar 2018.
  9. Patrimoine (fr) Gemeinde Arue. 6. Dezember 2011. Abgerufen am 10. Januar 2018.
  10. église paroissiale Saint-Clair (fr) Ministerium für Kultur und Kommunikation. Abgerufen am 10. Januar 2018.
  11. Sarcophage mérovingien d’Arue (fr) Conseil régional d’Aquitaine. Archiviert vom Original am 10. Januar 2018. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/visites.aquitaine.fr Abgerufen am 10. Januar 2018.
  12. Caractéristiques des établissements en 2015 Commune dְ’Arue (40014) (fr) INSEE. Abgerufen am 10. Januar 2018.
  13. École maternelle (fr) Nationales Bildungsministerium. Abgerufen am 10. Januar 2018.
  14. La voie de Vézelay (fr) Agence de Coopération Interrégionale et Réseau „Chemins de Saint-Jacques de Compostelle“. Abgerufen am 10. Januar 2018.
  15. a b Sentier des lagunes de Nabias (fr, PDF) Comité régional de tourisme d’Aquitaine. Abgerufen am 10. Januar 2018.