Wartburg (Automarke)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Wartburg (Pkw))
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fahrzeugemblem mit der namensgebenden Wartburg

Wartburg war der Handelsname der von 1956 bis zum 14. April 1991 im VEB Automobilwerk Eisenach gefertigten Personenkraftwagen-Baureihe des Herstellers IFA. Der Name leitet sich von der gleichnamigen Burg am Produktionsstandort Eisenach ab. Von den über 1.600.000 produzierten Fahrzeugen waren am 1. Januar 2015 in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt noch 7.244 zugelassen.[1]

Baureihen im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1956 bis 1988 wurde der Wartburg von einem Dreizylinder-Zweitaktmotor angetrieben, der Mitte Oktober 1988 (Wartburg 1.3) durch einen von der Volkswagen AG entwickelten Vierzylinder-Viertaktmotor abgelöst wurde.

Wartburg 311[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ab 1956 produzierte Wartburg 311 wurde aus dem EMW 309 (vormals IFA F9) weiterentwickelt, der auf dem 1940 entstandenen Modell DKW F9 der Auto Union basierte. Der Rahmen des aus Zwickau zwangsübernommenen Wagens wurde um zehn Zentimeter verlängert und erhielt eine deutlich größere und viertürige Karosserie. Als Handelsnamen wählte man den Namen des ersten 1898 produzierten Motorwagens der Eisenacher Fahrzeugwerke. Die Bezeichnung 311 steht ebenso wie die folgenden (313, 312, 353 und Prototypen) in BMW-Tradition – alle in Eisenach hergestellten BMWs und EMWs hatten dreistellige Nummern, die sämtlich mit einer „3“ begannen; der F9 wurde in Eisenach als „309“ geführt.[2] Der Wartburg 311 konnte wegen seiner Rahmenbauweise relativ problemlos in verschiedenen Karosserieausführungen hergestellt werden, siehe unten.

Mit seiner formschönen, zeitgemäßen Karosserie, zweckmäßiger Konzeption und Variantenvielfalt erreichte der Wartburg 311 so viel internationale Anerkennung wie kein anderer PKW der DDR. Im nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet war er für die Devisenbeschaffung der DDR von großem Wert.

Bei Produktionsbeginn Ende 1955 hatte der Wartburg 311 mit 900 cm³ Hubraum eine Leistung von 28 kW (37 PS) bei 4000/min. Mit dem auf 992 cm³ aufgebohrten Motor („Wartburg 1000“) wurde die Leistung ab 1962 auf 33 kW (45 PS) bei 4250/min gesteigert, die vom Werk angegebene Höchstgeschwindigkeit stieg dadurch um 10 km/h auf 125 km/h, der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch lag bei knapp 10 l/100 km. Nach rund zehn Jahren wurde 1965 die Produktion des Wartburg 311 beendet.

Wartburg 312[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das auf einer Vorkriegskonstruktion basierende Fahrwerk des Wartburg 311 war in den 60er Jahren nicht mehr zeitgemäß. Um die Produktion während der Umstellung auf das Nachfolgemodell weiterführen zu können, wurde 1965 mit dem Wartburg 312 ein Übergangsmodell eingeführt, das auf dem neuen Fahrwerk die klassische Karosserie verwendet. Die Limousine wurde 1966 abgelöst, 1967 endete auch die Produktion der beiden 2- und 4-türigen Kombimodelle (Kombi und Camping).

Wartburg 313[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Basis des Wartburg 311 wurde von 1957 bis 1960 ein Roadster in knapp 500 Einheiten hergestellt. Die Motorleistung des Wartburg 313 konnte gegenüber dem Basismodell auf 37 kW (50 PS) gesteigert werden, womit der Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h erreichte. Von diesem auch Wartburg Sport genannten Modell wurde 1959 der Kühlergrill für das Basismodell übernommen.

Wartburg 353[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der am 1. Juni 1966 eingeführte Wartburg 353 folgte in seiner Grundkonzeption (2-Takt-Motor, Frontantrieb, Kastenrahmen) dem Wartburg 311, erhielt aber das wesentlich modernisierte und mit dem Wartburg 312 eingeführte Fahrwerk mit 13″-Rädern, Einzelradaufhängung und Schraubenfedern rundum. Neu war die damals durchaus dem internationalen Standard entsprechende Karosserie mit einem Kofferraumvolumen von über 500 Litern. Erst 1968 wurde mit einer Karosserie aus den Karosseriewerken Halle und Dresden wieder ein Kombi angeboten, dessen Name nun Wartburg Tourist lautete.

Wie schon beim Wartburg 311 wurden Neuerungen auch beim Wartburg 353 schrittweise während der laufenden Produktion eingeführt. Die markantesten Änderungen waren 1975 der Übergang zum Wartburg 353 W (W = Weiterentwicklung, mit vielen Detailänderungen) und 1985 der Facelift infolge der Verlagerung des Kühlers vor den Motor, bei dem der Wartburg ein neues Frontmittelteil ohne gesonderten Grill mit geänderten Scheinwerfern erhielt.

Mit der Umstellung auf den Wartburg 1.3 endete 1988 die Produktion des Wartburg 353 hach 22 Jahren und mehr als 1,2 Millionen Fahrzeugen.

Wartburg 355 (Prototyp)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wartburg Coupé 355

Im Jahr 1968 arbeitete man an einer weiteren Variante des Wartburg 353. Es entstand ein Coupé mit einer Karosserie aus GFP-Elementen (glasfaserverstärktes Polyesterharz). Eingebaut wurde ein Renaultmotor mit 1397 cm³ Hubraum und 54 kW. Der Prototyp hatte ein Fließheck und Frontmotor.

Die Entwicklung kam auf Grund politischer Entscheidung aber über das Prototypstadium nicht hinaus.

Der Prototyp befindet sich im Verkehrsmuseum Dresden.

Wartburg 1.3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in den 60er Jahren wurde im Automobilwerk Eisenach ein Vierzylinder-Viertaktmotor entwickelt, der 1972 fertig war. Mit 1,6 Litern Hubraum und 82 PS hätte dieser Motor mit relativ geringen Anpassungen anstelle des nicht mehr zeitgemäßen Dreizylinder-Zweitaktmotors in den Wartburg 353 eingebaut werden können. Die Umstellung sowie die damit verbundenen notwendigen Investitionen wurden von Seiten der Staatsführung abgelehnt. Dadurch fielen in den folgenden Jahren allerdings auch die devisenbringenden westlichen Absatzmärkte weg.

Durch Günter Mittag, ZK-Sekretär der SED für Wirtschaftsfragen und damit einer der Devisenbeschaffer, schloss 1984 einen Lizenzvertrag mit Volkswagen über die Produktion des VW-Polo-Motors EA 111 in der DDR für VW sowie zur Deckung des Bedarfs der heimischen Automobilindustrie. Dieser war allerdings zu groß für den Motorraum des Wartburg 353, wodurch eine aufwändige Umkonstruktion des Vorderwagens und des Antriebes und damit eine erheblich größere Investition notwendig wurde. Infolgedessen fehlten die Geldmittel zur Gestaltungsumsetzung eines zeitgemäßen Äußeren.

Als im Oktober 1988 die Serienfertigung des Wartburg 1.3 begann, gab es neben dem neuen Motor mit 43 kW (58 PS) und einem neuen Vierganggetriebe gegenüber dem Wartburg 353 nur einen geringfügig veränderten Innenraum. Der Karosseriegrundkörper wurde beibehalten und der optische Unterschied zum Vorgänger fiel nicht allzu groß aus.

Die in den folgenden Monaten durchgeführten weiteren Änderungen konnten nicht verbergen, dass die Karosserieform über 20 Jahre alt ist. Durch die Wende und die Wiedervereinigung verschlechterte sich die Marktsituation des Wartburg derart, dass im April 1991 seine Produktion eingestellt wurde.

Produktionsstandorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1966 wurden neben dem AWE Eisenach vier weitere Betriebe in die Produktion einbezogen:

Die Rahmen wurden ohne Fahrgestellnummer in die einzelnen Werke geliefert. Dort wurden dann zu der Nummer SNE353 die Kennziffern für Tourist oder Trans hinzugefügt, beim Tourist war dies für die Normalversion die Nummer 209. Zu der nun karossenabhängigen Rahmennummer kam noch die spezifische Fahrgestellnummer/Rahmennummer.

Nummernschema[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1986 bis April 1988
SNE 353 00x G2y zzzzz
x: 0 = Limousine, 4 = Trans, 9 = Tourist
y: 1 = 1986, 2 = 1987, 3 = 1988
z: lfd. Nummer, wobei erste Stelle: 0–6 = Limousine, 7 = Trans, 8+9 = Tourist
ab April 1988
SNE 353 x0y zzz aaaaa
x: 0 = 2-Takter, 2 = 4-Takter
y: 0 = Limo, 4 = Trans, 9 = Tourist
zzz: J8 = 1988, K9 = 1989, L0 = 1990, M0 = 1991
aaaaa: lfd. Nummer

Für die Produktion des Tourist in Halle und Dresden wurden Teile (Mechanik, Rahmen und Karosserieteile, die denen der Limousine glichen) zugeliefert, die Wagen dann mit der vor Ort gefertigten Kombi-Karosserie endmontiert.

Export[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein erheblicher Anteil der Wartburg-Fertigung wurde exportiert. 1975 verteilte sich die Wartburg-Produktion von 54.050 Fahrzeugen wie folgt:

34.250 in den Export, 8.941 für die eigene Bevölkerung, 7.300 für Genex, 556 für Investträger, 3.003 für staatliche Organe.[3]

Zu den größten Abnehmern zählten Ungarn und Polen. Der Wartburg 311 verkaufte sich auch im nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet gut. Das änderte sich im Laufe der 1960er-Jahre, und Anfang der 1970er-Jahre war der Wartburg 353 aufgrund seines Zweitaktmotors im Westen fast unverkäuflich geworden, nur wenige westliche Länder wie Finnland importierten ihn damals noch. Bekannt geworden ist der Export von bis zu 1215 Stück des Typs 311 in die USA im Jahr 1960, für den es auch Inserate im Playboy gab. Über den Händler Witkin in Los Angeles wurden diese Fahrzeuge zum Einstiegspreis von 1799 US$ (Cabrio: 2155 US$, Camping: 2195 US$) angeboten.[4]

Technische Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bremskraftregler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kombis/Camping und später Tourist/Trans hatten im Vergleich zu den Limousinen eine verstärkte hintere Federung. Die lastabhängigen Druckübersetzer : (LAD) für die Hinterradbremsen wurde 1975 mit dem modernisierten Fahrwerk des 353W eingeführt. Sie hatten je nach Aufbau (Limousine, Tourist, Trans) eine andere Kennlinie. In der Bauform ähnelten sie aber denen der Limousine und sind daher bedingt austauschbar.

LAD-Typen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Limousine: 17 kp ≡ 16,7 kg, farbliche Kennzeichnung: Blau
  • Tourist: 31 kp ≡ 30,4 kg, farbliche Kennzeichnung: Gelb
  • Trans: 15 kp ≡ 14,7 kg, farbliche Kennzeichnung: Grün

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lars Leonhardt, Michael Schubert: Sportlich, schnell, schön. 50 Jahre Wartburg Sportwagen. Verlag Kraftakt, Reichenbach u. a. 2007, ISBN 978-3-938426-05-0.
  • Jürgen Lisse: Fahrzeuglexikon Wartburg. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2007, ISBN 978-3-937496-20-7.
  • Horst Ihling: DDR-Legende Wartburg. Schneider Text, Giel-Courteilles, France 2010, ISBN 978-3-7688-5796-3.
  • Testbericht: Wartburg 1.3 mit Queck 325. Kraftfahrzeugtechnik 4/1990, S. 110–113.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wartburg – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bestand an Personenkraftwagen am 1. Januar 2015 nach Herstellern und Handelsnamen. Kraftfahrt-Bundesamt, 2015, S. 6, abgerufen am 7. April 2016 (PDF; 4 MB).
  2. 309-Ersatzteilenummern, beispielsweise auf Getrieben auch der frühen Baujahre des 311
  3. Peter Kirchberg: Plaste, Blech und Planwirtschaft, Nicolai Verlag, Berlin 2000
  4. Hinweis in: AutoBild 43/2011, S. 77.