Chiyoda

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Chiyoda (Begriffsklärung) aufgeführt.
Chiyoda-ku
千代田区
Chiyoda
Geographische Lage in Japan
Chiyoda (Japan)
Red pog.svg
Region: Kantō
Präfektur: Tokio
Koordinaten: 35° 42′ N, 139° 45′ O35.693869444444139.75208888889Koordinaten: 35° 41′ 38″ N, 139° 45′ 8″ O
Basisdaten
Fläche: 11,64 km²
Einwohner: 53.446
(1. Dezember 2014)
Bevölkerungsdichte: 4592 Einwohner je km²
Gemeindeschlüssel: 13101-6
Symbole
Flagge/Wappen:
Flagge/Wappen von Chiyoda
Baum: Kiefer
Blume: Kirschblüte
Vogel: Schwan
Rathaus
Adresse: Chiyoda City Hall
1-6-11, Kudan-Minami
Chiyoda-ku
Tōkyō 102-8688
Webadresse: http://www.city.chiyoda.tokyo.jp
Lage Chiyodas in der Präfektur Tokio
Lage Chiyodas in der Präfektur
Parlamentsgebäude in Chiyoda
Ōtemon, das große Tor der Burg Edo
Das 1957 fertiggestellte Gebäude der Präfekturverwaltung Tokio (Tōkyō-to-chōsha, engl. Tokyo Metropolitan Government Building) in Marunouchi um 1960.

Chiyoda (jap. 千代田区, -ku) ist einer der 23 „Sonderbezirke“ im Osten der japanischen Präfektur Tokio. Der Bezirk liegt im Zentrum Tokios, der Hauptstadt Japans, und ist Standort des Kaiserpalasts, des nationalen Parlaments, des Amtssitzes des Premierministers sowie zahlreicher weiterer Regierungseinrichtungen. Außerdem befinden sich die Hauptsitze zahlreicher Großunternehmen in Chiyoda.

Mit unter 50.000 Einwohnern ist Chiyoda mit Abstand der bevölkerungsärmste Bezirk Tokios und damit – abgesehen von den abgelegenen Pazifikinseln und dem Landkreis Nishitama – die nach Einwohnerzahl kleinste Gemeinde der Präfektur Tokio. Die über 44.000 Unternehmen, die in Chiyoda ihren Sitz haben, bieten fast 900.000 Menschen Arbeit, so dass die Tagesbevölkerung jedoch mehr als 20 Mal so hoch ist wie die Nachtbevölkerung. Der Name Chiyoda, wörtlich „Feld der tausend Generationen“, stammt noch von der Burg Edo, in der bis zur Meiji-Restauration der Shōgun residierte.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Bezirk Chiyoda besteht aus dem Kaiserpalast, der ehemaligen Burg Edo, und den umgebenden Gebieten im Radius von etwa einem Kilometer. Bereits zur Edo-Zeit war der Kaiserpalast als Sitz des Shōgun das politische Zentrum Japans. Um die Burg herum lagen die Residenzen der einzelnen Daimyō, die dazu verpflichtet waren, ihre Familien nach Edo zu bringen und selbst dort die Hälfte ihrer Zeit zu verbringen. 1860 wurde der Shōgunatsbeamte Ii Naosuke vor dem Sakurada-Tor der Burg Edo ermordet.

Während der Meiji-Restauration wurden 1871 die Daimyate abgeschafft und das Land von der neuen Zentralregierung konfisziert. In der Burg residierte von nun an der Kaiser, während die Ländereien der Daimyō für Regierungsgebäude genutzt wurden.

1932 fand hier das Attentat auf den Premierminister Inukai Tsuyoshi statt. Auch der Putschversuch vom 26. Februar 1936 hatte sein Zentrum in Chiyoda.

Ein Bezirk wurde Chiyoda am 15. März 1947 durch die Vereinigung der ehemaligen Stadtbezirke Kanda, des nordöstlichen Bereichs um den Bahnhof Akihabara herum, und Kōjimachi, des Kaiserpalastes und ehemaligen Samuraiviertels der Stadt Tokio. Bis 1991, als die Präfekturverwaltung nach Shinjuku umzog, war Chiyoda Verwaltungssitz der Präfektur Tokio.

Am 30. August 1974 verübte die East Asia Anti-Japan Armed Front einen Bombenanschlag auf die Zentrale der Mitsubishi Heavy Industries mit 8 Toten und 376 Verletzten. Der Giftgasanschlag der Ōmu Shinrikyō (Aum-Sekte) auf die Tokioter U-Bahn am 20. März 1995 wurde durchgeführt, als die Züge gerade den Bezirk Chiyoda durchquerten.

Stadtteile[Bearbeiten]

Der Bezirk Chiyoda besteht unter anderem aus folgenden Stadtteilen (Für eine vollständige Aufzählung, siehe Liste der Stadtteile des Tokioter Bezirks Chiyoda):

  • Der namensgebende Stadtteil Chiyoda liegt im Zentrum des Bezirks und besteht nur aus dem Palast mit dem Kaiserlichen Hofamt und dem für die Öffentlichkeit zugänglichen „östlichen Garten“ (Higashi-Gyoen)
    • Unmittelbar nördlich liegt der Kitanomaru-Park, der der Adresse nach einen eigenen Stadtteil bildet, dort steht das Nippon Budōkan, eine Kampfsporthalle, die auch für große Konzerte genutzt wird.
    • Ebenfalls nominell einen eigenen Stadtteil bildet Kōkyo-gaien, die „äußeren Palastgärten“, de facto nicht mehr als der weitläufige östliche Vorplatz des Palastgeländes. In der unmittelbaren Nachkriegszeit war er Schauplatz politischer Kundgebungen und Demonstrationen, darunter der „blutige Maifeiertag“ (Chi no May Day) von 1952.
  • Im Westen und Südwesten des Palasts schließen sich drei Stadtteile an, die Sitz der wichtigsten Verfassungsorgane sind:
    • Nagatachō, wo sich das Parlament und der Sitz des Premierministers befinden,
    • Kasumigaseki, wo die meisten Ministerien und Behörden der Zentralregierung ihren Sitz haben, und
    • Hayabusachō, Standort des Obersten Gerichtshofs und außerdem des Nationaltheaters.
  • Südlich des Palastes liegt Hibiya, die Gegend um den Hibiya-Park, einen großen Park.
  • Östlich des Palasts befinden sich mehrere Stadtteile, in denen vor allem Bürogebäude großer Unternehmen stehen:
    • Marunouchi: Befindet sich im Südosten zwischen dem Bahnhof Tokio und dem Kaiserpalast. Seit der Meiji-Zeit ist er ein Geschäfts- und Bankenviertel mit dem Sitz der größten Banken und Versicherungen Japans. Hier liegt auch das Tōkyō Kokusai Forum, engl. Tokyo International Forum, ein modernes Kongresszentrum auf dem Gelände der früheren Präfekturverwaltung und des Rathauses der früheren Stadt Tokio.
    • Ōtemachi: Befindet sich nördlich von Marunouchi und ist Teil des Geschäftsviertels um dem Bahnhof Tokio.
    • Yūrakuchō befindet sich südlich von Marunouchi und ist ebenfalls Teil des Geschäftsviertels um dem Bahnhof Tokio. In der Besatzungszeit residierte hier General Douglas MacArthur.
  • Nördlich und nordwestlich des Kaiserpalasts liegt Kudan. Hier befindet sich der Yasukuni-Schrein und der Umsteigebahnhof Kudanshita. Außerdem liegt hier das Rathaus von Chiyoda.
  • Im Nordosten des Bezirks liegt Kanda, das zur Zeit der Stadt Tokio ein eigener Stadtbezirk war. Hier liegt der bekannte Elektronikbezirk Akihabara, der Kanda-Schrein und die Auferstehungskathedrale Tokio (Nikolai-dō), die Hauptkirche der Orthodoxen Kirche in Japan.
    • Jimbō-chō ist für seine große Zahl von Buchläden und Antiquariaten bekannt, in der Nähe befinden sich Standorte mehrerer Hochschulen.
  • Nordwestlich des Regierungsviertels liegen:
    • Kioichō, wo sich die weitläufigen Komplexe des New Otani und des Akasaka Prince Hotels, die Sophia-Universität und die St. Ignatio-Kirche befinden,
    • Kōjimachi, ein älteres Wohn- und Geschäftsviertel, das namensgebend für den Stadtbezirk Kōjimachi war, neben Kanda der zweite Vorläufer des Bezirks Chiyoda, und
    • die sogenannten Banchō, sechs durchnummerierte Viertel (von Ichibanchō bis Rokubanchō), die ihre Namen der militärischen Organisation des Shōguns in der Edo-Zeit verdanken; hier befinden sich heute die Botschaften des Vereinigten Königreichs, Irlands und Israels.

Verkehr[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

In Chiyoda befinden sich eine bezirksbetriebene, zwei präfekturbetriebene und zahlreiche private Oberschulen. Unter anderem zwei renommierte private Universitäten haben ihren Hauptsitz in Chiyoda, die jesuitische Sophia-Universität und die Hōsei-Universität, eine der elitären Sechs Universitäten von Tokio. Daneben unterhalten die zentralstaatliche Hitotsubashi-Universität und mehrere private Hochschulen Campus im Bezirk, vor allem in Kudan und Kanda im Norden und Nordosten.

Politik[Bearbeiten]

Fraktionen im Parlament
(Stand: 7. Juni 2013)[1]
       
Von 24 Sitzen entfallen auf:
  • LDP: 10
  • Atarashii Chiyoda: 4
  • KPJ: 2
  • Kōmeitō: 2
  • Chiyoda no Koe: 2
  • Kaikaku Club: 2
  • Sonstige Fraktionen (je ein Mitglied): 2
Das Rathaus von Chiyoda im Stadtteil Kudan-Minami

Bürgermeister von Chiyoda ist in vierter Amtszeit Masami Ishikawa, ehemals Präfekturbeamter und Vorstandsmitglied der Shuto Kōsokudōro.[2] Er wurde zuletzt im Februar 2013 relativ knapp gegen den ehemaligen Vizebürgermeister Kyōji Ōyama und drei weitere Kandidaten im Amt bestätigt. Das Kommunalparlament hat regulär 25 Mitglieder und wird bei einheitlichen Regionalwahlen (zuletzt: 2011) gewählt.

Für das Präfekturparlament hat der Bezirk das zweithöchste Stimmgewicht vor dem Inselwahlkreis. Der Einmandatswahlkreis wurde für mehr als vier Jahrzehnte von Liberaldemokraten vertreten, bevor bei der Wahl 2009 der damals 26 Jahre alte Demokrat Zenkō Kurishita die Siegesserie beendete. Bei der Wahl 2013 gewann der Liberaldemokrat Shigeru Uchida Chiyoda für die LDP zurück.

Für das nationale Abgeordnetenhaus bildet Chiyoda zusammen mit Shinjuku und Minato den Wahlkreis Tokio 1, der seit 2012 von der Liberaldemokratin Miki Yamada vertreten wird.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Angrenzende Städte und Gemeinden[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bezirksparlament Chiyoda: Fraktionen
  2. Konferenz der Bürgermeister der Sonderbezirke (Tokubetsukuchōkai), amtierende Bürgermeister: Chiyoda