Goldener Löwe

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen finden sich unter Goldener Löwe (Begriffsklärung).
Der israelische Schauspieler Oshri Cohen mit der Preistrophäe 2009 für Lebanon

Mit dem Goldenen Löwen (italienisch Leone d’Oro) wird bei den jährlich veranstalteten Filmfestspielen von Venedig der beste Wettbewerbsfilm (Langfilm) prämiert. Dieser gilt damit als wichtigste Auszeichnung des Festivals, noch vor dem Silbernen Löwen für die beste Regie (Leone d’Argento per la migliore regia), dem Großen Preis der Jury (Gran Premio della Giuria) und dem Spezialpreis der Jury (Premio Speciale della Giuria).[1] Das Motiv wurde wie die Goldene Palme der Filmfestspiele von Cannes oder der Goldene Bär der Berlinale aus dem Stadtwappen Venedigs entnommen. Über die Vergabe des Preises stimmt die Wettbewerbsjury ab, die sich meist aus internationalen Filmschaffenden zusammensetzt. Seit 1970 wird ein weiterer Goldener Löwe als Ehrenpreis für das Lebenswerk eines Filmschaffenden vergeben (Leone d’Oro alla carriera). Mittlerweile wird der Goldene Löwe im Rahmen der Biennale di Venezia auch in anderen Kunstsparten verliehen.

Die Bezeichnung existiert seit 1949, zuerst als „Löwe von San Marco“ (Leone di San Marco), 1950 bis 1952 als „Goldener Löwe von San Marco“ und seither als „Goldener Löwe“. Zuvor war der Goldene Löwe in den Jahren 1947 und 1948 unter dem Namen „Großer internationaler Preis von Venedig“ (Gran Premio Internazionale di Venezia) bekannt, während in den Anfangsjahren des Filmfestivals als Hauptpreis der „Mussolini-Pokal“ (Coppa Mussolini) vergeben wurde. Die Auszeichnung, aus propagandistischen Gründen nach dem italienischen Diktator Benito Mussolini (1883–1945) benannt, ehrte von 1934 bis 1942 die beste italienische Filmproduktion und den besten ausländischen Spielfilm. Aufgrund des Sieges des Deutschen Alexander Kluge (Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos) und der aufkeimenden 68er-Bewegung wurde zwischen 1969 und 1979 kein Goldener Löwe verliehen. Die Organisatoren fürchteten nach der Prämierung eines Vertreters des Neuen Deutschen Films das allgemeine politische Klima, in dem ein Preis vergeben wurde, der auf einem Statut aus der faschistischen Ära Italiens basierte.[2]

Preisträger[Bearbeiten]

Preistrophäe des Jahres 1981

Am häufigsten mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurden die Werke italienischer Filmregisseure (11 Siege), gefolgt von ihren Kollegen aus Frankreich (9), Taiwan und den Vereinigten Staaten (je 4), Japan und Deutschland (je 3), nachdem unter dem faschistischen Regime Italiens einheimische, US-amerikanische und deutsche Produktionen die Preisvergabe dominiert hatten. Seit 1949 je zweimal triumphieren konnten die Franzosen André Cayatte (1950 und 1960) und Louis Malle (1980 und 1987), der Chinese Zhang Yimou (1992 und 1999) und der Taiwaner Ang Lee (2005 und 2007). Außerdem konnte sich die Wettbewerbsjury in der Vergangenheit mehrfach nicht auf einen Siegerfilm einigen, zuletzt 1994 geschehen, als sich der Chinese Tsai Ming-Liang (Vive l’Amour – Es lebe die Liebe) den Goldenen Löwen mit dem Mazedonier Milčo Mančevski (Vor dem Regen) teilte. Nach dem aktuellen Reglement (Stand: 2013) darf der Goldene Löwe von der Jury jedoch nur noch an eine Filmproduktion vergeben werden.[1]

Siege weiblicher Filmemacher blieben wie auch bei den Filmfestspielen von Cannes und Berlin Ausnahmen. Nachdem 1938 die Deutsche Leni Riefenstahl mit ihrem zweiteiligen Dokumentarfilm Olympia die Coppa Mussolini gewann, folgten ihr 1981 ihre Landsfrau Margarethe von Trotta (Die bleierne Zeit), 1985 die Belgierin Agnès Varda (Vogelfrei), 2001 die Inderin Mira Nair (Monsoon Wedding) und 2010 die US-Amerikanerin Sofia Coppola (Somewhere). 2013 konnte sich mit Gianfranco Rosis Sacro GRA über die römische Autostrada A90 erneut ein Dokumentarfilm durchsetzen.[3]

Goldener Löwe – Bester Film[Bearbeiten]

Jahr Preisträger Deutscher Titel Regie
1949 Manon Manon Henri-Georges Clouzot
1950 Justice est faite Schwurgericht André Cayatte
1951 羅生門 (Rashōmon) Rashomon – Das Lustwäldchen Akira Kurosawa
1952 Jeux interdits Verbotene Spiele René Clément
1953
Preis nicht vergeben
1954 Romeo and Juliet Romeo und Julia Renato Castellani
1955 Ordet Das Wort Carl Theodor Dreyer
1956
Preis nicht vergeben ¹
1957 অপরাজিত (Aparajito) Apus Weg ins Leben: Der Unbesiegbare Satyajit Ray
1958 无法松的一生 (Muhomatsu no issho) Der Rikschamann Hiroshi Inagaki
1959 Il generale Della Rovere Der falsche General Roberto Rossellini
La grande guerra Man nannte es den großen Krieg Mario Monicelli
1960 Le passage du Rhin Jenseits des Rheins André Cayatte
1961 L’année dernière à Marienbad Letztes Jahr in Marienbad Alain Resnais
1962 Cronaca familiare Tagebuch eines Sünders Valerio Zurlini
Иваново детство (Iwanowo detstwo) Iwans Kindheit Andrei Tarkowski
1963 Le mani sulla città Hände über der Stadt Francesco Rosi
1964 Il deserto rosso Die rote Wüste Michelangelo Antonioni
1965 Vaghe stelle dell’Orsa Sandra Luchino Visconti
1966 La battaglia di Algeri Schlacht um Algier Gillo Pontecorvo
1967 Belle de jour Belle de jour – Schöne des Tages Luis Buñuel
1968 Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos Alexander Kluge
1969–
1979
Preis nicht vergeben ²
1980 Atlantic City Atlantic City, USA Louis Malle
Gloria Gloria, die Gangsterbraut John Cassavetes
1981 Die bleierne Zeit Die bleierne Zeit Margarethe von Trotta
1982 Der Stand der Dinge Der Stand der Dinge Wim Wenders
1983 Prénom Carmen Vorname Carmen Jean-Luc Godard
1984 Rok spokojnego slonca Ein Jahr der ruhenden Sonne Krzysztof Zanussi
1985 Sans toit ni loi Vogelfrei Agnès Varda
1986 Le rayon vert Das grüne Leuchten Éric Rohmer
1987 Au revoir, les enfants Auf Wiedersehen, Kinder Louis Malle
1988 La leggenda del santo bevitore Die Legende vom heiligen Trinker Ermanno Olmi
1989 悲情城市 (Beiqing chengshi) Eine Stadt der Traurigkeit Hou Hsiao-Hsien
1990 Rosencrantz & Guildenstern Are Dead Rosenkranz & Güldenstern Tom Stoppard
1991 Урга – территория любви (Urga – Territorija ljubwi) Urga Nikita Michalkow
1992 秋菊打官司 (Qiu Ju da guan si) Die Geschichte der Qiu Ju Zhang Yimou
1993 Short Cuts Short Cuts Robert Altman
Trois couleurs: Bleu Drei Farben: Blau Krzysztof Kieślowski
1994 愛情萬歲 (Àiqíng wàn suì) Vive l’Amour – Es lebe die Liebe Tsai Ming-Liang
Pred doždot Vor dem Regen Milčo Mančevski
1995 Xích lô Cyclo Trần Anh Hùng
1996 Michael Collins Michael Collins Neil Jordan
1997 はなび (Hana-bi) Hana-Bi Takeshi Kitano
1998 Così ridevano So haben wir gelacht Gianni Amelio
1999 一个都不能少 (Yige dou bu neng shao) Keiner weniger – Not One Less Zhang Yimou
2000 دایره (Dayereh) Der Kreis Jafar Panahi
2001 Monsoon Wedding Monsoon Wedding Mira Nair
2002 The Magdalene Sisters Die unbarmherzigen Schwestern Peter Mullan
2003 Возвращение (Woswraschtschenije) The Return – Die Rückkehr Andrei Swjaginzew
2004 Vera Drake Vera Drake Mike Leigh
2005 Brokeback Mountain Brokeback Mountain Ang Lee
2006 三峡好人 (Sanxia haoren) Still Life Jia Zhang-Ke
2007 色, 戒 (Sè, Jiè) Gefahr und Begierde Ang Lee
2008 The Wrestler The Wrestler Darren Aronofsky
2009 לבנון (Lebanon) Lebanon Samuel Maoz
2010 Somewhere Somewhere Sofia Coppola
2011 Фауст (Faust) Faust Alexander Sokurow
2012 피에타 (Pieta) Pieta Kim Ki-duk
2013 Sacro GRA nicht bekannt Gianfranco Rosi

¹ = 1956 wurde kein Goldener Löwe vergeben, nachdem sich die Jury nicht zwischen den Wettbewerbsbeiträgen Freunde bis zum letzten (Originaltitel: ビルマの竪琴, Biruma no tategoto) des Japaners Kon Ichikawa und Hauptstraße (Calle mayor) des Spaniers Juan Antonio Bardem entscheiden konnte.[4]
² = Aufgrund des Sieges des Deutschen Alexander Kluge (Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos) und der aufkeimenden 68er-Bewegung wurde bis 1979 kein Goldener Löwe mehr vergeben. Die Organisatoren fürchteten nach der Prämierung eines Vertreters des Neuen Deutschen Films das allgemeine politische Klima, in dem ein Preis vergeben wurde, der auf einem Statut aus der faschistischen Ära Italiens basierte.[2]

Coppa Mussolini (1934–1942)[Bearbeiten]

Jahr Preisträger Deutscher Titel Regie
1934 Teresa Confalonieri nicht bekannt Guido Brignone
Man of Aran Die Männer von Aran Robert J. Flaherty
1935 Casta diva nicht bekannt Carmine Gallone
Anna Karenina Anna Karenina Clarence Brown
1936 Squadrone bianco nicht bekannt Augusto Genina
Der Kaiser von Kalifornien Der Kaiser von Kalifornien Luis Trenker
1937 Scipione l’Africano Karthago's Fall Carmine Gallone
Un carnet de bal Spiel der Erinnerung Julien Duvivier
1938 Luciano Serra pilota nicht bekannt Goffredo Alessandrini
Olympia Olympia Leni Riefenstahl
1939 Abuna Messias nicht bekannt Goffredo Alessandrini
1940 L’assedio dell’Alcazar Alkazar Augusto Genina
Der Postmeister Der Postmeister Gustav Ucicky
1941 La corona di ferro nicht bekannt Alessandro Blasetti
Ohm Krüger Ohm Krüger Hans Steinhoff
1942 Bengasi nicht bekannt Augusto Genina
Der große König Der große König Veit Harlan

Gran Premio Internazionale di Venezia (1947–1948)[Bearbeiten]

Jahr Titel Deutscher Verleihtitel Regie
1947 Siréna Die Sirene Karel Steklý
1948 Hamlet Hamlet Laurence Olivier

Goldener Löwe – Ehrenpreis für ein Lebenswerk[Bearbeiten]

Stefania Sandrelli mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk (2005)
Jahr Preisträger Künstlerisches Schaffen Land
1970 Orson Welles Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur und Filmproduzent USA
1971 Ingmar Bergman Regisseur und Drehbuchautor Schweden
Marcel Carné Regisseur und Drehbuchautor Frankreich
John Ford Regisseur, Filmproduzent und Drehbuchautor USA
1972 Charles Chaplin Schauspieler, Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent Großbritannien
Anatoli Golownja Kameramann Sowjetunion
Billy Wilder Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent USA
1973–
1981
Preis nicht vergeben
1982 Alessandro Blasetti Regisseur und Drehbuchautor Italien
Luis Buñuel Regisseur und Drehbuchautor Spanien
Frank Capra Regisseur und Drehbuchautor USA
George Cukor Regisseur USA
Jean-Luc Godard Regisseur und Drehbuchautor Frankreich
Sergei Jutkewitsch Regisseur und Drehbuchautor Sowjetunion
Alexander Kluge Regisseur und Drehbuchautor BRD
Akira Kurosawa Regisseur und Drehbuchautor Japan
Michael Powell Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent Großbritannien
Satyajit Ray Regisseur und Drehbuchautor Indien
King Vidor Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent USA
Cesare Zavattini Drehbuchautor Italien
1983 Michelangelo Antonioni Regisseur und Drehbuchautor Italien
1984
Preis nicht vergeben
1985 Manoel de Oliveira Regisseur und Drehbuchautor Portugal
John Huston Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler und Filmproduzent USA
John Huston Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler und Filmproduzent USA
1986 Paolo Taviani Regisseur und Drehbuchautor Italien
Vittorio Taviani Regisseur und Drehbuchautor Italien
1987 Luigi Comencini Regisseur und Drehbuchautor Italien
Joseph L. Mankiewicz Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent USA
1988 Joris Ivens Dokumentarfilmer Niederlande
1989 Robert Bresson Regisseur und Drehbuchautor Frankreich
1990 Marcello Mastroianni Schauspieler Italien
Miklós Jancsó Regisseur und Drehbuchautor Ungarn
1991 Mario Monicelli Regisseur und Drehbuchautor Italien
Gian Maria Volontè Schauspieler Italien
1992 Francis Ford Coppola Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent USA
Jeanne Moreau Schauspielerin Frankreich
Paolo Villaggio Schauspieler und Drehbuchautor Italien
1993 Claudia Cardinale Schauspielerin Italien
Robert De Niro Schauspieler USA
Roman Polański Regisseur und Drehbuchautor Polen
Steven Spielberg Regisseur und Drehbuchautor USA
1994 Suso Cecchi D’Amico Drehbuchautorin Italien
Ken Loach Regisseur und Drehbuchautor Großbritannien
Al Pacino Schauspieler USA
1995 Woody Allen Regisseur und Drehbuchautor USA
Giuseppe De Santis Drehbuchautor Italien
Goffredo Lombardo Filmproduzent Italien
Ennio Morricone Filmkomponist Italien
Alain Resnais Regisseur und Drehbuchautor Frankreich
Martin Scorsese Regisseur und Drehbuchautor USA
Alberto Sordi Schauspieler Italien
Monica Vitti Schauspielerin Italien
1996 Robert Altman Regisseur und Drehbuchautor USA
Vittorio Gassman Schauspieler Italien
Dustin Hoffman Schauspieler USA
Michèle Morgan Schauspielerin Frankreich
1997 Gérard Depardieu Schauspieler Frankreich
Stanley Kubrick Regisseur und Drehbuchautor USA
Alida Valli Schauspielerin Italien
1998 Warren Beatty Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent USA
Sophia Loren Schauspielerin Italien
Andrzej Wajda Regisseur und Drehbuchautor Polen
1999 Jerry Lewis Schauspieler und Komiker USA
2000 Clint Eastwood Schauspieler, Regisseur und Filmproduzent USA
2001 Éric Rohmer Regisseur und Drehbuchautor Frankreich
2002 Dino Risi Regisseur und Drehbuchautor Italien
2003 Dino De Laurentiis Filmproduzent Italien
Omar Sharif Schauspieler Ägypten
2004 Manoel de Oliveira Regisseur und Drehbuchautor Portugal
Stanley Donen Regisseur und Filmproduzent USA
2005 Hayao Miyazaki Animationsfilmer Japan
Stefania Sandrelli Schauspielerin Italien
2006 David Lynch Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent USA
2007 Bernardo Bertolucci Regisseur und Drehbuchautor Italien
Tim Burton Regisseur, Drehbuchautor, Filmproduzent und Animationsfilmer USA
2008 Ermanno Olmi Regisseur und Drehbuchautor Italien
2009 Brad Bird
Pete Docter
John Lasseter
Andrew Stanton
Lee Unkrich
Trickfilmregisseure und -produzenten der Pixar Animation Studios USA
2010 John Woo Regisseur und Drehbuchautor China/USA
2011 Marco Bellocchio Regisseur und Drehbuchautor Italien
2012 Francesco Rosi Regisseur und Drehbuchautor Italien
2013 William Friedkin[5] Regisseur, Drehbuchautor und Produzent USA

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Reglement 2013 bei labiennale.org (englisch; abgerufen am 8. September 2013).
  2. a b History of the Venice Film Festival – The Sixties and Seventies bei labiennale.org (englisch).
  3. Leone d’Oro a “Sacro Gra” di Rosi : Cotta scelta come miglior attrice bei lastampa.it, 7. September 2013 (abgerufen am 7. September 2013).
  4. Roos, Fred: Venice Film Festival, 1956. In: The Quarterly of Film Radio and Television 11, Nr. 3 (Spring, 1957), S. 249.
  5. William Friedkin Golden Lion for Lifetime Achievement bei labiennale.org, 29. August 2013 (abgerufen am 30. August 2013).