Ernst Willimowski

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ernst Willimowski

Ernst Willimowski 1937

Spielerinformationen
Voller Name Ernst Otto Willimowski
Geburtstag 23. Juni 1916
Geburtsort KattowitzDeutsches Kaiserreich
Sterbedatum 30. August 1997
Sterbeort KarlsruheDeutschland
Größe 172 cm
Position Sturm
Vereine in der Jugend
1. FC Kattowitz
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1927–1934
1934–1939
1939
1939–1940
1940–1942
1942–1943
1943
1944
1944
1946 (?)
1946
1946–1948
1947
1947
1947
1948
1948/49
1949
1949/50
1950/51
1951–1955
1956–1959
1. FC Kattowitz
Ruch Wielkie Hajduki
Bismarckhütter SV
1. FC Kattowitz
PSV Chemnitz
TSV 1860 München
LSV Mölders Krakau
1. FC Kattowitz
Karlsruher FV
SG (Kurhessen) Kassel
SG Merseburg
SG Chemnitz-West
SG Babelsberg (2 Spiele)
TSG Arolsen (1 Spiel)
Hameln 07 (fraglich)
TSV Detmold
BC Augsburg
Racing Straßburg (1 Spiel)
Offenburger FV
FC Singen 04
VfR Kaiserslautern
Kehler FV

86 (112)














6 (3)
0 (0)

30 (16)
90 (70)
Nationalmannschaft
1934–1939
1941–1942
Polen
Deutschland
22 (21)
8 (13)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Ernst Otto Willimowski (manchmal auch Ernst Wilimowski; Polnisch: Ernest Wilimowski) (* 23. Juni 1916 als Ernst Otto Prandella in Kattowitz, Oberschlesien, Deutsches Reich, heute Polen; † 30. August 1997 in Karlsruhe) war ein polnischer und deutscher Fußballspieler aus Oberschlesien. Er spielte 22 Mal für die polnische Fußballnationalmannschaft und 8 Mal für die deutsche Fußballnationalmannschaft.

Laufbahn[Bearbeiten]

Seine Fußballlaufbahn begann er 1927 mit elf Jahren im oberschlesischen 1. FC Kattowitz, dem Fußballclub der deutschen Minderheit der seit 1922 zu Polen gehörerenden Stadt Kattowitz bzw. Katowice, wo er bis zum Jahr 1934 erfolgreich spielte. Nach dem Wechsel zu Ruch Wielkie Hajduki wurde er bereits 1934 als 18-Jähriger polnischer Fußball-Meister. Diesen Titel errang er mit seinem Team auch 1935, 1936 und 1938. In 86 Spielen für Ruch Chorzów schoss Willimowski 112 Tore und wurde 1934 und 1936 polnischer Torschützenkönig.

Am 21. Mai 1934 debütierte er in der polnischen Nationalmannschaft in Kopenhagen gegen Dänemark. Polen verlor das Spiel mit 2:4. Vor dem Zweiten Weltkrieg spielte er 22 Mal für die polnische Nationalmannschaft. Sein wohl bestes Spiel war dabei die Achtelfinalpartie bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1938 in Frankreich, als er bei der 5:6-Niederlage nach Verlängerung gegen Brasilien vier Tore erzielte – er ist damit der erste, dem vier Tore in einem WM-Spiel gelangen. Insgesamt schoss er für die polnische Nationalmannschaft 21 Tore.

Nach der deutschen Besetzung Polens unterschrieb Willimowski die deutsche Volksliste, wie auch seine Mannschaftskameraden von Ruch, Teodor Peterek, Erik Tatus und Gerard Wodarz, die ebenfalls polnische Nationalspieler waren. Im November 1939 traten alle vier für ihren Club an, der seinen alten Namen Bismarckhütter SV 99 sowie eine deutsche Vereinsleitung bekommen hatte. Doch nach nur einem Spiel wechselte er zu seinem ersten Club, dem 1. FC Kattowitz.[1] Nach nur vier Monaten verließ er Kattowitz, um für zwei Jahre beim Polizei-Sportverein Chemnitz zu spielen.

1941/42 absolvierte er acht Länderspiele für die deutsche Fußballnationalmannschaft und erzielte dabei 13 Tore. Sein Debüt gab er am 1. Juni 1941 in Bukarest gegen Rumänien, wobei er zum 4:1-Sieg zwei Tore beisteuerte. Beim 5:3-Erfolg am 18. Oktober 1942 gegen die Schweiz wiederholte er sein Kunststück von der Fußball-WM vier Jahre zuvor und erzielte vier Tore.

1942 ging Willimowski zum TSV 1860 München. Mit den Sechzigern zog er im selben Jahr in das Finale des Tschammer-Pokals ein, des Vorgängers des heutigen DFB-Pokals. In der 80. Minute erzielte er dabei die 1:0-Führung gegen den FC Schalke 04. Am Ende stand es 2:0 für die Münchner, die damit ihre erste nationale Trophäe errangen. Insgesamt gelangen ihm 14 Treffer in diesem Wettbewerb – Rekord bis heute.

Ebenfalls 1942 musste er zur Wehrmacht einrücken, offiziell tat er Dienst in einer Panzerjägereinheit,[2] wurde aber für Fußballspiele freigestellt. 1943 wurde seine Einheit ins Generalgouvernement verlegt, Willimowski spielte für den Militärclub LSV Mölders Krakau.[3] Im folgenden Jahr spielte er abermals für seinen Heimatverein[4] und wurde dann nach Karlsruhe versetzt, mit anderen Soldaten komplettierte er die Elf des Karlsruher FV[5], so auch im - verlorenen - badischen Pokalendspiel.

Nach 1945 blieb Willimowski in Deutschland. Eine Rückkehr in die oberschlesische Heimat war unmöglich, auch weil er aufgrund seines Einsatzes als ehemaliger polnischer Nationalspieler nach der Besatzung Polens für die deutsche Nationalmannschaft in Polen als Verräter galt und Oberschlesien nun zu Polen gehörte.[6] Anscheinend ließ er sich schon 1945/46, und später erneut, für eine (gescheiterte) Berufsfußball-Vereinsgründung in Kassel anwerben, bestritt möglicherweise auch einige Spiele für einen „wilden“ Verein, der sich Kurhessen, dann Rapid Kassel nannte[7]. Willimowski wurde Sportlehrer in Merseburg[8] und spielte bis ungefähr Februar 1948 durchweg für die SG Chemnitz-West mit kurzen „inoffiziellen“ Abstechern zur SG Babelsberg[9] sowie nach Arolsen[10]. Im Herbst 1947 sollte er sich dem aufstrebenden Landesligisten Hameln 07 angeschlossen haben, doch wurde auch das bald wieder dementiert[11]. Der mittlerweile 32-jährige Stürmer verließ jedenfalls 1948 endgültig die Ostzone, gastierte kurz beim TSV Detmold[12] und wurde mit Beginn der neuen Saison Vertragsspieler beim BC Augsburg. Nach einer monatelangen Sperre wechselte er im Sommer 1949 zu Racing Strasbourg nach Frankreich, doch nach nur einem Freundschaftsspiel gab es auch dort, wie in Augsburg, Probleme im außersportlichen Bereich und der Neuzugang wurde umgehend entlassen.[13]

Ab 1949/50 fand Willimowski in ruhigeres Fahrwasser zurück. Er wurde Spielertrainer beim Offenburger FV, wirkte noch als Torjäger-Oldie in der Oberliga, am erfolgreichsten beim VfR Kaiserslautern, und gehört dem europaweit kleinen Kreis von Fußballern an, die im Laufe ihrer Karriere insgesamt mehr als 200 Erstligatore erzielt haben (in Polen und Deutschland, ohne Gauliga). Insgesamt soll Willimowski im Laufe seiner Karriere mindestens 1.175 Tore erzielt haben, was aber der Verifizierung bedarf [14].

Ernst Willimowski ist der einzige Spieler, der als Torschütze sowohl gegen Deutschland (am 9. September 1934 beim 2:5 in Warschau) als auch für Deutschland erfolgreich war (13 in 8 Spielen).

Willimowskis Länderspiele[Bearbeiten]

für Polen

für Deutschland

Literatur[Bearbeiten]

  • Diethelm Blecking: Ern(e)st „Ezi“ Wil(l)imowski - Der Spieler, in: Vom Konflikt zur Konkurrenz. Deutsch-polnisch-ukrainische Fußballgeschichte. Hrsg. D. Blecking/L. Pfeiffer/R. Traba. Göttingen 2014, S. 71-88. ISBN 978-3-7307-0083-9
  • Karl-Heinz Harke / Georg Kachel: Fußball – Sport ohne Grenzen. Die Lebensgeschichte des Fußball-Altnationalspielers Ernst Willimowski. Dülmen 1996, ISBN 3-87466-259-4
  • Thomas Urban: Schwarze Adler, weiße Adler. Deutsche und polnische Fußballer im Räderwerk der Politik. Göttingen 2011, S. 28-48. ISBN 978-3-89533-775-8

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kattowitzer Zeitung, 20. November 1939, S. 3.
  2. Der Kicker, 10. November 1942, S. 4.
  3. Warschauer Zeitung, 14. Dezember 1943, p. 6.
  4. Kicker/Fußball vom 11. Januar 1944, S.5
  5. Der Kicker, 4. Juli 1944, p. 7.
  6. Polen vs Deutschland (2:2)- Poldi, Klose und der Schalker Kreisel auf YouTube
  7. vgl. Biese/Peiler, Seite 90. Mitautor Herbert Peiler spielte demnach selbst bei diesem Verein, der sich jedoch den Namen Kurhessen zu Unrecht angeeignet hatte und bald wieder aufgelöst wurde. Das Sport-Magazin wiederum berichtet erst zwei Jahre später, im Juli 1948, von einem Berufsfußballprojekt Rapid Kassel und bringt (erneut) Willimowski damit in Verbindung.
  8. Neues Deutschland vom 23. Juli 1946, Seite 4
  9. Sport (München) Nr. 18/1947, S. 14
  10. ebenda, Nr. 41/1947, S. 14
  11. ebenda, Nr. 39/1947, S. 15; dann aber Nr. 41/1947, S. 14. Ob Willimowski in Hameln tatsächlich gespielt hat, ist zweifelhaft. Im Herbst 1947 war er wegen der Arolsen-Angelegenheit vorerst gesperrt, allerdings für die Niedersachsenauswahl nominiert, doch kam sein Einsatz beim 6:2 gegen Bremen wegen Verletzung nicht zu Stande.
  12. „Im Herbst 1948 war die Zukunft der Mannschaft mit Namen umgeben, die sogar einen guten Platz in der Meisterschaft garantieren konnten (...) Das waren die Langner, Muß und der sagenumwobene Willimowski (...) Aber Ernst Willimowski reiste bei Nacht von Detmold ab und gab eine kurze, erfolgreiche Gastrolle im süddeutschen Oberhaus.“ - Siegfried Klemm, Acht Monate Kampf des TSV. Detmold, daselbst 1949, Seite 4
  13. vgl. Sport-Magazin Nr. 31/1949, S. 4
  14. siehe kicker sportmagazin Nr. 100/1969, S. 2. Die dortige Aufschlüsselung nennt u. a. 48 Tore für Polen, 108 (sic) für Offenburg und 81 für Singen und erscheint nicht in allen Punkten plausibel