VfB Leipzig

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VfB Leipzig
VfB Leipzig - 1991-2004.svg
Voller Name Verein für Bewegungsspiele
Leipzig e.V.
Ort Leipzig
Gegründet 1893 bzw. 1991
Aufgelöst 2004
Vereinsfarben Blau-Weiß
Stadion Bruno-Plache-Stadion
Zentralstadion Leipzig
Höchste Liga Gauliga Sachsen
Fußball-Bundesliga
Erfolge Deutscher Meister: 1903, 1906, 1913
Heim
Auswärts

Der VfB Leipzig (VfB: Verein für Bewegungsspiele) war ein Sport- und Fußballverein. Er bestand von 1893 bis 1946 und von 1991 bis 2004.

Kurzüberblick[Bearbeiten]

Historische Namensentwicklung des VfB Leipzig sowie seiner Vorgänger und Nachfolger.

Der VfB Leipzig besaß bis zum Ersten Weltkrieg 1914 eine der erfolgreichsten deutschen Fußballmannschaften. 1903 wurde er erster Deutscher Meister. Es folgten zwei weitere Meistertitel (1906 und 1913) sowie drei Vizemeistertitel. Der Titel in der Gauliga Sachsen wurde jedoch verpasst. 1936 besiegte der VfB im zum zweiten Mal durchgeführten Pokalwettbewerb die damals legendäre Elf des FC Schalke 04 und wurde deutscher Pokalsieger.

Die Spielkleidung war bis 1907 weiß (die „Lilien“), von 1907 bis 1945 und 1991 bis 2004 blau-weiß. Seit 1922 sind Spielort und Vereinssitz das VfB-Stadion (heute Bruno-Plache-Stadion) in Leipzig-Probstheida. Der VfB Leipzig war bis 1945 ein bürgerlicher Großverein mit über 3.000 Mitgliedern in unterschiedlichen Sportarten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er durch einen Erlass des Alliierten Kontrollrats - wie alle anderen Vereine in Deutschland auch - aufgelöst und enteignet (siehe auch DDR-Fußball).

1991 übernahm der erfolgreiche DDR-Oberliga-Verein 1. FC Lokomotive Leipzig den historischen Namen VfB Leipzig. Der größte Erfolg der Fußballer des „neuen“ VfB war der Aufstieg in die Bundesliga 1993. Die Damen-Handballerinnen (heute HCL) waren zweimal Deutscher Vizemeister. Der finanzielle Niedergang ab 1994 (einhergehend mit den sportlichen Abstiegen der Fußballer) endete 1999 in der ersten Insolvenz. 2004 wurde ein weiteres Insolvenzverfahren eingeleitet. Infolgedessen entschied die Gläubigerversammlung die Auflösung des Traditionsvereins.

Der 1. FC Lokomotive Leipzig ist der offizielle Vorgängerverein des 1991 neu gegründeten VfB und versteht sich als inoffizieller Nachfolgeverein des alten und neuen VfB Leipzig (1966 und 2004).

Geschichte[Bearbeiten]

Fußball 1896 bis 1918[Bearbeiten]

Nach Gründung am 13. Mai 1896 in Bodens Deutscher Trinkstube war der VfB Leipzig einer unter vielen Leipziger Fußballvereinen. 1898 gab es für zwei Jahre den Zusammenschluss mit den 1893 gegründeten Sportbrüdern zum VfB Sportbrüder Leipzig, 1900 trennte man sich wieder.

Von 1900 an explodierte das fußballerische Leistungsvermögen geradezu unter Führung des ehrgeizigen Trainers und Spielers Theodor Schöffler, welcher großen Wert auf Kondition und Spielvermögen legte. In der Saison 1902/03 wurde der VfB erstmals innerhalb des Verbandes Leipziger Ballspiel-Vereine (VLBV) Leipziger Gaumeister. Dies qualifizierte ihn für die zum zweiten Mal durchgeführte Endrunde im Verband Mitteldeutscher Ballspielvereine (VMBV), an der Vereine aus den heutigen Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen teilnahmen. Nach dem glatten 4:0-Endspielsieg gegen den Dresdner SC war der VfB Mitteldeutscher Meister und damit für das erstmals ausgetragene Finalturnier des DFB, die so genannten Bundesspiele, qualifiziert. Trotz des schweren Schicksalsschlages (Mentor, Trainer und Hauptfigur Theodor Schöffler verstarb Anfang Mai) waren die Leipziger topfit. Nach Siegen über Britannia 92 Berlin (3:1) und Altona 93 (6:3) stand der VfB am 31. Mai im Finale. Er gewann das Endspiel in Altona 7:2 gegen den DFC Prag. Der VfB Leipzig war damit 1903 Deutscher Meister und hielt als erster Verein in der DFB-Geschichte den Siegerpokal Victoria in den Händen.

Die erste Meistermannschaft des VfB, 1903

Meistermannschaft 1903: Dr. Ernst Raydt - Erhard Schmidt, Arthur Werner - Wilhelm Rößler, Walter Friedrich, Otto Braune - Georg Steinbeck, Bruno Stanischewski, Heinrich Riso, Adalbert Friedrich, Ottomar Aßmus

Der VfB Leipzig gehörte nun zur absoluten Leistungsspitze im deutschen Fußball. In den zwölf Jahren bis zum Ersten Weltkrieg 1914 qualifizierte er sich immer für die spielstarke Endrunde um die mitteldeutsche Meisterschaft und neun mal für die DFB-Endrunde. Nur drei mal wurde die DFB-Endrunde verpasst: 1909 aus organisatorischen sowie 1908 und 1912 aus sportlichen Gründen. Während der acht DFB-Endrunden (1905 nahm man aus Kostengründen das Spielrecht nicht wahr) zog der VfB Leipzig selbst sechs mal ins Endspiel, wurde dort drei mal deutscher Meister (1903, 1906 und 1913) und drei weitere Male deutscher Vizemeister (1904, 1911 und 1914).

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 ruhte der Spielbetrieb im gesamten Deutschen Reich. Von 586 VfB-Vereinsmitgliedern waren 245 im Kriegseinsatz. Aus der Meisterelf 1913 starben vier Spieler. Während des Krieges wurden nur noch regionale Meisterschaften ausgespielt. Dabei wurde der VfB 1918 zum achten Mal Mitteldeutscher Meister.

Fußball 1918 bis 1945[Bearbeiten]

Logo des VfB Leipzig bis 1922

Der Wiederaufbau einer ebenso wie in der Vorkriegszeit erfolgreichen Mannschaft gelang nicht. Sportliche Erfolge stellten sich nur noch sporadisch ein. Der Umzug ins neue VfB-Stadion 1922 brachte zwar neue Zuschauerrekorde bei Spielen um die Leipziger Gaumeisterschaft, die fußballerische Leistung blieb jedoch mittelmäßig. Man wurde noch fünf mal Leipziger Gaumeister sowie drei mal Mitteldeutscher Meister.

VfB Leipzig - Breslauer SC 08, 1925

Als Mitteldeutscher Vizemeister 1933 qualifizierte sich der VfB für die Gauliga Sachsen. Das war die höchste Spielklasse im von den Nationalsozialisten 1933 eingeführten Spielsystem. Die Zeit bis 1944 war ohne Glanz, der VfB spielte meist im Mittelfeld oder gegen den Abstieg. 1944 landeten die Blau-Weißen auf dem letzten Platz der sächsischen Gauliga, was allerdings ohne Konsequenzen blieb, da die darauf folgende Saison 1944/45 aufgrund der ab Dezember 1944 eingeführten Reisebeschränkungen nicht mehr ausgespielt wurde. Nur einmal sorgten die Fußballer des VfB in dieser Zeit für Aufsehen: 1936 erreichte die Mannschaft das zum zweiten Mal ausgetragene Endspiel um den DFB- oder Tschammer-Pokal. Auf dem Weg dorthin mussten sieben Vereine besiegt werden, darunter vier amtierende Gaumeister. Wegen der Olympischen Spiele 1936 in Berlin ergaben sich Verzögerungen im Spielplan, die die Austragung des 36er Finales erst Anfang des Jahres 1937 ermöglichten. In einem legendären Endspiel besiegte der VfB am 3. Januar 1937 den damals übermächtigen FC Schalke 04 im Olympiastadion Berlin vor 70.000 Zuschauern (davon 4000 Fans aus Leipzig) mit 2:1.

Andere Sportarten bis 1945[Bearbeiten]

Der VfB war bis 1945 ein bürgerlicher Großverein mit fast 3.000 Mitgliedern in unterschiedlichsten Sportarten. Neben dem Fußball wurden auch in anderen Sportarten große Erfolge gefeiert.

Im Tennis schaffte es Heinrich Schomburgk zu den Olympischen Spielen 1912 nach Stockholm. Hier errang er im Mixed-Wettbewerb zusammen mit Dorothea Körnig (Dresden) als erster Leipziger überhaupt die olympische Goldmedaille. 1937 wurde Annelies Ullstein deutsche Tennismeisterin. In der Leichtathletik errangen VfB-Sportler zwischen 1905 und 1917 insgesamt acht deutsche Meistertitel. Im Schwimmsport war der VfB für drei Jahre sehr erfolgreich. Durch den Übertritt der beiden Leipziger Vereine 1. Leipziger Schwimmclub und Leipziger Damenschwimmclub zum VfB im Jahre 1923 errangen VfB-Sportler fast ein Dutzend deutsche Meistertitel. 1926 trennten sich die Wege wieder.

Weitere Sportarten unter dem Dach des VfB waren beispielsweise Hockey, Eishockey, Cricket, Feldhandball, Sportkegeln, Schlagball und Faustball. In den 1920er Jahren bildeten sich dann Bergsport- und Skiabteilungen. 1933 gründete der damalige Vereinsvorsitzende Dr. Fricke, Mitglied der NSDAP, im gleichgeschalteten VfB eine Wehrsportabteilung, in der alle 16- bis 26-Jährigen regelmäßig an Geländesportübungen teilnehmen mussten.

1946 wurde der Verein - wie alle anderen Vereine in Deutschland auch - von den alliierten Besatzungsmächten aufgelöst und enteignet.

Fußball in Probstheida 1945 bis 1991[Bearbeiten]

Die Zeit zwischen 1945 und 1991 wird im Artikel 1. FC Lokomotive Leipzig behandelt.

Im Frühjahr 1946 wurde an gleicher Stelle die SG Probstheida gegründet, unter anderem durch ehemalige VfB-Spieler. Bis 1963 wurde der Verein mehrfach umbenannt (BSG Erich Zeigner Probstheida, BSG Einheit Ost, SC Rotation Leipzig). Nach der Zusammenführung von SC Rotation und SC Lokomotive im Jahre 1963 spielte dort der SC Leipzig und ab 1966 dessen Nachfolger 1. FC Lokomotive Leipzig.

Im Zuge der politischen Wende 1989/90 in der DDR waren im Leistungssport neue Strukturen erforderlich. Viele Vereine änderten ihren DDR-Namen durch Modifizierung (z.B. SG Dynamo Dresden) oder übernahmen ihre alten Namen aus der Zeit vor 1945.

Fußball von 1991 bis 2004[Bearbeiten]

Eintrittskarte zum 1. Bundesligaspiel zwischen dem VfB und Eintracht Frankfurt, 1994

Am 1. Juni 1991 übernahm der im Bruno-Plache-Stadion spielende DDR-Fußballverein 1. FC Lokomotive Leipzig den alten traditionsreichen Namen VfB Leipzig, vor allem um an dessen große Zeiten vor 1945 anzuknüpfen. Nach der letzten DDR-Oberligasaison (Oberliga Nordost) 1990/91 qualifizierte sich der 1. FC Lokomotive mit einem 7. Platz für die neue gesamtdeutsche 2. Bundesliga 1991/92.

Mit einem großen Teil der Spieler aus DDR-Zeiten und Trainer Jürgen Sundermann erreichte der Verein 1992/93 nach 46 Spieltagen den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Die anschließende Bundesligasaison 1993/94 war jedoch sportlich wenig erfolgreich - ab dem 18. Spieltag gelang nicht mehr der Sprung vom letzten Tabellenplatz. Die einzigen Siege gelangen der Mannschaft in Dortmund, gegen Eintracht Frankfurt und gegen den KSC.

Ab 1994 in der 2. Bundesliga versuchte man vergeblich durch ständige (kostenintensive) Trainer- und Spielerwechsel die Aufstiegsränge zu erreichen. Stattdessen folgte 1998 der Abstieg in die Regionalliga Nordost. Die Drittligasaison 1998/99 endete mit dem zweiten Platz. Der Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga wurde nur knapp verpasst. Durch fehlende Einnahmen und unvermindert hohe Ausgaben war 1999 die Finanzlücke so groß (19 Mio. DM), dass der einzige Ausweg in einem Insolvenzverfahren gesehen wurde. Die Gläubiger stimmten dem Insolvenzantrag im Jahr 2000 zu. Sportlich ging es weiter bergab. Infolge der Regionalligareform bedeutete der neunte Platz 1999/2000 den Abstieg in die viertklassige Oberliga Nordost-Süd.

Von 2000 bis 2003 spielte man in der oberen Tabellenhälfte der Oberliga, erreichte aber nie den 1. Platz und damit die wichtige Qualifikation für die Aufstiegsspiele zur Regionalliga. Zu den laufenden Wechseln im sportlichen Bereich (Spieler, Trainer) kamen ständige Wechsel an der Vereinsspitze. Der Schuldenberg wuchs infolge des inkonsequent durchgeführten Insolvenzverfahrens von 1999 und weiter verfehlter Finanzpolitik in den Jahren 2000 bis 2003 auf 4,8 Millionen Euro. Anfang 2004 wurde ein erneutes Insolvenzverfahren eingeleitet. Die Gläubigerversammlung entschied am 21. April 2004 die Auflösung des Traditionsvereins. Sie wurde im Juli 2004 vollzogen.

Die erste Männermannschaft wurde aufgelöst. Die erfolgreichen Nachwuchsmannschaften und die Fußballerinnen (2. Frauen-Bundesliga), die alle in ihren Spielklassen verblieben, wurden vom neugegründeten 1. FC Lokomotive Leipzig übernommen.

Bilanz 1991 bis 2004[Bearbeiten]

Saison Liga Platz S U N Tore Punkte DFB-Pokal
1991/92 2. Bundesliga Süd 7. 10 11 11 42:42 31:33 3. Runde
1992/93 2. Bundesliga 3. 22 14 10 66:45 58:34 3. Runde
1993/94 Bundesliga 18. 3 11 20 32:69 17:51 2. Runde
1994/95 2. Bundesliga 13. 11 8 15 44:44 30:38 1. Runde
1995/96 2. Bundesliga 9. 13 6 15 35:49 45 2. Runde
1996/97 2. Bundesliga 8. 12 10 12 53:54 46 1. Runde
1997/98 2. Bundesliga 15. 10 9 15 31:51 39 2. Runde
1998/99 Regionalliga Nordost 2. 21 7 6 59:28 70 1. Runde
1999/00 Regionalliga Nordost 9. 14 7 13 43:36 49 -
2000/01 Oberliga NOFV-Süd 2. 23 6 5 65:27 75 -
2001/02 Oberliga NOFV-Süd 4. 20 8 4 55:18 68 -
2002/03 Oberliga NOFV-Süd 2. 20 7 7 57:23 67 -
2003/04 Oberliga NOFV-Süd 17. 10 4 6 38:21 34 -
Anmerkung: Grün unterlegte Spielzeiten kennzeichnen einen Aufstieg, rot unterlegte Spielzeiten einen Abstieg.

Trainer[Bearbeiten]

Bekannte Spieler[Bearbeiten]

Sportler, die vornehmlich Erfolge für Lok Leipzig errangen, sind dort aufgeführt.

Erfolge[Bearbeiten]

Erfolge des 1. FC Lokomotive Leipzig sind dort aufgeführt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Andere Sportarten von 1991 bis 2004[Bearbeiten]

Die Vereinsführung strebte mit der Umbenennung in VfB Leipzig einen Großverein an, der an die Traditionen vor 1945 anknüpfen sollte. Infolge der Umstrukturierung im Sport nach der Wende orientierten sich erfolgreiche Abteilungen des SC Leipzig neu. So stießen die in der DDR sehr erfolgreichen Damenhandballerinnen und die Volleyballmänner zum VfB.

1993 kommen die sehr erfolgreichen Handball-Frauen des SC Leipzig zum VfB. In der Saison 1995/96 und 1996/97 wurden sie deutsche Vizemeisterinnen. Außerdem holten sie 1995/96 den deutschen Pokal nach Leipzig. In der darauf folgenden Saison stießen die VfB-Mädels bis ins Europapokalfinale der Pokalsieger vor, wo sie 1997 gegen Istochnik Rostow unterlagen. Infolge der sich ankündigenden Insolvenz gingen sie im November 1999 in den eigens neu gegründeten Verein, den weiterhin sehr erfolgreichen Damen-Handball-Club Leipzig HCL.

Die Volleyball-Männer des SC Leipzig traten dem VfB 1999 bei und gründeten schon kurze Zeit später - der drohenden Insolvenz im Jahr 2000 zuvorkommend - den VV Leipzig.

Weiterhin wurde Mitte der 1990er Jahre eine Abteilung Frauen-Fußball gegründet. Deren erste Mannschaft spielte sich bis 2004 sehr erfolgreich hoch in die 2. Bundesliga, wurde dann in den 1. FC Lokomotive eingegliedert und spielt heute in einem selbständigen Verein unter dem Namen FFV Leipzig.

Die Schachspieler, seit 1991 im Verein, gründeten 2004 ihren neuen VfB Schach Leipzig.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: VfB Leipzig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien