Glückstadt

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum Ort in KwaZulu-Natal siehe Glückstadt (Südafrika). Zum deutschen Spielfilm von 1974 siehe John Glückstadt.


Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Glückstadt
Glückstadt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Glückstadt hervorgehoben
53.7881259.42398888888892Koordinaten: 53° 47′ N, 9° 25′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Steinburg
Höhe: 2 m ü. NHN
Fläche: 22,76 km²
Einwohner: 11.098 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 488 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25348
Vorwahl: 04124
Kfz-Kennzeichen: IZ
Gemeindeschlüssel: 01 0 61 029
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Markt 4
25348 Glückstadt
Webpräsenz: www.glueckstadt.de
Bürgermeister: Gerhard Blasberg (parteilos)
Lage der Stadt Glückstadt im Kreis Steinburg
Karte
Glückstadt im Jahre 1652
König Christian IV.
Glückstadt um 1895
Häuserzeile am Binnenhafen
Adelspalais am Hafen
Das Brückenhaus von 1635
Binnenhafen
Außenhafen, an der gegenüberliegenden Kaimauer die Rigmor

Glückstadt (dänisch: Lykstad) an der Unterelbe liegt in der Metropolregion Hamburg und ist nach Itzehoe die zweitgrößte Stadt des Kreises Steinburg. Überregional bekannt ist die Stadt vor allem durch die traditionsreiche Matjes-Produktion[2] sowie regional auch durch die Elbfähre Glückstadt–Wischhafen, die die Schleswig-Holsteiner Elbmarschen mit Wischhafen in Niedersachsen verbindet.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Glückstadt liegt am Nordufer der Elbe, etwa 50 km von der Mündung entfernt, 16 km südwestlich von Itzehoe, am Südrand Schleswig-Holsteins. Das Stadtgebiet musste mittels Deichbau der Elbe abgerungen werden und befindet sich fast auf Meereshöhe. In der südlichen Stadthälfte fließen der Herzhorner Rhin und der Kremper Rhin zum Rhin zusammen und münden mit dem Schwarzwasser am Außenhafen in die Elbe.

Die Bundesstraße 431 verläuft durch die Stadt.

Geologie[Bearbeiten]

Glückstadt liegt auf Marschland, das erst wenige Jahre vor der Stadtgründung zu diesem Zweck eingedeicht wurde.

Ausdehnung des Stadtgebiets[Bearbeiten]

Glückstadt grenzt an die Gemeinden Blomesche Wildnis, Engelbrechtsche Wildnis und Kollmar, die allesamt dem Amt Horst-Herzhorn angehören. Im Westen grenzt Glückstadt an die Elbe, die Wasserfläche in diesem Bereich gehört zum Stadtgebiet, daher grenzt Glückstadt ebenfalls an das Land Niedersachsen.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt besteht neben der Kernstadt aus den Stadtteilen Bole, Butendiek, Kimming, Nord, Gewerbegebiet und Tegelgrund und den Siedlungen Nordmarksiedlung, Hans-Böckler-Siedlung und Temming-Siedlung.

Geschichte[Bearbeiten]

Glückstadt wurde 1617 von Christian IV. (König von Dänemark und Norwegen und Herzog von Schleswig und Holstein) gegründet, um dem wachsenden Hamburg einen Gegenpol zu bieten. Der Ort sollte eine uneinnehmbare Festungs- und Hafenstadt an der Unterelbe werden. Der Name Glückstadt und die Fortuna im Wappen standen sinnbildlich für diesen Plan: „Dat schall glücken und dat mutt glücken, und denn schall se ok Glückstadt heten!“ (Christian IV.). Der König versuchte, neue Einwohner durch das Versprechen der Religionsfreiheit zu gewinnen. Die ersten Einwohner übersiedelten aufgrund der kostenlos zur Verfügung gestellten Baugrundstücke und Steuerfreiheiten aus den Orten der näheren Umgebung in die neue Stadt. 1619 erhielten aus Portugal vertriebene und anfangs in die Niederlande geflüchtete sephardische Juden ein Privileg für die Ansiedlung in Glückstadt. Zusammen mit den wegen des spanisch-niederländischen Krieges aus den Niederlanden geflohenen Reformierten siedelten sie sich ab 1620 in der neuen Stadt an. Glückstadt war damit auch eine Exulantenstadt. Beide Exulantengruppen waren in den Gründungsjahren Glückstadts bis Anfang der 1640er Jahre wichtige Impulsgeber für die Wirtschaft der Stadt. Neben sephardischen Juden und Reformierten kamen auch Katholiken und niederländische Mennoniten (Täufer) und Remonstranten in die Stadt. Die Katholiken durften ihre Religion zunächst (im lutherischen Holstein) nicht offen ausüben. Die jüdische Gemeinde erhielt ebenso wie die niederländischen Gemeinden einen eigenen, heute noch bestehenden Jüdischen Friedhof.

Nach der Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzungen des Dreißigjährigen Krieges verließen jedoch die meisten Exulanten 1644/1648 Glückstadt, das jetzt fast ausschließlich eine Festungs-, Residenz- und Verwaltungsstadt wurde. Die Mennoniten besaßen noch bis ins 18. Jahrhundert ein Gebetshaus in der Stadt.[3] Der historische Stadtkern ist bis heute ein Musterbeispiel für eine auf dem Reißbrett entworfene Fürstenstadt der Neuzeit.

Wirtschaftlich bedeutend waren Zucker-, Salz- und Seifensiedereien, eine Ölmühle, eine Münze und der Walfang um Grönland. Glückstadt wurde 1659 kurzfristig Sitz der Glückstädter Africanischen Kompanie, die 1671 zugrunde ging[4] und einer isländischen und norwegischen Handelskompanie.

1649 wurde die Regierungskanzlei für die königlichen Landesteile von Schleswig und Holstein von Flensburg nach Glückstadt verlegt, so dass Glückstadt Verwaltungszentrum wurde. 1713 wurde die Funktion auf die königlichen Teile Holsteins beschränkt, nach dem Ende des Gottorfer Herzogtums 1773 aber auf ganz Holstein ausgedehnt. Als „Hauptstadt“ Holsteins wurde Glückstadt 1845 an die Eisenbahnlinie Altona – Kiel angeschlossen. Nach der Trennung von Justiz und Verwaltung 1834 blieb Glückstadt Sitz des holsteinischen Obergerichts, das bis 1867 bestand. Ab 1867 gab es hier nur noch ein Amtsgericht, das 1982 aufgehoben wurde. Seit 1867 gehörte Glückstadt zum Kreis Steinburg.

Bereits im 18. Jahrhundert war der wirtschaftliche Höhepunkt Glückstadts erreicht, und es zeigte sich, dass die Konkurrenz Hamburgs und Altonas zu stark war. Entscheidend war hierbei, dass die Schifffahrt durch die heute vor der Stadt in der Elbe liegende Sandbank behindert wurde und das tiefe Fahrwasser westlich der Sandbank in Richtung Hamburg erhalten blieb. Insgesamt war die Entwicklung Glückstadts deutlicher von Militär und Regierung geprägt als von Gewerbe und Handel. Später siedelten sich noch einige bedeutende Betriebe an, z. B. ein Eisenbahnausbesserungswerk und die Firma Gehlsen mit einem Sägewerk, allerdings schlossen diese und einige andere Betriebe gegen Ende des 20. Jahrhunderts.

Die Druckerei Augustin war weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Sie besaß mit dem Drucken fremder Sprachen wie Chinesisch, Arabisch, Hebräisch, Koptisch, Sanskrit, Japanisch und mit dem Drucken von Hieroglyphen ein Alleinstellungsmerkmal. Ein Schwerpunkt war der Druck chinesischer Schriften, die von den Setzern nach dem Bild der Seiten gesetzt wurden. Das geschah mit dem sogenannten chinesischen Zirkel, in dem die Schriftzeichen kreisförmig sortiert und nummeriert waren. Im März 1912 kam dieser chinesische Zirkel mit dem Postschiff aus Shanghai in Glückstadt an. Jimmy Ernst, der Sohn von Max Ernst und Luise Straus-Ernst, machte hier von 1934 bis 1938 seine Lehre als Schriftsetzer, bis ihm mit Hilfe des Druckers Heinrich W. Augustin die Flucht nach Amerika gelang. In den 70er Jahren endete der Bleisatz der Druckerei Augustin. Der Betrieb wurde über eine Auffanggesellschaft modernisiert und weitergeführt. Die alten Räume der Setzerei und Druckerei wurden geschlossen und blieben weitgehend unverändert, müssten aber als Industriedenkmal für die Zukunft geschützt und bewahrt werden.

Zur Zeit des Nationalsozialismus nahm von Anfang April 1933 bis zum 26. Februar 1934 die Am Jungfernstieg in einem ehemaligen dänischen Militärdepot untergebrachte Landesarbeitsanstalt (von 1875 bis 1929 Provinzial-Korrektionsanstalt für die Provinz Schleswig-Holstein genannt) zusätzlich ein Schutzhaftlager auf. In diesem der SA und der SS unterstellten frühen Konzentrationslager wurden 150 politische Gegner willkürlich inhaftiert und mit Hilfe der Polizei von der SA bewacht.[5][6]

„Parole Glückstadt! Den neun roten Genossen, die am Donnerstag zu einem Kuraufenthalt in das Konzentrationslager nach Glückstadt gebracht worden waren, sind heute zwei weitere Marxisten gefolgt. Es handelt sich um den erst kürzlich wieder in Haft genommenen Antifa-Führer Verwiebe und den Kommunisten Leipnitz.“

Schleswig-Holsteinische Tageszeitung vom 30. Juni 1933

Das Gebäude wurde ab 1949 und bis 1974 als Landesfürsorgeheim zur Umerziehung von Jugendlichen weitergenutzt. Während dieser Zeit kam es systematisch zu gewälttätigem Missbrauch durch Heimangestellte und wirtschaftlicher Ausbeutung der dort eingesperrten Jugendlichen.[7][8][9]

Nach dem Zweiten Weltkrieg verdoppelte sich die Einwohnerzahl durch den Zuzug von Flüchtlingen, vor allem aus Ostpreußen. Seit 1968 finden jährlich im Juni die Glückstädter Matjeswochen statt.

1956 wurde Glückstadt ein Standort der Bundeswehr. Die 3. Schiffstammabteilung, das spätere Marine-Ausbildungsbataillon 3, bezog die renovierte Wehrmachtkaserne. Die Soldaten leisteten bei den großen Sturmfluten 1962 und 1976 wesentliche Hilfe beim Schutz der Stadt. Nach der Auflösung des Marine-Ausbildungsregiments lagen seit 1991 das Marine-Sicherungsbataillon 5 bis 1994 und das nichtaktive Marine-Sicherungsbataillon 1 bis 2001 in Glückstadt. 1942 wurde das Marinelazarett Glückstadt in der Engelbrechtschen Wildnis eingeweiht.

Religionen[Bearbeiten]

Ehemalige Kirche und Schule der niederländischen Gemeinden

In der Stadt gibt es heute jeweils eine evangelisch-lutherische (Stadtkirche) und eine römisch-katholische (Sankt Marien) Kirchengemeinde. Des Weiteren besteht die pfingstlerische Freie Christengemeinde Glückstadt und die pietistisch geprägte Gemeinschaft in der Landeskirche.

In der Gründungszeit der Stadt gab es jedoch noch weitere Religionsgemeinschaften, die die Stadt über mehrere Generationen geprägt haben. Eine der ersten Exilantengruppen, die sich in Glückstadt ansiedelten, waren niederländische Reformierte (Contraremonstranten). Ebenfalls aus den Niederlanden kamen Remonstranten und Mennoniten (Täufer). Im Jahr 1624 garantierte Christian IV. in einem Toleranzedikt allen drei niederländischen Religionsgemeinschaften ihre Religion und Zusammenkünfte frey, sicher und womögliches ungehindert innerhalb beschlossen Thüren exercieren zu dürfen. Die Mennoniten waren zudem gegen Zahlung einer jährlichen Gebühr von Bürgermilitär und Bürgereid befreit.[10] Reformierte, Remonstranten und Mennoniten nutzten in den ersten Jahren gemeinsam das zweistöckige Haus in der Schlachterstraße 7 als Kirche und Schule. Außerhalb der damaligen Stadtgrenzen an der Itzehoer Straße gab es einen gemeinsamen niederländischen Friedhof (auch Reformierter Friedhof genannt).[11] Die Remonstrantengemeinde löste sich jedoch noch im Laufe des 17. Jahrhunderts auf, und die Mennonitengemeinde konnte mit dem Kauf des Hauses Am Hafen 34 im Jahr 1655 ein eigenes Gebetshaus etablieren. Dieses Haus wurde noch bis 1734 als Mennonitenkirche genutzt. Anschließend wurde es der noch heute bestehenden Mennonitengemeinde in Altona übergeben, die es 1792 schließlich verkaufte. Die Kirche in der Schlachterstraße 7 wurde noch bis 1816 als reformierte Kirche weitergeführt. Zwei Jahre später wurde jedoch auch diese Kirche verkauft und der ehemals gemeinsam genutzte niederländische Friedhof der lutherischen Gemeinde übergeben.[12]

Neben den drei aus den Niederlanden stammenden protestantischen Religionsgemeinschaften bildeten die aus Portugal stammenden sephardischen Juden eine weitere nicht unbedeutende Religionspartei der ersten zwei Jahrhunderte. Bereits 1619 hatte ihnen der dänische König Christian IV. ein Toleranzprivileg ausgestellt, das ihnen auch innere Rechtsautonomie und uneingeschränkte Handelsfreiheit innerhalb des dänischen Gesamtstaates zusicherte. 1630 wurde ihnen der Bau einer Synagoge gestattet. 1767 wurde die Synagoge in der Königstraße 6 neu aufgebaut. In den folgenden Generationen nahm die Zahl jüdischer Bürger jedoch immer weiter ab, was schließlich zum Verkauf und Abbruch der Synagoge im Jahr 1895 führte. Der jüdische Friedhof von 1622 ist jedoch zum Teil erhalten geblieben. Noch heute befinden sich dort Grabsteine sephardischer Juden aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Stadt Glückstadt hatte sich nach dem Tod des letzten jüdischen Einwohners im Jahr 1914 verpflichtet, den Friedhof an der Pentzstraße instand zu halten. Dennoch wurden in der NS-Zeit sämtliche Grabsteine entfernt und das Gelände eingeebnet. Nach 1945 wurde der Versuch unternommen, den Friedhof zu rekonstruieren. Waren es in den ersten Jahrzehnten ausschließlich aus Portugal stammende sephardische Juden, siedelten sich später auch deutsche Juden in Glückstadt an.[13][14]

Eine weitere Religionsgemeinschaft waren die Katholiken, denen 1630 erstmals gestattet wurde, im Haus des spanischen Konsuls Gabriel de Roy private Gottesdienste abzuhalten. Von 1687 an versammelte sich die katholische Gemeinde in einer kleinen Kapelle Am Hafen 25. 1782 konnte die erste katholische Kirche an der namenlosen Straße fertiggestellt werden. 1966 wurde schließlich die noch heute genutzte Marienkirche eingeweiht. Zwischen 1645 und 1773 befand sich in Glückstadt eine Missionsstation der Jesuiten.[15]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Das Gebiet der Stadt Glückstadt wurde am 1. Januar 1974 durch Umgliederungen aus den Nachbargemeinden Blomesche Wildnis, Borsfleth, Engelbrechtsche Wildnis und Herzhorn vergrößert.[16]

Einwohnerzahlen[16]

Datum Glückstadt Blomesche
Wildnis
Borsfleth Engelbr.
Wildnis
Herzhorn
06.06.1961 12.348 370 34 216 243
27.05.1970 11.720 317 33 205 226

Politik[Bearbeiten]

Jahrelang galt Glückstadt aufgrund des hohen Arbeiteranteils in der Bevölkerung als Hochburg der SPD im sonst eher bürgerlichen Kreis Steinburg, später glichen sich nach Eingemeindungen von Teilen des Amtes Herzhorn und dem Zuzug neuer Einwohner die Stimmenanteile dem Bundesdurchschnitt an. Bei den Kommunalwahlen im Jahre 2003 konnten die CDU und die FDP einen großen Sieg verbuchen. Der Verlierer war die Wählergemeinschaft GWG. Die SPD gewann die Landtagswahl und die Bundestagswahl im Jahr 2005 zumindest in Glückstadt.

Stadtvertretung[Bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl 2008 sitzen in der Stadtvertretung zehn Mitglieder der SPD, acht Mitglieder der CDU und fünf Mitglieder der FDP. Bürgervorsteher ist Ulf Ostermann (SPD).

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Das Wappen der Stadt Glückstadt zeigt in blau die unbekleidete weiße Glücksgöttin (Fortuna) mit goldenen Haaren, mit ihrem rechten Fuß auf einer goldenen Kugel stehend und mit beiden Händen ein geblähtes Segel in Weiß haltend.“[17]

Patenschaft[Bearbeiten]

Am 2. August 1953 beschloss die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Glückstadt unter Leitung von Bürgermeister Horn und Bürgervorsteher Gosau die Übernahme der Patenschaft über die ehemalige Stadt Stolpmünde.[18][19][20] Besiegelt wurde dies mit einer Patenschaftsurkunde.[21]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Marktplatz und Rathaus

Glückstadt ist auf einem geplanten, annähernd sechseckigem Grundriss errichtet. Den Mittelpunkt bildet der Marktplatz mit dem Rathaus und der Kirche, welcher vom Fleth unterbrochen wird und auf den sieben Straßen radial zulaufen. Der historische Grundriss ist bis heute erhalten und stellt damit ein in Schleswig-Holstein seltenes Beispiel einer Stadt „vom Reißbrett“ dar. Die historische Altstadt ist fast geschlossen erhalten, doch gibt es neben vielen gepflegten historischen Bauten noch sehr viele Beispiele missverstandener „Modernisierung“ der 1960er und 1970er Jahre.

Museen[Bearbeiten]

Im 1632 erbauten Brockdorff-Palais befindet sich das Detlefsen-Museum, in dem die Stadtgeschichte und die Lebensweise während der vergangenen drei Jahrhunderte gezeigt werden. Das Museum selbst ist eines der ältesten erhaltenen Bauwerke der Stadt.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • In der Altstadt finden sich viele historische Häuser und Adelshöfe, beispielsweise das Wasmer-Palais, das Brockdorff-Palais (heute Museum und Stadtarchiv) oder das Palais Quasi non Possidentes. Im Bereich des heutigen Hafens stand von 1630 bis 1710 das durch Christian IV. von Dänemark errichtete Glückstädter Schloss, dieses musste jedoch wegen Baufälligkeit bereits im 18. Jahrhundert abgetragen werden. Übrig geblieben ist lediglich das heute ebenfalls baufällige Provianthaus.
  • Die Glückstädter Kirche, errichtet von 1618–1623, ist ein Saalbau im Übergang von der Renaissance zum Frühbarock. Sie beherbergt neben dem Altar und dem Taufbecken verschiedene Kunstwerke aus ihrer Erbauungszeit. Am Turm ist ein Anker befestigt, der 1630 von einem hamburgischen Kriegsschiff erbeutet wurde.
  • Das im Stil der Spätrenaissance errichtete Glückstädter Rathaus steht an dieser Stelle schon seit 1642. Als es Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend baufälliger wurde, wurde von 1873 bis 1874 ein Neubau errichtet, dessen Fassade jedoch dem Vorgängerbau nachgebildet wurde.
  • An einem Haus am Binnenhafen ist der Wiebke-Kruse-Turm angebaut; das inzwischen stark veränderte Gebäude war ein Geschenk König Christians an seine Mätresse. Ebenfalls am Binnenhafen befinden sich der historische Salzspeicher und das Königliche Brückenhaus als freistehende Gebäude. Die gesamte Häuserzeile entlang des Binnenhafens steht unter Denkmalschutz.
  • Auf der gegenüberliegenden Seite des Binnenhafens, am Rethövel, liegt das Adelspalais mit markantem Türmchen. Das Gebäude wurde vor dem Zweiten Weltkrieg als Frauengefängnis benutzt.
  • An der Stelle der ehemaligen Admiralität steht heute eine neu errichtete Jugendherberge. Das alte Sandsteinportal der Admiralität wurde restauriert und wird heute als Eingangsportal der Herberge genutzt.
  • Am nördlichen Rand der Altstadt liegt auf dem künstlich aufgeschütteten Venusberg der ehemalige Glückstädter Wasserturm, in dem sich heute ein Restaurant befindet, das einen schönen Blick auf die Deiche und die Elbe bietet.

Parks[Bearbeiten]

Ein ausgedehnter Stadtpark grenzt im Nordosten unmittelbar an das Stadtzentrum an. Die Deichanlagen am Elbufer geben ebenfalls Gelegenheit zu Spaziergängen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Heute ist Glückstadt eine Kleinstadt mit vielen historischen Gebäuden im Bereich des alten Stadtkerns. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand ein Stadtteil im Stil der 1950er Jahre zur Linderung der Wohnungsnot. Ein weiterer Stadtteil, vorwiegend mit Eigenheimen bebaut, entstand in den 1970er Jahren durch Eindeichung des Elbvorlandes. Weitere Stadtteile mit Eigenheimen folgten. Glückstadt ist ein ehemaliger Marinestandort. In Glückstadt ist die Papierfabrik Steinbeis der größte Arbeitgeber. Von Bedeutung ist auch der Farbenhersteller Wilckens. Diese Betriebe befinden sich in einem ausgedehnten Gewerbegebiet im Süden der Stadt. Nach der Eingliederung des Kreises Steinburg in die Metropolregion Hamburg begann sich die Stadt wirtschaftlich Hamburg zuzuwenden; inzwischen sind viele Glückstädter Pendler. Die demographische Entwicklung ist seit 1998 rückläufig und wird auch zukünftig eine leicht rückläufige Tendenz beibehalten. Positive Entwicklungen gibt es im Bereich des Tourismus. Der historische Stadtkern, die erfolgreichen Bemühungen der Stadtsanierung und die kulinarische Spezialität „Glückstädter Matjes“ machen die Stadt insbesondere für den Tagestourismus interessant.

Verkehr[Bearbeiten]

Elbfähre

Glückstadt besitzt einen Bahnhof und ist über die Marschbahn mit Hamburg verbunden. Ein Schnellbus verkehrt regelmäßig nach Brunsbüttel. Zwei ringförmig verkehrende Buslinien dienen dem Stadtverkehr.

Überregionale Bedeutung hat die Autofähre nach Wischhafen, die etwa 150 km Fahrt erspart und etwa 600.000 Kraftfahrzeuge pro Jahr befördert. Es ist geplant, diese im Zuge der Verlängerung der Autobahn 20 durch einen Tunnel zu ersetzen.

Durch Glückstadt verläuft die Bundesstraße 431; die Bundesstraße 495 endet, von Süden kommend, in Wischhafen. Die Autobahn 23 verläuft etwa 10 bis 15 km nordwestlich. Glückstadt liegt an der Deutschen Fährstraße, der Grünen Küstenstraße und am Elberadweg, der Radweg Mönchsweg nach Fehmarn beginnt hier.

Im Außenhafen können Seeschiffe mit bis zu 130 m Länge, 16 m Breite und 5,8 m Tiefgang anlegen. 2011 betrug der Güterumschlag rund 140.000 Tonnen.[22] Der Landeshafen Glückstadt wurde vom Land Schleswig-Holstein im Jahr 1995 an die Glückstadt Port GmbH, einem Tochterunternehmen der Schramm Group, verpachtet, die den Hafen nun betreibt.[23] Der Binnenhafen ist nur noch für die Sportschifffahrt interessant.

Medien[Bearbeiten]

Glückstadt verfügt mit der im Jahre 1740 gegründeten „Glückstädter Fortuna“ über die älteste Tageszeitung in Schleswig-Holstein. Seit 1969 war sie nicht selbstständig erschienen, doch seit März 2014 erscheint die Zeitung wieder.[24] Glückstadt liegt im Sendegebiet des NDR, in der Stadt sind alle landesweiten Radiosender zu empfangen, ferner können Sender aus Niedersachsen und Hamburg sowie der British Forces Broadcasting Service empfangen werden.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Die BKK Schleswig-Holstein (BKK S-H) hat ihren Hauptsitz in Glückstadt. Hervorzuheben ist ebenso eine Außenstelle des Wasser- und Schifffahrtsamtes Hamburg sowie eine Niederlassung der Bundesagentur für Arbeit.

Bildung[Bearbeiten]

Glückstadt verfügt mit dem Detlefsengymnasium über eine der ältesten Schulen in Schleswig-Holstein, Schulträger ist der Kreis Steinburg. Zu Beginn des Schuljahres 2007/08 wurden die übrigen Glückstädter Schulen, die alle dem Glückstädter Schulverband angehören, umstrukturiert. Auf dem Gelände der ehemaligen Realschule am Janssenweg befindet sich nun die Bürgerschule als einzige Grundschule der Stadt, am Standort der ehemaligen König-Christian-Schule (Grund- und Hauptschule) entstand eine neue Regionalschule.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  •  Gerhard Köhn: Die Bevölkerung der Residenz, Festung und Exulantenstadt Glückstadt von der Gründung 1616 bis zum Endausbau 1652. Wachholtz-Verlag, Neumünster 1974, ISBN 978-3-529-02165-7 (dort die bis dahin erschienene Literatur).
  •  Adrian von Buttlar, Margita Marion Meyer (Hrsg.): Historische Gärten in Schleswig-Holstein. 2. Auflage. Boyens & Co., Heide 1998, ISBN 3-8042-0790-1, S. 270–275.
  •  Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein. 3. Auflage. Deutscher Kunstverlag, München 2009, ISBN 978-3-422-03120-3, S. 320–328.
  •  Eva von Engelberg-Dočkal: Kulturkarte Schleswig-Holstein. 1000mal Kultur entdecken. 2. Auflage. Wachholtz-Verlag, Neumünster 14. November 2005, ISBN 3-529-08006-3.
  •  Büro EGL: Gartenhistorisches Gutachten. Hamburg 1996 (einsehbar im Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, Kiel).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Glückstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Glückstadt – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2013 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Welt-Online: Fisch für's Guinness-Buch: Matjes satt in Glückstadt
  3. Robert Dollinger: Geschichte der Mennoniten in Schleswig-Holstein, Hamburg und Lübeck. In: Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins. Band 17, Neumünster 1930
  4. Manfred Guido Schmitz: Die Dänische Africanische Compagnie in Glückstadt, Wilhelm Johann Müller und "Die africanische Landschafft Fetu". Schmitz, Nordstrand/Nordsee 2011, S. 45. ISBN 978-3-938098-66-0
  5. Reimer Möller: Schutzhaft in der Innenstadt. Das KZ Glückstadt 1933/34. In: „Siegeszug in der Nordmark.“ Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte Heft 50(2008), S. 96-111.
  6. Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren des Landes Schleswig-Holstein: Runder Tisch mit ehemaligen Fürsorgezöglingen aus dem Landesfürsorgeheim Glückstadt - Zur Geschichte des Gebäudes des Landesfürsorgeheimes in Glückstadt an der Unterelbe.
  7. Die Rebellion von Glückstadt - 1969: Geschundene Heimkinder begehrten auf, in: Neues Deutschland, 8. Mai 2010
  8. Heike Haarhoff: Justizskandal im Jugendheim - Das Leiden von Glückstadt, in tageszeitung, 18. Januar 2008
  9. „Man wollte uns brechen“. Zwangsarbeit für Jugendliche im Heim bis in die 1970er Jahre vom 11. Februar 2008 und Heimkinder von Glückstadt warten weiter auf Entschädigung (mit Rechtsklick runterladen) vom 22. Juli 2010 in Deutschlandradio Kultur
  10. Glückstadt (Schleswig-Holstein, Germany). Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online, abgerufen am 25. Juni 2011.
  11. Schließfächer für die Ewigkeit. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag/Norddeutsche Rundschau, abgerufen am 5. Januar 2013.
  12.  Hans-Reimer Möller: Glückstadt - Ein Führer durch das Stadtdenkmal und seine Geschichte. Verlag J. J. Augustin, Glückstadt 1994, S. 50 f.
  13.  Hans-Reimer Möller: Glückstadt - Ein Führer durch das Stadtdenkmal und seine Geschichte. Verlag J. J. Augustin, Glückstadt 1994, S. 51 f.
  14. Glückstadt. Das jüdische Hamburg - Ein historisches Nachschlagewerk, abgerufen am 25. Juni 2011.
  15. Gemeinde Sankt Marien Glückstadt, Geschichte. Katholische Pfarrei St. Ansgar Itzehoe, abgerufen am 25. Juni 2011.
  16. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 186.
  17. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  18. Glückstädter Fortuna vom 3. August 1953
  19. Stolper Heimatblatt für die Heimatvertriebenen aus der Stadt und dem Landkreise Stolp in Pommern, Jahrgang VI Nr. 10 Oktober 1953 R 54, Seiten 150 f.
  20. Website der Stadt Glückstadt
  21. Website der Stolper Heimatkreise e. V.
  22. Bilanz der deutschen Seehäfen 2011. In: Hansa. Heft 4, 2012, ISSN 0017-7504, S. 79
  23. Carl L. Ahrens: Wichtige Säulen der regionalen Wirtschaft. In: Täglicher Hafenbericht vom 28. August 2014, Sonderbeilage Schleswig-Holsteinischer Hafentag, S. 9
  24. "Glückstädter Fortuna" erscheint wieder. 20. März 2014, abgerufen am 23. Juni 2014.
  25. a b c d Website der Stadt Glückstadt
  26. Pia Klatt und Kai Labrenz: Filmland Schleswig-Holstein, Heide Boyens 2001 S. 122